Woche vom 05.01.2008 bis 11.01.2008 

Von Mechthild Alber, Stuttgart, Katholische Kirche
Engel
Freitag, 11. Januar 2008
In der Weihnachtszeit, hatten sie richtig „Hochkonjunktur“, die Engel.
Engel sind Boten Gottes. Oft werden sie als geflügelte Wesen dargestellt, weil sie die Distanz vom Himmel zur Erde überwinden können. Sie reichen aus der Ewigkeit Gottes in die irdische Zeit der Menschen. Mit den Engeln bricht das Göttliche in die menschliche Wirklichkeit ein.
Eine überwältigende Erfahrung, einem Engel Gottes zu begegnen. Das hat nichts mit spiritueller Wellness zu tun. Deswegen lautet das erste Wort des Engels immer :„Fürchte dich nicht!“ So steht es in der Bibel. Und nach dem Zeugnis der Bibel sind es nur wenige, besonders begnadete Menschen, denen ein Engel begegnet ist. Es sind in der langen Geschichte der Menschen nur wenige Augenblicke, in denen das Göttliche unmittelbar im Irdischen aufscheint.
Doch die Bibel kennt auch eine andere Art von Engelerfahrung. Unmerklicher und stiller.
Im Psalm 91 heißt es:
„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass er dich behüte auf allen deinen Wegen.“
Jedem Menschen ist ein Engel zur Seite gestellt, der ihn auf seinem Lebensweg begleitet. Der Schutzengel, wie er in der christlichen Tradition heißt. Für mich ist das ein tröstlicher Gedanke. Dieser Engel ist mir meist verborgen. Und nur manchmal erahne ich etwas von seiner Begleitung. Manchmal ist in schwierigen Situationen seine Nähe zu spüren wie eine Hand im Rücken, die Kraft gibt, oder wie ein inneres Licht, das tröstet. Oder es ist die Erfahrung, dass ein Wort genau in meine Situation trifft, oder eine zufällige Begegnung mich wachrüttelt...
Der Engel meines Lebensweges wird nicht verhindern, dass mir im Leben Schweres begegnet. Aber er rührt meine Seele immer wieder an, damit sie nicht erstarrt vor zuviel Alltäglichem, oder zuviel Bitterem. Der Engel erinnert mich daran, dass ich Gottes Geschöpf bin, der mir die Sehnsucht nach Leben, nach Gerechtigkeit, nach Frieden und Liebe eingehaucht hat.
„So bitte ich meinen Engel:
Sei vor mir am Morgen,
damit ich Mut habe, zu gehen
Sei an meiner Seite am Mittag,
dass meine Kraft nicht erlahmt
Sei hinter mir am Abend
Damit ich lerne,
dankbar zurückzuschauen
Sei über mir in der Nacht,
dass ich beschirmt bin
unter deinen Flügeln.“
Engel sind Boten Gottes. Oft werden sie als geflügelte Wesen dargestellt, weil sie die Distanz vom Himmel zur Erde überwinden können. Sie reichen aus der Ewigkeit Gottes in die irdische Zeit der Menschen. Mit den Engeln bricht das Göttliche in die menschliche Wirklichkeit ein.
Eine überwältigende Erfahrung, einem Engel Gottes zu begegnen. Das hat nichts mit spiritueller Wellness zu tun. Deswegen lautet das erste Wort des Engels immer :„Fürchte dich nicht!“ So steht es in der Bibel. Und nach dem Zeugnis der Bibel sind es nur wenige, besonders begnadete Menschen, denen ein Engel begegnet ist. Es sind in der langen Geschichte der Menschen nur wenige Augenblicke, in denen das Göttliche unmittelbar im Irdischen aufscheint.
Doch die Bibel kennt auch eine andere Art von Engelerfahrung. Unmerklicher und stiller.
Im Psalm 91 heißt es:
„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass er dich behüte auf allen deinen Wegen.“
Jedem Menschen ist ein Engel zur Seite gestellt, der ihn auf seinem Lebensweg begleitet. Der Schutzengel, wie er in der christlichen Tradition heißt. Für mich ist das ein tröstlicher Gedanke. Dieser Engel ist mir meist verborgen. Und nur manchmal erahne ich etwas von seiner Begleitung. Manchmal ist in schwierigen Situationen seine Nähe zu spüren wie eine Hand im Rücken, die Kraft gibt, oder wie ein inneres Licht, das tröstet. Oder es ist die Erfahrung, dass ein Wort genau in meine Situation trifft, oder eine zufällige Begegnung mich wachrüttelt...
