Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

29DEZ2019
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Nach den weihnachtlichen Feiertagen nun also die Rückreise in den Alltag. Mich begleiten dabei die Hirten aus der Weihnachtsgeschichte. Sie waren die Ersten, die das Geschehen in Bethlehem mitbekommen hatten. Und sie sind die Letzten, die die biblische Szenerie, so wie sie Lukas schildert, wieder verlassen. Und zurückkehren in ihren Alltag.

Was die Hirten auf den Feldern von Bethlehem erlebt hatten, davon erzählt das heutige Lied, das auch im evangelischen Kirchengesangbuch zu finden ist: „Den die Hirten lobeten sehre und die Engel noch viel mehre, fürchtet euch nun nimmermehre, euch ist geboren ein König der Ehrn.“

 

Den die Hirten lobeten sehre
und die Engel noch viel mehre,
fürchtet euch nun nimmermehre,
euch ist geborn ein König der Ehrn.

Heut sein die lieben Engelein
in hellem Schein
erschienen bei der Nachte
den Hirten, die ihr‘ Schäfelein
bei Mondenschein
im weiten Feld bewachten:

Gottes Sohn ist Mensch geborn,
hat versöhnt des Vaters Zorn.

 Das Lied entstammt einem alten, in die Zeit der Reformation reichenden musikalischen Brauch: Kinder und Jugendliche zogen von Haus zu Haus und sangen Advents- und Weihnachtslieder. Quempas-Singen wird das genannt, denn der lateinische Anfang dieses Hirtenliedes lautet : „Quem pastores laudavere...“. Zu deutsch „Den die Hirten lobeten sehre...“
Das Lied wird abwechselnd von einzelnen Sängern und dann von der Gemeinde als ganzer gesungen. Bis auf den heutigen Tag ist dieser Quempas-Gesang in manchen Gemeinden zu hören.
Aller Gesang aber gipfelt in dem einen Ruf, auf den alles ankommt: Gott ist Mensch geworden.

Lobt, ihr Menschen alle gleiche,
Gottes Sohn vom Himmelreiche;
dem gebt jetzt und immermehre
Lob und Preis und Dank und Ehr...

Die Hirten kehren von der Krippe im Stall zu Bethlehem zurück, aber anders als sie aufgebrochen waren. Sie kommen verwandelt zurück. Strahlend von dem weihnachtlichen Glanz, der ihre Seelen zum Leuchten gebracht hat.

Jetzt aber heißt es: zurück in den Alltag! Mit allem, was dort wartet: an ungelösten Problemen und unverrichteten Aufgaben. Ob darauf jetzt auch ein neuer Schein fällt, etwas vom Glanz des Weihnachtsfestes?

In den Hirten jedenfalls klingt nach, was sie gehört und gesehen haben. Den Ruf „Gott ist Mensch geborn“ nehmen sie mit auf ihrem Weg zurück in den Alltag.Und auch ich will im Ohr behalten und im Herzen, dass der große Gott ein kleiner, hilfsbedürftiger Mensch geworden ist.

Gottes Sohn ist Mensch geborn,
hat versöhnt des Vaters Zorn.

 

                                                         ***

CD: Michael Praetorius, Weihnachtliche Chormusik, Thomanerchor Leipzig, Capella Fidiciana, Ltg. Erhard Mauersberger, 1971, Berlin Classics 1995, LC 6203

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