Manuskripte

SWR3 Worte

Warum sind wir hier? Was soll das Ganze? Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann ganz unvermittelt im Alltag auftreten. Die Theologin Dorothee Sölle hat eine Idee, wie wir mit ihr umgehen können:

„Die Religionen geben auf diese Frage eine denkwürdige Antwort, die, obwohl oft genug kritisiert, etwas Unausrottbares an sich hat.
Sie reden alle […] von der ursprünglichen Kraft des Lebens, dem Ursprung aller Dinge, von dem, was alles zusammenhält und trägt. […]
Wir müssen aufpassen, nicht ‚Sinn‘ mit ‚Erfolg‘ zu verwechseln. Denn das ist eine lebensgefährliche Verwechselung, wenn wir das Leben zurechtstutzen auf das Machbare und auf das, was sich konsumieren lässt. Meine christliche Tradition hat uns wirklich mehr versprochen! […] Gerechtes Handeln und die Verbundenheit mit allem, was lebt […] und Gott nicht oben und nicht später, sondern jetzt und hier.“

Dorothee Sölle
Hunger nach Sinn
In: Den Rhythmus des Lebens spüren. Inspirierter Alltag, Herder-Verlag

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Die freie Journalisten Ulrike Meyer-Timpe hat Ärzte begleitet, die Flüchtlinge ehrenamtlich versorgen. Ihre Erfahrungen dabei finde ich beunruhigend. Sie berichtet:

„Es ist eigentlich unvorstellbar: Im reichen Deutschland sterben Menschen, weil sie medizinisch nicht versorgt werden. Dabei verpflichtete sich die Bundesrepublik schon vor Jahrzehnten, […] die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ‚jedermann im Krankheitsfall in den Genuss medizinischer Einrichtungen und ärztlicher Betreuung‘ kommt. Trotzdem bleibt den […] Menschen, die keine gültigen Papiere haben, der Zugang zum Gesundheitswesen weitgehend verwehrt.“ [...] Meyer-Timpes Resultat: „Der Staat ist verpflichtet, allen Menschen auf seinem Territorium medizinische Hilfe zu ermöglichen. Aber faktisch ist es so, dass Deutschland diese Aufgabe freiwilligen Helfern überlässt. [...] Eine neue bundesweite Lösung ist nötig.“

Ulrike Meyer-Timpe
Ärzte mit Grenzen
In: ZEITWISSEN, August/September 2010

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Bertolt Brecht fordert heraus. Die von ihm geschriebenen „Flüchtlingsgespräche“ haben bedrückende Aktualität. Ein am Bahnhof gestrandeter Flüchtling sinniert darin:

"Der Pass, ist der edelste Teil von einem Menschen.
Er kommt ja auch nicht auf so einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals.
Dafür wird der Pass auch anerkannt, wenn er gut ist,
während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird."  

Bertolt Brecht
In: Flüchtlingsgespräche, Suhrkamp, Frankfurt 1961

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Versöhnung vorantreiben – das war ein Lebensthema des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Heute hätte er seinen 95. Geburtstag gefeiert.
Und so hat er für Versöhnung geworben:

„Die besten Mittel, um mit einer schweren Vergangenheit fertig zu werden, sind nicht Abrechnung und Strafe, sondern offene und befreiende Aussprachen über persönliche Schicksale. … Es macht unser Leben reicher, wenn wir uns gegenseitig dabei helfen, aus Fehlern zu lernen und wieder zusammenzufinden. …
Jeder von uns kann ein Zeichen der Hoffnung geben. Wenn jeder auch nur einem anderen seine bisher verschlossene Tür öffnet, dann hilft er dem Frieden unter uns Menschen einen großen Schritt voran.“

Richard von Weizsäcker
Weihnachtsansprache 1993

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Dietrich Bonhoeffer wurde wie viele andere Gegner der Nationalsozialisten vor 70 Jahren in den letzten Kriegstagen im Konzentrationslager ermordet. Was Bonhoeffer bis zuletzt aufrecht gehalten hat, war die Hoffnung auf das Wunder der Auferstehung. Er schreibt:

Christus ist nicht in die Welt gekommen,
dass wir ihn begreifen, sondern dass wir uns an ihn klammern;
dass wir uns einfach von ihm hineinreißen lassen in das ungeheure Geschehen der Auferstehung.
Dass wir uns einfach sagen lassen, in seiner ganzen Unbegreiflichkeit sagen lassen:
Ihr seid im Dunkeln – und doch seid ihr im Licht.
Ihr habt Angst – und doch könnt ihr euch freuen.
Ich werdet sterben – und auch werdet ihr auferstehen!

Dietrich Bonhoeffer
Keine Träne rinnt umsonst
In: So will ich diese Tage mit euch leben. Dietrich Bonhoeffer Jahreslesebuch, hrsg. von Manfred Weber, Gütersloher Verlagshaus

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Auferstehung der Toten, wie soll man sich das vorstellen?
Paulus erklärt es so:

„Es ist wie bei einem Korn, das in den Boden gesät wird. Das Korn stirbt. Aber dann entsteht aus ihm eine neue, lebendige Pflanze.
So wird Gott auch den Körper der Toten verwandeln, und zwar in einen lebendigen und unsterblichen Körper.
Das geschieht plötzlich, in einem Augenblick. Dann ist der Tod besiegt. Und wir werden sagen: Gott sei Dank! […] Der Tod kann uns nichts mehr anhaben.“

Paulus/Neues Testament
Text: 1. Korinther 15, 1-44
Paraphrasierung in: Axel Wiemer (Hg.), Die Grundschul-Bibel, Ernst Klett Verlag

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Eine Woche liegt Ostern nun zurück. Der Religionspädagoge Dietrich Steinwede erinnert an das, was uns bleibt:
Jesus ist nicht im Tod geblieben.
Gott hat ihn gerettet und angenommen.
Leben aus dem Tod, unvergängliches Leben.
Menschen sehen es und atmen auf. Sie leben wieder auf. […]
Ein Licht ist aufgegangen, wie ein Licht aus dem Dunkel der Nacht.
Alles ist anders. Alles ist neu.
Deshalb sehen wir: Sehen neu und anders.
Wir sehen mit dem Herzen.

Dietrich Steinwede
Es wächst, wo niemand es glauben würde.
In: Ostern. Ein Sachbuch, Verlag Ernst Kaufmann, Lahr und Patmos Verlag

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