Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

„Können kaputte Beziehungen wieder aufleben?", hat mich eine Frau aus der Gemeinde gefragt. „Können zwei Menschen, die aufgehört haben, miteinander zu reden, sich wieder versöhnen?"
Ich glaube: Das ist möglich.
Eva, meine Verwandte, hat es erlebt. Aber es ist ein schwerer Weg für sie gewesen.
In ihrer Familie ist Eva die Jüngste und von klein auf bekam sie zu hören:
„Warum kannst du nicht so fleißig und so klug sein wie deine ältere Schwester?"
Eva hat als einzige aus der Familie nicht studiert, ist geschieden und alleinerziehend.
Die guten Ratschläge der Familie konnte sie nicht ertragen. Besonders die von ihrer Schwester, der Oberstudienrätin, nicht.
Eva hat sich immer als schwarzes Schaf gefühlt, nicht gut genug im Vergleich zu ihrer Schwester.
Irgendwann ist sie nicht mehr auf Familienfeiern gefahren und hat das Telefon nicht mehr abgehoben: Funkstille.
Können kaputte Beziehungen wieder aufleben?
Für Eva und ihre Schwester ging es nur im Angesicht des Todes. Als ihre Mutter im Sterben lag.
Gemeinsam haben sie an ihrem Bett gesessen, die Hand gehalten und geschwiegen.
Die große Schwester hat nicht aufgehört zu weinen.
„Wie kannst du jetzt so stark sein?", hat sie Eva gefragt.
„Weißt du", antwortete Eva erstaunt, „ich musste mein Leben lang stark sein. Ich weiß, ich werde das hier auch schaffen."
Am Sterbebett waren sie nicht die erfolgreiche Studienrätin und die sich durchschlagende Alleinerziehende. Hier waren sie beide einfach nur Kinder, die ihrer Mutter beim Sterben die Hand gehalten haben.
Da hat Eva gemerkt: Ihre Schwester ist gar nicht besserwisserisch, nicht gefasster, sondern genauso hilflos wie sie selbst.
Das Bild, was sie sich gegenseitig voneinander gemacht haben, stimmt nicht.
Ganz vorsichtig sind sie wieder ins Gespräch gekommen:
„Du, wie war das eigentlich damals bei deiner Scheidung?"
und „Du, wie geht es dir eigentlich wirklich?"
So haben sie angefangen, sich neu ein Bild voneinander zu machen, vorsichtig zu verstehen, wie es der anderen ergangen ist.
Und wo das geschieht, da können kaputte Beziehungen aufleben, da können Menschen sich versöhnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15219

An manchen Tagen wird mir alles zu viel.
Da bin ich abends völlig erledigt und froh, dass der Tag endlich rum ist.
Frau Rust, bei mir aus dem Ort, geht das wahrscheinlich nicht nur manchmal so.
Seit einem halben Jahr ist ihr Vater so hilfsbedürftig geworden, dass sie bei ihm eingezogen ist. Sie wohnt jetzt im ersten Stock, er im Erdgeschoss.
Morgens hilft sie ihrem Vater aus dem Bett, begleitet ihn auf die Toilette und hilft ihm beim Anziehen. Sie macht ihm das Frühstück, liest ihm aus der Zeitung vor und macht seine Lieblingsmusik an.
Rund um die Uhr ist sie für ihren Vater da.
„Ohne meinen Glauben würde ich das alles nicht schaffen." hat sie mir erzählt. „Mein Glaube gibt mir Kraft."
Und ich kann mir vorstellen, dass Frau Rust viel Kraft braucht.
Weil es Kraft kostet, den Vater zu heben und zu stützen.
Genauso wie es Kraft kostet zu sehen, wie er von Tag zu Tag immer weniger selbst kann und immer mehr vergisst.
„Ohne meinen Glauben würde ich das alles nicht schaffen."
Als Frau Rust mir das sagt, muss ich an einen Vers aus der Bibel denken:
Die auf Gott vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden.
Neue Kraft tanken, beflügelt werden und nicht müde werden.
Frau Rust kennt diesen Vers und mag ihn besonders gern.
Denn sie erlebt ganz oft, dass es stimmt, was er verspricht:
Ja so ist es: Die auf Gott vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden.
Wie sie das erlebt, ist ganz unterschiedlich, erzählt sie:
Die Postkarte der Freundin, die sie ermutigt,
die besonderen Momente, in denen sie und ihr Vater einander wirklich nahe sind,
das Klingeln des Nachbarn, der sich erkundigt, wie es ihnen geht.
Gott vertrauen, neue Kraft tanken und beflügelt werden.
Das wünsche ich heute Abend nicht nur Frau Rust, sondern auch Ihnen und mir, wenn wir es brauchen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15218

