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SWR4 Abendgedanken

Haben Sie schon einmal Weihnachten in einen Schuhkarton gepackt? Nein?

Aber an Weihnachten Geschenke verschenkt schon, oder? Na ja ein Weihnachtsfest ohne Geschenke geht ja eigentlich fast nicht.

Vor allem Kinder können sich so wunderbar freuen, wenn sie ein Geschenk bekommen. Da geht mir immer das Herz auf. Alles andere ist dann plötzlich nicht mehr wichtig.

Wenn ein Kind sich über ein Geschenk freut, wird für mich ein kleiner Teil der Welt spürbar, wie Gott sie sich für uns gewünscht hat. Und zwar nicht irgendwann einmal sondern hier und jetzt.  „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."[1] Das hat Jesus einmal gesagt.

Diese „neue" Welt, von der Jesus hier spricht, gibt es ohne irgendeine Bedingung. Und dieses freudige Annehmen von Geschenken, ohne etwas dafür tun zu müssen, macht diese Welt spürbar. Eben hier und jetzt.

Die Sache hat bloß einen Haken: Es gibt Kinder, die kriegen keine Geschenke. Weil sie niemanden haben, der ihnen etwas schenken könnte.

Deshalb packen in diesen Tagen eben viele Menschen Weihnachten in einen Schuhkarton. Spielzeug, Süßigkeiten, Anziehsachen und Schulsachen. Die gepackten Schuhkartons müssen bis Mitte November an einer der vielen Sammelstationen sein. Die findet man am besten übers Internet[2] in Kindergärten, Schulen oder Pfarrämtern. Die Schuhkartons werden dann von verschiedenen Hilfsorganisationen z.B. an Kinder in Osteuropa oder auch in Asien zu Weihnachten verteilt.

Natürlich ändert das nicht grundsätzlich die Situation der bedürftigen Kinder. Aber sie spüren immerhin, dass wir einander wahrnehmen und Freude gerne mit ihnen teilen. Auch etwas, das für mich zu dieser Welt gehört, wie Gott sie sich gewünscht hat.

Wenn ein Kind also so einen Schuhkarton bekommt, dann macht es eine wunderbare Erfahrung: Da gibt es jemanden, dem ich nicht egal bin. Der gerade vor Weihnachten an mich denkt. Dann kann auch aus so einem kleinen Schuhkarton, ein riesengroßes Weihnachtsfest werden.

 


[1] Markus 10,15

[2]www.geschenke-der-hoffnung.de ; www.brot-des-lebens.org ;

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14089

„Wieder gewachsen". Diese Diagnose wiegt schwer. „Wieder gewachsen" - das bestätigt nicht nur die schlimmsten Erwartungen. Es macht auch mit einem Schlag zunichte, wofür man so hart gekämpft hat. Die Erinnerungen kommen wieder hoch, die Bilder und die Fragen. Warum jetzt? Wie viel Zeit habe ich noch? Und überhaupt, warum denn ausgerechnet ich?

Diese Fragen gehören schon lange zum Menschsein. Manchmal staune ich, wie viele solcher Situationen es schon in der Bibel gegeben haben muss. Die Psalmen - das sind alte Lieder und Gebete in der Bibel - sind voll von Bildern, die genau das beschreiben. Manches davon finde ich total beeindruckend. Da klagt ein Mensch Gott sein Leid und sagt: „Ich fühle mich wie ein zerbrochenes Gefäß"[1].

Ich weiß nicht, was diesem Menschen damals gefehlt hat, oder was er getan hat. Aber ich glaube, passender kann man diese Situation auch heute nicht beschreiben: „Ich fühle mich wie ein zerbrochenes Gefäß". Ich bin kaputt. Nicht mehr heil. Bin nicht mehr so zu gebrauchen, wie ich es mal war. Mein Leben ist angeschlagen. Ganz schön trostlos.

 

Und trotzdem nicht hoffnungslos.

Im Gegenteil. Denn dieses Gebet in der Bibel bleibt an dieser Stelle nicht stehen. Der Mensch, der es  geschrieben hat, klagt Gott sein Leid. Schreit es ihm buchstäblich entgegen. Und sagt dann aber nur ein paar Sätze später: „Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen."[2]. Obwohl es diesem Menschen scheinbar wirklich schlecht geht, hat er noch Hoffnung. Wie sich sein Leben auch wenden wird. Er ist bei Gott geborgen. Auch wenn es schlimm kommt. Dieses Zutrauen finde ich beeindruckend.

Dieser Mensch traut Gott zu, dass er ihn nicht alleine lässt. Dass er auch ein angeschlagenes Gefäß ansieht. Dass er es in seinen Händen hält, wie etwas sehr Wertvolles. Das tröstet den, der so leiden muss. Sein Leben kann nicht ins Nichts fallen. Und er spürt, dass sich durch die Dunkelheit einer solchen Situation Gottes Licht immer wieder durchkämpfen kann.

Dieses Licht wünsche ich Ihnen und mir heute Abend.

 


[1] Psalm 31,13

[2] Psalm 31,16

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„Später werde ich einmal Feuerwehrmann." Das verkündet unser Sohn gerade immer stolz im Wohnzimmer. Er sitzt auf seinem roten Bobbycar mit einer umgedrehten Küchenschüssel auf dem Kopf. Na ja, wenn ich ehrlich bin: mir wäre der Beruf zu gefährlich und ich würde ihn als Vater lieber nicht bei der Berufsfeuerwehr sehen.

