Manuskripte

SWR3 Worte

Otis Moss ist Pfarrer einer schwarzen Gemeinde im sozialen Brennpunkt von Chicago. Er selbst ist auch Schwarzer und erlebt Diskriminierung am eigenen Leibe. Er schreibt:

Wenn du schwarz bist hörst du die Leute seltsame Sachen zu dir sagen, wie:

„Oh Otis, du drückst dich so gewählt aus!“
Als wenn schwarz zu sein und gut sprechen zu können ein Widerspruch in sich wäre.

Frauen hören eher Sätze die ihr Äußeres betreffen, wie:
„Du bist aber hübsch für ein schwarzes Mädchen.“

Schwarz zu sein ist eine seltsame Angelegenheit in diesem Land, das noch nicht das ist, das es werden soll.
Schwarz zu sein bedeutet: Dir ist ein Blues song ins Herz tätowiert und zugleich quillt ein Gospelschrei in deiner Seele und will raus.

Es gibt wohl nichts Irritierenderes als zwischen Blues und Gospel zu leben,zwischen Chaos und Christus.
Ich bin heute hier, um euch wissen zu lassen: Wir werden es niemand mehr erlauben, mit ihren Lügen zu bestimmen, wer wir sind!

(Otis Moss III: Blue Note Preaching In A Post-Soul World. Finding Hope In An Age Of Despair, 2015, S. 104-105, Üstzg Sobottke)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22320

Otis Moss ist Pfarrer einer schwarzen Gemeinde im sozialen Brennpunkt von Chicago. Hier hat Präsident Obama im Wahlkampf Unterstützung erfahren und viel gelernt über soziale Arbeit. Das größte soziale Problem in den USA sieht Otis Moss so:

„Die Inhaftierung so vieler Schwarzer!
Ein Drittel aller Schwarzen zwischen 16 und 24 sind in Gefängnissen oder in Untersuchungshaft oder zumindest auf Bewährung.

Das bedeutet: Sie alle dürfen nie mehr wählen, finden kaum jemals wieder eine normale Arbeit und werden in den privaten Gefängnissen ausgebeutet wie zu Zeiten der Sklaverei.

Wenn sie Drogen nehmen werden sie eingesperrt anstatt ihnen zu helfen.´Das passiert den reichen Kids der Weißen nie. Dies ist ein Diskrimierungssystem wie vor der Bürgerechtsbewegung in den 60er Jahren.

…Deswegen kämpfen wir hier für die Rechte der Schwarzen. Die Kirche hat den Auftrag genau hinzusehen, Probleme in die Öffentlichkeit zu bringen und für die Rechte der Ausgegrenzten einzustehen.“

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Bei der Trauerfeier für Muhamad Ali haben ein Pfarrer, ein Imam und zwei Rabbiner gesprochen. Rabbi Michael Lerner, ein alter Weggefährte Alis sagte:

„Ali war einer der bereit war, die Wahrheit zu sagen, und dafür seine Stellung zu riskieren:
Wenn wir uns heute verhalten wollen wie Ali bedeutet das…

Wir müssen aufhören uns anzupassen und die Wahrheit aussprechen gegenüber einem Prozent der Leute in unserem Land die 80 % des Reichtums besitzen.
Die Wahrheit- dass es Zeit ist, diesen Reichtum zu teilen!
Es ist Zeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden in unserer Gesellschaft!

Es ist Zeit den Richtern zu sagen, dass sie die Schwarzen aus den Gefängnissen entlassen müssen, die von einer rassistischen Polizei dorthin gebracht wurden.

Es ist Zeit, der nächsten Präsidentin der USA zu sagen, dass es keine Sicherheit für unser Land gibt auf dem Weg der Vorherrschaft. Der Weg zur Sicherheit besteht darin bekannt zu werden als ein großzügiges einfühlsames Land, nicht als das Mächtigste.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22318

Orlando ist Pfarrer in Chicago und fährt mich mit dem Auto in Gegenden, wo es ihm zu gefährlich für mich erscheint, weil hier in der ersten Jahreshälfte bereits 2.000 Schießereien stattgefunden haben und fast 400 Menschen starben.
Er erinnert mich an Charleston, eine Gemeinde von Schwarzen, ein Weißer ist dort reingegangen in die Bibelstunde,  nach einer Stunde ist er aufgestanden und hat alle erschossen. Nun hat Orlando genauso eine schwarze Gemeinde besucht und wurde da von älteren schwarzen Frauen empfangen.
Er ist gerührt und erzählt:

Die haben uns so warmherzig empfangen, uns begrüßt und umarmt und uns zum Essen eingeladen.
Sie kennen uns ja nicht.
Ich habe eine von diesen beeindruckenden schwarzen Frauen gefragt, ob sie jetzt nicht Angst habe, wie sie sich trauen könne uns einfach so zu umarmen.
Sagt die doch zu mir:
Wir können nicht anders, wir können nur aus der Liebe leben
Nicht aus der Angst
Jesus liebt uns doch auch.“

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In Orlando wurden 49 Menschen erschossen, Schwule, Lesben, Transgender und Bisexuelle, fast ausschließlich Puertoricaner. Ihnen und ihren Familien drückt Präsident Obama sein Mitgefühl aus. Dann wendet er sich an alle Amerikaner und sagt:

Wenn wir alle Muslime über einen Kamm scheren, gehen wir denen auf den Leim, die einen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen oder den USA wollen, dann erledigen wir die Arbeit der Terroristen.

…der Killer von Orlando war ein amerikanischer Bürger. … Wollen wir jetzt alle Muslime wegen ihres Glaubens diskriminieren?

Wir haben hier keine Tests auf Religionszugehörigkeit Das ist nicht das Amerika, das wir wollen.
Das gibt jungen Muslimen das Gefühl, dass sie…unter Verdacht stehen und angegriffen werden, ganz gleich was sie tun.

Und es ist ein Verrat an den Werten für die Amerika steht:
Pluralismus, Offenheit, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit.

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In San Lucas am Humboldt Park in Chicago gibt es einmal in der Woche im Keller Essen für Arme, Obdachlose, Junkies und Kranke. Neben mir sitzt Linda, fransiges graues Haar, breites zahnloses Grinsen. Den Teller mit Reis und Huhn hat sie trotzdem schnell leergegessen. Ich frage sie wo sie lebt. Sie nuschelt vor sich hin, guckt mich schließlich an, lächelt fröhlich und sagt:

HELLHOLE. I’m livin in a hellhole.
Aber: Auch wenn du in einem Höllenloch lebst musst du nicht mitmachen. Verstehst du?
Es gibt immer welche die, ich meine - ich bin auch ein Trinker - aber wenn ich jemand anders ansehe, dann lächle ich eben, weil ich mir denke, der hat wohl noch schlimmere Probleme als ich, dann muss ich dem nicht auch noch Probleme machen.
Du kannst immer lächeln weil Gott dir das Leben geschenkt hat und weil du morgens aufwachst.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22315