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SWR4 Abendgedanken

Endlich Feierabend. Heute Abend will ich mich nicht wieder verplanen. Jetzt mache ich Pause. Tür zu, Telefon aus, Internet runterfahren. Heute Abend habe ich frei. Basta.

Ich will genießen. Genießen, dass ich frei habe und so das Leben wieder besser spüre. Vom Haaransatz bis in die Zehenspitzen. Wie schön, nichts tun zu müssen. Wie herrlich es ist, meinen Körper zu spüren, mich zu entspannen, alles liegen und stehen zu lassen, keine Termine mehr, keine Verpflichtungen, keine Eile, Entspannung pur.  

Ich spüre die Ruhe um mich herum. Ich höre die Stille in mir. Das Gedankenkarussell ist gestoppt, alles Belastende weg geschoben - wenn auch nur für kurze Zeit. Doch diese Zeit nütze ich für ein Gebet. Es hilft mir, loszulassen und abzuschalten: 

"Guter Gott

Schenke mir den Atem der Weite und der Lockerheit. Jetzt, hier, heute Abend.

Erfülle mich mit tiefer Dankbarkeit und Zufriedenheit, dass ich lebe und atme und mich daran freuen kann.

Gib mir Mut, diese Freude weiterzugeben, allen, mit denen ich zusammen lebe.

Gib mir die Kraft solche Tankstellen im Alltag immer wieder einzubauen, - damit ich aus dieser Quelle schöpfen kann, ja, mich darin baden kann.

Schenke mir die Kraft, meine Schwäche in Stärke zu verwandeln, um die Schritte zu tun, die meinem Leben die richtige Richtung geben.

 

Lass mich mein Leben spüren und feiern, in solchen Momenten, wo ich ich sein kann und spüren kann, dass du da bist.

Lass mich spüren, wie weit und wie tief meine Sehnsucht ist - dir zu begegnen.

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Glücklich und unerschütterlich. So stell ich mir die beiden vor: Felizitas und Perpetua. Ihre Namen sind lateinisch und heißen übersetzt: Glück und Beständigkeit.

Felizitas und Perpetua sind zwei Frauen, die im 3. Jahrhundert gelebt haben und wegen ihres Glaubens getötet worden sind. Zuvor wurden sie gedemütigt, gequält und getötet, weil sie nicht an einen Himmel voll Götter geglaubt haben, sondern an den einen einzigen liebenden Gott. 

Ihre Geschichte hat sich in Nordafrika, im damaligen Karthago zugetragen.

Felicitas war Dienerin von Perpetua, einer vornehmen Frau. Beide waren sich einig: Gott ist einzig. Als Folge davon haben sie sich geweigert, öffentlich anderen Göttern zu opfern oder sie gar anzubeten. Aus Überzeugung und vielleicht auch aus Trotz haben sie sich während ihrer Gefangenschaft taufen lassen. Das war ihr Zeugnis, ihr öffentliches Bekenntnis zu Gott.

Dieser mutige Schritt hatte bittere Konsequenzen für beide: In einer Arena mit wilden Kühen und Leoparden sollten sie sterben. Die jungen Frauen wurden den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen. Wie schrecklich! Aber selbst das konnte sie von ihrem starken Glauben nicht abbringen. Von den Tieren gerissen und fast bewusstlos, sollen sie in der Arena weiterhin laut zu Gott gebetet haben. Mit einem Dolch sind sie dann getötet worden. Woher man das so genau weiß?

Perpetua hat im Gefängnis ein Tagebuch geführt und alles aufgeschrieben. Die Unterlagen zu ihrem Prozess sind bis heute erhalten. Sie zeigen, dass schon damals Christen verfolgt worden sind, wie im großen Ausmaße auch heute - weltweit.

Zwei mutige Frauen, die bis an ihre Grenzen gegangen sind. Heute - so steht es im Heiligenkalender ist ihr Gedenktag.

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Wer alt werden will und lange leben möchte, der sucht sich am besten ein Hobby, das mit Bewegung oder Musik zu tun hat, trifft sich einmal pro Woche mit Freunden und ernährt sich gesund und bewusst. Im besten Falle meditiert er oder sie täglich eine halbe Stunde. Laut Untersuchungen vermindert all das Herzinfarkte und Schlaganfälle. 

Ob es nun so ist oder nicht, solche gut gemeinten Lebensrezepte lese ich gerne. Sie sprechen eine Sehnsucht an, die ich auch in mir spüre. Ein langes und erfülltes Leben im Kreis der Lieben zu führen - wer will das nicht? Untersuchungen zufolge, sollen schon in wenigen Jahren immer mehr Menschen über 100 Jahre alt werden. Und es sei ganz einfach, das zu erreichen, sagen Mediziner:

Wer sich mittags entspannt, beugt Krankheiten vor.

Wer ziemlich gute Freunde hat, bleibt offen und neugierig auf das Leben. Soziale Netzwerke schaffen Vertrauen. Wer sich für andere engagiert, stärkt das Vertrauen in sich selbst. Und Vertrauen macht lebendig. Abgesehen davon, werden die Heilmittel immer besser.

