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SWR1 3vor8

Manchmal ist das Netz gnadenlos. Das Internet. Auf facebook und in Kommentaren beschimpfen, beleidigen, verleumden und demütigen sich Menschen und streuen Gerüchte. Und das Schlimme ist: Das Internet vergisst nichts. Was einmal drin ist, immer wieder kann es jemand hervorholen und erneut veröffentlichen. Kein Fehler und keine Peinlichkeit wird vergessen.

Wie das wohl dem Apostel Paulus gegangen wäre, hätte es zu seiner Zeit schon das Internet gegeben?

Immerhin war er ein gefürchteter Verfolger der Christen, er war sogar dabei, als sie den ersten Märtyrer, Stephanus, gesteinigt haben. Stellen Sie sich vor, da hätte einer ein Foto gemacht und gepostet: wie Paulus zufrieden dasteht, neben dem toten Stephanus. Und mit diesem Foto hätte Paulus dann leben müssen auf seinen späteren Missionsreisen.

Denn gerade ihn hat Gott nach ein paar Jahren berufen, um den neuen Glauben der Christen zu verbreiten. Von da an ist er durch die damals bekannte Welt gereist und hat in allen großen Städten von Jesus erzählt. Seine Briefe sind in der Bibel veröffentlicht.

Paulus selbst hat zu dieser Wende in seinem Leben geschrieben: „Jesus Christus hat mir sein Erbarmen geschenkt. Denn er wollte an mir als erstem beispielhaft seine Geduld zeigen “ (1. Tim 1, 16.). In den evangelischen Gottesdiensten wird darüber heute gepredigt.

Paulus hat am eigenen Leib erfahren: Gott ist barmherzig mit den Menschen. Er ist nicht gnadenlos wie das Internet. Wer Fehler gemacht hat ist nicht ein für alle Mal erledigt. Die alte Geschichte wird quasi gelöscht.

Man muss nicht Angst haben, dass doch noch ans Licht kommt, was war. Man muss es nicht vertuschen und schönreden. So kann man neu anfangen: Selbstbewusst und aufrecht.

Paulus war überzeugt: „Für Gott ist meine Vergangenheit wirklich vergangen. Gott ist barmherzig. Er gibt mir eine neue Chance, trotz der Fehler, die ich gemacht habe.“ Und darauf sollen auch andere vertrauen können, die Fehler gemacht haben. Niemand muss sich von seiner Vergangenheit klein machen lassen.

Ich finde das eine befreiende Art, mit seiner Vergangenheit umzugehen. Ich kann zu dem stehen, was war. Muss es nicht verstecken und hoffen, dass es nicht wieder auftaucht. Ich kann sagen: Jetzt weiß ich es besser. Jetzt will ich es anders machen. Hoffentlich besser. Ich glaube: So geht keiner verloren, der schon mal auf Abwegen war.

Paulus schreibt: Das ist ein Beispiel. Und ich meine: Es ist auch ein Beispiel dafür, wie man im Internet mit Vergangenheit umgehen sollte. Wenn Gott barmherzig ist – sollten wir das nicht auch mit anderen sein?

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