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Woche vom 25.10.2009 bis 31.10.2009




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Trennungskinder

Sonntag, 25. Oktober 2009     [Druckversion]

Und Jesus sprach zu den Jüngern: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.
Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. (Markus 10, 12-16)


Wenn zwei Menschen sich trennen oder scheiden lassen, das ist nicht harmlos. Es kommt zwar häufig vor. Trotzdem: Für die beiden Menschen ist es meistens nicht harmlos und für betroffene Kinder auch nicht.
Trennung oder Scheidung zeigen, dass etwas zerbrochen ist. Sie hatten etwas Anderes gewollt, trotzdem ist es geschehen. Sie sind miteinander gescheitert. Und meistens sind beide daran auch aktiv beteiligt. Dieser Verantwortung muss man sich stellen. Auch der Schuld.
Und die Trennungskinder? Sie erleben und erleiden mit, wie zerbrechlich Liebe ist. Das verunsichert. Vor allem auch das Vertrauen, dass man sich auf Menschen verlassen kann. Kinder brauchen deshalb besondere Aufmerksamkeit, wenn sie eine Trennung erlebt haben, weil sie auch darunter leiden.
Das spürt man auch in der Geschichte in der Bibel, die heute in den evangelischen Gottesdiensten erzählt wird. Genau ist es eine Doppelgeschichte. Zuerst redet Jesus mit Männern über Scheidung. Und direkt danach wendet er sein ganzes Augenmerk Kindern zu. Das ist kein Zufall, dass beides in der Bibel so miteinander verbunden ist. Es zeigt, wie sehr Jesus Kinder am Herzen liegen:

Und sie - vermutlich Frauen - erzählt die Bibel- brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.

Und dann passiert etwas ganz Besonderes und Schönes. Vor allen Leuten umarmt dieser Mann Kind um Kind und segnet sie. „Lasst die Kinder zu mir kommen.“
Jesus hat gewusst, dass sie das vor allem brauchen: Liebevolle Zuwendung. Das Erlebnis, dass sie wieder zu jemand gehören. Dass sie nicht verlassen sind, sondern sich verlassen können. Voll und ganz. So wächst Vertrauen wieder. Wenn Kinder nach einer Trennung oder Scheidung Menschen finden, wo sie das erleben, ich glaube, da freut sich der liebe Gott mit.
Und es hilft Kindern auch, Vertrauen zu schöpfen, wenn sie in ihrer neuen Umgebung davon erzählt bekommen, dass Jesus ein Kinderfreund war. Und dass Gott auch ihr guter Vater im Himmel ist. Dass man mit dem reden kann, wenn man sich allein und mies fühlt und wenn es einem gut geht. Es tut Kindern gut, wenn sie beten lernen. Gott kann man auch Dinge sagen, die man Mama und Papa erst mal nicht sagen will.
Wenn Kinder und Erwachsene so unter Gottes Segen in neuen Beziehungen zusammen finden, das hilft auch den Erwachsenen nach einer Trennung. Per E-Mail empfehlen