Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Freund verändert sich zu seinem Nachteil, eine Freundin wird auf einmal unausstehlich. Was tun? Der Sänger Peter Maffay meint:

„Soweit es in meinen Möglichkeiten liegt, würde ich versuchen, jemand anderen von dieser Haltung wegzubringen.
Genauso verhält es sich anders herum: Wenn ich mich zum Negativen entwickle, so wünsche ich mir, dass jemand zu mir kommt und sagt: ‚Achtung jetzt wird es bedenklich! Es ist nicht gut, was du machst.‘
Dann möchte ich hinhören und mich anlehnen können. Sich zu verändern bedeutet, Vertrauen zu der Meinung eines anderen zu haben, ihm zu glauben, dass das, was er behauptet, Bestand hat.“

Peter Maffay
In: http://gerwin.de/de/interview.php?id=115

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Warum ist Religion wichtig? Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Maybritt Illner sieht das so:

Ich glaube daran, dass die Dinge, die im Leben geschehen, tatsächlich Fügung oder auch Schicksal sein können, die durch einen selbst nicht wirklich beeinflussbar sind. Auf der anderen Seite bin ich aber […] auch  der Auffassung, dass es auch wahnsinnig schön ist, bestimmte Dinge zu wissen, wodurch wir sie uns zu nutzen machen können. […]
Ich denke, der Sinn von Religion besteht darin, sich immer wieder auf die Suche nach dem Größeren zu begeben. […]. Mit dieser Frage eröffnet sich ein neuer Horizont.

Maybritt Illner
In: http://gerwin.de/de/interview.php?id=164

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Mit Kindern solle man nicht über den Tod reden, meinen viele. Das mache ihnen nur Angst. Die elfjährige Nina-Marie weiß, es ist genau das Gegenteil richtig: Sie erzählt: 

„Ich hab mal so eine Zeit gehabt, da habe ich oft über den Tod nachgedacht. Da hatte ich oft Angst, wenn wir zum Beispiel `was Schönes unternommen haben. … Aber seitdem ich über den Tod gesprochen habe, habe ich irgendwie keine Angst mehr. … Ich weiß nun, es gibt Menschen, die stellen sich den Tod so vor. Es gibt auch welche, die stellen ihn sich anders vor – und dann gibt es ja welche, die denken, es gibt den Tod gar nicht. … Aber irgendwann muss es ja zu Ende sein – und bei dem Gedanken hatte ich dann immer Angst und habe versucht mich abzulenken. Aber nachdem ich über den Tod geredet habe, ist das irgendwie kein Problem mehr. Jetzt sehe ich halt so viele Vorstellungen. Und nach meiner Vorstellung ist das Sterben eigentlich gar nicht schlimm.“

Nina Marie
In: Martina Plieth, Auch Tote sind nicht gern allein. Kinderzeichnungen von Sterben, Tod und dem Leben danach

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Bertolt Brecht fordert heraus. Die von ihm geschriebenen „Flüchtlingsgespräche“ haben bedrückende Aktualität. Ein am Bahnhof gestrandeter Flüchtling sinniert darin:

"Der Pass, ist der edelste Teil von einem Menschen.
Er kommt ja auch nicht auf so einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals.
Dafür wird der Pass auch anerkannt, wenn er gut ist,
während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird."  

Bertolt Brecht
In: Flüchtlingsgespräche, Suhrkamp, Frankfurt 1961

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Bernadina Ulrich leidet an Depressionen. Wie sich das anfühlt, beschreibt sie so:

Es ist kalt hier am Ende der Welt. […] Müdigkeit, Angst […] und völlige Leere sind die einzigen Gefühle, die noch spürbar sind. […]
Wo ist eigentlich Gott in diesen Momenten? Wie kam er auf die Idee, eine solche Krankheit in die Welt zu lassen: die Depression metzelt mich förmlich nieder. […]
Die Frage nach Gott habe ich mir nie so richtig beantworten können. Dennoch habe ich für die ganz schwierigen Momente meine Lieblingsverse aus der Bibel. […] Einer […] heißt: „Darum verdross es mich zu leben, denn es war mir zuwider, was unter der Sonne geschieht, dass alles eitel ist und Haschen nach Wind.“ (Kohelet 2,17).
In meinen Ohren hört sich dieser Vers schön an, weil er mir […] zeigt, dass ich mit meinen Gedanken und Gefühlen nicht alleine bin.

Bernadina Ulrich (Pseudonym)
Depression In: http://e-depression.de  

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Toleranz ist manchmal ein Reizthema – für ein gutes Miteinander ist sie aber unerlässlich. Der Dalai Lama, der heute 80 Jahre alt wird, ist Friedensnobelpreisträger. Er erklärt

„Wir Menschen leben in Gesellschaft. Daher sollten wir versuchen, das Leiden unserer Mitmenschen zu teilen und nicht nur unseren Lieben, sondern auch unseren Feinden gegenüber Mitgefühl und Toleranz walten zu lassen. Das ist die eigentliche Nagelprobe für unsere moralische Stärke. Wir müssen durch unser eigenes Handeln ein Beispiel geben, denn wir können nicht hoffen, andere nur durch Worte vom Wert der Religion zu überzeugen. […] Der letztendliche Sinn aller Religionen ist es, den Menschen zu dienen und ihr Wohl zu fördern. Aus diesem Grund ist es von so entscheidender Bedeutung, dass wir mit Hilfe unserer Religion Glück und Frieden für alle Wesen erzeugen, und nicht andere zu bekehren versuchen.“

Dalai Lama.
Wie wir uns als Menschen dem Weltfrieden nähern können.
In: Freiheit für Tibet. Botschaft für Menschlichkeit und Toleranz.

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Er stammt aus einer der reichsten Familien Nicaraguas. Mit 32 Jahren entschied er sich gegen das Geld und für das Kloster. Jetzt ist er 90 geworden: Ernesto Cardenal, Priester, Poet und Revolutionär. Was ihn im Innersten zusammenhält? Er meint:

Gott ist die Heimat aller Menschen. Er ist unsere einzige Sehnsucht. Gott ist im Innersten aller Kreatur verborgen und ruft uns. Das ist die geheimnisvolle Ausstrahlung, die von allen Wesen ausgeht.
Wir hören seinen Ruf in der Tiefe unseres Wesens wie die Lerche, die in der Frühe von ihrer Gefährtin geweckt wird, oder wie Julia, die Romeo unter ihrem Balkon pfeifen hört.

Ernesto Cardenal
Die Freude der Armen. Texte zur Orientierung: Ernesto Cardenal

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