Der Engel meines Lebensweges wird nicht verhindern, dass mir im Leben Schweres begegnet. Aber er rührt meine Seele immer wieder an, damit sie nicht erstarrt vor zuviel Alltäglichem, oder zuviel Bitterem. Der Engel erinnert mich daran, dass ich Gottes Geschöpf bin, der mir die Sehnsucht nach Leben, nach Gerechtigkeit, nach Frieden und Liebe eingehaucht hat.
„So bitte ich meinen Engel:
Sei vor mir am Morgen,
damit ich Mut habe, zu gehen
Sei an meiner Seite am Mittag,
dass meine Kraft nicht erlahmt
Sei hinter mir am Abend
Damit ich lerne,
dankbar zurückzuschauen
Sei über mir in der Nacht,
dass ich beschirmt bin
unter deinen Flügeln.“

Von Alexander Foitzik, Freiburg/i. Br., Katholische Kirche
Donnerstag, 10. Januar 2008
gesprochen von Dr. Maria Meesters
Jetzt sind sie wieder zu Hause. Vier Tage haben die Jugendlichen zusammen gefeiert und diskutiert - buchstäblich über Gott und die Welt. Eingeladen hatte sie – zur Jahreswende - die ökumenische Gemeinschaft der Brüder von Taizé, in diesem Jahr nach Genf; ein kleines Jubiläum: Schon zum dreißigsten Mal machen sich Jugendliche aus ganz Europa und Übersee auf den Weg zu diesem Treffen.
Sie haben viel gesungen - diese so eingängigen, einfach-schönen Lieder, die wir mit dem Namen Taizé verbinden. Und sie haben gebetet, vor allem um Versöhnung – um Versöhnung zwischen den Menschen, den Kulturen und Generationen; besonders um die Versöhnung der Christen untereinander. Die 40 000 Jugendlichen, die mit ihren großen Rucksäcken aus insgesamt fünfzig Nationen nach Genf gezogen waren, kamen aus allen christlichen Konfessionen.
Eindringlich hat sie Frère Alois, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé ermutigt: Gerade die Jugend soll die Einheit der Christen doch schon jetzt leben. Damit ein glaubhaftes Engagement für den Frieden möglich ist. Denn wo wir Christen getrennte Wege gehen, setzen wir die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft aufs Spiel. „Die Botschaft des Evangeliums wird unhörbar, wenn wir Christen getrennt bleiben“, hat Frère Alois gewarnt.
In seinem letzten Buch hat der charismatische Gründer der Gemeinschaft, Frère Roger, über seine unzähligen Begegnungen mit den Jugendlichen gesprochen – auch denen, die jedes Jahr in Scharen in das kleine Dorf Taizé im Burgund fahren, viele von ihnen keine bekennenden Christen. Frère Roger staunte über diese Jugendlichen: Ihr Verlangen nach Frieden und Versöhnung sei „wie die Sterne, kleine Lichter in der Nacht“ Und deshalb, so schrieb der alte Mann, „würde ich bis ans Ende der Erde gehen, wenn ich könnte, um immer wieder zu sagen, dass ich in die junge Generation Vertrauen habe.“
Dieses Vertrauen in die Jugend und gleichermaßen in die Güte jedes Menschen, rührte selbst aus Frère Rogers tiefem, unerschütterlichen Vertrauen in die Gegenwart Gottes. In Genf hat nun sein Nachfolger Frère Alois mit dem gleichen Vertrauen die Jugendlichen ermutigt: “Wagen wir zu sagen, dass Gott nicht anders kann als lieben.“
Jetzt sind sie wieder zu Hause. Vier Tage haben die Jugendlichen zusammen gefeiert und diskutiert - buchstäblich über Gott und die Welt. Eingeladen hatte sie – zur Jahreswende - die ökumenische Gemeinschaft der Brüder von Taizé, in diesem Jahr nach Genf; ein kleines Jubiläum: Schon zum dreißigsten Mal machen sich Jugendliche aus ganz Europa und Übersee auf den Weg zu diesem Treffen.
