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17MAI2026
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Susanne Schmuck-Schätzel Dekanin des Dekanats Alzey-Wöllstein in der Nikolaikirche vor der Erdkugel "Gaia" Foto: privat

Anne Waßmann-Böhm trifft Susanne Schmuck-Schätzel, Dekanin des Dekanats Alzey-Wöllstein

Mitten in der Nikolaikirche im rheinhessischen Alzey schwebt unser Planet: die Erde. Sechs Meter groß und sanft von innen leuchtend, rotiert sie langsam um die eigene Achse. Um sie herum sind im Kirchenraum immer wieder Geräusche zu hören wie im Kontrollzentrum einer Raumstation. Ein Soundtrack gehört nämlich auch dazu. „Gaia“ heißt die Kunstinstallation des britischen Künstlers Luke Jerram. Hier in der Nikolaikirche treffe ich Susanne Schmuck-Schätzel, Dekanin des Dekanats Alzey-Wöllstein. Sie hat Gaia nach Alzey geholt und für sie schließt sich damit ein Kreis. Aber erst einmal staunt sie selbst darüber:

Gigantisch, viel größer, als ich es mir vorgestellt habe. Und auch so das Gefühl, das füllt die Kirche aus. Also Kirche und Welt und Welt und Kirche, das ist ein Berufsleben lang mein Thema gewesen und jetzt ist es so. Also da ist die Welt in die Kirche gekommen und die Kirche ist in der Welt.

Gaia reist schon seit acht Jahren um die Erde, von England über Asien, Australien, jetzt nach Rheinhessen. Die Idee, Gaia nach Alzey zu holen, hat Susanne Schmuck-Schätzel von Kollegen.

Kollegen waren in St. Blasien in Urlaub und kamen begeistert zurück und haben gesagt, das möchten wir so gerne haben. Dann habe ich auf der Homepage nachgeguckt und habe gedacht, ja, das gehört in die Nikolaikirche in Alzey. Vor allem wegen der Christuskugel, des Christussymbols.

In der Alzeyer Nikolaikirche hängt nämlich nirgendwo ein Kreuz, wie man es von anderen Kirchen kennt. Stattdessen liegt im Chorraum eine eindrucksvolle Steinkugel auf dem Boden. Durchzogen ist sie von Hohlräumen – als Symbol für Jesus Christus, seinen Tod und seine Auferstehung aus dem Felsengrab.

Diese Christuskugel, die halt auch die fünf Wundmale von Christus, zeigt, als etwas, was auch Leben gebrochen sein lässt oder was auch an Narben und an Fehlern im Leben kommt. Und dann davor jetzt diese riesige Gaia, die auch einfach das Symbol dessen ist, dass das unsere aller Lebensgrundlage ist.

Die Besucher können hier in der Kirche etwas erleben, was Astronauten den „Overview-Effekt“ nennen, das Gefühl, wenn sie die Erde das erste Mal aus dem Weltraum sehen. Und dieser Blick kann den Besuchern einen großen Mehrwert bringen, erklärt Susanne Schmuck Schätzel:

Zum einen die Schönheit, das ist ja was ganz Schönes. Die Farben, also dieses viele Blau, das Weiß der Wolken, aber auch das Braun der Erdteile. Das andere, diese Vollkommenheit. Also für mich ist auch diese Kugel etwas wirklich Vollkommenes. Aber auch der Blick von außen. Wir sind so klein und sieht man nicht auf der Erde. Und trotzdem haben wir ja eine gewisse Verantwortung, weil, wir stehen auf dieser Erde und gucken jetzt auf diese Gaia und denken, na ja, was tun wir auch mit dieser Erde?

Die Bewahrung der Schöpfung als Aufgabe der Kirche sichtbar zu machen – auch deshalb hat sich die Dekanin für das Projekt stark gemacht. Noch bis zum 3. Juni wird Gaia in der Nikolaikirche hängen. Und auch eine Veranstaltungsreihe rund um das Kunstprojekt könnte den einen oder anderen Besucher zum Nachdenken bringen:

Wir haben zum Beispiel den ehemaligen Chef der ESA in Darmstadt gewinnen können, der wird einen Vortrag halten. Wir haben eine Tanz-Performance. Wir haben verschiedene Lesungen, auch zum Thema, wie leben Menschen auf dieser Erde. Es ist uns auch wichtig, dass es auch solche Zeiten gibt, also Zeiten, in denen unter der Kugel ganz viel Leben passiert, aber auch Zeiten, in denen Ruhe ist.

Gaia bewegt die Menschen. Das erlebt Susanne Schmuck-Schätzel seitdem sie für die Ausstellung wirbt. Und genau das ist der eigentliche Auftrag von Kirche, findet sie:

Es ist so schön, wie Menschen da mitgehen. Also ich habe Anrufe: ‚Ich war in Dresden, ich habe gesehen, dass das hierherkommt.‘ Ich finde das wunderschön, dass sie das nach Alzey bringen. Und in einer Zeit, in der ja vieles auch schwer ist und auch schwer wiegt bei den Menschen, ist das wirklich schön. Und es ist etwas ganz Wichtiges, dass wir als Kirche, als diejenigen, die Kirche vertreten, Menschen zeigen: Da ist mehr. Da ist Inhalt. Und da ist das Thema:  Was geschieht in dieser Welt? Wie leben wir auf dieser Welt miteinander? Wie gehen Menschen miteinander um auf dieser Welt? Unglaublich wichtig.

Welt und Kirche. Kirche und Welt. Für Susanne Schmuck-Schätzel gehört beides zusammen. Und vielleicht macht genau das diesen Blick auf Gaia so besonders. Denn dieser Blick führt vom Staunen über die Schönheit zur Verantwortung für die Schöpfung. Für alles, was Gott so gut geschaffen und uns zum Leben geschenkt hat:

„Gott sah es an und es war gut.“ Und wir haben ein Stück Verantwortung, jeder und jede Einzelne, dass das auch so bleibt. Wir alle wissen, wie gefährdet die Erde ist und es ist schön zu sehen, wie diese Welt sein kann und dass wir dazu beitragen müssen, dass es so bleibt.

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14MAI2026
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Winfried_Kretschmann Copyright: Staatsministerium Baden-Württemberg/Dennis Williamson

Heute mit Manuela Pfann und mit Winfried Kretschmann, dem nun ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Wir haben am Rand einer Tagung miteinander gesprochen. Deshalb ist es zu Beginn unseres Gesprächs noch ein wenig unruhig. Auf dieser Tagung ging es um die Zukunft der Kirche. Von Winfried Kretschmann weiß man, dass er aktiver Christ und Katholik ist – und immer auch einen kritischen Blick auf die Kirche hat.

Die Frage nach der Zukunft der Kirche ist ein passendes Thema für den heutigen Feiertag, Christi Himmelfahrt. Denn kurz zusammengefasst ist vor über 2000 Jahren folgendes geschehen: Himmelfahrt ist den biblischen Erzählungen nach jener Moment, an dem Jesus die irdische Welt verlässt und seine Nachfolger aussendet. Sie sollen fortsetzen, was er begonnen hat. Sie sollen als Christen so leben, dass es in der Welt, in der Gesellschaft sichtbar wird.

In der Kirche, die dann nach und nach entstanden ist, da ist sicher nicht immer alles gut gelaufen.
Ich frage Winfried Kretschmann: Wie müsste denn für ihn eine Kirche aussehen, in der er gerne Christ wäre.

Ich meine, ich bin ja Mitglied der Kirche. Ich war ja ausgetreten, bin wieder eingetreten. Da muss man schon wissen, was man tut. Und ich bin gern in der Kirche, auch so, wie sie ist. Natürlich muss sie sich auch immer wieder ändern und gucken, dass sie zeitgenössisch bleibt. Also im Kern wünsche ich mir eine Kirche, die streitet. Ja, die streitet um den rechten Glauben, die streitet, wie man diesen Glauben in die Gesellschaft übersetzt.

