Manuskripte

SWR3 Worte

Dein Leben sei ein Spiegel. Wenn du hineinschaust, lächelt er zurück, immer und wird nie blind. Dein Leben sei ein warmer Mantel. Wenn du ihn umlegst, suchen noch viele Zuflucht und sind bei dir geborgen. Dein Leben sei eine helle Sonne. Wenn du dich von ihr erleuchten lässt, leuchtest du zurück, immer wieder und machst deine Finsternis hell. Dein Leben sei die Ruhe in Sturmes Mitte. Wenn du dann einen Halt hast, ist das „das Glück".  

Uwe Seidel, Das ist das Glück, in: Hanns Dieter Hüsch/Uwe Seidel/Paul Klee,

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Es muss nicht alles sein im Leben. ... Es ist gut so, wie es ist. Ein Mensch, der das sagen kann, hat ... etwas Wesentliches gelernt. Nämlich, das Leben diese Fremdheit, diese Ungewissheit, diese Offenheit hat und dass ich mich manchmal in dieser Offenheit verirre. Aber was dieser Mensch auch gelernt hat, ist: Von allem, was möglich wäre in diesem Leben, realisieren wir vielleicht zehn Prozent. Das zu akzeptieren ist ein Stück Lebenskunst und Lebensweisheit.

 Doris Weber, Es muss nicht alles sein im Leben, in: Publik-Forum Nr. 20 (2010) vom

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Es gibt wohl keine einzige Lebensgeschichte, in der ein Mensch Erfolg und Erfüllung gefunden hat, ohne mehrmals gescheitert zu sein. Ohne die Erzählungen über die Fehlschläge bestünden die Biografien auch erfolgreicher Menschen nur aus wenigen mageren Seiten, und sie wären obendrein recht langweilig. Es ist keine Schande zu scheitern; zu den besten Dingen des Lebens gehört es, sich die Erlaubnis zu erteilen, einen Neubeginn zu wagen, zu beschließen: Ich will mich und mein Leben verändern. 

Doris Weber, Es muss nicht alles sein im Leben,

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Laufe nicht vor dir selbst davon und deinen ehrgeizigen Plänen rastlos hinterher. Pläne aufgeben ist nicht notgedrungen eine Kapitulation vor dem Leben, eine Resignation, die sagt, das schaffst du sowieso nicht. Es kann auch eine kluge Einsicht sein, die Gewissheit: Es muss nicht alles sein im Leben. ... Mein Leben erhält nicht Sinn und Fülle dadurch, dass ich mir einen Plan mache, den ich realisiere. Ein sinnvolles Leben entsteht ... dadurch, dass ich den Sinn, den ich lebe, entdecke. 

Doris Weber, Es muss nicht alles sein im Leben

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Zu merken, dass man geliebt wird, ist schön. Jemanden zu lieben, ist auch schön. Aber was machen die Leute, die niemanden haben? Ich denke immer mehr, das man auch einen Weg finden muss, sich selbst gern zu haben. Aber wie liebt man sich selbst, ohne arrogant oder schnöselig zu werden? ... Hört sich so selbstverständlich an, man sollte sich selbst mögen - aber wie macht man das? ... Doch ich bin auf einem guten Weg, glaube ich. Ich merke zum Beispiel, dass ich nicht mehr nur aus ... Hilflosigkeit weine, sondern manchmal auch aus Stolz auf das, was ich in meinem Leben so alles gemacht habe.

 Christoph Schlingensief, So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Tagebuch einer Krebserkrankung,

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Ich will wissen, dass ich sterbe. Ich will Zeit haben, mich mit dem Wissen auseinanderzusetzen. Sowohl für mich, weil ich glaube, da passieren einige wichtige Dinge. Als auch für Freunde und Angehörige. ... Und ich wünsche mir ein Umfeld von Leuten, die keine Scheu haben, mit mir darüber zu reden. ... Weil die Leute eine Scheißangst haben vor dem Tod. Angst, durch einen Sterbenden mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert zu werden. ... Was sage ich [dann]? Bis morgen? Gibt's dieses Morgen? 

Der Arzt (Palliativmediziner) Matthias Gockel auf die Frage, wie er selber sterben möchte,

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Für einige Menschen eine Erlösung, für andere das absolute Schreckgespenst, in letzter Instanz völlig unbegreiflich. Es ist nicht mehr das Leben, definitiv nicht mehr das, was dich ausmacht. Irgendwas passiert da, man sieht einem Menschen an, dass er stirbt. Es gibt Momente, da denke ich, vielleicht ist da doch irgendwas, was den Körper gerade verlässt. Es ist teilweise unglaublich, wie entspannt Leute aussehen, die gestorben sind. 

Der Arzt (Palliativmediziner) Matthias Gockel auf die Frage, was der Tod sei

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