Sie haben viel gesungen - diese so eingängigen, einfach-schönen Lieder, die wir mit dem Namen Taizé verbinden. Und sie haben gebetet, vor allem um Versöhnung – um Versöhnung zwischen den Menschen, den Kulturen und Generationen; besonders um die Versöhnung der Christen untereinander. Die 40 000 Jugendlichen, die mit ihren großen Rucksäcken aus insgesamt fünfzig Nationen nach Genf gezogen waren, kamen aus allen christlichen Konfessionen.
Eindringlich hat sie Frère Alois, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé ermutigt: Gerade die Jugend soll die Einheit der Christen doch schon jetzt leben. Damit ein glaubhaftes Engagement für den Frieden möglich ist. Denn wo wir Christen getrennte Wege gehen, setzen wir die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft aufs Spiel. „Die Botschaft des Evangeliums wird unhörbar, wenn wir Christen getrennt bleiben“, hat Frère Alois gewarnt.
In seinem letzten Buch hat der charismatische Gründer der Gemeinschaft, Frère Roger, über seine unzähligen Begegnungen mit den Jugendlichen gesprochen – auch denen, die jedes Jahr in Scharen in das kleine Dorf Taizé im Burgund fahren, viele von ihnen keine bekennenden Christen. Frère Roger staunte über diese Jugendlichen: Ihr Verlangen nach Frieden und Versöhnung sei „wie die Sterne, kleine Lichter in der Nacht“ Und deshalb, so schrieb der alte Mann, „würde ich bis ans Ende der Erde gehen, wenn ich könnte, um immer wieder zu sagen, dass ich in die junge Generation Vertrauen habe.“
Dieses Vertrauen in die Jugend und gleichermaßen in die Güte jedes Menschen, rührte selbst aus Frère Rogers tiefem, unerschütterlichen Vertrauen in die Gegenwart Gottes. In Genf hat nun sein Nachfolger Frère Alois mit dem gleichen Vertrauen die Jugendlichen ermutigt: “Wagen wir zu sagen, dass Gott nicht anders kann als lieben.“

Von Dr. Dietmar Bader, Freiburg, Katholische Kirche
Glaube, ein Mehr an Leben
Mittwoch, 09. Januar 2008
„Dein Glaube hat dir geholfen“, „dein Glaube hat dich geheilt“, „dein Glaube hat dich gerettet“, in diesen und ähnlichen Worten spricht Jesus in den Evangelien zu Menschen, die sich an ihn wenden und seine Hilfe erbitten. Er selbst ist nicht selten beeindruckt von der Kraft des Glaubens derer, die von ihm Heilung erbitten.
Was meint ‚glauben’ in diesem Zusammenhang, was ist das für ein Glaube, der hilft, heilt, rettet? Er kommt nicht von außen. Er lebt in Menschen, und Jesus erkennt ihn in denen, die sich an ihn wenden, als Lebenswille und als Lebenskraft, als Vertrauen in die Zukunft. Beim Wort Glauben sollten wir nicht in erster Linie an die Sätze denken, die wir im Credo als Glaubensbekenntnis aufsagen, sondern an ein ganz elementares Glauben, an einen Vertrauensakt, den wir – ohne es zu merken – jeden Tag von neuem setzen, wenn wir aufstehen, um zu leben.
Wir tun das, weil wir darauf vertrauen, dass es sich lohnt zu leben. Wir versprechen uns etwas von diesem Tag, erhoffen uns etwas von unserem Leben an diesem Tag.
Wir wissen nicht im Voraus, ob der Tag sein Versprechen hält. Wir geben ihm also einen Vorschuss und verlassen uns darauf, dass er sich auszahlt. Dieses Vertrauen, mit dem wir jeden Tag von Neuem beginnen, ist so grundlegend, dass es uns meistens so wenig bewusst ist wie die Luft, die wir atmen. Im Verkehr vertrauen wir darauf, dass die anderen sich wie wir selbst an die Regeln halten. Unsere Beziehungen leben von dem Vertrauen, das wir investieren – und sie sterben ab in dem Maß, in dem das Vertrauen schwindet. Sogar große Unternehmen und die wirtschaftliche Stärke einer ganzen Gesellschaft hängen von dem in ihnen herrschenden Vertrauen ab. In seiner elementaren Form ist der Glaube das Vertrauen, dass es gut ist zu leben. Glauben ist so elementar, dass man sagen kann: ohne Glauben gibt es kein Leben.