Und streiten heißt für Winfried Kretschmann keinesfalls zerstreiten oder im Streit auseinander gehen, sondern im Gegenteil:

Dialog, Dinge durchsprechen. Und das ist der Wunsch für die Gesellschaft wie für die Kirche. Da unterscheiden sich beide nicht. In der Gesellschaft müssen wir mal durchsprechen: Was bedeutet unsere Verfassung, was ist daran wichtig, was ist unaufgebbar? Und das muss die Kirche mit ihrem Evangelium genauso machen. Was ist unaufgebbar? Was muss ich ändern? Was muss ich anpassen? Was muss eine andere Gestalt annehmen?

Für den Katholik aus Sigmaringen ist die Kirche, so wie sie ist, schon in Ordnung, sagt er. Im Grundsatz hadert er nicht, aber mit einzelnen Fragen natürlich schon, zum Beispiel:

Dass sie Frauen von Ämtern ausschließt. Das wird sie niemals durchhalten können in der Zukunft. Das halte ich für völlig ausgeschlossen.

Aber an dem Punkt möchte er sich nicht mehr abarbeiten. Da hat er jahrelang öffentlich seine Meinung geteilt. Winfried Kretschmann ordnet alles in einen größeren Zusammenhang ein. Nicht nur Glauben und Kirche, auch die Politik. Und da kann ich zwischen den Zeilen ganz deutlich seine Haltung hören. Es geht darum, dankbar und demütig zu sein für das, was ist.

Die Demokratie ist eben nicht selbstverständlich. Friede ist nicht selbstverständlich. Freiheit ist nicht selbstverständlich. Das dachten wir aber jetzt jahrzehntelang. Und erst in der Krise merken wir das. Und so ist es natürlich mit dem Glauben auch. Der ist eine große Ressource der Sinnstiftung, hat sich niedergeschlagen, in vielem.  Denken Sie nur, dass die Person im Mittelpunkt von Rechten steht. Das ist einfach ein großes Erbe des Christentums. Und das kann schnell wieder verloren gehen, wenn Diktatoren kommen, dann giltst du als Einzelner mal nichts.

Ich bin Manuela Pfann und spreche mit Winfried Kretschmann, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Der Glaube ist für ihn essentiell, wenn es darum geht, eine Gesellschaft zu gestalten. Er hofft, dass die Menschen das erkennen. Gerade jetzt, in Zeiten, in denen der Glaube in einer Krise steckt.

Der Glaube ist nicht nur irgendwie was für irgendwelche Sonntagsreden. Der hat was mit der Wirklichkeit zu tun und daraus wird dann Dankbarkeit entstehen. So wie wir heute merken, wie dankbar wir für Freiheit und Demokratie sein müssen. So dankbar dürfen wir auch dafür sein, dass Jesus in Christus Mensch geworden ist. Das ist einfach ein grandioses Ereignis der Geschichte. Mir begegnet da etwas außerhalb meiner eigenen Wirklichkeit.

Ja, das ist richtig. Und ich merke, dass ich diesen Anfang manchmal selbst beiseiteschiebe, vor lauter Kritik, natürlich auch berechtigter Kritik an der Institution Kirche. Für Winfried Kretschmann gibt es über die Bedeutung von Glaube und Kirche gar keinen Zweifel. Weil die Kirche für ihn gefühlt immer da ist:

Da wirst du getauft bis zur Beerdigung. Die Kirche begleitet dich dein Leben lang. Ich meine, wer macht das bitte schon sonst? Also, das muss man einmal sehen. Das ist eine gewaltige Ressource, die wir da in der Kirche haben. Und die kommen auch dann, wenn andere einen Bogen um dich machen. Ja, also, wenn du krank bist, wenn du behindert bist, wenn du irgendwie aus dem Rahmen fällst, wenn du arm bist. Da kümmern sie sich wirklich darum. Das ist eine unglaubliche Ressource.

Was dann fehlt, würde man erst merken, wenn die Kirche nicht mehr da ist, meint Kretschmann. Und das macht ihm tatsächlich Sorgen.

Wenn sie verschwindet, kommt sie so schnell nicht wieder. Insofern müssen wir schon auch darum kämpfen, dass die Kirchen stark bleiben. Sie können klein sein. Deswegen kann man trotzdem stark sein, wirkmächtig und einfach relevant.

Meine Frage, ob er ganz sicher nicht nochmals aus der Kirche austreten wird, kann ich kaum bis zu Ende aussprechen.

Nein, nein, ganz sicher nicht.

Am Ende seines Vortrags auf der Tagung macht der ehemalige Ministerpräsident den Christen im Land Mut; und zwar mit einem klaren Auftrag:

Nehmen Sie sich wichtig! Ich meine persönlich sollte man sich natürlich als Christ nicht zu wichtig nehmen, aber als Christ sich wichtig zu nehmen, das ist entscheidend und das braucht die Gesellschaft.

Ja, wenn Kirche überhaupt eine Zukunft haben will, dann gilt es den christlichen Auftrag ernst nehmen. Das heißt für Winfried Kretschmann und auch für mich – sowohl hier im Südwesten wie auch weltweit – wahrnehmen, was Menschen brauchen.

Wir sind Weltkirche und wir sind für die Welt da und wir sind für die ganze Welt da!

 

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10MAI2026
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Martin Heubach Foto: privat

Pfarrerin Barbara Wurz und trifft heute Diakon Martin Heubach: Diakon im Ruhestand – ehrenamtlich nach wie vor stark engagiert…

Während wir uns unterhalten, merke ich schnell: So ganz trifft es das nicht. Martin Heubach ist nicht der Typ, der einen Beruf hat – sondern eher eine Berufung. Und er ist auch nicht einfach engagiert – sondern lebt, was er glaubt – als Christ. Eine Lebenshaltung, die ihn weit hat herumkommen lassen - viel weiter, als seine Familie das zu Beginn gedacht hätte:

Ich war ein ganz schlechter Hauptschüler und mein Vater hat immer gesagt gehabt: „Aus dir wird mal nix.“ Weil ich nicht gelernt habe, und weil mir alles andere wichtig war. Zum Beispiel mit zehn hab immer erst Mopedle gekriegt - eine Quickly - und die konnte ich auseinander bauen und wieder zusammen und bin Gelände gefahren, bis ich dann Schrott gefahren habe.

Das Motorrad sollte später wieder eine wichtige Rolle in seinem Leben bekommen. Doch zunächst hat Martin Heubach Elektromechaniker gelernt. Und ging mit seiner Volljährigkeit als Zivildienstleistender zum evangelischen Jugendwerk.

Und während diesem Zivildienst im Jugendwerk habe ich so für mich den Ruf des Himmels erfahren; Geh aus seinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich - obwohl aus dir nichts wird - zum Segensträger machen.

Geh aus deinem Vaterland – das ist ein Wort aus dem Alten Testament der Bibel. Und bedeutet für Martin Heubach: verlasse die üblichen oder scheinbar vorgezeichneten Wege – und folge dem Ruf: Anderen zum Segen zu werden.

Meine Leidenschaft gilt denen, die nicht in die Kirche kommen, (…) und die kann ich dort treffen, was meine Leidenschaft ist. (…) Über Sachen, die mir Spaß machen und da wo ich brenne, da kann ich auch Leute zum Brennen bringen.

Und eine seiner Leidenschaften ist Motorradfahren. Den Helm aufsetzten, den Motor starten und dann …

… eben den Wind, die Geschwindigkeit, die Kurven, die Landschaft, die anderen Menschen, die mitfahren: Das ist für mich ein Hauch vom Himmel.

Auf der Straße begegnet man sich. Und weil Martin Heubach der Meinung ist, dass Kirche dort stattfinden muss, wo das Leben stattfindet, engagiert er sich im Arbeitskreis „Motorrad und Kirche“ für die Motorradgottesdienste in ganz Baden-Württemberg. An Christi Himmelfahrt am kommenden Donnerstag zum Beispiel, da finden um 10 Uhr gleich zwei statt: der eine beim Hessigheimer Dreschschuppen, der andere in Bad Überkingen. 

 

Mit anderen ins Gespräch zu kommen - ihnen abzuspüren, ob sie etwas erzählen wollen oder ob sie etwas auf dem Herzen haben -  und dann den Raum dafür zu geben, das ist die Segensgabe von Martin Heubach. Auch früher schon, als er als Seelsorger auf der Stuttgarter Messe gearbeitet hat.

