Manuskripte

SWR3 Worte

Du sollst den Sonntag heiligen, heißt ein Gebot. Wolfgang Dietrich übersetzt das so:

In der Mitte kein Gebot der Arbeit und Arbeit und Arbeit,
sondern ein großes Los- und Lockerlassen.
In der Mitte kein gefordertes Soll,
das um jeden Preis zu erfüllen ist,
sondern ein heiter sich erfüllendes Sein...
In der Mitte kein Besen,
der die Welt eisern fegt und zerfegt,

sondern die Finger eines Knaben,
der das Werkzeug als Spielzeug jongliert.
In der Mitte kein Muskelgebirge,
das Macht und Wühlkraft demonstriert,
sondern die flache Hand,
auf der das Leben
tanzt...

Wolfgang Dietrich, Sabbat halten, Arbeit loslassen, die 10 Gebote, Eschbach Verlag

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Der Liedermacher Konstantin Wecker wird heute 65 Jahre alt. Hier ein Gedicht von ihm:

Schon immer hab ich auf das Schreckliche gewartet.
Es lauert hinter jedem Vorsprung.
Und so schnell ist, wer eben noch artig war, entartet.
Wohin nur? Einer meint: die Form.
Der andere: Ändere deine Haltung!
Selbst ohne Norm zu leben wird zur Norm
Und ungestalt zu sein ist auch Gestaltung.
Noch bleibt er Wahnsinn. Halte dir im Hirn
Die Gärten offen. Blühe wo die Welt
Noch keinen Zutritt hat.
Wo dein Gestirn
Sich noch im Innersten zusammenhält.

Konstantin Wecker
schmerzvoll lebendig, Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Liebes Leben, fang mich ein
Halt mich an die Erde.

Kann doch, was ich bin nur sein,
wenn ich es auch werde.

Gib mir Tränen, gib mir Mut
Und von allem mehr.
Mach mich böse, mach mich gut
Nur nie ungefähr.

Liebes Leben, abgemacht?
Darfst mir nicht verfliegen.
Hab noch soviel Mitternacht
Sprachlos vor mir liegen.

Konstantin Wecker
schmerzvoll lebendig, Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Der Name Gottes hat sich mit der Freiheit verbunden.
Wenn du einen Menschen zum Sklaven machst, tastest du Gottes Namen an.
Achte die Freiheit des anderen, als sei ihm der Name Gottes auf die Stirn geschrieben.
Der Mensch, wenn er nicht mehr frei sein will, hat aufgehört, Mensch zu sein.
Auch vierzig Jahre freiheitsfeindlicher Propaganda und Erziehung, auch vierzig Wüstenjahre haben es nicht vermocht, den Drang nach Freiheit zu ersticken.
Das Leben: eine Sehnsucht nach Befreiung
aus selbst geschafften Kerkern.
Im Namen Gottes: der Glaube ist ein zarter Falter, der selbst die stärksten Gefängniswände durchbricht.

Der Theologe Wolfgang Dietrich
Wolfgang Dietrich, Am Namen wachsen- im Namen Handeln

 

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Und jetzt? ...
Wir sind zurück aus dem Feuerwerk des Heiligen Geistes.
Der Alltag hat uns wieder....
Arbeiten, im Stau stehen,
aber auch endlich wieder im eigenen Bett schlafen.

Fernsehnachrichten aus Libyen oder persönliche Nachrichten,
die das Leben traurig machen...
Ich sende euch den Tröster, sagt Jesus. (Joh 16,5-15)
Der ist nicht nur für das Feuerwerk der Begeisterung da.
Wer kann auch schon dauernd brennen, ohne irgendwann ausgebrannt zu sein?
Ich sende euch den Tröster, sagt Jesus.
Für euren Alltag...
Damit ihr nicht ausbrennt.
Ich sende euch den Tröster, den Heiligen Geist.
In die Details eures Lebens, ins Kleingedruckte eures Alltags und - ja - auch ins Kleinkarierte eurer Seele.

Doris Joachim- Storch

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Nicht nur der Teufel steckt im Detail.
Auch der Heilige Geist.

In den Details.
In den Zwischenräumen, im Kleingedruckten.
Beim Wäschewaschen, Zähneputzen oder arbeiten.

Manchmal sind beide gleichzeitig drin in den Details.

In so einem kleinen, mickrigen, großartigen Menschen wie du und ich.
Teufel und Heiliger Geist
in den Details deines Lebens.

Wenn dich der Teufel reitet.
Der Teufel der Traurigkeit. Dann kannst du getrost zum Teufel sagen:
Hol dich doch der Teufel

Doris Joachim- Storch

 

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Wir sind auf der Suche
nach der Kraft,
die uns aus den Häusern
aus den zu engen Schuhen
und aus den Gräbern treibt.

Aufstehen und
sich dem Leben in die Arme werfen -
nicht erst am jüngsten Tag,
nicht erst, wenn es nichts mehr kostet
und niemandem mehr weh tut....

Dies ist der Tag, den Gott macht.

Uns erwartet das Leben.
Wann, wenn nicht jetzt?

Jutta Sutter- Rehmann
Aus:  Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen

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