Manuskripte

SWR3 Worte

30NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Eine kleine Geschichte eines Weltverbesserers:

Ein Rabbi fasste eines Tages einen wichtigen Entschluss: Da es überall auf der Welt so viel Leid und Streit gab, beschloss er, gleich am nächsten Tag damit zu beginnen, die ganze Welt zu verbessern. Als er am nächsten Morgen aufwachte, schien ihm das geplante Projekt doch ein bisschen hoch gegriffen. So entschied er, nur das Land, indem er lebte, zu verändern. Schon am Nachmittag empfand er, dass wohl auch diese Aufgabe zu schwer sei. „Es genügt ja auch, wenn ich meine Heimatstadt in Ordnung bringe“, dachte er (…). Doch beim Abendessen wurde ihm auch angesichts dieser bevorstehenden Aufgabe schwindelig. Er entschied schweren Herzens, nur der Straße, in der er lebte, zu einer besseren Moral zu verhelfen (…). Beim Zubettgehen aber schwante ihm, dass es ihm wahrscheinlich nicht einmal gelingen werde, seine eigene Familie zur Besserung zu bewegen. Da legte er sich in die Kissen, schloss die Augen und hatte begriffen: „Also muss ich halt mit mir selbst beginnen.“

Quelle: Andere Zeiten – Das Magazin zum Kirchenjahr (3/2019), unbekannter Verfasser, Kleine Brötchen backen, S. 24.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29835
29NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Vom Theologen Anthony de Mello stammt folgende Geschichte:

Der Uhrmacher war gerade dabei, das Pendel einer Uhr zu befestigen, als dieses zu seinem Erstaunen zu sprechen begann. „Bitte, Sir, lassen Sie mich in Ruhe“, bat das Pendel.

„Sie täten mir einen großen Gefallen. Bedenken Sie, wie oft ich Tag und Nacht werde ticken müssen. So oft in jeder Minute, sechzig Minuten in der Stunde, vierundzwanzig Stunden am Tag, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr. Und das Jahr um Jahr … Millionen Mal ticken. Das schaffe ich nicht.“

Aber der Uhrmacher erwiderte: „Denke nicht an die Zukunft. Ticke einfach ein um das andere Mal, und du wirst jedes Tick-Tack für den Rest deines Lebens genießen.“

 

Quelle: Anthony de Mello, Einfach ticken, in: in: Die Mitarbeiterin, Werkheft der Katholischen Frauengemeinschaf Deutschlands (kfd), Ausgabe 1/Januar-Februar 2013, S. 37.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29834
28NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Der Wirtschaftspsychologe Bertold Meyer hat gelernt, seinen Körper so anzunehmen, wie er ist. In einem Interview erzählt er seine Geschichte:

„Ich bin ohne linken Unterarm geboren worden. Als Kind fand ich das nicht so schlimm. Bis ich zwölf war, trug ich gar keine Prothese. Dann war ich bei den Pfadfindern und bekam eine Art Metallhaken, damit konnte ich Rad fahren und Messer und Gabel halten. In der Pubertät willst du dann so sein wie die anderen. Ich bekam eine hautfarbene Gummihand und habe versucht, meine Behinderung zu verstecken. Das merken die Leute. Auf einmal waren sie befangen. Heute trage ich meine Prothese in einem durchsichtigen Handschuh. Das ist ein Stück Hightech, das darf man auch sehen. Ich kann alle Finger bewegen, eine Kaffeetasse umschließen, mit ihr binde ich Schnürsenkel so schnell wie jemand mit normaler Hand. Sie hat mir ein anderes Verhältnis zu meinem Körper vermittelt. Käme eine Fee und sagte, ich hätte drei Wünsche frei, eine zweite Hand wäre nicht dabei.“

Quelle: ZEIT, gefunden auf Instagram (01.09.2019); Protokoll: Cosima Schmitt; aus der ZEIT-Ausgabe 36/2019 (letzter Zugriff: 15.10.2019)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29833
27NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die Sea-Watch Kapitänin Carola Rackete zur hitzigen Debatte über die Seenotrettung:

„Ich werde nicht darüber diskutieren, ob man Menschen aus Seenot rettet. Bei der öffentlichen Diskussion geht es nicht um das Seerecht, sondern um Rassismus.

 

Quelle: gefunden auf Instagram, Tagesschau (07.09.2019)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29832
26NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die niederländische Schriftstellerin Conni Palmen hat nach dem Tod ihres Mannes ein Buch geschrieben. Darin beschreibt Sie, wie sie heute anderen, die trauern, hilft:


„Alle versuchen einen zu trösten. Es ist für die Familie und die Freunde kaum auszuhalten, wie schlecht es einem geht. (…) Wenn in meinem Freundeskreis jetzt jemand seinen Mann oder seine Frau verliert, weiß ich, was ich tue: Ich mache einen großen Topf Suppe, packe ein paar Sachen ein, fahre hin und sage fast nichts. Ich empfange den Besuch, damit der Trauernde sitzen bleiben kann. Ich mache Kaffee, hole Wein, all die einfachen Dinge.“

 

Quelle: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/leben-und-gesellschaft/trost-unfall-tod-krankheit-79636 (letzter Zugriff: 15.10.2019)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29831
25NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Eine Weisheit aus Brasilien für den Start in die neue Woche:

 

Lobe jeden Tag drei Personen. Erlebe wenigstens einmal im Jahr einen Sonnenaufgang. Sieh den Menschen in die Augen, wenn du mit ihnen sprichst. Lerne ein Musikinstrument spielen. Singe unter der Dusche. Gib weniger aus, als du verdienst. Beherrsche drei gute Witze. Spende Blut. Sei immer auf der Suche nach neuen Freunden. Behalte Dinge für dich, die dir anvertraut wurden. Überrasche Menschen, die du magst, mit kleinen Geschenken. Akzeptiere immer eine Entschuldigung. Erkenne deine Fehler. Fahre häufiger mit dem Fahrrad. Behalte die Namen deiner Mitmenschen.


Quelle: Die Mitarbeiterin, Werkheft der Katholischen Frauengemeinschaf Deutschlands (kfd), Ausgabe 4/Juli-August 2014, S. 40

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29830
24NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die Süddeutsche Zeitung hat ganz verschiedene Leute dazu interviewt, wie sie mit Krankheit umgehen. Rita K. ist vor zwei Jahren an Brustkrebs erkrankt. Sie erzählt, was ihr geholfen hat:


„Wenn ich am Heulen war, habe ich niemanden gebraucht, der mir ein Taschentuch nach dem anderen gibt. Sondern jemanden, der einfach nur bei mir war und es ausgehalten hat, dass ich alles rausgelassen habe. (…) Viel hilfreicher als in Watte gepackt zu werden, fand ich es, wenn einer meiner Freunde auch mal etwas Unbequemes gesagt hat. Nach der letzten Chemotherapie, als meine Haare schon wieder teilweise nachgewachsen waren und ich begonnen hatte, die Perücke wegzulassen, hat ein Freund gesagt: ‚Mein Gott, wie sieht das denn aus, setz bitte die Perücke wieder auf!‘ So was klingt erst mal hart, aber für mich war wichtig, dass er mich in dem Moment nicht als arme Krebskranke behandelt hat, die man schonen muss.“

Quelle: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/leben-und-gesellschaft/trost-unfall-tod-krankheit-79636 (letzter Zugriff: 15.10.2019)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29829