Manuskripte

SWR3 Worte

„Wunder kann man nicht machen. Wunder geschehen vor allem dort nicht, wo Menschen hektisch hin- und herlaufen, wo sie etwas erzwingen, wollen. Wunder geschehen dort, wo jemand warten kann. [...]

Mit dem Warten tun sich heute viele Menschen schwer. Sie meinen, alles müsse in möglichst kurzer Zeit vollbracht werden. Doch wo etwas wirklich wachsen soll, braucht es das geduldige Warten. Beziehungen zwischen Menschen brauchen Zeit zum Wachstum. Ein Gruppenprozess braucht Zeit. Viele Firmen beugen sich heute dem Druck, innerhalb von zwei Jahren Erfolge vorzuweisen. Doch sind diese oft nur kurzfristig. Was in zu kurzer Zeit erworben wurde, geht auch schnell wieder verloren. Wachstum braucht Zeit." 

Anselm Grün: Warten

 

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Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit - nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
(..)

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Elli Michler: Ich wünsche dir Zeit.

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Der Arzt und TheologeAlbert Schweizer hat folgendermaßen begründet warum er ein freier Mensch ist: 

„Ich will unter keinen Umständen ein
Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf,
aus dem Rahmen zu fallen - wenn ich es kann.
Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten.
Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas
sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden
und Erfolg haben. Ich lehne es ab, mir den eigenen
Antrieb mit Trinkgeld abkaufen zu lassen.
Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens
entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen;
[...] Ich will weder
meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben
noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben.
Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und
zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen
und zu bekennen, dies ist mein Werk.
Das alles ist gemeint, wenn wir sagen:
Ich bin ein freier Mensch."

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„Sobald wir in eine Gruppe von Menschen kommen, setzt bei uns der Mechanismus des Vergleichens ein. Ich vergleiche mich mit den anderen: Schauen sie besser aus als ich? Sind sie intelligenter als ich? Verdienen sie mehr Geld als ich? Ziehen sie mehr Aufmerksamkeit auf sich als mir das gelingt? Sind sie spiritueller als ich? Solange ich mich mit den anderen vergleiche, werde ich nie zur Ruhe finden. Ich werde mich entweder entwerten und die anderen aufwerten oder aber umgekehrt. Aber ich bin nie bei mir.

Nur wenn ich darauf verzichte, mich mit anderen zu vergleichen, werde ich Ruhe finden. Dann werde ich mit mir selbst konfrontiert und eingeladen, mich mit mir und meiner Wirklichkeit auszusöhnen. Der Verzicht auf das Sich-Verlgeichen führt mich zur Dankbarkeit für das, was Gott mir geschenkt hat. Anstatt auf die andern zu schauen, nehme ich mich wahr, wie ich selber bin. 

Anselm Grün: Vergleiche

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Wenn Kinder erwachsen werden, ist das für viele Eltern eine große Herausforderung. Loslassen und doch für sieda sein, wie soll das gehen? Der Autor Gerhard Kiefel hat dazu einen Brief geschrieben. Aus der Sicht eines jungen Erwachsenen an seine Eltern: 

Manchmal denke ich nach und frage, warum ich da bin. Ob ihr wohl wisst, das ich euch anvertraut bin für einige Jahre, aber nicht euer Besitz?
Meine Eltern, wenn ich älter werde und anders, als ihr es gewünscht habt, wenn ihr bemerkt, dass mit mir ein anderes Leben begann - auch ein fremdes, das eurem Leben nicht gleicht - werdet mir Freunde, die mich bejahen, so wie ich bin.
Schenkt mir die Liebe, die annimmt, vertraut und begleitet.
Mein Vater und meine Mutter, wenn ihr mich freigebt aus Liebe, kann ich mich finden und euch und das Leben.
Sonst nicht.

Aus: Gerhard Kiefel: An meine Eltern

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Etwas Einzigartiges beginnt an jedem Morgen. Das Leben ruft dir zu: „Ich bin der neue Tag und ich schenke mich dir an diesem neuen Morgen. Ich bin ein unbeschriebenes Blatt und bin gespannt auf die Geschichten, die du auf mir schreibst oder auf das Bild, das du auf mir malst. Ich bin dein Instrument und ich sehne mich nach der Melodie, die du auf mir spielst. Ich bin die Stimme, die ich dir schenke, und ich freue mich auf das Lied, das du auf mir singst. Ich rufe dir freudig zu: „Mach etwas aus mir! Mach etwas schönes aus mir. Mach das Schönste aus mir, wozu du fähig bist! Aber lass mich nicht unbewusst, ungelebt und ungeliebt verstreichen. Denn ich bin nur heute, morgen bin ich nicht mehr. Lebe mich jetzt!"

Ruf des Lebens - von Robert Betz

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„Es ist nicht möglich, sich um eine Entscheidung zu drücken. Du kannst dich nicht NICHT entscheiden. Du wirst dich immer entscheiden zwischen Unbewusstheit oder Bewusstheit,
zwischen dem Bewusstsein eines Opfers, scheinbar geschlagen von der Härte des Lebens,
oder dem eines Schöpfers und Gestalters deiner Lebenswirklichkeit;
Zwischen dem angstvollen Vermeiden, ehrlich hinzuschauen und Kurskorrekturen vorzunehmen, oder dem mutigen Anschauen dessen, was ist;
zwischen der Entscheidung, ein nomaler oder glücklicher Mensch sein zu wollen.
Immer triffst du eine Entscheidung.
Du hast nicht die Wahlfreiheit, dich nicht zu entscheiden, denn du bist und bleibst ein täglich erschaffendes Wesen und wirst es immer sein.
Aber du hast die Freiheit, dich jederzeit neu zu entscheiden." 

Robert Betz: Enscheidungen

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