Manuskripte

SWR3 Worte

Wie erklärt man Kindern Gott? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat darauf ihre ganz eigene Antwort:

Gott ist wie Rhabarber. Das ist ganz einfach. Ich habe mit meiner vierjährigen Enkelin zusammen Erdbeer-Rhabarber-Marmelade gekocht. Sie hat ganz tapfer die grünen Stiele von den Erdbeeren abgeschnitten. Die Erdbeeren lagen dann alle über dem Rhabarber und sie sagte: "Man sieht ja den Rhabarber gar nicht mehr." Da habe ich gesagt: "Ja, das ist in der Marmelade dann auch so. Sie wird nämlich rot sein und wir werden den Rhabarber nicht mehr sehen."

Dann kamen wir irgendwie ins Gespräch, wie das mit Gott ist – und ich sagte: "Der ist da – genau wie der Rhabarber in der Marmelade." Sie hat das ihren Eltern erzählt – und sie haben sich tagelang Gedanken gemacht. Ich konnte das dann auflösen. Aber für meine Enkelin ist es bis heute klar: Gott ist wie Rhabarber.

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/142950/31-03-2017/katrin-goering-eckardt-ist-botschafterin-fuer-das-reformationsjubilaeum-gott-ist-wie-rhabarber

 

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Anderthalb Jahre lang war Bettina Wulff „First Lady“ der Bundesrepublik Deutschland. Dann der Rücktritt ihres Mannes, das Ende ihrer Ehe. Heute leitet sie ihre eigene PR-Agentur. In allem Auf und Ab gibt ihr der christliche Glaube Gelassenheit. Und sie erklärt auch, warum:

Ich muss vor Aufgaben im Leben keine Angst haben, weil ich mich auf meinen Glauben, der in mir verwurzelt ist, verlassen kann. Das schafft eine bewusstere Wahrnehmung der Welt, nicht getrieben zu sein, sondern ein Stück zur Seite treten zu können, um sich Dinge erst einmal anzuschauen. In dem guten Wissen, dass ich geborgen bin.

Hört sich manchmal etwas kitschig an, ist aber ein tiefes Gefühl, was über die Jahre immer mehr gewachsen ist. So eine Art Gottvertrauen ist für mich ein ganz großes Geschenk im Leben.

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/144091/01-06-2017/reformationsbotschafterin-bettina-wulff-gottvertrauen-grosses-geschenk-im-leben

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25175

Der Reformator Martin Luther im Fernsehen. Wie würde er auftreten? Wie reden? Der Wirtschaftsjournalist Frank Lehmann, bekannt als Berichterstatter von der Frankfurter Börse, stellt sich das so vor:

Wir haben ja jeden Samstag das "Wort zum Sonntag". Warum sollte Luther dort nicht auftreten? Wenn er diese harschen Thesen in der ihm eigenen Sprache bringt, dann hüpfen die Leute aus dem Sessel.

Das ist so eine geradlinige, klare, von mir aus auch brutale Sprache, die ist in dieser Welt unbedingt gefragt, die so ein bisschen vor sich hindümpelt mit Friede, Freude, Eierkuchen.

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/144628/29-06-2017/reformationsbotschafter-frank-lehmann-da-gehoert-jetzt-wieder-so-ein-kleiner-augustinermoench-her

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Freiheit ist ein Geschenk, aber auch eine Aufgabe. Meint der Schauspieler und Moderator Julian Sengelmann. Und er beschreibt den Weg zur Freiheit so:

Wichtig ist zu erkennen, was einen unfrei macht. Das sind oftmals ganz profane Dinge. Wenn alle meine Freunde ein bestimmtes Paar Schuhe tragen – und ich denke, ich müsste das auch. Muss ich aber nicht.

Freiheit ist das höchste Gut und wir müssen immer wieder prüfen: Was macht Freiheit aus, was macht unfrei und was muss ich tun, damit auch andere Menschen frei sein können?

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/145194/28-07-2017/julian-sengelmann-reformationsbotschafter-wir-duerfen-scheitern-wir-duerfen-zweifeln

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25173

Wohnt Gott im Himmel? Und wenn ja, wo? Johann-Dietrich Woerner ist Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Und er sieht das so:

Juri Gagarin, der erste russische Kosmonaut, hat ja gesagt, dass er Gott im Weltraum nicht gesehen hat. Man darf diese beiden Welten – Wissenschaft und Glauben – aber nicht auf diese Weise zusammenführen. Wenn ich mittels Wissenschaft versuche, Glauben zu erklären, dann komme ich immer dahin, dass ich sage: Glauben ist alles das, was ich nicht beschreiben kann. Und das ist mir zu wenig.

Glauben ist mehr. Glauben kann ich auch beschreiben. Und ich würde deshalb Gott auch nicht an einer bestimmten Stelle suchen, sondern in mir selbst. Aber ich brauche ihn nicht zu suchen. Ich weiß, er ist da! Er ist "über All", überall!

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/145755/01-09-2017/reformationsbotschafter-johann-dietrich-woerner-generaldirektor-der-europaeischen-weltraumagentur?kamp=b-012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25172

Glaube ist keine Privatsache fürs stille Kämmerlein, und Freiheit hat etwas mit Verantwortung für die Gesellschaft zu tun – meint der Bremer Jurist und Politiker Jens Böhrnsen. Er sagt:

Freiheit heißt eben nicht, egoistisch sein Leben zu leben ohne Rücksicht auf den anderen. Sondern Freiheit heißt, in der Verantwortung für das Miteinander, in Nächstenliebe zu leben. Und das hat natürlich Einfluss auf das Verständnis, wie ich gesellschaftliche Fragen angehe:

Ob ich mich zum Beispiel mit der sozialen Spaltung der Gesellschaft abfinde oder mit der Bildungsungerechtigkeit  - oder ob ich etwas dagegen tue. Ob ich eine Solidarität verspüre mit Menschen in unserer Gesellschaft, die am Rande stehen, mit Menschen, die in anderen Ländern dieser Welt Hunger und Not leiden. Und ob ich zum Beispiel Flüchtlinge willkommen heiße oder nicht. All das sind Fragen, die sich ganz unmittelbar aus dem Glauben heraus beantworten lassen.

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/146033/22-09-2017/reformationsbotschafter-jens-boehrnsen-ueber-bildung-freiheit-verantwortung-und-konflikte?kamp=b-012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25171

Wann ist ein Mensch wirklich frei? Der Regisseur und Produzent Nico Hofmann sieht das ähnlich wie Martin Luther, der vor 500 Jahren Geschichte geschrieben hat. Er meint:

Freiheit entspricht der inneren Haltung, sich mit Lust streiten zu können. Ein freier Mensch muss nicht der Angst nachgeben. So wie all die Wutbürger, die dauernd sagen "Es ist alles ganz schlimm", aber kein Lebensmodell anbieten, das sie attraktiv finden würden.

Freiheit ist das Gegenteil von Abschottung. Deshalb finde ich die Debatten, die wir momentan über Flüchtlinge führen, so wichtig. Diese Themen würden auch Martin Luther bewegen, wenn er heute leben würde.

Aus: https://www.evangelisch.de/inhalte/146184/06-10-2017/luther-ist-aktuell-luther-ist-relevant?kamp=b-012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25170