Manuskripte

SWR3 Worte

Die einen sterben im Krieg, die anderen im Konzentrationslager. Es sind furchtbare Nachrichten, die Schalom Ben Chorin 1942 aus Nazideutschland erreichen. Aber Nachbargarten seines Jerusalemer Hauses, blüht ein Mandelbaum. Und er schreibt:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,
ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?
Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.
Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt,
das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.

http://www.mandelzweig-stiftung.de/

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Atmen ist eine Art, die Luft miteinander zu teilen.
Und vielleicht ist diese Gemeinsamkeit
ein tiefes Symbol für die Unteilbarkeit des Lebens.
Noch teilen wir die Luft miteinander,
noch ist die Wasserversorgung allen gemeinsam,
noch geht der Himmel über allen auf und ist nicht nur für einige da.
In dieser Gemeinsamkeit des Lebens steckt auch eine Hoffnung für uns.
Dass wir noch einmal aus dem Gegenwärtigen Zustand der Zerstörung,
der Privatisierung, des Raubs herauskommen.

Die Theologin Dorothee Sölle
D. Sölle, Leidenschaft für das Leben, ein Jahresbegleiter, Kreuz-Verlag

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Christi Himmelfahrt heute erinnert daran, dass Jesus vor den Augen seiner Freunde in den Himmel entschwindet. Und doch mit ihnen verbunden bleibt. So ist das mit der Liebe. Max Frisch beschreibt es so:

Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen...
Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden:
weil wir sie lieben; solange wir sie lieben...“

„Du sollst dir kein Bildnis machen“, in: Max Frisch, Tagebuch 1946-1949

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Das Geheimnis glücklicher Menschen ist- Dankbarkeit.
Das hat die moderne Glücksforschung herausgefunden.
Renate Ellmenreich arbeitete als Pfarrerin in Nigeria. Und hat von den Einheimischen gelernt, wie man das lebt: dankbar sein und glücklich werden.

Dass man vor allem fröhlich glauben sein muss.
Dass der Glaube selbst dann, wenn es schwierige Zeiten sind, Freude ins Leben bringt… und man dadurch auch schwere Zeiten viel besser ertragen kann.
Und damit der Glaube das tun kann, muss man Dankbarkeit lernen.
Und für jedes kleine bisschen-  für jedes Reiskorn, für jede glückliche Fahrt von einem Dorf zum Anderen ohne Unfall
ein Dankgebet sprechen lernen.

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Ich würde so gerne etwas Zärtliches schreiben. Kaum Fühlbares,
etwas, das man gerade noch spüren kann.
Wie man den Blick eines lieben Menschen auf der Haut spürt:

Dank
auch wenn er nur ganz kurz und im Vorübergehen gedacht ist.

Schlichtheit
schlichte Menschen vergrößern einen Raum, wenn sie durch die Tür treten.

Kinder spürt man
auch die leisesten Kinder,
bei denen man immer das Gefühl hat
man müsste den Mund halten, denn sie wissen schon lange alles.

Herzlichkeit
vor allem Herzlichkeit.
Ich kenne Menschen, die dich mit einer Selbstverständlichkeit in ihre Herzen aufnehmen,
dass dir schwindlig wird.

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker, ich will noch eine ganze Menge leben, Ehrenwirt Verlag München

 

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Wir sind auf der Suche
nach der Kraft,
die uns aus den Häusern
aus den zu engen Schuhen
und aus den Gräbern treibt.

Aufstehen und
sich dem Leben in die Arme werfen -
nicht erst am jüngsten Tag,
nicht erst, wenn es nichts mehr kostet
und niemandem mehr weh tut.…

Dies ist der Tag, den Gott macht.
Uns erwartet das Leben.
Wann, wenn nicht jetzt?

Luzia Sutter- Rehmann
Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen, hsrg. von Luzia Sutter Rehmann, Sabine Bieberstein und Ulrike Metternich, Gütersloher Verlagshaus

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Heute vor 20 Jahren wurde Nelson Mandela als erster schwarzer Präsident Südafrikas vereidigt. 27 Jahre saß Nelson Mandela im Gefängnis. Weil ihm die Freiheit so wichtig war.

Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden.
Ich bin frei geboren worden…
Frei auf die Felder nahe der Hütte meiner Mutter zu laufen,
frei, in dem klaren Fluss zu schwimmen, der durch mein Dorf floss,
frei… auf dem breiten Rücken langsam dahin trottender Büffel zu reiten. (...)
Erst als ich begriff, dass die Freiheit meiner Kindheit nur eine Illusion war,
dass man mich bereits meiner Freiheit beraubt hatte,
begann ich Hunger nach ihr zu haben."

Nelson Mandela, Der lange Weg zur Freiheit, Autobiographie, zitiert nach: http://www.sueddeutsche.de/politik/zitate-von-nelson-mandela-ein-ideal-fuer-das-ich-zu-sterben-bereit-bin-1.1837100-4

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