Und dann hat eben einer gesehen, wenn einer Namensschild hat, dass sie mir ja der will nichts kaufe, sondern mich irgendwo auf der Messe. Und dann sagte er: „Wissen Sie, eigentlich wollte ich jetzt grad lieber bei der Beerdigung von meinem Freund Vater, der sich das Leben genommen hat, sein. Aber ich kann es nicht, weil ich hier auf der Messe gebunden bin.“

Ob es nun die Gespräche auf der Stuttgarter Messe gewesen sind oder die auf der Straße beim Motorrad-Fahren: Es sind die zentralen Fragen des Lebens, die bei Martin Heubach immer mitschwingen.

Hast du für dich geklärt: Wo komme ich her? Bin ich, weil meine Eltern nicht aufgepasst haben? Ungewollt? Oder bin ich ein von Gott geschaffenes und gewolltes Kind? (…) Die zweite Frage heißt: Warum lebe ich? (…) Neulich hat man in Lastwagenfahrer erzählt: Na ja, dass eben die Menschheit erhalten bleibt, das ist mein Sinn des Lebens. Oder dass ich ein schönes Häusle habe oder mit meine Kinder protzen kann… Das ist für mich zu wenig. Wenn ich da ein Sinn habe, anderen helfen zu könne, anderen die Augen aufzumachen, dass es mehr gibt im Leben.

Und die dritte grundlegende Frage des Lebens: Was kommt, wenn das Leben endet?

Dafür bürgt die Bibel und das glaube ich auch: Es geht weiter, mit einer Identität „Martin Heubach“.  Ja (…) Ist doch anders, wie wenn ich sage muss: Puh, ja vielleicht, oder ich weiß nicht... Oder es ist alles aus. Also für mich wäre ein Leben, das im Sterben endet, unerträglich und bin erstaunt, wie das Menschen so übergehen und für sich nicht beantworten.

Martin Heubach lebt seinen Glauben und fühlt sich getragen von Gott. Das spürt man deutlich. Regelmäßig bietet er deshalb auch für Motorradfahrer Spirit-Touren an: Gemeinsam auf schönen Strecken unterwegs und mit Impulsen für die Seele.

Und dann waren wir mit zehn Leuten in der sieben Kapellen Tour im Donau Ried unterwegs. Und dann hat einer anschließend geschrieben: „Ich habe wieder was Positives von der evangelischen Kirche mitbekommen: Große Brise, Hauch vom Himmel mit dem Moped erfahren.“ Ist doch klasse!

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03MAI2026
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Norbert Clausen copyright: Privatfoto

Vorgestern war der „Tag der Arbeit“. Dazu habe ich Norbert Clausen besucht, der sich um Menschen kümmert, die es schwer haben überhaupt Arbeit zu finden. Ich treffe ihn in seinem Büro im sogenannten „Gelben Haus“ in Offenbach am Main. Dort leitet er seit knapp zwei Jahren die Geschäftsstelle der Initiative Arbeit e.V., einer Einrichtung des Bistums Mainz. Davor war der diplomierte Theologe etliche Jahre in der Jugendhilfe tätig. Was hat ihn gereizt an diesem Wechsel?

 

Ich bin mein Leben lang ein überzeugter Christ, bin mein Leben lang ein sozialer Mensch, der in verschiedenen Bereichen gearbeitet hat. Und nachdem meine Zeit in der Jugendhilfe zu Ende ging, habe ich einfach einen sozialen Bereich wieder gesucht. Und ich finde es sehr spannend, wieder mit Menschen zu arbeiten, die dankbar dafür sind, dass sie Hilfe erhalten.

 

Denn darum geht es in der Initiative Arbeit: Menschen unterstützen, die oft große Probleme haben, einen normalen Job zu finden. Mit Faulheit, wie oft unterstellt, hat das aber selten zu tun. Es gibt Hindernisse. So vielfältig wie die Menschen.

 

Die einen haben nach ihrer Elternzeit keine Chance mehr, in die Arbeit wieder reinzukommen, … Andere haben krankheitsbedingte Ausfälle hinter sich, Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen. Wer jahrelang arbeitslos ist, der hat oft keinen geregelten Tagesablauf. Das muss man tatsächlich monatelang erst wieder üben, bis man da reinkommt. Fehlende Kinderbetreuung, fehlende Pflege für alte Leute. Bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund, die oft schon 20 Jahre hier leben, ist es einfach die Sprache, die fehlt.

 

Eine Arbeit zu haben, sagt Norbert Clausen, sei für Menschen immens wichtig. Warum das so ist?

 

Arbeit dient zum Erwirtschaften von Geld. Aber Arbeit ist natürlich auch ein Status. Wer keine Arbeit hat, fühlt sich oft wertlos. Arbeit stiftet Anerkennung, gibt einem das Gefühl, ich leiste etwas und bekomme etwas dafür. Es ist Wertschätzung. Es hat aber auch soziale Komponenten. Wenn ich in einem Betrieb arbeite, dann habe ich dort ein soziales Netz, was ich zu Hause alleine nicht hätte. Ich habe etwas, was ich erlebe, was ich wieder zu Hause teilen kann. Und das ist mir mindestens so wichtig wie die Erwerbsarbeit zum Gelderwerb.

 

Menschen, die warum auch immer aus dem Arbeitsleben rausgefallen sind, wieder so stark zu machen, dass sie im besten Fall einen festen Job finden – für ihn ist das konkrete, greifbare Seelsorge.

 

Wir bieten Räume, wo Menschen angenommen werden, die sonst diese Annahme als Menschen nicht finden. Wenn ich eines unserer Projekte nehme, sogenannte ‚Arbeitsgelegenheiten‘. Da kommen Langzeitarbeitslose und werden einfach gerne gesehen. Sie kommen zu einer bestimmten Zeit morgens. Sie gehen nachmittags nach Feierabend wieder. Sie lernen natürlich dieses geregelte Leben, aber vor allen Dingen erfahren sie Wertschätzung. Und diese Annahme des Menschen, das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, weil damit stärke ich Menschen.

 

Wie er die Diskussion ums Bürgergeld sieht und warum das, was er tut, für ihn etwas christlich ist, darum geht’s gleich. 

 

… ich begegne Norbert Clausen von der Initiative Arbeit im Bistum Mainz. Dort kümmert man sich um Menschen, die es schwer haben, einen Job zu finden. Menschen ohne Arbeit sind immer wieder auch Gegenstand politischer Debatten. Die Diskussion ums Bürgergeld etwa vor der letzten Bundestagswahl. Wie hat Norbert Clausen sie empfunden?

 

Ich fand die Diskussion damals sehr plakativ, sehr flach, sehr kurz und es wurden Bilder gezeichnet, die einfach so nicht stimmen. Es wurde sehr stark herausgezeichnet: Wer nicht leistet, der ist auch nichts wert. Das finde ich aus christlicher Sicht eine Katastrophe. Der Mensch an sich ist wertvoll und nicht nur, wenn er leistet.

 

Denn jenseits von pauschalen Vorurteilen gilt …

 

Es gibt sehr wenige Verweigerer. Es gibt viele, die haben Hemmnisse, aus welchen Gründen auch immer. An die muss man herangehen, ohne zu stigmatisieren.

 

Menschen mit sogenannten Vermittlungshemmnissen wie etwa chronischen Krankheiten, der Pflege von Angehörigen oder Sprachproblemen finden oft nur ganz schwer in reguläre Beschäftigung. Diese Menschen zu sehen mit all ihren Problemen, das ist Norbert Clausen wichtig. Denn eine Gesellschaft, die nur noch auf maximale Leistungsfähigkeit getrimmt ist, sei letztlich eine arme Gesellschaft.

 

Wenn ich mich an früher erinnere, an die Dörfer, da gab es immer Menschen, die keine Arbeit hatten. Da war in jedem Dorf der, der einfach nur da war, aber überall mitgeholfen hat. Der war auch wertvoll. Und diese Menschen, die haben wir heute nicht mehr im Blick. Und die fehlen unserer Gesellschaft. Die Leistungsgesellschaft ist arm, wenn sie nicht solche Menschen hat, die mit ihrem Menschsein sie bereichern.

 

Nun ist Unterstützung für Menschen ohne Arbeit ja vor allem eine Sache der staatlichen Jobcenter. Warum engagiert sich die Kirche in diesem Bereich?

