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SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 12.08.2007 bis 18.08.2007




Kalle Grundmann

Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche

Hoffen, Zweifeln und die notwendige Ausdauer im Glauben

Sonntag, 12. August 2007     [Druckversion]

Teil 1
Schön zu wissen, dass auch bei den ersten Christen nicht alles wie von selbst gelaufen ist. Auch schon in biblischer Zeit gab es neben dem Glauben auch den Zweifel, neben dem Engagement auch die Trägheit. Der Brief an die Hebräer ist hierfür ein schönes Beispiel. In den katholischen Gottesdiensten wird heute aus ihm vorgelesen. Dieser Brief besteht in erster Linie aus Mahnungen, was darauf schließen lässt, dass nicht alles in Ordnung war in der Gemeinde, warum sollte man sonst mahnen? Da heißt es schon mal: „Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist“ (Hebr 10,25). Also auch damals hatte man beim Gottesdienst nicht immer volles Haus. Und das obwohl es noch keine großen Kirchen gab, man sich eher in kleinen überschaubaren Gruppen traf. Dringlich wird gemahnt: „Gebt acht, dass keiner von Euch ein böses, ungläubiges Herz hat, dass keiner vom lebendigen Gott abfällt.“ (Hebr 3,12). Direkt an vielen Stellen im Hebräerbrief wird den Christen eingeschärft: „Was ihr braucht ist Ausdauer“ (Hebr 10,36 vgl. 3,14; 6,11f; 11,1;12,1). Als der Hebräerbrief geschrieben wurde, war die Jesusgeschichte schon einige Jahrzehnte alt. Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt waren vielleicht 50, 60 Jahre vorbei, solange wartete man schon auf die Wiederkunft des Herrn. Und das dauerte einigen wohl doch zu lange. Ihrem Glauben, dass Jesus als Retter aber auch als Richter dieser Welt wiederkommt, ging langsam die Luft aus.
Nun, was sollen wir erst sagen? Das Jesusgeschehen ist bald 2000 Jahre her und Jesus ist bisher noch nicht wiedergekommen, weder als Richter noch als Retter. Um ganz ehrlich zu sein, so eine echte so genannte Naherwartung, dass Jesus sehr bald wiederkommt und das Reich Gottes aufrichten wird, haben wohl nur die wenigsten von uns. Dass sich die Wiederkehr Christi mit Pauken und Trompeten, der so genannte Jüngste Tag, seit 2000 Jahren nicht ereignet hat, erklären wir uns heute so: Mit Jesus hat das Reich Gottes in der Welt angefangen, er ist also in gewisser Weise schon da, aber noch nicht ganz, es fängt erst an. Irgendwann, wann weiß keiner, wird er dann die Sache vollenden. Wie das dann aussehen wird, wissen wir nicht. Viele glauben, dass es da gar keinen großen allgemeinen Paukenschlag geben wird, sondern dass sich das Reich Gottes, der Himmel, für jeden von uns individuell nach dem Tod vollenden wird. Das Mittelalter dachte hier noch anders, erinnert sei nur an die vielen Bilder vom Weltgericht. Die zeigen oft eine große öffentliche Versammlung, in der Jesus als Richter die Guten von den Bösen scheidet. Egal ob sich die Wiederkehr Christi für jeden einzelnen nach dem Tod oder für alle zugleich am Jüngsten Tag ereignet, warten müssen wir darauf. Ausdauer im Glauben ist also auch von uns heutigen Christen gefordert. Was dabei helfen kann, das hören sie gleich nach der Musik.

Teil 2
In den Sonntagsgedanken geht es heute um die Ausdauer im Glauben. Schon die Christen in biblischer Zeit hatten damit ihre Probleme. Im Hebräerbrief zum Beispiel werden sie immer wieder gemahnt: „Was ihr braucht ist Ausdauer.“ Nun wissen wir, die Mahnung allein ist nicht sonderlich hilfreich. Das weiß auch der Autor des Hebräerbriefes und deshalb führt er Vorbilder im Glauben an. (Hebr 11). Abraham, Isaak und Jakob. Sie alle haben geglaubt, was Gott verheißen hat, auch wenn sie selbst die Erfüllung der Verheißung nicht erlebt haben. „Denn Glauben heißt feststehen, in dem, was man erhofft“ (Hebr 11,1). Die Hoffnung weist in die Zukunft, aber sie fußt auf Erfahrungen, nicht nur meinen eigenen, sondern vieler gläubiger Menschen. Mein Glaube baut auf dem Glauben vieler Generationen auf. Dabei muss ich nicht bis zu den Erzvätern Israels zurückgehen, viel näher ist mir der Glaube meiner unmittelbaren Vorfahren. Meiner Mutter zum Beispiel, die im Krieg geheiratet und in den schweren Nachkriegsjahren fünf Kinder groß gezogen hat. Ihr selbstverständlicher Glaube an einen Gott, der auch in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges die Menschen nicht verlassen hat, war ihre Kraftquelle und mir Vorbild. Und nicht sie allein, ich kenne viele Menschen wie meine Mutter. Ich fühle mich verbunden mit ihnen und spüre, dass ihre Hoffnung, ihr Glaube mich herausfordert, mich stützt und mich trägt. Ich sitze mit meinem Glauben sozusagen auf den Schultern ihres Glaubens.
Aber trotz dieser Vorbilder, bin ich nicht davor gefeit, dass auch der Zweifel sich bei mir breit macht. Der Zweifel, der kritisch fragt: Und wenn diese Hoffnung nichts anderes als eine große Selbsttäuschung ist? Wenn ich lediglich einer großen Illusion aufsitze, weil wir Menschen es einfach nicht aushalten, dass alles nur Zufall ist; weil wir es nicht aushalten, dass wir Menschen endlich sind, dass irgendwann eben alles aus und vorbei ist. Was dann?
Auch hier helfen mir die Vorbilder im Glauben. Denn der große Respekt und die Ehrfurcht vor ihrem Glauben bleiben auch dann bestehen, wenn ich mich mit dem Inhalt des Glaubens schwer tue. Die Art und Weise, wie sie ihren Glauben gelebt haben, beeindruckt mich weiter. Und das lässt mich dann wieder an meinem Zweifel zweifeln. Wenn doch etwas dran ist an dieser Sache mit Jesus von Nazareth, wenn doch etwas dran ist an dem Glauben an einen Gott, der uns Menschen liebt? Meine Zweifel werden geringer, die kritischen Fragen leiser. Der Glaube meiner Vorfahren trägt mich über die Klippen des Zweifelns. Ich werde gelassener und bin dankbar in einer langen Tradition von Menschen zu stehen, deren Ausdauer im Glauben letztlich stärker war als ihr Zweifel.