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SWR1 3vor8

„Welcome to my home! - Willkommen bei mir zu Hause!“ Eine Frau in Johannesburg hat uns stolz in ihre Hütte geführt. Und uns gezeigt, was alles zu ihrem zu Hause gehört: eine Kochplatte, ein Mini-Fernseher, ein Bett. Ein kleiner Kühlschrank. Tisch und Stuhl. Alles in einem Raum. Zur Toilette für alle muss man über den Hof gehen. Ja, das ist schon ein bisschen nervig manchmal, wenn es regnet, hat sie gesagt und gelacht. Und ich hab mir gedacht: Ist doch erstaunlich, mit wie wenig man auskommen kann. Und trotzdem glücklich und stolz sein.
Manchmal denke ich  an sie, wenn ich mir anschaue, was ich an Zeug in der Wohnung rumstehen habe. Eigentlich wäre das meiste davon tatsächlich nicht nötig. Und es ist wenig, was ich wirklich zum Leben brauche. Wie viel genug sein kann – davon erzählt eine Geschichte aus der Bibel. Sie ist heute Thema in den evangelischen Gottesdiensten.
Die Israeliten sind in der Wüste unterwegs. Und jeden Morgen liegt Brot auf der Erde, das Manna, eine süße, nahrhafte Substanz von bestimmten Insekten. Gott selbst versorgt seine Leute. So verstehe ich das. Und Gottes Anweisung war: „Sammelt davon so viel, wie jeder zum Essen braucht.“ Essen für einen Tag, ein Krug voll pro Person, und eben nicht mehr. Das genügt. Nur für einen Tag. Dazu müssen sie aber Gott vertrauen, dass er auch morgen Brot schenken wird. Eben jeden Tag.
Hätte ich das hingekriegt? Hätte ich dieses Vertrauen, dass Gott auch morgen für mich sorgt? Oder hätte ich doch gemeint: Ich nehm lieber ein bisschen mehr, wer weiß, was morgen ist. Vielleicht kann ichs ja doch brauchen. Vielleicht bin ich morgen froh, dass ich mehr habe. Ja, Vorsorgen ist auch wichtig, keine Frage. Gerade, wenn man nicht nur für sich selbst verantwortlich ist, sondern auch noch für andere mitsorgen muss. Aber zur Vorsorge gehört für mich auch Gottvertrauen. Das Vertrauen: Gott wird mir auch morgen geben, was ich brauche. Ich kann mich auch mal nur um heute kümmern.
Ich glaube, mit dieser Haltung zu leben – das macht das Leben leichter. Dass ich mir immer mal wieder bewusst mache, was ich wirklich brauche. Und was Gott mir schon gegeben hat. Dass ich mir auch mal anschaue, was ich habe, und das dann auch wirklich genieße und mich darüber freue --- wie die Frau in Südafrika. Endlich mal das Buch lesen, das ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen habe und das seither nur im Regal gestanden hat. Oder Fotos sortieren und mich über die schöne Zeit freuen. Genießen, was Gott mir gegeben hat. Heute, am Sonntag, ist Gelegenheit dazu.

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