 

Für mich ist das die Nachfolge Jesu, weil, Jesus hat sich um die Menschen gekümmert, die kein Ansehen und keinen Platz in der Gesellschaft hatten, die abgehängt waren, hat dazu aufgerufen: Schaut nach denen, die am Straßenrand sind, die nicht mitkommen mit der Gesellschaft, die Hilfe brauchen. Und genau das tun wir. Wir kümmern uns um die, um die Gesellschaft sich nicht mehr so sehr kümmert.

 

Hört sich an wie eine ganz handfeste Art, das Evangelium zu verkünden.

 

Es ist keine Verkündigung mit vielen Worten, sondern eine Verkündigung mit Haltung, würde ich sagen, bei mir vom christlichen Selbstverständnis her. Die zeige ich anderen Menschen und gebe sie auch gerne als Beispiel weiter. Das ist für mich pure Verkündigung. Und ich glaube auch die nachhaltigste, weil nur mit der eigenen Haltung, mit dem eigenen Vorbild kann man andere auch überzeugen.

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26APR2026
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Dirk Thümmler Foto: privat

Martina Steinbrecher trifft den Fußchirurgen Dr. Dirk Thümmler aus Bad Säckingen.

Der Arzt ist Spezialist einer noch jungen chirurgischen Disziplin, die sich ausschließlich mit dem Wohlergehen von Füßen befasst. Das oft stiefmütterlich behandelte Körperteil weckt in ihm große Begeisterung:  

Ja, also der Fuß ist für mich ein Wunder der Evolution. Der besteht aus 26 Knochen, aus 33 Gelenken, aus mehr als 100 Bändern und aus 20 Sehnen. Und wenn nur einer dieser Bauteile nicht funktioniert oder einen Defekt hat oder nicht richtig angesprochen wird durch eine Nervenverletzung oder Nervendysfunktion, dann kann dieses ganze System kollabieren und man merkt es erst, wenn der Fuß nicht mehr funktioniert, wie wichtig der dann ist.

Tatsächlich habe ich seit dem Gespräch mit Dirk Thümmler meinen Füßen schon häufiger ein paar liebevolle Blicke und Gedanken zugeworfen - schließlich tragen sie mich seit vielen Jahren zuverlässig durchs Leben. Für den Fußchirurgen sind Füße aber noch viel mehr. Was den Mensch zum Menschen macht? Was ihn vom Tier unterscheidet? Für Dirk Thümmler ist die Antwort klar:

Aus der Evolution finde ich auch spannend, dass die Füße wohl das erste waren, was den heutigen Menschen auszeichnet, also das zweibeinige Gehen, dadurch sind die Hände frei geworden und dann erst ist das Gehirn gewachsen.

OK, denke ich mir, aber auch auf zwei Beinen sind wir anderen Lebewesen doch weit unterlegen. Aber da denke ich wohl zu kurz:

Was uns Menschen auszeichnet: Wir sind nirgends wirklich gut, aber wir können fast überall mitmachen. Also wir sind weder die Schnellsten, wir sind sehr ausdauernd, wir können weder gut auf Bäumen, aber wir können gut auf dem Boden, wir können einigermaßen schwimmen, wir sind sehr vielseitig, wir können bei Tag, bei Nacht, wir kommen in jedem Gelände zurecht und das haben wir unseren Füßen zu verdanken.

In seinem Arbeitsalltag in einer Schweizer Klinik behandelt Dirk Thümmler Patienten nach Sportunfällen, mit Verschleißerkrankungen oder mit Problemen als Folge von Ersterkrankungen wie Diabetes; das Spektrum ist groß. Richtig in die Öffentlichkeit gerückt ist seine Arbeit jetzt durch einen Preis, den er Anfang des Jahres bekommen hat: Der Hermann-Stratz-Preis für Zivilcourage würdigt die Arbeit, die Dirk Thümmler ehrenamtlich in Indien leistet. Auch dort operiert er Füße, aber die von Kindern aus ärmeren Familien - und setzt dafür jedes Jahr zwei von sechs Wochen seines Jahresurlaubs ein.  

In der Regel gehen wir immer zu dritt los. Zwei Fußchirurgen, die sich wirklich anatomisch perfekt auskennen. Das ist wichtig, weil wir haben häufig keine Röntgengeräte, die uns helfen. Das macht es spannend und dafür ist es aber gut, dass es zwei gibt, die sich aufeinander verlassen können, weil wir tasten dann gegenseitig Fixpunkte am Fuß und dirigieren uns über die Finger, in welche Richtung wir die Schrauben bohren …

Dirk Thümmler ist ein Mann Mitte 50, verheiratet, vier Kinder, und ein renommierter Spezialist für Fuß-Chirurgie.  Zusätzlich zu seiner regulären Arbeit in der Schweiz operiert er in Indien jedes Jahr ehrenamtlich vierzehn Tage lang Kinderfüße. Sein Einsatz ermöglicht dort nicht nur die Korrektur von Fehlstellungen, sondern die Begradigung kompletter Lebensläufe: 

Wir hatten in Srinagar ein Mädchen, die hat eine Deformität an einem Unterschenkel gehabt. Bei der sind am Unterschenkel die Hälfte der Knochen nicht angelegt gewesen. Und wenn dieses Kind gestanden ist, dann stand die wie ein Storch, und dieses kurze Ding war in der Luft. Und wenn sie laufen wollte, dann musste sie ihr gesundes Bein um 90 Grad im Knie biegen, damit sie ebenerdig stand, und dann ist die gewackelt.

Dafür gab es von Gleichaltrigen vor allem Spott und Hänseleien. So schlimm, dass sie nicht mehr in den Kindergarten gehen wollte. In der Klinik hat sie einen Arzt-Kollegen von Dr. Thümmler getroffen, der selbst beinamputiert ist.

Der hat dann seine Jeanshose hochgehoben und dann hat die dieses Kunstbein gesehen und dann hat dieses fünfjährige Kind gesagt: Das will ich auch. Und sie hat sich amputieren lassen, und dieses Kind läuft heute schmerzfrei mit einer Prothese, ohne dass sie in der Schule gehänselt wird.

Dirk Thümmler und sein Team erhalten viel Unterstützung von einheimischen Fachkollegen und indischen Sponsoren. Besonders wichtig ist das für die Nachsorge bei den kleinen Patienten, wenn das Ärzteteam aus Europa das Land wieder verlassen hat. Das indische Gesundheitssystem sieht für alles eine finanzielle Eigenbeteiligung vor. Wer arm ist, muss für eine Operation lange sparen. Diese Ungerechtigkeit wird kaum infrage gestellt:  

Wir sind zum Beispiel mal von einem Arzt beschimpft worden, wir würden denen die Patienten wegnehmen, und wir waren dann ganz entsetzt und haben geantwortet, wir nehmen doch nur die Ärmsten, die sich das nicht leisten können. Er sagte, ja, das stimmt nicht, die können 20 Jahre lang sparen und dann können wir die operieren. Dass ein Kind dann nicht in die Schule gehen kann, das ist denen vollkommen egal. Also das sind Gedankengänge, die sind uns nicht zugänglich, das kann man nicht verstehen.

Solange ein soziales Bewusstsein für die Armen und Schwachen fehlt, wird der Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“, der die Arbeit von Dirk Thümmler und seinen Kollegen trägt, weiterhin ärztliches Know-how und chirurgisches Material ins Land bringen.

Dort unten sind wirklich Kinder, die können einfach das eigene Haus nicht verlassen, weil man denen nicht hilft, und die könnten es, wenn man ihnen helfen würde. Das heißt, wir geben dort Kindern eine Chance, ins Leben hineinzugehen, sprichwörtlich, die die dann auch nutzen.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, geht mir der Satz aus einem biblischen Psalm nach unserem Gespräch durch den Kopf. Das Engagement von Dirk Thümmler hat mir dafür ganz neue Perspektiven eröffnet: Was es wirklich heißt, auf eigenen Füssen stehen zu können.

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19APR2026
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Dr. Julian Sengelmann copyright: Thomas Leidig

Christopher Hoffmann trifft Julian Sengelmann.

