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SWR1 3vor8

29SEP2019
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Besserwissen nervt, denn Besserwisser klingen überheblich. Und dann nützt es eigentlich gar nichts, auch wenn man es wirklich besser weiß. Die Überheblichkeit der Besserwisser macht die anderen trotzig. Sie wollen ja nicht als die Doofen dastehen, die etwas falsch machen.

Ein Gemeindeleiter der ersten Christen, der Petrus hieß, hat das offenbar auch so erlebt. Anscheinend gab es auch in seiner Gemeinde solche, die alles besser wussten. Anscheinend gab es Konflikte zwischen den Alten, die schon immer das Sagen hatten und Jüngeren, die endlich frischen Wind wollten. Das gibt es ja bis heute in vielen Bereichen.

Da rät dieser Petrus ihnen in einem Brief – und zwar ausdrücklich den Alten genauso wie den Jungen: „Den Überheblichen stellt sich Gott entgegen, aber den Demütigen schenkt er seine Gnade.“ Den Demütigen wird es gelingen, so verstehe ich das. Mit Gottes Hilfe werden sie Erfolg haben mit ihren Anliegen.

Mit fällt auf, dass Petrus nicht gleich mit Ratschlägen über die Menschen herfällt. Er sagt nicht, was die einen tun sollen oder die anderen. Er gibt eine Erfahrung weiter, die er gemacht hat. Da kann sich nun erst einmal jeder seinen Reim drauf machen.

Demütig also statt überheblicher Besserwisser? Ich kann mir vorstellen, wie sich da bei vielen die Nackenhaare sträuben: „Ich wusste es doch, in der Kirche reden sie von Demut. Die halten sich lieber aus allem raus. Immer schön still sein, sich ducken: Das ist bequem. Man kriegt keinen Ärger. Aber dann muss man sich abfinden mit dem, was geworden ist. Und alles bleibt beim Alten.“ Ich kenne viele, die das so sagen und dann ziemlich unbedenklich ihre Meinung kundtun. Und die anderen fühlen sich überrumpelt und werden wütend.

Petrus dagegen setzt auf die Demut. Er sagt nicht: „Haltet lieber den Mund.“ Natürlich kann und soll jeder seine Ideen einbringen, wie etwas besser gemacht werden könnte. Ich denke daran, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist. Der hat gefragt: Was stimmt nicht bei dir? Und was kann ich für dich tun? So waren die anderen einbezogen in den Veränderungsprozess. Manchmal hat Jesus auch Geschichten erzählt. Geschichten, von Menschen, die es besser gemacht haben. Dann konnten die Zuhörer sich ihren Reim darauf machen. Haben vielleicht Lust gekriegt, es auch anders zu versuchen. Weil es ja offenbar besser ging auf diese Weise.

Nicht alles besser wissen, sondern die anderen einbeziehen und fragen und ihnen so zu eigenen Ideen und eigenen Lösungen verhelfen. Das ist Demut, glaube ich. So kommt man miteinander weiter.

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