Jesu Beispiel in den Evangelien macht deutlich, dass Leben - in Glaube und Vertrauen - wie eine Bewegung nach vorn ist zu mehr Leben: wenn gebeugte Menschen, sich aufrichten, wenn Menschen, die ihr Unglück stumm und blind gemacht hat, wieder sprechen und sehen, wenn innerlich gefangene und gelähmte Menschen sich staunend wieder bewegen. Bei solchen Übergängen verhilft Jesus Menschen zu mehr Leben – indem er die Kraft dazu im Innern der Menschen selber erkennt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“
Was meint ‚glauben’ in diesem Zusammenhang, was ist das für ein Glaube, der hilft, heilt, rettet? Er kommt nicht von außen. Er lebt in Menschen, und Jesus erkennt ihn in denen, die sich an ihn wenden, als Lebenswille und als Lebenskraft, als Vertrauen in die Zukunft. Beim Wort Glauben sollten wir nicht in erster Linie an die Sätze denken, die wir im Credo als Glaubensbekenntnis aufsagen, sondern an ein ganz elementares Glauben, an einen Vertrauensakt, den wir – ohne es zu merken – jeden Tag von neuem setzen, wenn wir aufstehen, um zu leben.
Wir tun das, weil wir darauf vertrauen, dass es sich lohnt zu leben. Wir versprechen uns etwas von diesem Tag, erhoffen uns etwas von unserem Leben an diesem Tag.
Wir wissen nicht im Voraus, ob der Tag sein Versprechen hält. Wir geben ihm also einen Vorschuss und verlassen uns darauf, dass er sich auszahlt. Dieses Vertrauen, mit dem wir jeden Tag von Neuem beginnen, ist so grundlegend, dass es uns meistens so wenig bewusst ist wie die Luft, die wir atmen. Im Verkehr vertrauen wir darauf, dass die anderen sich wie wir selbst an die Regeln halten. Unsere Beziehungen leben von dem Vertrauen, das wir investieren – und sie sterben ab in dem Maß, in dem das Vertrauen schwindet. Sogar große Unternehmen und die wirtschaftliche Stärke einer ganzen Gesellschaft hängen von dem in ihnen herrschenden Vertrauen ab. In seiner elementaren Form ist der Glaube das Vertrauen, dass es gut ist zu leben. Glauben ist so elementar, dass man sagen kann: ohne Glauben gibt es kein Leben.
Jesu Beispiel in den Evangelien macht deutlich, dass Leben - in Glaube und Vertrauen - wie eine Bewegung nach vorn ist zu mehr Leben: wenn gebeugte Menschen, sich aufrichten, wenn Menschen, die ihr Unglück stumm und blind gemacht hat, wieder sprechen und sehen, wenn innerlich gefangene und gelähmte Menschen sich staunend wieder bewegen. Bei solchen Übergängen verhilft Jesus Menschen zu mehr Leben – indem er die Kraft dazu im Innern der Menschen selber erkennt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“
Hirten, die keine Hirten sind
Dienstag, 08. Januar 2008
„Hirten, die keine Hirten sind, die für sich selber sorgen, nicht für die Schafe“ (Lektionar zum Stundenbuch, I/8, 169), darüber klagen schon die Propheten Israels. „Hirte“ ist einer der ältesten Berufe, die es auf der Erde gibt. „Hirten“ sind nicht nur Tierhüter, sondern Menschen, die Verantwortung haben im Zusammenleben, gleich an welchem Ort und in welcher Zeit, in Familien, Schulen, in Heilberufen, in Vereinen, Firmen, Behörden, in den Medien, im kulturellen, im kirchlichen Leben, in politischen Parteien und staatlichen Organen. Wenn sie vor allem für sich selber sorgen, dann zerstören sie das, was sie aufbauen sollten, sie tragen Verantwortung dafür, wenn Menschen ihre Hoffnungen begraben, ihre Lebenskraft verlieren, krank werden oder blind mit Hass und Gewalt reagieren.
