Manuskripte

SWR3 Worte

Zum Anfang des Jahres ein Auszug aus dem Sonnengesang, den Franz von Assisi geschrieben hat. 

Gepriesen seist du, mein Herr, für alle deine Geschöpfe,

vornehmlich für den edlen Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt durch sein Licht.

[…]

Gepriesen seist du, mein Herr, für die Schwester Mond und für die Sterne.

Am Himmel schufst du sie - leuchtend und kostbar und schön.

 

Gepriesen seist du, mein Herr, für den Bruder Wind und für die Luft, Wolken und jegliches Wetter. […]

Gepriesen seist du, mein Herr, für die Schwester Wasser.

Gar nützlich ist sie und demütig und köstlich und keusch.

 

Gepriesen seist du, mein Herr, für den Bruder Feuer,

durch den du die Nacht uns erleuchtest.

 

Gepriesen seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde,

die uns ernährt und erhält.

 

Gepriesen seist du, mein Herr, für jene, die aus Liebe zu dir vergeben. […]

Gepriesen seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod.

[…]

Lob, Preis und Dank meinem Herrn!

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Ein frohes neues Jahr wünsche ich Ihnen!

Der Dichter Erich Kästner gibt Hinweise, wie dieses neue Jahr auch wirklich fröhlich werden kann.

„Man soll das Jahr nicht mit Programmen

beladen wie ein krankes Pferd.

Wenn man es allzu sehr beschwert,

bricht es zu guter Letzt zusammen.

 

Je üppiger die Pläne blühen,

um so verzwickter wird die Tat.

Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,

und schließlich hat man den Salat!

 

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.

Es nützt nichts und es schadet bloß,

sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!“

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Die Theologin Dorothee Sölle schreibt in einem Brief an ihre Enkelkinder:

 

„Ich wünsche mir, dass ihr alle ein bisschen fromm werdet. Vergesst das Beste nicht!

Ich meine damit, dass ihr Gott manchmal lobt, nicht immer - das tun nur die Schwätzer und Höflinge Gottes - , aber doch manchmal, wenn ihr sehr glücklich seid, sodass das Glück ganz von selbst in die Dankbarkeit fließt und ihr „Halleluja“ oder das große Om der indischen Tradition singt.

Eins von euch, ich glaube, es war Caroline, hat mal beim Besuch einer scheußlichen Kirche, in die wir euch bei Reisen schleppten, trocken gesagt: „Ist kein Gott drin.“

Genau das soll in eurem Leben nicht so sein, es soll „Gott drin sein“, am Meer und in den Wolken, in der Kerze, in der Musik und natürlich in der Liebe.“

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Eine Geschichte des Schweizer Autors und Kabarettisten Franz Hohler. 

"Letzthin, im Zug, direkt neben dir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, und du weißt, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, […] warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist oder in welchem Restaurant man sich um 19 Uhr trifft, kurz, du bist auf die unüberhörbaren Schrecknisse des Alltags gefasst - und da kramt der junge Mann sein Apparätchen aus der Tasche, meldet sich und sagt dann laut: »Nein! Wann? - Gestern Nacht? - Und was ist es? - Ein Bub? - So herzig! - 3 1/2 Kilo? - Und wie geht es Jeannette? - So schön! - Sag ihr einen Gruß, gell!«
Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen und durch das Gespräch abgelenkt und gestört werden, huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde."

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Die Autorin Iris Macke erzählt von einer guten Idee für die Weihnachtszeit. 

Heute und morgen ziehe ich mit dem Fotoapparat los. Suche Häuser, die meinen Lieben vertraut sind. Ich fotografiere ihre Türen. Wenn wir dann Weihnachten mit vollen Bäuchen und einem guten Glas Wein zusammensitzen, will ich sie überraschen. „Kommt diese Tür hier irgendwem bekannt vor?“

Die hölzerne Tür vom Reitstall für meine Freundin, das gusseiserne Kirchentor für meine Mutter. Unser Sohn wird den gläsernen Schwinger seines Kindergartens erkennen. Mein Mann die graue Wohnungstür mit Guckloch unserer Freunde. Und wir alle die Drehtür vor dem Freibad.

Durch diese Türen sind wir in diesem Jahr gegangen. Vielleicht reizen sie uns zum Erzählen: sind wir fröhlich, aufgeregt hindurch gelaufen, was haben wir dahinter erlebt, was hat uns zum Lachen gebracht und was berührt?

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Pu der Bär muss nachdenken. Gerade hat sein Freund Christopher Robin ihm eine Frage gestellt, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Er hat gefragt: Was tust du am allerliebsten? Pu denkt Folgendes:

„Obwohl Honigessen etwas sehr Gutes war, was man tun konnte, gab es doch einen Augenblick, kurz bevor man anfing den Honig zu essen, der noch besser war als das Essen, (aber er wusste nicht, wie der hieß.) Und dann, fand er, war Mit-Christopher-Robin-zusammen-sein auch etwas sehr Schönes, (was man tun konnte,) und Ferkel-in-der-Nähe-haben war auch etwas sehr Angenehmes, (was man gut haben konnte;) deshalb sagte er, nachdem er alles durchdacht hatte: „Am liebsten von der Welt mag ich, wenn Ferkel und ich dich besuchen gehen und du sagst: `Wie wärs mit einem kleinen Imbiss?“„Das mag ich auch“, sagte Christopher Robin, „aber was ich am liebsten tue, ist gar nichts.“ „Wie tut man gar nichts?“, fragte Pu. „Das ist, wenn man es gerade tun will und die Leute wollen von einem wissen: `Und was willst du jetzt tun, Christopher Robin?´ Und dann sagt man: `Och, gar nichts´, und dann tut man´s einfach.“

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