Manuskripte

SWR3 Worte

Heute am Reformationstag erinnern Protestanten an Martin Luther und die „Freiheit des Glaubens“. Was er darunter versteht, erklärt Altbischof Wolfgang Huber

Unter dem Begriff „Freiheit“ findet sich im „Deutschen Wörterbuch“ von Jakob und Wilhelm Grimm folgender Hinweis: „der älteste und schönste Ausdruck für diesen begrif war der  ‚freihals’, [...] ein hals, der kein joch auf sich trägt“.
….Das Privileg des freien Halses gilt Luther als Metapher für die Freiheit der Getauften. Denn sie haben das Privileg, auf Gottes Güte und seine Vergebung zu vertrauen.…. Sie können verletzten und schwierigen Menschen mit Liebe und Achtung begegnen, ohne sie mit Besserungsprogrammen zu überfordern….
Beugt euch vor Gott, sonst vor niemandem auf dieser Welt! Es sei denn für andere.

https://www.ekd.de/predigten/huber/061031_huber_berlin.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20790

Wie herbstlich die Stimmen lachen.
Schon winkt die weiße Hand des Winters.
Wir üben und üben immer wieder,
uns gegen die Kälte zu wehren,
mit doppelten Handschuhen,
mit wollener Unterwäsche
und gefütterten Stiefeln,
mit Schal und Mütze.
Wir wollen nicht einfrieren
auf dem Weg in die Liebe.
Aber vielleicht breitet der Winter
sich schon längst in uns aus,
in dem aufgeschobenen Wort
und dem nicht angeregten Mut,
in der vertagten Sanftheit
und dem aufgehobenen Vertrauen-
da setzt das hauchdünne Eis an.
Wir gefrieren von innen nach außen
Wenn wir nicht achtsam sind.

Der Theologe Ulrich Schaffer
Ulrich Schaffer, Lichtlinien, neue Gedichte,  Edition Schaffer im Kreuz Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20789

Sarah Connor hat Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet in Aleppo bei sich aufgenommen: Eine 39 jährige Frau mit fünf Kindern.

Mittlerweile wohnen die sechs seit … Wochen bei uns. Der 20-Jährige (Sohn) hilft im Garten beim Laubharken, meist hat er Kopfhörer im Ohr, über die er Deutsch-Lernprogramme hört, bis er einen Sprachkurs besuchen kann …
Die kleinen Mädchen rufen "abla" (das bedeutet Schwester), wenn sie mich sehen...
Wir reden mit Händen und Füßen, mit Wörterbüchern und mithilfe einer Übersetzungs-App ….Die Mama hat sich ebenfalls ein wenig erholt, auch wenn sie immer noch jeden Abend weint…Abends bringt sie uns frisch gekochtes arabisches Essen zum Probieren. …
Ich kann verstehen, dass nicht jeder Flüchtlinge bei sich aufnehmen kann oder will. Aber was sich jeder erlauben kann, ist, ein bisschen Wärme, Nähe, Trost und Liebe zu spenden, ohne sich fürchten zu müssen.

http://www.zeit.de/2015/42/sarah-connor-hilft-fluechtlingsfamilie-syrien/seite-2

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20788

Der iranischstämmige, muslimische Schriftsteller Navid Kermani hat vor gut einer Woche den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen. Er sagt:

wer in seiner eigenen Tradition steht, der ist auch viel eher bereit, anderen Traditionen offen und respektvoll gegenüberzustehen.
Wenn man sich einigermaßen mit der Geschichte und gerade auch mit der eigenen Geschichte auskennt, ….. dann wird man schon einigermaßen immun sein gegen diese Art von Fremdenfeindlichkeit,
und wenn man sein Christentum kennt oder sein Judentum oder den Islam, wenn man in dieser Tradition der Barmherzigkeit groß geworden ist, der Nächstenliebe,
dann wird man schon erst recht einem hoffenden Flüchtling und…  hilfsbedürftigen Menschen einen Platz anbieten, anstatt sie noch zu beschimpfen.

http://www.deutschlandfunk.de/anti-pegida-demonstrationen-ein-extrem-starkes-symbol.691.de.html?dram%3Aarticle_id=307989

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20787

Nicht nur die Nähe macht uns lebendig
Auch die Ferne, diese Endlosigkeit zwischen uns
Dieses Feld des Sterbens und der Möglichkeiten
Auf dem wir uns…. Tummeln
Als könnte die Zukunft uns nichts anhaben.
Ich hebe mich nicht zu dir hin, ich verschmelze und versinke nicht in dir
Ich warte auf das Feuerwerk zwischen uns
Mit dem wir einander leuchten
Von entgegengesetzten Enden dieser Endlosen Erde
Auch durch das Trennende bleiben wir gesund.

Ulrich Schaffer, Schriftsteller und Theologe
Ulrich Schaffer, Lichtlinien, neue Gedichte,  Edition Schaffer im Kreuz Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20786

Schöner, leistungsfähiger, besser werden- dafür haben schon vor 2500 Jahren Menschen gefastet. Wie das auf Gott wirkt, dazu findet der Prophet Jesaja folgende Worte:

Das ist ein Fasten, an dem ich gefallen habe:… Brich dem Hungrigen dein Brot und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn….
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Heilung wird schnell voranschreiten und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
… Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.

Die Bibel, Deutsche Bibelstiftung Stuttgart 1975, Jesaja, 58, 6-11

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20785