Im Evangelium spricht auch Jesus von Hirten, die keine sind. Dabei greift er auf Worte des Propheten Ezechiel zurück und wird konkret. „Wehe euch. … Das Schwache habt ihr nicht gestärkt, das Kranke nicht geheilt, das Verletzte nicht verbunden, das Verirrte nicht gesucht.“ Und er nimmt die Verheißung des Propheten Ezechiel auf, die lautet: ‚Gott wird seinem Volk gute Hirten erwecken’. Guter Hirte sein, das versteht Jesus als Auftrag an sich selbst - und diesen Auftrag gibt er an alle weiter, nicht nur an einige wenige in besonderen Stellungen. Niemand soll darauf warten, dass etwas von oben geschieht. Vielmehr sollen alle erkennen, wozu sie selbst in der Lage sind, um anderen aufzuhelfen. Uns alle stellt Jesus von Nazareth vor diese Herausforderung: Wir können das Unsere dazu beitragen, dass Stumme reden dürfen, Blinde sehen können, Lahme wieder gehen und Fremde und Andersgläubige unter uns leben können.
Aber wie sollten wir dazu in der Lage sein? Wenn wir den einen beizustehen versuchen, haben wir keine Zeit, keine Aufmerksamkeit für andere! Manchmal erinnern wir uns an ein Gesicht, eine Bitte, einen sehr einsamen Menschen, Kinder, die uns brauchen –und traurig erkennen wir die Armut unserer Herzen. Die Last der Menschen – unsere eigene Last – ist zu groß: Wir kommen unserer Berufung nicht nach, Hirten zu sein füreinander! Da dürfen wir um Hilfe bitten. Eine solche Bitte habe ich bei Antoine de Saint Exupéry gefunden. In Erinnerung an die Geschichte vom heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, betet er: „Herr, mein Mantel ist zu kurz. Ich befriedige die Bedürfnisse der einen und benachteilige dabei die anderen. Leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer großen Sehnsucht darunter berge“. (Albert Höntges, Leih mir von deinem Mantel, in Christ in der Gegenwart, 53(2001), 137)
Im Evangelium spricht auch Jesus von Hirten, die keine sind. Dabei greift er auf Worte des Propheten Ezechiel zurück und wird konkret. „Wehe euch. … Das Schwache habt ihr nicht gestärkt, das Kranke nicht geheilt, das Verletzte nicht verbunden, das Verirrte nicht gesucht.“ Und er nimmt die Verheißung des Propheten Ezechiel auf, die lautet: ‚Gott wird seinem Volk gute Hirten erwecken’. Guter Hirte sein, das versteht Jesus als Auftrag an sich selbst - und diesen Auftrag gibt er an alle weiter, nicht nur an einige wenige in besonderen Stellungen. Niemand soll darauf warten, dass etwas von oben geschieht. Vielmehr sollen alle erkennen, wozu sie selbst in der Lage sind, um anderen aufzuhelfen. Uns alle stellt Jesus von Nazareth vor diese Herausforderung: Wir können das Unsere dazu beitragen, dass Stumme reden dürfen, Blinde sehen können, Lahme wieder gehen und Fremde und Andersgläubige unter uns leben können.
Aber wie sollten wir dazu in der Lage sein? Wenn wir den einen beizustehen versuchen, haben wir keine Zeit, keine Aufmerksamkeit für andere! Manchmal erinnern wir uns an ein Gesicht, eine Bitte, einen sehr einsamen Menschen, Kinder, die uns brauchen –und traurig erkennen wir die Armut unserer Herzen. Die Last der Menschen – unsere eigene Last – ist zu groß: Wir kommen unserer Berufung nicht nach, Hirten zu sein füreinander! Da dürfen wir um Hilfe bitten. Eine solche Bitte habe ich bei Antoine de Saint Exupéry gefunden. In Erinnerung an die Geschichte vom heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, betet er: „Herr, mein Mantel ist zu kurz. Ich befriedige die Bedürfnisse der einen und benachteilige dabei die anderen. Leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer großen Sehnsucht darunter berge“. (Albert Höntges, Leih mir von deinem Mantel, in Christ in der Gegenwart, 53(2001), 137)
Beten lernen
Montag, 07. Januar 2008
Beten können, beten lernen, das wünschen sich viele, auch wenn sie es so nicht sagen würden: In glücklichen und leidvollen Augenblicken aus dem Herzen heraus loben, klagen, danken, bitten. Der Freude Ausdruck geben, dem Schmerz, der Sehnsucht - im Bewusstsein, nicht ins Leere zu rufen und gehört zu werden.
Beten kann man lernen, zum Beispiel an Hand der Psalmen. Diesen Rat befolgen täglich Ordensleute und viele andere Frauen und Männer in aller Welt. Herzstück ihrer täglichen Gebete und Gesänge sind die Psalmen der Bibel. Einige dieser Psalmen lassen erkennen, wie ein Gebet sein kann, das die Hoffnung stärkt –
zum Beispiel der Psalm 43.