Als Schauspieler war er etwa in der Erfolgsserie “Türkisch für Anfänger”zu sehen. Als Musiker landete er Hits und ging auch international auf Tournee. Er ist aber auch evangelischer Pastor und hat das Buch “Ankerpunkte” geschrieben, das zu einem Spiegel-Bestseller geworden ist. Darin geht er der Frage nach, was Menschen in stürmischen Zeiten Halt gibt. Und das alles, obwohl ihm Religion in seiner Familie so gar nicht in die Wiege gelegt wurde:

Meine Schwester und ich sind in den evangelischen Kindergarten gegangen, aber unabhängig davon haben wir mit Kirche nicht viel zu tun gehabt, waren wir U-Boot Christinnen und Christen,also wir sind das ganze Jahr abgetaucht, zu Weihnachten sind wir aufgetaucht in die Kirche geschwommen haben mitgefeiert und sind wieder abgetaucht, weil meine Eltern ausgetreten waren, mein Vater fand das auch richtig Quatsch.

Wie kommt es dann, dass Julian als Jugendlicher zum christlichen Glauben fand?

Ich bin dann bei Kirche gelandet aus Protest. Ich hatte das große Glück -  Konfirmandenunterricht macht man so mit 13 - als ich 13 wurde hab ich einen Pastor gefunden, der es geschafft hat eine Atmosphäre zu kreieren in der wir uns alle gesehen gefühlt haben  und hat uns diesen Raum eröffnet und das hat eigentlich mein Verständnis  von Kirche und Glaube von da an geprägt - wir machen Räume auf wo Menschen sein können, wie sie wirklich sind.

So gesehen und geliebt werden wie man ist, auch wenn man Fehler macht - das ist für Julian Sengelmann bis heute eine der wichtigsten Botschaften des christlichen Glaubens. Der 43-jährige Familienvater erklärt sein Verhältnis zu Gott  an einem schönen Bild:

Ich bin Vater einer kleinen Tochter: heißt das, dass ich alles mag, was meine Tochter macht? Auf gar keinen Fall! Heißt das aber auch, dass ich meine Tochter liebe, egal was sie macht? Auf jeden Fall! Stelle dir vor wir als Erwachsene Menschen in der Gesellschaft in der wir leben, könnten uns selber das zwischendurch noch mal vor Augen holen- wir sind geliebt, wir werden scheitern, wir müssen aber nicht gescheitert bleiben und Kirche als ein Ort, der einen daran erinnert, der einem das immer wieder zusichert und versucht zu leben -  das ist ein Teil dessen, was ich machen möchte.

Julian kommt aus einer Familie  in der Leistung ganz wichtig war- der Vater ein erfolgreicher Rechtsanwalt, die Mutter eine Physiotherapeutin mit eigener Praxis, er selbst Leistungsschwimmer. Als Christ blickt er heute aber auch kritisch auf unsere Leistungsgesellschaft, die den Menschen eintrichtert:

Du musst härter arbeiten, um mehr Geld zu verdienen, von dem du Dinge kaufst, die du nicht brauchst, um Leute zu beeindrucken, die du eigentlich Kacke findest- dieser Logik muss doch was entgegenstehen -  und das ist mein Glaube.

Der gibt ihm die Gewissheit: Gott geht mit mir - auch in Krisen. Julian ist bei unserer Begegnung lässig und wir lachen viel, aber er erzählt mir auch, dass die vergangenen fünf Jahre für ihn privat eine sehr schwere Zeit waren. Deswegen hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel “Ankerpunkte.Was dir Halt gibt, wenn das Leben stürmisch ist”*:

Wir sind eine große Familie und wir hatten zwei Suizide innerhalb der Familie, dann ist eine junge Frau in der Familie viel zu früh verstorben, dann hat sich ein Freund von uns das Leben genommen, dann  ist ein anderer Freund von mir einfach tot umgefallen, dann hatten wir mehrere Schlaganfälle und Herzinfarkte und mussten uns um Eltern kümmern. Wir kamen aus dieser Abwärtsspirale gar nicht mehr raus. Und gleichzeitig bin ich Pastor und Leute kommen mit ihren Sorgen zu mir und fragen mich wie sie eigentlich noch Hoffnung finden können und ich wollte die auch nicht vertrösten. Ich wollte mich selber auf den Weg machen und ich hab eine kleine Tochter und dachte: Du willst nicht so hoffnungslos im Angesicht dieser nachwachsenden Person sein und das war der Ausgangspunkt zu meiner Reise zu mehr Ankerpunkten.

Julian findet Halt und einen Anker im Gebet. Und das darf auch klagend sein, das kann von allem erzählen, was gerade oben auf liegt - auch vom Zweifel:

Der Zweifel ist wichtig, Kritik an Glauben, an Kirche, auch wie ich manchmal auf mein Leben gucke - der Zweifel ist total wichtig.

Aber an einer Glaubensaussage, der Auferstehung, daran zweifelt er nicht:

Ich hab keine Angst, dass nach dem Tod nichts kommt - ich bin felsenfest überzeugt und da hab ich auch gar kein Zweifel, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, wie wir immer sagen. Und die Erfahrungen, die ich gemacht hab mit den Menschen zwischen Leben und Tod, die schon mehr sehen und fühlen können als wir, hat mich das noch fester glauben lassen - ich bin der festen Überzeugung: der Tod hat nicht das letzte Wort und trotzdem hab ich Angst vor dem Tod, weil ich das Leben sehr, sehr liebe.

Ein Leben, das sich inzwischen auch der Seelsorge in einer Millionenmetropole verschrieben hat - in dieser Aufgabe hat der promovierte Theologe ganz viel Sinn gefunden. Etwa im Hamburger Stadtteil St. Georg:

St. Georg ist der Stadtteil direkt am Hamburger Hauptbahnhof - und es ist ein wundervoller und wundervoll herausfordernder Stadtteil, zumal wir mit die höchste Obdachlosigkeit und Drogenkriminalität haben und  auf der anderen Seite mit die höchsten Mieten weil es  ein Stadtteil  in der Innenstadt direkt an der Alster ist. Und zu unserer Aufgabe in St. Georg gehört, dass wir zweimal die Woche mit einer tollen Gruppe von Ehrenamtlichen Essen für alle machen - und die Menschen, die auf der Straße leben setzen wir an eine lange Tafel und bedienen die am Platz und dann gibt es Wärme und Würde und Suppe.

Julian Sengelmann glaubt auch: jeder Mensch hat eine sinnvolle Aufgabe hier auf der Erde - und das hat mit seinem Lieblingswort auf hebräisch zu tun:

Mein Liebling-hebräisches Wort heisst “Hineni” -das heißt: “Hier bin ich” und das kommt in den biblischen Geschichten immer wieder vor, wenn Prophetinnen und Propheten sich erst weigern. Die werden von Gott gerufen und dann sagen sie immer: Auf gar keinen Fall, mich kann Gott nicht meinen, aber Gott meint die Person, denn niemand hat sich wie eine Heldin oder ein Held gefühlt, alle sind mit Narben beladen wie wir alle. Und irgendwann verstehen sie: Ah ich bin es, und dann sagen sie dieses Wort:  Hineni - das heißt einfach nur: Hier bin ich und das ist der größte Ausdruck von Aufmerksamkeit den es überhaupt gibt in der biblischen Tradition. Das ist kein: ich bin  mit meinen Gedanken schon woanders oder guck nochmal schnell auf mein Telefon, sondern: ich bin wirklich hier. Hier bin ich. 

Dieses Gefühl will er Menschen geben, die ihm als Seelsorger begegnen. Und dieses Gefühl hat er selbst, wenn er zu seinem Schöpfer betet: Hineni - hier bin ich. 

*Julian Sengelmann: Ankerpunkte. Was dir Halt gibt, wenn das Leben stürmisch ist. bene!Verlag München 2025.

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12APR2026
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Lucas Zehnle Foto: Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Pfarrerin Barbara Wurz trifft  Lucas Zehnle

Seit seiner Kindheit sitzt er im Rollstuhl – und das hat natürlich Auswirkungen auf seinen Alltag: auf ganz alltägliche Dinge, über die ich mir normalerweise gar keine Gedanken mache: Wo zum Beispiel die Bremse ist in seinem Auto:

Ich kann halt meine Beine zum Autofahren nicht benutzen.(...) Das behilft sich aber relativ leicht durch ein Auto mit Automatik. Es übernimmt die Schaltung komplett und ich fahr halt eben mit den Händen, also über Handgas und Handbremse und hab wie bei einem Traktor zum Lenken so einen Knopf auf dem Lenkrad. Und das war schon der ganze Zauber.

