Manuskripte

SWR3 Worte

Heilig – wie weit weg scheint das von unserem Alltag zu sein.
Aber das ist nicht so! Das Heilige findet sich mitten im Alltäglichen, mitten im Weltlichen, ja mitten im Profanen wieder. Der Theologe Paul Tillich erklärt das In- und Miteinander so:

Das Profane und das Heilige können nicht voneinander getrennt werden. […] Nichts ist durch und durch und unabänderlich profan. Alles hat die Dimension der Tiefe, und in dem Augenblick, in dem diese Dimension sich zeigt, zeigt sich auch das Heilige.
Alles Weltliche ist potentiell heilig ….
Und ebenso muss und kann das Heilige nur durch das Profane ausgedrückt werden, denn allein durch das Endliche kann sich das Unendliche ausdrücken.

Paul Tillich
In: Systematische Theologie, Band l, Stuttgart, 3. Auflage 1956

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18561

Die Zeitungsausträgerin Christa Meves wird immer wieder von der Besonderheit der frühen Morgenstunden berührt. Sie erzählt:

Das Wesentliche ist das Leben mit dem Morgen. Diese Stille – nur meine Schritte sind zu hören und hin und wieder ein Radgeräusch von meinem Zeitungskarren.
Ich habe vorher gar nicht gewusst, wie schön der Morgen ist. Es ist richtig spannend, denn jeder Tagesanfang ist anders:
Im Frühling, wenn die Sonne schon aufgegangen ist – was für ein Fest, und wie die Vögel singen; ach, singen ist eigentlich gar kein Ausdruck dafür! ...
Oder jetzt im Herbst, wenn die Straßen voll Nebel sind und vor mir ein fallendes Blatt auf die Straße rieselt. ...
Es ist für mich ein Abenteuer, zu erleben,
dass die Sonne an jedem Tag völlig verschieden aufgeht und
dass jeder Anfang des Tages ein Wunder ist.

Christa Meves
Titel: Gemütlich leben – oder leben aus dem Gemüt?
In: Geschenk der Stille. Hrsg. v. Hedwig-Maria Winkler und Erwin Brandes

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18560

Christen und Muslime haben sich in Sankt Gallen zusammengeschlossen und ein gemeinsames Wort zum Miteinander der Religionen formuliert. Sie wollen Position beziehen und sagen:

„Wir erleben Radikalismus und Fundamentalismus, in welcher Religion sie auch gelebt werden, als intolerante Glaubensformen, die Hass und Angst säen und Gewalt erzeugen.
Wir distanzieren uns von jeglichem Extremismus, der Menschen mit andern Auffassungen bedroht, verurteilt oder bekämpft.
Weil unsere Religionen uns zu Toleranz und Frieden verpflichten, suchen wir beharrlich und geduldig das interreligiöse Gespräch und das gelingende Zusammenleben.“

Christen und Muslime, die sich in der „Spurgruppe Religiöse Identität“ zusammengefunden haben
In: Sankt Gallener Erklärung
http://www.ida-sg.ch/userfiles/SG_Erklaerung_deutsch.pdf.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18559

Es braucht nicht viel, um sich als Mensch wahrgenommen zu fühlen. Der Reporter Jochen Metzger hat diese wohltuende Erfahrung gemacht. Er erzählt:

Manchmal begegnet man im Alltag einem Augenpaar und oft schaut man dann schnell wieder weg.
Doch dann gibt es auch die andere Situation: Der andere schaut nicht weg, sondern erwidert den Blick. Man zählt die Sekunden: einundzwanzig, zweiundzwanzig – und auf einmal kommt ein Lächeln dazu, ein Lächeln aus den Augen. … Tja, und dann habe ich das Gefühl, dass die anderen den Menschen in mir sehen.

Jochen Metzger
Auf der Suche nach einem anderen Leben
Für Sie. Zeit für mich, Nr. 19/2014

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18558

Haben Sie schon einmal überlegt, ob Sie nach dem Tod einen Teil Ihrer Organe spenden wollen? Für den Sänger Peter Maffay ist das keine Frage. Er sagt:

„Organspende ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich kann durch meine Organe doch einem anderen das Geschenk des Lebens weiterreichen. Viel zu oft wird in unserer Gesellschaft das Thema Tod tabuisiert. Ich kann nur jedem raten, sich rechtzeitig mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. So kann man selbst im Tod noch etwas Gutes tun: ein Leben schenken.“

Peter Maffay
Botschafter fürs Leben
Aus: http://www.fuers-leben.de/botschafter/prominente.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18557

Der Sonntag ist eine großartige kulturelle Errungenschaft: Die Bibel sieht ihn als Geschenk Gottes. Die freie Journalistin Misha Leuschen genießt den Sonntagmorgen. Sie erzählt:

Wenn der Lärm in mir überhand zu nehmen droht, dann tanke ich Stille auf. Ganz früh am Sonntagmorgen, wenn die Stadt noch ausschläft und vermeintlich mir allein gehört. Ich schnüre meine Laufschuhe und es geht los. Ich kann meine Schritte und meinen Atem hören.
Wenn ich nach einer Weile meinen Rhythmus gefunden habe, kommt manchmal das Geplapper des Gedankenkarussells für ein paar Momente zum Stillstand. Der Körper übernimmt, der Kopf wird leer, die Seele ruhig. Ich kann endlich loslassen.
Vielleicht, denke ich manchmal, ist dies meine Art zu beten.

Misha Leuschen
Sonntagmorgen
In: sonntags. Erfindung der Freiheit. Andere Zeiten e.V. Hamburg 2009

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18556