In einer schwierigen, ausweglosen Lage, erinnert sich hier jemand zunächst an die Geschichten seines Volkes. Geschichten von Menschen in früheren Zeiten, die trotz großer Widrigkeiten ihre Hoffnung nicht aufgaben, ihre Würde nicht verloren, ihre Freiheit bewahrten. „Unsere Vorfahren haben es erzählt“ - so beginnt dieser Psalm - „was du, Gott, getan hast in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit, du mit deiner Hand. ... Nicht ihr Arm schaffte ihnen den Sieg, sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, - weil du sie liebtest.“
Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen schaut der betende Mensch dann auf sich selbst und auf das, was ihn bedrückt: ‚Heute ist alles anders geworden’ – so sein Empfinden. ‚Wir sind am Ende und wir haben keine Kraft mehr, wir stehen da mit leeren Händen und können nicht mehr. Unbedeutend sind wir, wertlos. Andere schauen an uns vorbei, machen sich über uns lustig und schütteln nur noch den Kopf.’
Was dieser Mensch im Augenblick empfindet und worunter er leidet, das bringt er mit den Geschichten seines Volkes zusammen. Und so gelangt er zu einer zunächst zaghaften, dann aber inständigen Bitte an Gott: ‚Wir haben deinen Namen nicht vergessen. Du kennst doch die Abgründe unserer Herzen. Wach auf! Steh auf! Du schläfst doch nicht! Du wendest dich nicht von uns ab! Du vergisst nicht unser Unheil, das Elend, in das wir geraten sind. Komm uns zu Hilfe, errette uns – um deiner Liebe willen.’
Beten kann man lernen, zum Beispiel an Hand der Psalmen. Diesen Rat befolgen täglich Ordensleute und viele andere Frauen und Männer in aller Welt. Herzstück ihrer täglichen Gebete und Gesänge sind die Psalmen der Bibel. Einige dieser Psalmen lassen erkennen, wie ein Gebet sein kann, das die Hoffnung stärkt –
zum Beispiel der Psalm 43.
In einer schwierigen, ausweglosen Lage, erinnert sich hier jemand zunächst an die Geschichten seines Volkes. Geschichten von Menschen in früheren Zeiten, die trotz großer Widrigkeiten ihre Hoffnung nicht aufgaben, ihre Würde nicht verloren, ihre Freiheit bewahrten. „Unsere Vorfahren haben es erzählt“ - so beginnt dieser Psalm - „was du, Gott, getan hast in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit, du mit deiner Hand. ... Nicht ihr Arm schaffte ihnen den Sieg, sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, - weil du sie liebtest.“
Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen schaut der betende Mensch dann auf sich selbst und auf das, was ihn bedrückt: ‚Heute ist alles anders geworden’ – so sein Empfinden. ‚Wir sind am Ende und wir haben keine Kraft mehr, wir stehen da mit leeren Händen und können nicht mehr. Unbedeutend sind wir, wertlos. Andere schauen an uns vorbei, machen sich über uns lustig und schütteln nur noch den Kopf.’
Was dieser Mensch im Augenblick empfindet und worunter er leidet, das bringt er mit den Geschichten seines Volkes zusammen. Und so gelangt er zu einer zunächst zaghaften, dann aber inständigen Bitte an Gott: ‚Wir haben deinen Namen nicht vergessen. Du kennst doch die Abgründe unserer Herzen. Wach auf! Steh auf! Du schläfst doch nicht! Du wendest dich nicht von uns ab! Du vergisst nicht unser Unheil, das Elend, in das wir geraten sind. Komm uns zu Hilfe, errette uns – um deiner Liebe willen.’

