Manuskripte

SWR3 Worte

Soll ich meine Meinung wirklich sagen?
Vor dieser Frage stand der Theologe Fulbert Steffensky.
Er erzählt:

Während eines Gottesdienstes sah ich, dass unser 15-jähriger Enkel in einem Krimi las. […] Ich lächelte gequält, […] aber sagte nach dem Gottesdienst nichts.
Später fragte ich mich: Was tue ich eigentlich dem jungen Mann an, wenn ich ihm meine Meinung nicht sage. Deshalb sagte ich bei der nächsten Gelegenheit: „Miguel, ich fand es feige und respektlos, dass du während des Gottesdienstes einen Krimi gelesen hast. Respektlos: Du respektierst nicht, was anderen wichtig ist. Feige: du wagst es nicht wegzubleiben, wenn dir der Gottesdienst nichts bedeutet.“ […]
Einige Tage später hatten wir ein langes Gespräch. Miguel ließ mich darin wissen, dass ihn meine Worte getroffen hätten, er aber einsehe, dass ich Recht hätte. Dieses Gespräch hat uns einander sehr nahe gebracht und ich habe erkannt: Es ist nicht gut, wenn wir in schwächlichem Harmoniebedürfnis jedem Konflikt aus dem Weg gehen.

Fulbert Steffensky
Brauchen Kinder Religion?
Zitiert nach: http://www.schulstiftung-ekm.de/attachment/ 7b5a55540dde7fd81b33c01ac7eef6f5/ 1e13540e9ef4cc2354011e1ae7835f4324f5e005e00/ Festvortrag.pdf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19237

Wer kennt ihn nicht, den unzufriedenen Blick ins eigene Spiegelbild?
Dabei ist es eine Frage der Übung! Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer meint:

Hoffnungslos wird es erst, wenn man sich vernachlässigt. […]
Wir können uns alle mit etwas schmücken. Denn es gibt niemanden, dem der liebe Herr im Himmel nichts Schönes mit auf dem Weg gegeben hat.

Guido Maria Kretschmer
Titel: Jede Frau kann eine Göttin sein.
In: Donna 8/2014, München (Burda-Verlag)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19236

Die heute beginnende Fastenaktion „Sieben Woche ohne Runtermachen“ lädt dazu ein, auf negative Gedanken zu verzichten, sie einfach `mal sein zu lassen. Wie das gehen kann, zeigt Anne Steinwart. Sie nimmt sich vor:

Heute werde ich mich freuen. […]
Heute nehme ich mir auch Platz für mich,
Werde die Sonne und den Himmel sehen.
Ich werde spüren, dass meine Füße leicht sein können.
Ja, heute werde ich mich darüber freuen, dass es mich gibt!

Anne Steinwart
In: Andrea Langenbacher (Hg)., Knallvergnügt und naseweis. Texte, die Mut machen, (Schwabenverlag) Ostfildern 2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19235

Sind Menschen mit Gottvertrauen einfach nur naiv?
Christian Nürnberger, Publizist und Ehemann von Petra Gerster meint:

"Die Frage nach Gott, Auferstehung und den letzten Dingen ist offen und bleibt offen.
Die Kirche kann Gott nicht beweisen, die Wissenschaft kann ihn nicht widerlegen. Wer als Wissenschaftler meint, es trotzdem tun zu können, verlässt die Grenzen seiner Zuständigkeit, argumentiert nicht mehr als Wissenschaftler, sondern als Agnostiker oder Atheist, und das ist kein wissenschaftlicher Beweis, sondern auch wieder nur ein Glaube. Die Hoffnung, Gott werde am Ende aller Tage ein paar Überraschungen für uns parat haben, widerspricht daher nicht der Vernunft. Diese Hoffnung bleibt. Wer sie hegt, braucht sie sich von niemandem zerreden zu lassen."

 

Christian Nürnberger
Die Frage nach Gott
In: Die Bibel. Was man wirklich wissen muss, Berlin (Rowohlt)

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19234

Was ist der Schlüssel zu Leidenschaften und Lebensfreude?
Der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch meint:

Erkundigen wir uns, meine Freunde. […]
Alle Menschen werden im Augenblick ganz andere Menschen, wenn sie merken, da ist plötzlich jemand, der oder die sich für das, was ich so mache, interessiert. […]
Und dann muss man einfach zuhören. Das ist übrigens das Wichtigste, zuhören können, den anderen einfach mal alles erklären lassen. […]
Ich lasse mir dann z.B. von Leuten ihren Beruf haarklein erklären, obwohl ich gar nichts davon verstehe. Aber der andere erzählt mir dabei sein ganzes Leben. Und ich sehe, wie er immer leidenschaftlicher wird [...], bloß weil jemand gesagt hat: […] „Was machen Sie? Erzählen Sie doch mal!“ [...]
Probieren Sie’s mal aus! [...] Vielleicht ein bisschen viel verlangt, so früh am Morgen, aber heute Abend ist es vielleicht schon zu spät.

Hanns-Dieter Hüsch
Anteilnahme
In: Das Schwere leicht gesagt, Freiburg (Herder-Verlag) 1994

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Gott, ich freue mich zu leben.
In dieser frühen Stunde regt sich die Natur, um dem neuen Tag zu begegnen. […] Ich mag die Laute der Natur und die Gespräche meiner Familie und Freunde. Ich mag das Schwatzen kleiner Kinder und die Lieder und das Gelächter junger Menschen.
Mir gefällt, wie Frauen und Männer sich eine Heimat bauen, um zusammen zu sein, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.

Gib mir den Mut, Gott,
an diesem ruhigen Ort den Dingen ins Auge zu schauen, denen ich ins Auge schauen sollte, bevor ich hinausgehe, meinen Mitmenschen ins Auge zu schauen.

Rita Snowden, methodistische Theologin aus Auckland
Oh, Gott, ich freue mich zu leben. Gebet am Morgen.
In: Die tägliche Erfindung der Zärtlichkeit. Gebete und Poesie von Frauen aus aller Welt. Hrsg. von Sybille Fritsch und Bärbel von Wartenberg-Potter. Gütersloh (GTB Siebenstern) 1986

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19232