
Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche
richtig oder falsch
Montag, 20. Mai 2013
Wie soll man zu Gott beten und wo? Welches ist der richtige Gottesdienst? Geheimnisvoll wie bei den Orthodoxen, ehrwürdig mit viel Weihrauch wie bei den Katholiken, schlicht und mit oft ziemlich langer Predigt wie bei uns Evangelischen - wie ist es richtig? Die Christen sind sich da nicht wirklich einig. Leider.
Die Frage nach dem richtigen Gottesdienst allerdings ist noch viel älter als das Christentum. Sogar Jesus wurde einmal von einer Frau aus Samarien gefragt: Wo sollen wir Gott anbeten? Auf unserem heiligen Berg Garizim, wie damals die Samaritaner gemeint haben - oder in Jerusalem? Was für eine Frage, könnte man denken. Wenn Gott doch größer ist und anders als alles, was Menschen sich vorstellen können - wie kann man ihn dann an irgendeinen Berg oder irgendein Gebäude binden und sagen: Nur da wird er mich hören.
So ähnlich hat damals Jesus auch der Frau geantwortet. Eines Tages, hat er gesagt, wird es den Garizim nicht mehr geben und den Tempel in Jerusalem auch nicht. . Dann werden die Menschen Gott überall verehren und anbeten. „Denn Gott selbst ist Geist. Und wer ihn anbetet, der muss dazu vom Geist und von der Wahrheit erfüllt sein." (Joh 4, 24)
Gottes Geist ist es, der einen bewegt, zu beten. Das leuchtet mir ein. Ohne seinen Geist kann ich vielleicht Worte nachsprechen, bestimmte Floskeln hersagen. Aber wirklich beten, mein Herz ausschütten, Kontakt suchen zu Gott, damit ich seine Nähe spüre: Dazu bewegt mich sein Geist. Das kann man nicht einfach so.
Gottes Geist bewegt einen zum Beten. Gut. Aber was meint Jesus mit der Wahrheit, von der man erfüllt sein soll. Mir fällt ein, dass Jesus von sich selber gesagt hat: Ich bin die Wahrheit - und nur durch mich kommt man zu Gott, dem Vater. Daran halte ich mich. Ich bin Christin und denke mir: Überall, wo Menschen zu dem Gott beten, der sich in Jesus Christus gezeigt hat - da kann ich mitbeten. Da ist der Gottesdienst für mich „richtig" - egal, ob evangelisch, katholisch, freikirchlich oder orthodox. Auf die äußeren Unterschiede kommt es letztlich nicht an.
Und die vielen, die Jesus Christus nicht kennen oder nicht glauben, dass er die Wahrheit über Gott gezeigt hat? Machen die etwas falsch? Ich denke, es ist nicht meine Sache, das zu beurteilen. Ich verlasse mich auf Gottes Geist. Er bewegt die Menschen, zu beten. Alle Menschen. Warum soll ich darüber urteilen, wozu er die einen bewegt und wozu die anderen? Einmal, denke ich, werden alle gemeinsam beten. Darauf kann ich gut warten.
Entflammt
Sonntag, 19. Mai 2013
Burnout ist eine Krankheit unserer hektischen Zeit, habe ich bisher gedacht. Stimmt aber gar nicht. Schon in der Bibel ist von Burnout-Symptomen die Rede. Mose hatte sie anscheinend auch zeitweise, der große Führer Israels. Er hatte seine Leute aus der Sklaverei befreit, er hat die Verantwortung getragen auf ihrer jahrelangen Wanderung durch die Wüste hin zu dem Land, in dem sie frei sein werden. Aber er hat keine Anerkennung und keinen Dank dafür gekriegt, im Gegenteil: Die Leute waren unzufrieden und haben geschimpft. Es war ihnen alles zu anstrengend und ihm haben sie die Schuld gegeben. Da mag Mose nicht mehr und kann nicht mehr...
Therapien und Medikamente gegen Burnout gab es damals noch nicht. Das einzige, was Mose blieb, war Beten. Vielleicht würde Gott ja helfen. „Ich kann die Verantwortung nicht allein tragen" betet er. Und stellt sich im Grunde selber die Diagnose. Allein kommt er nicht mehr weiter. Vielleicht hat er auch gemeint, so gut wie er kann keiner diese schwierige Aufgabe bewältigen. Das kommt mir sehr bekannt vor. Und dann ist es eben doch zu viel geworden.
Da betet Mose. Und Gott greift wirklich ein. Seine Therapie entspricht der Diagnose, die Mose sich selbst gestellt hat. Er soll die Last nicht mehr allein tragen. Gott meldet sich mit einer Anweisung, die die Einsamkeit von Mose beendet. Mose kann und soll begreifen: Weder Gott noch die anderen Menschen lassen mich allein. Ich muss nicht einsam sein mit meiner Aufgabe. Ich muss auch nicht alles allein machen. Mose soll deshalb 70 kluge Menschen aussuchen, die ihn unterstützen können. Und Gott verspricht Mose seine Nähe. Er wird den Ausgesuchten seinen Geist geben. Mose kann ihnen beruhigt vertrauen und sie an seinen Aufgaben beteiligen. Sie können und werden ihn unterstützen. Sie werden von Gott begeistert. Statt sich weiterhin zu beklagen, werden sie entflammt für ihre gemeinsame Sache. Neu entflammt statt burned out. So konnten sie damals ihren Weg weiter gehen. Und eines Tages sind sie wirklich angekommen im Gelobten Land.
Heute ist Pfingsten, wir Christen feiern das Fest des Heiligen Geistes. Wir feiern, dass Gott seinen Geist denen gibt, die enttäuscht sind und mutlos, die keine Ideen mehr haben und keine Kraft. Der Geist kann sie zusammenschließen zu einer Gemeinschaft von neu Entflammten. In den Gottesdiensten heute bitten wir deshalb: Komm Gott Schöpfer, Heiliger Geist. Wer sich darauf verlässt, der muss nicht alles allein machen. Der kann auch anderen etwas zutrauen- wie Mose.