Lucas Zehnle ist ein sportlicher Typ Mitte dreißig. Und mit seiner frischen und offenen Art genau der richtige Hauptdarsteller für die neue Web-Serie „Wheel Life“ die kommende Woche an den Start geht. Geplant sind sechs Kurzfilme, produziert vom Evangelischen Online-Magazin Indeo – um auf unterhaltsame und niederschwellige Weise Einblick in die Perspektive von Lucas zu geben. Und die Produktion ist auch für Lucas die Gelegenheit gewesen, ganz neue Sachen auszuprobieren:

Also, wie ich Auto fahre, das weiß ich. Aber was es bedeutet, inklusive Mode zu gestalten, worauf man da guckt, was die wichtigen Faktoren und dann auch über die Bedarfe von einem Rollstuhlfahrer hinaus an an Kleidung gestellt werden (...) das war mir überhaupt nicht klar.

Dass es das überhaupt gibt - spezielle Mode für Menschen mit Beeinträchtigungen – auf solche Spuren bringt mich die Web-Serie „Wheel Life“. Oder auch auf die Frage, wie Rollstuhl-tauglich das Volksfest beim Cannstatter Wasen eigentlich ist. Im Kurzfilm auf Youtube klingt das dann so:

Herzlich willkommen zum offiziellen Barrierefrei-Wasen-Check. Wir gehen der Frage nach: Wie gut komme ich als Rollstuhlfahrer auf dem Wasen klar? Ich bin der Lucas – und jetzt geht’s los.

Bereits als Jugendlicher auf Ferienfreizeiten des CVJM und auch später, in seiner Zeit beim Jugendwerk hat Lucas ein Gespür dafür entwickelt, wie möglichst alle mitmachen können – ob mit Beeinträchtigung oder ohne. Auch später hat er sich mit Inklusion beschäftigt.

Am 14. April ist es soweit und geht die erste Folge von „Wheel Life“ online. Und wird im Internet zu finden sein auf Youtube, unter Indeon.de und auf den dazugehörigen Social-Media-Kanälen. Das erste Thema: Lucas` große Leidenschaft fürs Hand-Biking.

Die Folge, die wir jetzt gedreht haben übers Handbiken, hat tatsächlich dafür gesorgt, dass ich einigermaßen fit war im Radsport(...) Und plötzlich brauchten wir eine coole Szene in einem Rennen. Also habe ich an einem Rennen teilgenommen und es war sensationell.

In einer anderen Folge von „Wheel Life“ testet Lucas auf dem Cannstatter Wasen die Achterbahn. Und so hört sich sein Facit im Film dann an:  

Das war jetzt wirklich echt ne coole Begegnung, ein cooles Fahrgeschäft. Ich habe das noch nie so erlebt, dass man wirklich über ne Rampe zur Achterbahn fahren kann. Mir wurde auch Hilfe angeboten. Das hat echt Spaß gemacht, war cool.

Für Lucas Zehnle bietet „Wheel Life“ allen Interessierten die Chance, einmal seine Perspektive als Rollstuhl-Fahrer einzunehmen.

Also, es wäre natürlich spitze, wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer, wenn sie das gucken, genauso vieles noch mal lernen wie ich in den Folgen.

Um anderen einen Einblick zu geben hat Lucas Zehnle mitgemacht bei „Wheel Life“. Und hat dabei auch selbst profitiert:

Ich bin, glaub ich, derjenige, der am meisten gelernt hat und ich hab mich komplett drauf verlassen, dass ich eben gerne kommuniziere und gerne auch dann im Scheinwerferlicht stehe und dachte mir, ja, das muss reichen, wenn die mich wollen, ja, dann probieren wir das aus, es kann nichts passieren.

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06APR2026
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Fabian Schwarz und Sabine Winkler Copyright: Sabine Winkler

Die SWR1 Begegnung mit Sabine Winkler und Fabian Schwarz. Er ist freier Redner, Moderator, Bühnencoach und – Kabarettist! 

„2011 bin ich mit meinem Soloprogramm an den Start gegangen und habe aber schon einige Jahre davor, mit einem Freund zusammen Musik-Comedy gemacht: „Besenreim“. Wir waren halt nie perfekt, wir waren immer so ein bisschen schlecht, aber wir waren ziemlich lustig und das hat uns ausgemacht. Von dem her ist der Humor immer dabei.“

Wenn ich mit Fabian Schwarz rede, dann muss ich fast schon aufpassen, dass unser Gespräch nicht die nächsten Sketche für eine Bühnenshow liefert. Denn immer wieder kreiert er humorvolle Blickwinkel:

„Man kann sich ja immer entscheiden: Wenn mir irgendwas Blödes passiert, entdecke ich dann die Komik darin oder sage „Öööh es ist ja alles jetzt so scheiße!“ Und die meisten Sachen, die uns passieren, die irgendwie schlimm sind, sind ja gar nicht schlimm. Wie oft haben wir beimRückwärtseinparken ein anderes Auto so krass geschubst, dass es dann in den Fluss reingefallen ist oder so? (lacht herzhaft). Es ist nicht so das treffendste Beispiel. Aber weißt du, die meisten Dinge sind ja nicht so tragisch.

Sein herzhafter Lacher sagt es: Ein wenig Humor schafft erstmal Distanz zur Sache.

„Also mir ging es oft so in meinem Leben, dass wenn ich einen Konflikt mit jemandem hatte oder auch eine Situation, wo es schwierig war. In dem Moment, wo ich mir überlegt habe, wie könnte ich das Ganze auf der Bühne kabarettistisch verarbeiten? Ab dem Moment hatte ich wieder Handlungsfähigkeit, weil es dann so diese Distanz hatte, vielleicht auch ein Perspektivwechsel. Und da habe ich wieder den Blick nach vorne bekommen.“

Die richtige Dosis Humor und eine Prise Selbstironie können helfen, leichter durchs Leben zu gehen – davon ist Fabian Schwarz überzeugt. Es geht darum sich selbst nicht zu ernst zu nehmen:

„Das finde ich auch auf der Bühne, egal ob jetzt als Rednerin, Redner oder auch als Kabarettist ganz wichtig, über mich selbst lachen zu können!“

Fabian Schwarz ist gläubiger Katholik und kirchlich sozialisiert. Es liegt daher auf der Hand, dass er schon einige Auftritte in Kirchengemeinden hatte. Katholische Kirche, Glaube und das ganze humorvoll betrachten? – Das geht für ihn, erstaunlich gut sogar:

„Ich finde, dass man da auch Witze drüber machen darf, bis hin sogar zu der Frage, ob nicht der Gott, an den wir als Christinnen und Christen glauben, der uns in der Bibel beschrieben wird, ob der nicht so ein starker Gott ist, dass wenn es irgendjemand aushält, dann er, ne?

Also, der ja auch sich von Hiob gefallen lassen musste, irgendwie angefeindet zu werden und angemotzt zu werden und da denke ich mir: Dann steht er da schon drüber. (Schmunzelt)

Ja, ich glaube… also wenn du jetzt davon ausgehst, wenn er oder sie das geschaffen hat und so runter guckt… und dann denkst du so „Oaah - meine Schöpfung“ (lacht herzhaft) – das geht glaube ich, oft nur mit Humor!“

Gott ist stabil und muss Humor haben – das glaub ich auch, wenn ich an unser menschliches Verhalten im Alltag denke.

Während unseres Gesprächs holt er die Bibel und verweist dann auf die Stammvatergeschichte, in der Gott Abraham verkündet, dass Sarah, seine Frau ein Kind bekommen wird. Die hört es und weil sie aber schon ziemlich alt ist, lacht sie.