Von Dr. Angela Rinn, Mainz, Evangelische Kirche
Teuflische Versuchung: Macht
Samstag, 05. Januar 2008
Dreimal versucht der Teufel Jesus, so berichtet es die Bibel. Eine Versuchung ist, die ganze Welt zu besitzen. Der Teufel führt ihn auf einen hohen Berg, zeigt ihm die Herrlichkeit der Welt und spricht: Das alles will ich dir geben. Was wird er gezeigt haben? Die Pyramiden Ägyptens, die hängenden Gärten der Semiramis den Dschungel Brasiliens, die Diamanten Südafrikas und die Opale Australiens, die Löwen der Serengeti und den Zauber Balis. „Ich möchte im Sommer das Mittelmeer pachten“ hat Hildegard Knef einmal gesungen. Kein Problem, wenn man Microsoft und Apple, Nestle und die Börsen der Welt besitzt. Und warum pachten – es gehört einem doch! Wonach sich alle James-Bond-Gegenspieler die Finger geleckt haben, von Dr. No bis Goldfinger – die Macht der Welt, der Teufel bietet es Jesus auf dem Silbertablett an: Das alles will ich dir geben! Es gibt nur eine Bedingung: Jesus soll ihn anbeten!
Nichts leichter als das – Dr No hätte da nicht lange gezögert. „Weiche von mir, Satan“ antwortet Jesus. Denn was der Teufel anbietet ist kein Geschenk, das Freude bereitet. Auf den ersten Blick klingt es verführerisch: Die ganze Welt für mich allein! Doch mit diesem Geschenk ist man dann tatsächlich sehr allein! Merkwürdigerweise sieht die Welt, wenn sie einem exklusiv gehört, ziemlich traurig aus. Schönheit, die nicht ausstrahlen darf, welkt dahin. Und Macht, die nicht geteilt wird, hat schon immer zerstörerische Auswirkungen gehabt. Am Ende, so stelle ich es mir vor, sitzt der Weltmächtige sehr einsam auf seinem Planeten.
Die Macht, die Jesus lebt, ist eine der anderen Art. Sie lebt aus der Beziehung, aus dem lebendigen Austausch zwischen Gott und Mensch, und den lässt sich Jesus vom Teufel nicht nehmen. Es ist eine schöpferische Lebendigkeit, die eben nicht an sich rafft, sondern freigiebig austeilt, die es wagen darf, zu schenken und sich hinzugeben. Es hat schon seine eigene Komik, dass der Satan dem Gottessohn die Welt anbietet, die sich doch allein Gottes Großzügigkeit und Liebe verdankt. „Weiche von mir, Satan“, antwortet Jesus. Er hätte auch sagen können: „Spar dir die Worte, diese Welt gehört mir doch schon längst, aber anders, als du dir das wünschst und du es willst. Sie gehört mir, weil ich sie liebe, und sie gehört mir so, wie Liebende einander gehören: Frei und leidenschaftlich, ohne den anderen zu knechten und zu bedrücken, nicht als Besitz, sondern als kostbares, lebendiges Geschenk.“
Nichts leichter als das – Dr No hätte da nicht lange gezögert. „Weiche von mir, Satan“ antwortet Jesus. Denn was der Teufel anbietet ist kein Geschenk, das Freude bereitet. Auf den ersten Blick klingt es verführerisch: Die ganze Welt für mich allein! Doch mit diesem Geschenk ist man dann tatsächlich sehr allein! Merkwürdigerweise sieht die Welt, wenn sie einem exklusiv gehört, ziemlich traurig aus. Schönheit, die nicht ausstrahlen darf, welkt dahin. Und Macht, die nicht geteilt wird, hat schon immer zerstörerische Auswirkungen gehabt. Am Ende, so stelle ich es mir vor, sitzt der Weltmächtige sehr einsam auf seinem Planeten.
Die Macht, die Jesus lebt, ist eine der anderen Art. Sie lebt aus der Beziehung, aus dem lebendigen Austausch zwischen Gott und Mensch, und den lässt sich Jesus vom Teufel nicht nehmen. Es ist eine schöpferische Lebendigkeit, die eben nicht an sich rafft, sondern freigiebig austeilt, die es wagen darf, zu schenken und sich hinzugeben. Es hat schon seine eigene Komik, dass der Satan dem Gottessohn die Welt anbietet, die sich doch allein Gottes Großzügigkeit und Liebe verdankt. „Weiche von mir, Satan“, antwortet Jesus. Er hätte auch sagen können: „Spar dir die Worte, diese Welt gehört mir doch schon längst, aber anders, als du dir das wünschst und du es willst. Sie gehört mir, weil ich sie liebe, und sie gehört mir so, wie Liebende einander gehören: Frei und leidenschaftlich, ohne den anderen zu knechten und zu bedrücken, nicht als Besitz, sondern als kostbares, lebendiges Geschenk.“