Kennen sie diese Gedanken? Dass man oft bestimmte Vorstellungen hat, welche Plätze die Kinder im Leben einnehmen sollen?

Natürlich hätte ich gern, dass mein Sohn es zu etwas bringt. Im Beruf soll es bitte der Platz auf dem Chefsessel sein. Der viel Geld nach Hause bringt und hoffentlich nicht zu viele Sorgen. Und im Alltag soll es ein Platz an der Sonne sein.

Ich erlebe viele engagierte Eltern, die ihre Kinder mit all ihren Möglichkeiten unterstützen. Sie alle wollen das Beste für ihre Kinder. Dass sie eben den besten Platz in ihrem Leben erreichen.

Mich erinnert dass dann immer an eine biblische Geschichte, in der auch eine Mutter um die besten Plätze für ihre Kinder wirbt. Sie möchte, dass ihre beiden Kinder rechts und links neben Jesus sitzen. Auch sie möchte das Beste für ihre beiden Söhne.

Aber Jesus antwortet ihr: „Ich kann nicht bestimmen, wer auf den Plätzen rechts und links neben mir sitzen wird."[1]

Jesus selbst kann nicht über diese Plätze bestimmen. Das ist für mich ein Hinweis, dass es im Leben offensichtlich auch Plätze gibt, zu deren Erreichen ich gar nichts tun kann. Sie werden mir geschenkt. Oder sie sind einfach genau für mich da. Vielleicht ein Job, der nicht gerade in der Chefetage ist. Mir aber dafür unglaublich Spaß macht. Mich erfüllt. Oder der Platz, an dem genau ich gebraucht werde. Weil ich eben so bin, wie ich bin. Oder das kann, was ich kann. Vielleicht auch der Platz, an dem Gott mich braucht.

Das finde ich eine sehr tröstliche Vorstellung. Weil es im Leben dann nicht darum geht, wer besser, schneller oder intelligenter ist. Sondern es geht darum, meinen Platz zu finden. Den, der genau richtig für mich ist. Bei Gott, gibt es in jedem Fall einen Platz für mich. Vielleicht ist ja auch das der richtige Platz für mich.

Mal schauen, ob unser kleiner Sohn in ein paar Jahren immer noch Feuerwehrmann werden möchte. Egal welchen Platz er in seinem Leben mal anstrebt. Ich finde es wichtig, dass er seinen Platz findet.

 


[1] Matthäus 20,23

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14087

Kinder können anscheinend immer nur rennen. Zumindest ist das bei unserem Sohn so. Einfach nur gehen kennt er irgendwie gar nicht. Er rennt nur.

Manchmal glaube ich, dass er deshalb rennt, weil für ihn alles noch so spannend ist. Es ist fast so, als ob er dem Leben entgegen rennen möchte. Er will auf keinen Fall etwas verpassen.

Beim  Erwachsenenwerden, stellt man dann fest, dass das Leben nicht nur Schönes bereit hält. Dass nicht alles im Leben spannend und neu ist. Und dass die unbeschwerte Kindheit, viel zu schnell vorbei geht. Ich trage Verantwortung, ich habe Pflichten und ich muss schauen, dass es weiter geht. Das kann manchmal ganz schön mühsam werden. Und mein Päckchen, das ich durchs Leben trage wird immer schwerer. Kein Wunder, wenn mir dann der Atem fehlt, dem Leben entgegen zu rennen.

Jesus hat einmal gesagt: „Wenn ihr erschöpft seid und der Ballast Eures Lebens zu schwer wird, dann kommt zu mir. Ich will euch erfrischen"[1]. Jesus hat das Leben mit allen seinen Schwierigkeiten hautnah mitbekommen. Er hat gewusst, dass viele Menschen, ganz schön viel Gepäck mit sich durch das Leben schleppen. Unerfüllte Wünsche und Hoffnungen. Enttäuschungen, Wut und so manchen Frust. Beruflich oder privat. Jesus hat das gesehen. Und deshalb hat er diesen Satz sozusagen mitten ins Leben hinein gesagt. „Wenn ihr erschöpft seid und der Ballast Eures Lebens zu schwer wird, dann kommt zu mir. Ich will euch erfrischen". Damit hat ergemeint: vertraut auf Gott. Denn er trägt euer Gepäck mit. Bei ihm könnt ihr Ruhe finden. Dann wird die Last leichter.

 

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie das gehen soll. Das mit dem Ablegen und dem Erfrischt werden. Na ja, ich glaube, dass ich mir erst einmal bewusst machen muss, was ich denn da alles mit mir rumschleppe. Ich selber versuche das immer wieder, indem ich mir zuerst alles aufschreibe, was mich gerade so beschäftigt. Wenn ich das benennen kann, dann kann ich es auch ein Stück loslassen. Und das, was ich aufgeschrieben habe nehme ich dann in ein Gebet.

Wenn ich es ausgesprochen habe, dann geht es schon besser. Danach fühlt es sich für mich in jedem Falle leichter an. Ich kann wieder ein bisschen Tempo aufnehmen und dem Leben ein bisschen mehr entgegen rennen. Wie unser kleiner Sohn.

 


[1] Mt 11,28:Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

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