„Gott kriegt es ja schon mit. Und er fragt dann ja auch Abraham „Äääh, warum hat denn Sara gelacht?“ Und Sara hat dann Angst und sagt „Ääh, ich habe gar nicht gelacht!“ und Gott sagt „Doch, doch, du hast gelacht.“ Aber er lässt es so stehen. Es gibt keine Strafe. Das ist für mich ein sehr starker Beleg so: Gott hält es aus, weil er schon natürlich darum weiß, was in uns vorgeht und was für Reaktionen passieren. Und weil er schon wahrscheinlich auch ein Verständnis für Komik hat.“

Schwarz hat katholische Theologie studiert und arbeitet in einem Feld, das typisch für die Kirche ist: Beerdigungen. Als selbstständiger, freier Theologe schreibt er Reden für Trauerfeiern. Wie geht das mit seiner humorvollen, kabarettistischen Seite zusammen?

Also ich finde auch bei einer Trauerrede ist es schon auch wichtig, wenn es schöne, lustige Geschichten gibt über den Verstorbenen oder die Verstorbene, dann müssen die Geschichten ja auch in die Rede rein. Das wäre ja verschenkt.

Wenn du dann so einen Moment hast, wo die ganze Trauerhalle einmal kurz lacht, weil alle irgendwie connecten können und sagen „Ja, genau so war sie oder so war er.“

Manchmal ist Fabian Schwarz auch für freie Trauungen unterwegs. Ich frage mich, wieso er dann nicht in der Kirche arbeitet, oder ist seine Arbeit keine Konkurrenz zur Katholischen Kirche?

„Ich finde das gar nicht, dass es Konkurrenz ist. Ich glaube, dass Menschen, die sich für eine freie Trauung entscheiden, sich sehr bewusst für eine freie Trauung entscheiden. Genauso wie Menschen, die kirchlich heiraten, sich sehr bewusst für eine kirchliche Trauung entscheiden. Ich sitze ja nicht als Brautpaar zu Hause vorm Rechner oder am Tablet und gucke, wer hat die besseren Google Bewertungen?

Die Gründe, weshalb seine Kunden ihn auswählen, sind unterschiedlich. Mal kommen sie mit Frust wegen einer schlechten Kirchenerfahrung und manchmal auch, weil sie gar kein Kirchenmitglied sind und dennoch das Bedürfnis haben, ein Ritual zu finden, ein paar schöne Worte bei ihm zu bekommen, die unterstützen, die tragen.

In Zeiten von Mitgliederaustritten interessiert mich dann auch noch, ob seine Kunden denn überhaupt gläubig sind?

„Wenn ich frage, zum Beispiel im Trauergespräch, „Ja, gab es denn einen Glauben? -“ „Nee, haben wir eigentlich nicht drüber gesprochen“. Oder dann frage ich so: „Haben Sie da einen Glauben oder eine Vorstellung, was nach dem Tod so vielleicht ist?“ - „Hm…“ Und dann kommt aber trotzdem ganz viel so an „Ja, der guckt jetzt da von oben runter.“ (…)

Ich glaube schon, dass ganz viele so eine Sehnsucht haben oder so eine Hoffnung und eben nicht nur, weil es dann halt für die Kinder leichter ist, wenn man sagt, der Opa ist jetzt oben und guckt runter. (…) Also ich glaube, da steckt viel mehr Hoffnung in uns, als wir uns vielleicht manchmal als Menschen zugestehen.“

Das ist auch die Botschaft von Ostern: Der Tod hat eben nicht das letzte Wort. Daran glaubt auch Fabian Schwarz und das gibt ihm die Gelassenheit und den Grund humorvoll durchs Leben zu gehen.

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05APR2026
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Oliver Mommsen Foto: Privat

Heute mit Martina Steinbrecher und dem Schauspieler Oliver Mommsen. In der ARD läuft heute Nachmittag um 15.30 Uhr ein neuer Film mit ihm in der Hauptrolle: „Oliver Mommsen und das Rätsel von Ostern“. Als Kind hat er Ostern geliebt.   

Also, es ging um Überraschungen, es ging um viel Schokolade, es ging um Familie ist zusammen. Im schönsten Fall gab es dann auch den Osterspaziergang. Das war so der Haupttenor: Zusammensein und überall in irgendwelchen Büschen tauchten irgendwelche Überraschungen auf.

Ums Überrascht-Werden geht es dann auch in dem halbstündigen Oster-Film. Ein himmlischer Taxifahrer mit dem vielversprechenden Namen Gabriel Engel fährt Oliver Mommsen quer durch die Republik zu Menschen, die allerorten ganz unterschiedliche Osterbräuche praktizieren. Der ahnt nicht einmal, was ihn dort jeweils erwartet.

Ich bin überall reingepurzelt und fand das alles nur aufregend, spannend, bereichernd, lustig und auch bis zum gewissen Grad irre. Und als dann irgendwann uns auch noch der Osterhase überholt mit seinem doch wirklich sehr speziellen Gefährt; also es war jedes Mal so, der Vorhang öffnet sich …

So viel sei schon mal verraten: Deutschlands dienstältester Osterhase nimmt Oliver Mommsen mit in eine Kinderklinik. Dort verteilen die beiden bunt gefärbte Ostereier an sterbenskranke Kinder. Bei manchen schleicht sich dabei ein schüchternes Lächeln aufs Gesicht. Trotzdem frage ich mich: Was kann so ein buntes Ei schon ausrichten gegen den Tod, der dort allgegenwärtig ist?

Was man aus dem Ei macht, ist ja jedem selbst überlassen, also welcher Gedanke mitschwingt, das ist ja, wenn einem die Geschichte nicht erzählt wird, weißt du nicht, wie groß sie ist. Und der Gedanke des Neubeginns, des Wiederanfangs, der ja auch zu dem Zeitpunkt bei uns jetzt einhergeht mit Frühling und mit es wird wieder hell, es wird wieder warm, und aus diesen komischen Töpfen, die tot aussehen, kommen plötzlich wieder Keimlinge und Pflanzen und Blüten und so weiter und so fort. Das ist ja um einen rum, ist ja ein kompletter Neuanfang und dass zeitgleich dann auch dieser wirklich große Gedanke des christlichen Glaubens zeitgleich stattfindet. Wer das sehen möchte, kann das sehen. 

„Wenn einem die Geschichte nicht erzählt wird, weißt du nicht wie groß sie ist.“ Das klingt wie das geheime Drehbuch zum Film: Denn er erzählt auch die große Oster-Geschichte von Jesu Tod und von seiner Auferstehung. Ich frage Oliver Mommsen direkt: Glauben Sie an die Auferstehung?

Was wäre denn, wenn? Stell dir mal vor, es hätte Jesus gegeben. Stell dir vor, und da gibt es ja auch die ein oder anderen Fakten sozusagen, man hätte ihn getötet und plötzlich geht in unserem Kopf etwas auf, was wir uns eigentlich nicht vorstellen können. Es geht trotzdem weiter. Was macht das mit dir? Du musst jetzt nicht sofort Kirchensteuer zahlen und irgendwie dich entscheiden für irgendeinen Glauben, aber lass es mal zu. Und da bin ich sofort dabei, da springe ich gerne mit rein.

Reinspringen – und sehen, ob es trägt – für mich eine ganz schöne Beschreibung von dem, was Glauben ist.

Mit dem kundigen Taxifahrer Gabriel Engel an seiner Seite nähert Oliver Mommsen sich im Film dem Kern des christlichen Osterfests. Nachdem sie Milchkannenschießen und Osterhasenrituale hinter sich gelassen haben, bleiben die Aussagen der biblischen Texte: Der Tod hat seine Macht verloren. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Da wartet ein neues Leben nach dem Tod.

Das hilft einem ja. Es hilft einem ja zu denken, ey, das ist nicht das Ende. Keine Ahnung, wo es hingeht, aber das ist nicht das Ende. Finde ich für so ein kleines Menschenhirn auf jeden Fall ein schönes Trostpflaster oder eine schöne Seitentür, wo man sagen kann, nee, ist nicht, das weißt du ja nicht, lass dich mal überraschen.