Dass das möglich ist, habe ich bei den Karmelitinnen, Ordensfrauen in Ludwigsburg, entdeckt.

Einige der Damen dort sind um die 100 Jahre jung - frisch und lebendig. Mit zwei Schwestern, beide über 100, habe ich mich unterhalten. Und dann hat die jüngere von den beiden gesagt: "Ich will auch 107 Jahre alt werden, wie meine beste Freundin hier, dann können wir noch viele gemeinsame Runden drehen". Ich war etwas verwundert, aber dann habe ich verstanden. Jeden Tag nach dem Essen drehen die beiden mit ihrem Rollator gemütlich eine Runde im Klostergarten.

Das ist gewiss nicht vielen vergönnt. Dennoch: Wer zufrieden und dankbar ist, kann jung bleiben. Egal, ob ich 100 werde oder nicht.

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Heute Mittag hat es bei mir "Pastinaken" gegeben: Gemüsesuppe mit Pastinaken. Die sind weiß, länglich, sehen aus wie Karotten und schmecken auch so, nur etwas süßlicher. Auf dem Etikett steht: Die aromatische Pastinake verwendet man als Suppen- und Eintopfgewürz sowie für Rohkostsalate. Hmm. Abgesehen davon ist die Pastinake ein beliebtes Wurzelgemüse, das vorwiegend im Winter geerntet wird und gesundheitsfördernd ist. Der milde Geschmack der Pastinake wird auch gerne in Babynahrung verwendet.

Spontan habe ich mich bei einer Freundin gemeldet, weil ich in der Gegend war. Ich habe an der Haustüre geklingelt, sie hat sofort geöffnet und mich herzlich begrüßt. Der Tisch war bereits liebevoll gedeckt und es hat wunderbar geduftet - es gab „Pastinakensuppe".

Ich habe mich riesig gefreut, weil ich so eine Gastfreundlichkeit so spontan gar nicht erwartet hatte. Deshalb erinnern mich Pastinaken immer wieder daran, wie wichtig es ist, einander Türen und Herzen zu öffnen. Einfach so, spontan, wenn es gerade stimmig ist, mir wohl bewusst, dass es nicht immer einfach ist, für andere jederzeit und überall da zu sein.

Oft traue ich mich deshalb auch nicht, so spontan bei Freunden vorbeizuschauen. Es könnte auch ungelegen sein, wenn ich so einfach auftauche.

Gastfreundlich sein zählt zu den sogenannten Sieben Werken der Barmherzigkeit. Einander willkommen heißen, einander freundlich gesonnen sein, gastfreundlich sein - das war auch Jesus wichtig. Miteinander essen, einander das Herz ausschütten und sich aussprechen das haben seine Freundinnen und Freunden bei Jesus erlebt.

Das steckt an, bis heute.

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"Lass uns wieder einmal miteinander reden. Herzliche Einladung."

Das steht auf einem Brief, verpackt in einem dunkelroten Kuvert. Darauf handgeschrieben: "Für dich".

Alle Gottesdienstbesucher haben diesen Brief am Valentinstag im Stephansdom in Wien bekommen. Manche haben ihn geöffnet und eingepackt. Manche haben ihn liegen gelassen. 

Ich habe gleich mehrere mitgenommen. Zum Weiterverschenken.

Weil mich dieser Brief angerührt hat. In schöner kursiver Schrift steht da:

"Ich sehne mich nach dir. Erzähl mir von dem, was dich freut und von deinen Erfolgen, aber auch von deinen Misserfolgen, von dem was dich bedrückt. Ich habe Zeit für dich. Bei mir wirst du Ruhe und Frieden finden. Lass uns miteinander reden. Ich warte auf dich. Gott." 

Ein Brief von Gott an mich. Eine schöne Idee, dass Gott einen Brief an die Menschen schreibt. Das ist gar nicht so weit hergeholt. Denn die Bibel ist voll von Liebesbriefen Gottes an mich.

So bedankt sich ein Beter im Alten Testament für eine Liebesbotschaft Gottes:

"Ich will dir danken aus ganzem Herzen und dir vor den Engeln singen und spielen. Ob ich gehe oder ruhe, er ist dir bekannt, du bist vertraut mit allen meinen Wegen.

Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. (...) Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast." (Psalm 138 und Psalm 139)

 

Liebe und Trost sprechen aus diesen Worten. Sie machen mir Mut. Auch der Brief in dem roten Kuvert aus Wien macht mir Mut. Menschen haben so gute Erfahrungen mit dem Glauben gemacht, dass sie diese Botschaft weitersagen und weiterschenken wollen. Der rote Brief will eine Einladung an mich sein, mich an Gott zu wenden, wann immer ich will. Denn mit Gott kann ich über alles sprechen. Egal ob im Gottesdienst, bei einem Spaziergang im Wald oder bei einem Konzert. Manchmal genügt es schon, wenn ich mich still in eine Kirche setze, aus dem Alltag heraustrete und mich auf mein Inneres einlasse. Ich zünde eine Kerze an und spreche ein kurzes Dankeschön für den Tag, der hinter mir liegt. Und: Ich freue mich schon wieder auf mein nächstes Rendezvous mit Gott.

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