Frieden stiften macht glücklich! Hat Jesus einmal gesagt.
Ich weiß nicht, ob meine Freundin daran gedacht hat. Jedenfalls hat sie dieses Jahr verkündet: „Ich wünsche mir den Weltfrieden zum Geburtstag".
„Wie bitte?" Habe ich sie gefragt. „Soll das ein Witz sein?"
Wie soll ich ihr denn den Weltfrieden schenken?
Wenn schon die UNO und die vielen Friedensorganisationen und Barak Obama das mit dem Weltfrieden nicht schaffen. Wie soll ich das denn hinbekommen?
Soll ich mal eben nach Syrien fliegen und zwischen Assad und den Rebellen vermitteln? Dann weiter nach Mali und auf dem Rückweg dann noch kurz die deutschen Rüstungsunternehmen davon überzeugen, ihre Waffen nicht in Krisengebiete zu liefern?
Meine Freundin träumt sich die Welt gern mal schön.
Manchmal können wir als ihre Freunde da nur den Kopf schütteln.
Aber erstaunlicher Weise erlebt sie die Welt dann tatsächlich so schön.
Manchmal hilft das Träumen!
Also haben wir nachgedacht.
Was braucht man eigentlich alles für den Weltfrieden?
Wenn auf der ganzen Welt Frieden sein soll, dann müssten alle Menschen genug zu essen haben und ein sicheres Plätzchen für sich und ihre Familie.
Bildung ist wichtig und Gesundheitsvorsorge, Naturschutz nicht zu vergessen ...
Für den Weltfrieden braucht man also eine ganze Menge.
Das konnten wir meiner Freundin natürlich nicht alles zum Geburtstag schenken.
Aber wir haben versucht, wenigsten ein kleines Stück davon zu verschenken.
Und das zu suchen hat allein schon Spaß gemacht.
Am Ende hat sie dann wirklich ganz viele und unterschiedliche Puzzleteile für den Weltfrieden geschenkt bekommen.
Ich zum Beispiel habe im Namen meiner Freundin einen Mikrokredit vergeben. Für eine Schulbäckerei in El Salvador. Da bekommen die Kinder was zu essen und lernen, wie man selber backt.
Ein Freund hat ihr ein Stück Regenwald geschenkt, das gehört ihr jetzt und wird nicht mehr abgeholzt.
Und ein anderer Freund hat Geld an das Hilfswerk Misereor geschickt. Damit kümmern die sich um traumatisierte Kindersoldaten.
Frieden stiften macht glücklich! Hat Jesus einmal gesagt.
Und wenn ich mich an meine Freundin und ihr strahlendes Gesicht erinnere, muss ich sagen: Es stimmt: Frieden stiften macht wirklich glücklich!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15217

Mehr sehen, als es auf den ersten Blick scheint. Manchmal wäre das gut, glaube ich.
Der Künstler HA Schult jedenfalls tut es.
Da liegen Konservendosen, Kronkorken, Bierdosen und Altmetall.
Alles bunt gemischt auf einem Haufen. Manche Dosen sind eingedellt, andere platt gedrückt. Hier ist noch rot-weiß der Coca-Cola-Schriftzug zu sehen, dort erkennt man eine Würstchendose.
„Fünf knackige Bockwürste" steht drauf.
Es ist, was es ist: Ein unappetitlicher Haufen Müll.
Das was übrig bleibt, weggeworfen, weil es keiner mehr braucht.
Das was keinen zweiten Anblick lohnt.
Der Künstler HA Schult allerdings sieht das anders: In seinen Augen liegt in diesem Haufen Müll alles, was er braucht.
Er nimmt sich einen ganzen Arm voll zerdrückter Bierdosen und klebt sie mit Bauschaum zu einer Art Turm zusammen. Das macht er gleich zweimal.
Dann tritt er zurück und schaut sich an, was da entstanden ist. Es sieht aus, wie zwei Beine.
Dann greift er wieder in den Haufen und formt aus Dosen, Kronkorken, Drähten und Blechresten einen Oberkörper, zwei Arme, einen Hals und einen Kopf.
Zwei Dosenböden werden die Augen, ein Stück Blech der Mund.
Und fertig ist er: ein kunterbunter Schrottmensch, 1 Meter 80 groß.
Und er ist berühmt. Mit hunderten seiner Geschwister war er schon auf Reisen. Vor den Pyramiden in Gizeh, auf der chinesischen Mauer, in der Arktis und in Köln.
Und dort hat er Menschen zum Staunen gebracht. Mich auch.
Mit leuchtenden Augen mehr sehen, als es auf den ersten Blick scheint.
So wünscht es uns auch die Bibel:
Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. (Eph 1,18)
Seht euch um in der Welt mit diesen erleuchtenden Augen, die mehr sehen als ein erster Blick.
Und dann wird aus der zertretenden Coladose ein Stück eines Kunstwerks.
Dann wird aus einem Stück Blech ein lachender Mund.
Dann wird aus dem, was andere für wertlos halten, etwas Besonderes.
Dann bleibt nichts, wie es war.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15216