Da ist sie wieder: Die Überraschung. Immer wieder hat sie ihren Auftritt gehabt. In den Lebensgeschichten rund um Ostern, im Film und in unserem Gespräch. Und vielleicht ist sie ja überhaupt ein ganz guter Wegweiser, um sich dem Geheimnis von Ostern zu nähern: Lass dich überraschen! Lass den Gedanken einfach mal zu, dass es wahr sein könnte, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Jedes Jahr öffnet das Osterfest diese Chance: Mit Traditionen, die sich wiederholen, in der Kirche mit den immer gleichen Erzählungen. Und gerade weil das Fest verlässlich wiederkehrt, hält es unerwartete Überraschungen parat. Oliver Mommsen kennt solche Momente, wenn er seine Texte für Film oder Theater auswendig lernt. Und sie dafür fünfzig, siebzig, hundert Mal liest und wiederholt:

Und plötzlich aber, je tiefer du gehst und je mehr du dich damit beschäftigst, liest du in dem gleichen Text andere Sachen. Und deswegen bin ich sehr für die Wiederholung und dem immer wieder Auseinandersetzen mit dem gleichen Text, wenn es denn tolle Texte sind, die Bestand haben. Sie gehen ja auch mit Gedanken um, die vor Ihnen schon ganz, ganz viele gedacht, ausgesprochen, interpretiert haben. Sie gehen ja auch immer wieder neugierig, nehme ich mal an, an die Bibel ran.

Die Neugier – eine schöne Haltung, um heute das Osterfest zu feiern. Vielleicht mit Oliver Mommsen und dem Rätsel von Ostern: Um 15.30 Uhr in der ARD

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03APR2026
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Laura und Gudrun Höhn Copyright: Nadja Oberste-Lehn

Karfreitag erinnert an die Kreuzigung Jesu. An eine Geschichte von Tod, Abschiednehmen und trauern.
Über Jahrhunderte war die Kirche der Ort, an dem Menschen gelernt haben, mit solchen Situationen umzugehen. Doch das ist längst nicht mehr immer so. Heute ist nur noch jede zweite Beerdigung eine kirchliche. Die Zeiten haben sich geändert und die Rollen auch. Wenn jemand stirbt, reden Angehörige meist nicht zuerst mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer. Sie rufen beim Bestatter an.

Was dort passiert und wie Angehörigen begegnet wird – das möchte ich in Tübingen erfahren. Ich treffe Gudrun und Laura Höhn, Mutter und Tochter. Laura ist Bestattermeisterin im Familienunternehmen, ihre Mutter Gudrun hat dort ein Begegnungscafé eingerichtet.

Zunächst spreche ich mit Laura, sie ist Anfang 30 und hat zuvor einige Jahre in der Wirtschaft gearbeitet. Und jetzt: Jeden Tag Trauer, Tod und Leid. Warum hat sie sich für diesen Job entschieden?

Weil ich den Bereich sinnvoll finde, diese Übergänge zu schaffen und für Menschen da zu sein, die gerade nicht wissen wohin. Und das auch erlebe in dem Feedback.

Tatsächlich hat ihr gerade eine Frau gesagt, dass sie eigentlich etwas ganz anderes erwartet hat, als sie zu ihr ins Bestattungshaus gekommen ist.

Das war ein Musstermin und das kann ich total nachvollziehen. Es will ja eigentlich keiner da sein. Und wenn ich dann höre, dass sie völlig erleichtert wieder gegangen ist, dann ist alles erfüllt.

Laura Höhn hat zwar keine seelsorgliche Ausbildung, aber ich erlebe sie empathisch und gleichzeitig sehr reflektiert. Wie geht sie damit um, dass sie eigentlich nie vorher weiß, in welcher Situation und in welchem Zustand Menschen zu ihr kommen?

Es sind nicht meine Emotionen, die da passieren. Und trotzdem möchte ich mitfühlend sein, aber trotzdem auch zu wissen, wo die Grenze ist. Das heißt, ich bin auf vielen Ebenen, glaube ich, Begleiterin. Begleiterin im Herausfinden, was sie gerade brauchen. Weil viele das erst mal nicht wissen und wir zusammen diesen Weg gehen.

Das hört sich für mich nicht nur nach jemandem an, der die Beerdigung abwickelt. Laura Höhn ist es sehr wichtig, viel zu erklären und nicht nur rechtliche Vorgaben umzusetzen.

Warum brauche ich einen Sarg? Was soll mir die Urne bringen? Da einen roten Faden zu gestalten und auch zu erklären, was das emotional für sie bedeuten könnte.

Tote bestatten und trauernde Menschen gut zu begleiten, darin sieht Laura Höhn ihre Aufgabe. Sie selbst hat sich von der Institution Kirche zwar distanziert, aber eine Haltung zum Glauben hat sie trotzdem – und das finde ich persönlich wichtig.

Ich glaube daran, dass es mehr gibt, als wir zwischen Himmel und Erde erkennen und sehen können. Ich respektiere jedoch, und das ist glaube ich das Wichtige für meine Arbeit, wo das miteinfließt, jegliche Form von Glauben oder Nichtglauben, die mir begegnet. 

Nun treffe Gudrun Höhn, Lauras Mutter. Beide arbeiten zusammen im Familienbetrieb. Vor ein paar Jahren hat Gudrun Höhn dort ein Begegnungscafé eingerichtet.

Als ich über den Hof laufe, fällt mir sofort die Kreidetafel auf mit dem Wort „Leichenschmaus“. Ich zucke ein wenig zusammen, weil ich dachte, dieses Wort verwendet man heute nicht mehr so gern. Gudrun Höhn mag das Wort:

Weil es genau das bezeichnet, was es ist. Ich finde das Essen wichtig und ich finde den Verstorbenen wichtig. Und das ist so ein bisschen ein Begriff, der knallt. Und ich mag es gern knallen. Es ist uralt, dieses Wort und es hat eine Historie und deswegen mag ich es.

Nach einer Trauerfeier mit Familie und Gästen nochmals zusammenzusitzen, das war lange selbstverständlicher Teil einer Trauerkultur. Gudrun Höhn beobachtet, dass viele sich schwertun mit dem Thema Tod und Trauer, und am liebsten alles schnell hinter sich bringen wollen. Deshalb ermutigt sie Angehörige, nicht gleich auseinanderzugehen.

Ich würde es jedem empfehlen und einfach mal zu gucken, was passiert. Es ist etwas, was man nicht vorgreifen kann. Diese Überraschung, die ist immer sehr spürbar hier bei allen Gästen, die da gewesen sind.

Das kann ich mir jetzt schwer vorstellen, wie ein Trauer-Kaffee mit Überraschung zusammenpasst.

Dass ich mit Menschen, die ich über Jahre nicht gesehen habe, plötzlich aufgrund dieser Situation mich in einer Gemeinschaft befinde, die mir guttut. Schon das ist Überraschung. Dass was guttun kann, dass irgendwas als schön empfunden werden kann, auch zu diesem scheinbaren Paradox Tod und Verlust.

Dass ein Bestattungshaus gleichzeitig ein eigenes Café hat, das gibt es äußerst selten. Für Gudrun Höhn ist es die Antwort, auf das, was sie seit langem wahrnimmt.

Es ist eine gewisse Scham, ein gewisses Verbergen wollen. Es gibt viele Menschen, die andere Menschen nicht weinen sehen können. Ja, warum denn nicht? Weinen ist Bewegung. Weinen ist Zeigen einer Emotion. Da passiert was. Das kann entlasten. Das kann erleichtern.

Das Café ist für sie ein Plädoyer an die Angehörigen: Zeigt, wie es Euch wirklich gerade geht!  Sie selbst hat diesem Ort den Namen „Café Inspiration“ gegeben. Denn sie will inspirieren:

Für ganz viele Dinge –  Ich darf frei sein. Ich muss traurig sein nicht definieren. Ich muss hier nicht traurig sein. Ich darf lustig sein. Ich darf Schnaps trinken. Ich kann hier lachen dürfen. Es hat auch etwas Befreiendes. Und für uns gibt es hier kein Richtig und kein Falsch.

Zum Schluss spreche ich mit Gudrun Höhn noch über ihren eigenen Blick auf den Tod und erfahre dabei etwas Überraschendes. Sie ist gelernte Hebamme. Sie hat also einen professionellen Blick – sowohl auf den Anfang des Lebens und auch dann, wenn es zu Ende geht.

Bei dem Übergang Geburt weiß ich, wo ich hingehe. Dieses Mysterium „Was kommt nach dem Tod?“, das bleibt verborgen. Und das darf es. Und da eine Gelassenheit zu bekommen und auch einfach irgendwann mal zu sagen: Okay, ich genieße das, was ich habe im Augenblick und ich nehme das, was kommt, dann werd ich den Rest auch hinkriegen.

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