Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Der Segen ist für mich nicht nur der Schlusspunkt, sondern auch ein Anker-, vielleicht sogar Höhepunkt jedes Gottesdienstes. Der Mystiker und Liederdichter Gerhard Teerstegen hat die biblischen Segensworte aus dem vierten Buch Mose Mitte des 18. Jahrhunderts in Liedform gegossen. Die Melodie ist gerade schon angeklungen: Brunn alles Heils, dich ehren wir!

Das Besondere daran: Es ist ein Lied zum Sonntag Trinitatis, dem Dreieinigkeitsfest, das in den Kirchen heute gefeiert wird. Es erinnert daran, dass Christen Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist erfahren und verehren. Teerstegen hat die drei Teile des Segens jeweils einer der drei Personen der Trinität zugeordnet – und so die Worte aus der hebräischen Bibel neu, christlich interpretiert.

Musik

Der Herr segne dich und behüte dich – das Behüten ist für Teerstegen Sache des Vaters. Er bewahrt seine Geschöpfe an Leib und Seele. Dem Sohn ordnet Teerstegen das leuchtende Angesicht zu – Jesus hilft zu sehen und zu glauben, dass Gott ein gnädiger, ein freundlicher Gott ist.

Musik

In der vierten Strophe verbindet Teerstegen schließlich den Heiligen Geist mit dem dritten Teil des Segens: Als Heiliger Geist ist Gott bei den Menschen gegenwärtig und lässt sie Frieden finden.

Mir gefällt, wie Teerstegen das Geheimnis der Trinität Gottes an diesem Segensvers entfaltet. Weil ich glaube: Genau das ist die eigentliche und einfache Botschaft der Lehre von der Dreieinigkeit. Wenn Christen von der Trinität reden, ist das keine abstrakte dogmatische Lehre, sondern bedeutet: Gott wendet sich den Menschen auf unterschiedliche Weise zu. Er ruht nicht einfach in sich selbst, sondern ist in Beziehung: Mit sich selbst als Vater, Sohn und Heiliger Geist, und mit den Menschen, an die er sich ja in der Person Jesu selbst gebunden hat. Gott ist in Beziehung – vielleicht kann man sogar weiter gehen und sagen: Gott ist Beziehung.

In seiner letzten Liedstrophe nennt Gerhard Teerstegen Gott einen Segensbrunnen. Fließendes, erfrischendes Wasser – das ist für mich ein schönes Bild für den Gott, der in Beziehung zu uns Menschen ist – und uns segnet.

Musik

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Musikangaben:

Brunn alles Heil, dich ehren wir

Musik 1         Choralbearbeitung für Orgel, Helmut Brand
Musik 2         Strophe 2 Vokalensemble Schnitter
Musik 3         Strophe 3 und 4 Vokalsensemble Schnitter
Musik 4         Strophe 5 Vokalensemble Schnitter

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