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SWR4 Abendgedanken

„Der ist für mich gestorben!“ Diesen Satz hat der Lehrer an die Tafel geschrieben. Dann hat er die Schüler gefragt, ob sie diesen Satz schon einmal gesagt oder im Stillen gedacht haben. Einige nickten. Aber keinem war bei diesem Satz besonders wohl. „Es müsste doch einen Weg geben, wie zwei wieder zusammen kommen“, haben sie überlegt. Da hat der Lehrer eine lange Schnur gespannt. Von einer Wand zur anderen. Ganz straff. Und dann hat er die Schnur durchgeschnitten. „Lasst euch etwas einfallen, um die Schnur wieder zusammenzubekommen“, hat er die Jugendlichen aufgefordert. Das ging natürlich nicht. Die Schnur war straff gespannt gewesen. Ein Knoten war nicht möglich. Es sei denn, die Schüler hätten so gezogen, dass eine Schnur abgerissen wäre von der Wand. Irgendwie zusammenkleben ging auch nicht. Ein Schüler hatte die erlösende Idee. Auf jeder Seite etwas nachgeben, dann kann man in der Mitte einen Knoten machen. Und das hat funktioniert.
Auf jeder Seite etwas nachgeben. Die Schüler waren sich schnell einig: Nachzugeben im Leben ist nicht einfach. Bei einigen waren eine ganze Reihe von Stricken gerissen. Der eine hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Vater. Die andere einen Hass auf die Freundin und seit langem kein Wort mehr mit ihr gesprochen. Die Schüler wussten: das mit dem Nachgeben und dem Knoten ist schwer. Aber wenn der eine nachgibt, fällt es dem anderen leichter, auch nachzugeben.
Der Lehrer hat dann von Jesus von Nazareth erzählt. Und erklärt: „Gott hat für uns alle eine ganz neue Schnur gespannt. Von ihm zu den Menschen. Weil er gesehen hatte, die Menschen kommen allein nicht zurecht. Sie streiten und hassen. „Ich will nicht zusehen wie alle Stricke reißen“, hat Gott gesagt. „Ich will eine neue Schnur spannen!“ Deshalb ist Jesus gekommen und hat gezeigt, wie Menschen miteinander auskommen können.
Jeder Schüler hat dann für sich überlegt, an welcher Stelle im Leben er sagen kann: „Jetzt gebe ich nach! So viel, dass wir uns wieder verbinden können!“ Denn wenn jeder ein bisschen nachgibt, wird das Leben wieder gut. 

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„Woran glauben Sie?“ – hat eine Stuttgarter Zeitung ihre Leser gefragt. Eine Travestiekünstlerin hat geantwortet: „Ich glaube, dass es eine übergeordnete Macht gibt, der wir uns verantwortlich zeigen sollten, die manche Gott, andere anders nennen….“ Ein Sportdirektor hat geantwortet: „Ich glaube, dass es sich lohnt, alles im Leben so gut wie möglich zu tun und alle Dinge mit Herz und Leidenschaft anzupacken.“ Ein Model hat geantwortet: „Ich glaube daran, dass jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist.“ Der Autor vom Äffle und Pferdle aus dem Fernsehen hat geantwortet: „Theoretisch glaube ich dem Sprichwort `Glaube nicht alles, was du denkst!´ In der Praxis glaube ich mal zu viel und mal zu wenig.“
Ganz verschiedene Antworten. Fast unüberschaubar. Eines habe ich begriffen: Was wir Menschen persönlich glauben, hat mit unserer Lebensgeschichte zu tun. Und die Lebensgeschichten der Menschen sind so bunt wie das Leben.
Was würde ich auf die Frage „Woran glauben Sie?“ antworten? Ich habe mich an eine Geschichte aus der Bibel erinnert. Ein Vater hat seinen kranken Sohn zu Jesus gebracht. Er hat ihm die Symptome beschrieben und dann gesagt: „Jesus, wenn du kannst, dann hilf uns! Hab doch Erbarmen mit uns!“ Darauf hat Jesus geantwortet: „Was heißt hier: ›Wenn du kannst‹? Wer glaubt, kann alles!“ Da hat der »Glaube(n)« meint das tiefe Vertrauen auf Gott.Vater des Jungen aufgeschrien: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 23-24). Mit anderen Worten: Hilf, dass mein Vertrauen so fest wird, wie es nötig ist. Für „Glauben“ und für „Vertrauen“ steht in der Bibel dasselbe Wort. An Gott glauben heißt, auf Gott zu vertrauen.
Was nehme ich aus dieser Geschichte für meinen persönlichen Glauben mit? Wohl dieses, dass ich auf die Frage: „Woran glauben Sie?“ antworten würde: „Glaube heißt nicht: Bestimmte Dinge für wahr zu halten, sondern auf Gott zu vertrauen und dann beherzt durch das Leben zu gehen und Erfahrungen zu machen. Und ich bin überzeugt: Gott hat Geduld auch mit denen, die sich mit dem Gottvertrauen schwer tun.

