Manuskripte

SWR3 Worte

Mein Sohn geht nicht ohne seinen Engel aus dem Haus. Manchmal mache ich mir Sorgen um ihn. Vielleicht ist daraus unser Abschiedsritual entstanden. Ich lege ihm die Hand auf die Schulter und sage: „Ich geb dir den Engel mit, der hilft dir und passt auf dich auf.“
Manchmal, wenn es eilig ist, läuft er ohne Engel los und ruft dann aus einiger Entfernung: „Mama, mein Engel…“ Dann tue ich so, als wenn ich ihm den Engel zuwerfe und er klopft sich mit der Hand auf die Schulter, als wenn er ihn nimmt – und lacht. Der Schutzengel ist ein Ritual, das uns beiden heilig ist.“

Melanie Kirschstein – Schutzengel mitgegeben
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Ein Geheimnis der Heiligkeit und des Glücks möchte ich dir verraten: Bringe jeden Tag während fünf Minuten deine Einbildungskraft zum Schweigen. Verschließe deine Augen allen sichtbaren Dingen und deine Ohren allem Lärm der Welt. Halte Einkehr bei dir, und … sprich…:
„O Heiliger Geist, Du Seele meiner Seele, … erleuchte mich, führe mich, stärke mich, tröste mich! Laß mich wissen, was ich tun soll; gib mir Deine Weisungen. …“
Wenn du das tust, wird dein Leben glücklich, ausgeglichen und trostvoll… und mit Verdiensten gesegnet wirst du einmal die Schwelle der Ewigkeit überschreiten.
Désirée Cardinal Mercier, vor hundert Jahren, über das Geheimnis des Glücks

(zitiert in Melanie Kirschstein, Was mir heilig ist; in Andere Zeiten – Magazin für das Kirchenjahr 3/2008, S. 7 – Verlag Andere Zeiten eV Hamburg)
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Unser Schöpfer hat uns nicht zu einem embryonalen Leben bestimmt; das Leben Neugeborener ist nicht Ziel und Zweck der Natur. Sie zielt auch nicht auf die nachfolgenden Altersstufen ab, denen sie im Laufe der Zeit ein wechselndes Aussehen verleiht. Sie zielt auch nicht ab auf die körperliche Zersetzung, die beim Tod eintritt. Alle diese Zustände sind Etappen auf unserem Weg. Das endgültige Ziel dieses Marsches durch diese verschiedenen Zustände … das angestrebte Ziel des Lebens ist die Glückseligkeit. Aber alles, was jetzt den Körper betrifft, - Tod, Alter, Jugend, Kindheit, das Werden des Embryos – alle diese Zustände bilden einen Weg, eine Aufeinanderfolge und ein Potential, das zur erhofften Reife führt – wie bei Pflänzchen, Halm und reifer Ähre.

Gregor von Nyssa im vierten Jahrhundert - Das Leben - ein Weg ans Ziel unserer Hoffnung
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Ich finde, viele Atheisten leben so, als gäbe es Gott ein bisschen doch. Und viele Christen leben die meiste Zeit so, als gäbe es Gott nicht, versuchen sich also z. B. egoistisch durchzusetzen usw. … (aber) ein Leben sieht anders aus, wenn man so lebt, als gäbe es Gott nicht, als wenn man überzeugt ist, dass es Gott gibt.
Gregor Gysi … hat (einmal) gesagt, er habe, obwohl er Atheist ist, Angst vor einer gottlosen Gesellschaft, weil der Gesellschaft sonst die Solidarität abhanden kommen könne. ... Und wenn Atheismus bedeute, gegen die Kirche zu sein, dann sei er kein Atheist, dann sei er Heide, zu dem der Glaube noch nicht gekommen sei.
Dr. Manfred Lütz über Christen, Atheisten und speziell Gregor Gysi …

(Interview BR alpha, Sendung vom 2.4.2008, 20.15 Uhr)
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Nichts (habe ich gegen Sport), solange er nicht zur Ersatzreligion stilisiert wird… Genau das aber geschieht. Wir kasteien uns mit Diät- und Fitnessterror und vergessen darüber fast alles, was das Leben ausmacht!...
(Die Leute im Fitnessstudio) rackern sich für eine perfekte Hülle ab. Eine straffe Haut scheint für viele wichtiger zu sein als ein ausgefülltes Leben. Mit Lebenslust hat das nichts zu tun. Dazu gehören Gespräche und Zeit, die man mit Freunden, Familie, Kindern verbringt. Wer nur die Gesundheit in den Vordergrund stellt, der hat keine Zeit für ein gottgefälliges Leben, was heißt, sich auch um das Wohlergehen der Mitmenschen zu kümmern…
Die Lebenslust bleibt so auf der Strecke. Das Miteinander ebenfalls.
Der Arzt und Theologe Manfred Lütz über Fitnesswahn und Lebenslust

(in: GESUNDHEIT –
in der Zeitschrift „Sozialcourage“ des Deutschen Caritasverbandes, Nr. 3/2008, Seite 18)


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… Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. ... Himmel und Licht sind … Symbole anderer Dimensionen und Mächte, die über Menschenmacht hinausgehen. Davon ergriffen zu sein, zugleich fasziniert und ehrfürchtig, ist ein heiliges Gefühl…
Mich selbst ergreifen diese Gefühle vor allem am Meer. Wenn ich den salzigen Geruch in der Nase habe, den Wind auf der Haut spüre, wenn mein Blick bis zum Horizont geht, wo sich Himmel und Erde berühren und (wenn) das Wellenrauschen alles wegspült, was mich gefangen hält, dann geht es mir gut.

Für unsere Seele ist es heilsam, in Berührung zu kommen mit dem, was uns heilig ist.
Melanie Kirschstein, Das Heilige am Strand

(in: Was mir heilig ist – Andere Zeiten – Magazin zum Kirchenjahr 3/2008, S. 7 – Verlag Andere Zeiten eV, Hamburg)
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Lieber Sonntag, …
(erst spät) … erkannten wir, dass du eine Oase bist. Ein Freigeist. Du bietest hundert Möglichkeiten. Wir brauchen dich. Ein Tag in der Woche, an dem wir tun dürfen, was schön ist…
Wir bringen unsere Seelen ins Lot. Wir ordnen die Welt mit Freunden. Wir bauen mit Lena und Lukas stundenlang Bauklotztürme. Wir vergraben uns in ungelesenen Zeitungen. Wir träumen rosa Wolken in den Himmel, … entwerfen Utopien, die uns in den Montag tragen. Du bist der Tag, an dem niemand etwas von uns fordert. Und wer es doch tut, (den verweisen wir) mit mildem Lächeln auf deine Existenz…
Du bist wie ein großer Bruder. Du beschützt uns vor Zeitdieben, Stressmachern, Immermehrwollern. Wir sinken in Deine Arme und denken wohlig: Uns kriegt ihr nicht!
Wir lieben dich.
Das RedaktionsTeam von Andere Zeiten schreibt einen Brief an den Sonntag

(in: Andere Zeiten – Magazin zum Kirchenjahr 2/2009, S. 10 – Verlag Andere Zeiten eV, Hamburg) https://www.kirche-im-swr.de/?m=6546