Manuskripte

SWR3 Worte

Der Pfarrer Gottfried Rösch hat in Tansania und England gelebt. Abschiednehmen und Neuankommen sind ihm vertraut und für ihn ist klar: Unterwegssein gehört zum Leben dazu. Er erzählt:

„Seit es Menschen gibt, wandern wir und sind Migranten. […]

Adam und Eva verlassen ihr Zuhause, Kain erschlägt Abel und geht in die Fremde, […] Mose und Miriam ziehen aus der Knechtschaft in die Freiheit. Mit Neugier – und mit Angst vor Neuem. Mit Gastfreundschaft - und mit Konflikten, die gelöst werden müssen. […]

Es kommen Weise aus dem Morgenland zu Jesu Krippe, die Familie flieht dann nach Ägypten. […]

Gott selbst wandert um die Welt, und ein Wandersmann kann sich als Engel erweisen. Migration ist die Kraft der sozialen Veränderung und der kulturellen Weiterentwicklung. […]

Seit es die eine Menschheitsfamilie auf unserem einen Planeten gibt, wandern wir und sind Migranten.“

Gottfried Rösch; e-migration.de; In: http://www.e-migranten.de/text

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Timo Brunke ist Performance-Poet und steht bei Poetry-Slams regelmäßig auf der Bühne. Der Glaube ist ihm dabei zugleich Trost und Antriebskraft. Er erzählt:

„Ich habe niemals aufgehört, über das Wunder und die Zumutungen des Daseins zu staunen und verwirrt zu sein. Deswegen: Ich glaube, ich bin ein moderner, religiöser Mensch. Glauben heißt für mich, die engen Grenzen meines Wissens und Meinens zu sprengen. Wildes Fragen ohne Erwartungen. Rock’n’Roll der Seele. Auflehnung und Trost“

Timo Brunke; Dichten über Gott und die Welt. Timo Brunke im Interview mit Nadja Otterbach

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Am Anfang eines Neuen Jahres darüber nachdenken, welche Aufgaben es mit sich bringt und was ansteht. Der Schweizer Heilpädagoge Max Feigenwinter hat dazu eine Anregung. Er überlegt:  

„Ich bin ich,
einzigartig;
so gedacht,
so gewollt.

Meine Aufgabe ist es,
mich zu entdecken,
mich zu entfalten,
ich zu werden,
ich zu sein.

Max Feigenwinter; Ich bin ich

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Christian Collin, Vater von drei Kindern, mag die Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Er erzählt:

„Die anderen waren längst zu Bett gegangen und auch für mich war es eigentlich Zeit. Aber nach all den schönen, trubeligen, manchmal auch nervenden Tagen und Stunden konnte ich die weihnachtliche Stille ganz für mich allein genießen. […]

Ich habe den Kindern erzählt, dass Weihnachten längst nicht zu Ende ist, sondern bis zum 6. Januar geht. Dass die Tage und Nächte zwischen den Jahren ihre besonderen Geheimnisse und Chancen haben. Die will auch ich nutzen als nachdenkliche und erfüllte Zeit. Wann sonst kann man innehalten und den Reiz zwischen Altem und Neuem spüren, zwischen Erinnerung und Vorschau, wenn nicht in diesen Tagen?“

Christian Collin; Geheimnis und Chancen.

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Womit kann man das Neue Jahr vergleichen?
Mit schönen, unabgelaufenen Füßen, meint der Theologe Fulbert Steffensky und erzählt:

„Vor einiger Zeit besuchte ich mit meiner Enkeltochter eine Freundin, die ein Kind bekommen hat. Die Enkeltochter sah das Kind lange und bewegt an, und schließlich sagte sie: ‚Es hat so schöne unabgelaufene Füße!’
So ist es auch mit dem neuen Jahr: Es hat so schöne unabgelaufene Füße.

Immer wenn etwas anfängt - ein neues Leben, die Ehe von zwei Menschen, […] ein neues Jahr, überkommt Menschen eine Art gerührter Hoffnung. […] Jeder Anfang hat die Zartheit und den Glanz des Unverdorbenen. Jeder Anfang ist eine Erinnerung und ein Versprechen; eine Erinnerung an alle die Anfänge, die in Hoffnung begonnen wurden. Und ein Versprechen: Einmal wird es einen Anfang geben, der nicht in Kürze überholt […] ist.“

Fulbert Steffensky; Unabgelaufene Füsse

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Anderen zum Neuen Jahr Gutes zu wünschen, ist ein schöner Brauch. Die Dichterin Rose Ausländer tut das mal ein bisschen anders:

„Im neuen Jahr grüße ich meine nahen und die fernen Freunde
grüße die geliebten Toten
grüße alle Einsamen
grüße die Künstler, die mit Worten, Bildern und Tönen mich beglücken
grüße die verschollenen Engel
und grüße mich selber mit dem Zuruf: Mut“

Rose Ausländer; Im neuen Jahr

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Feste gehören zum Leben. Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler meint:

Wer im Ritual der Feiertage die eigene Existenz betrachtet, profitiert ohne Ende: Erwartung, die Ankunft neuen Lebens, […] Dankbarkeit, Trauer und Hoffnung auf Ewigkeit – alles hat seinen Ort in den Ritualen der christlichen Feiertage.

Auch der menschliche Lebensweg kennt Fest- und Trauertage. Geburt, Pubertät, Hochzeit, Alter und Tod sind […] Übergänge von einer Lebenssituation in die andere. […]

Es ist gut und richtig, Feste zu feiern, wie sie fallen, - die Ereignisse […] des Jahres und des Lebens bedürfen nicht bloß der schwarz gewandeten oder schillernden Aufmerksamkeit, sie verdienen sie auch.

Susanne Breit-Keßler; Feiertag in: http://www.e-wie-evangelisch.de/e-feiertagde

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