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Kennen Sie das elfte Gebot? Es lautet: „Ich habe dir geboten, dass du getrost und fröhlich seist!“ (Josua 1,9). Bei diesem Gebot muss ich an Menschen denken, die keinen Grund mehr finden, fröhlich zu sein. Ich denke zum Beispiel an den Mann, dessen Frau plötzlich sehr schwer erkrankt ist. Er weiß nicht, wie das Leben weitergehen soll. Oder an die Eltern, zu denen die Tochter gesagt hat: „Ich will mich endlich von euch befreien!“ Und sie hat das getan mit vielen bösen Worten und Vorwürfen. Zurück geblieben sind ratlose Eltern, die keine Freude am Leben mehr haben. Und da heißt nun das elfte Gebot: „Ich habe dir geboten, dass du getrost und fröhlich seist!“ Ja, kann man denn Freude befehlen? Freude am Leben?
Es hilft, wenn wir den Satz in der Bibel zu Ende lesen: „…fürchte dich also nicht und hab keine Angst, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.“ Ich verstehe das so: Gott geht mit auf meinem Weg. Er ist kein Fremder, kein Besucher, der gleich wieder geht, sondern einer, der bleibt und sich einmischt in mein Leben, und zwar so, dass ich erfahren soll: Er ist an meiner Seite. Es wird nicht alles so bleiben, wie es jetzt ist. Denn Gott ist mit mir unterwegs.
Meine Erfahrung ist: Wenn ich darauf vertraue, dass Gott im Leben mit dabei ist, dann kann ich mit einem anderen Blick an die Dinge und Menschen herangehen, mit mehr Gelassenheit und Gottvertrauen. Wie das gehen kann? Vielleicht können Sie sich diesen Satz aus der Bibel aufschreiben und ihn auf ihren Schreibtisch legen oder an die Nachttischlampe und ihn immer wieder einmal für sich lesen, dieses elfte Gebot: „Ich habe dir geboten, dass du getrost und fröhlich seist!“ Ich finde: Sich daran zu erinnern, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als unsere Möglichkeiten, das macht zuversichtlich und die Angst wird weniger.
Ob auch der Mann mit der kranken Frau auf Gottes Möglichkeiten vertrauen kann? Und die enttäuschten Eltern? Ich wünsche es Ihnen, und allen, denen es zurzeit nicht gut geht. Dass sie erfahren können: „Ich, der Herr, dein Gott, bin mit dir in allem, was du tun wirst.“

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„Warum brauche ich andere Menschen?“ Diese Frage habe ich mit Schülern diskutiert. „Ich brauche andere Menschen, weil ich sonst einsam bin“, hat einer gesagt. „Ich brauche andere Menschen, weil ich sonst ein sehr trostloses Leben führen müsste“, hat eine andere geantwortet. Wieder ein anderer hat gesagt: „Ich brauche andere Menschen, weil ich sonst an der Einsamkeit verzweifeln würde.“ Ich finde, das sind gute Antworten. Eine Antwort ist mir besonders hängen geblieben: „Ich brauche andere Menschen, weil ich den Halt verlieren würde, dem einen andere Menschen geben können.“ Wir haben überlegt, wer einen solchen Menschen kennt, der Halt geben kann. Und: Ob wir selber jemand sind, bei dem andere Halt finden.
Den Schülern ist einiges eingefallen. Und ich habe Ihnen dann von zwei Freunden erzählt. Ihre Geschichte steht in der Bibel. David hieß der eine, Jonathan der andere. Von dem erzählt die Bibel: „Jonathan ging hin zu David und stärkte sein Vertrauen auf Gott“ (1. Samuel 23, 16). Ich finde, hier ist genau beschrieben, wie das ist mit dem Halt, den einer dem geben kann, der es gerade im Leben schwer hat - wie David damals. Denn es geht ja nicht darum, dass man dem anderen auf die Schultern klopft und sagt: „Kopf hoch! Es wird schon wieder!“ So reagieren ja manche, wenn sie merken, dem anderen geht es schlecht.
Jonathan hat das anders gemacht. Als er sah, dass es seinem Freund David schlecht geht, hat er ihn besucht und ihm zu essen und zu trinken gebracht. Das hat ihm gut getan. Dann hat er mit ihm geredet und ihm die Angst vor der Zukunft genommen, in dem er Davids Vertrauen auf Gott gestärkt hat. Er hat zu ihm gesagt: „Du meinst, alles ist hoffnungslos. Aber vertraue doch darauf, dass noch etwas kommt. Vertraue auf Gott, der dich nicht aufgibt.“ So hat Jonathan David Halt gegeben.
Wenn Sie gerade in einer ähnlichen Situation wie David sind, wünsche ich Ihnen einen Menschen wie Jonathan, einen, der Sie an Gott und seine Möglichkeiten erinnert. Vielleicht heißt dieser Mensch für Sie Renate oder Jürgen. Ich glaube, solche Menschen gehören zu den guten Mächten, die unser Leben umgeben.

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Sind Sie Ihrer Schwiegermutter dankbar? Sie fragen, warum Sie Ihrer Schwiegermutter dankbar sein sollten? Ganz einfach, weil Ihre Schwiegermutter Ihnen vielleicht einen entscheidenden Anstoß gegeben hat. Wie das gehen kann, erzählt die Bibel.
Simon war einer der wichtigsten Mitarbeiter von Jesus. Eines Tages lag seine Schwiegermutter mit hohem Fieber im Bett. Sie hatte von Jesus gehört und dass er kranke Menschen gesund machen kann. Sie hat ihm vertraut. Sie hat ihren Schwiegersohn Simon gebeten, Jesus zu holen, damit er ihr hilft. Jesus kam und hat die Frau geheilt. Durch seine Schwiegermutter hat Simon Jesus näher kennengelernt.
Simon und Jesus sind sich später wieder begegnet. Simon war von Beruf Fischer und am See Genezareth gerade dabei, seine Fischernetze auszuwaschen und zu flicken. Jesus hat zu Simon gesagt: „Fahre auf den See hinaus, dort wo’s tief ist, und wirf deine Netze aus!“ Simon hat geantwortet: „Ich habe die ganze Nacht geschuftet und nichts gefangen! Aber auch wenn ich  müde und kaputt bin, auf dein Wort Jesus, weil du es sagst, will ich das Verrückte tun!“
Ich glaube, wäre die Schwiegermutter nicht gewesen, Simon hätte sich geweigert. Aber er hatte erlebt, was Jesus kann. Deshalb war er bereit, Jesus zu vertrauen und das Unmögliche zu tun. Und tatsächlich: Simon und seine Fischerkollegen haben dann wirklich so viele Fische gefangen, dass die Netze fast rissen. Da hat Jesus zu Simon gesagt: „Ich brauche dich! Zum Menschen fischen. Du sollst Menschen für Gott gewinnen.“ Und so ist Simon zu einem der wichtigsten Mitarbeiter von Jesus geworden. Und angefangen hat das alles mit seiner Schwiegermutter.
Ich weiß, das mit den Schwiegermüttern ist so eine Sache. Schwiegermütter haben keinen guten Ruf. Aber vielleicht überlegen Sie mal, wer Ihnen einen entscheidenden Anstoß gegeben hat. Die Schwiegermutter? Oder Ihr Vater oder die Großmutter, ihr Patenonkel oder der Pfarrer? Wer immer es auch gewesen ist, vielleicht mögen Sie jetzt im Stillen „Danke!“ sagen für diesen Menschen. Und Gott dafür loben.

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