Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein. Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir. 

Text und Melodie: Peter Strauch

Wenn kleine Kinder beginnen, ihre Welt zu erobern, dann ist eines für sie ganz wichtig: dass sie einen sicheren Ort haben, zu dem sie immer wieder zurückkehren können. Da macht der kleine Paul etwa seine ersten, wackeligen Schritte. Das mit dem Gleichgewicht ist nicht so einfach. Ständig könnte er umfallen – aber im Fall der Fälle steht da Papa mit ausgebreiteten Armen, um ihn aufzufangen. Oder Marie, die sich mutig ins Getümmel des Planschbeckens stürzt – aber sie weiß: Mama sitzt am Rand und wäre sofort zur Stelle, wenn sie gebraucht würde.   Wer wachsen will, braucht Wurzeln; wer im Leben seinen Mann und seine Frau stehen will, braucht Rückzugsorte, wo man einfach nur da sein darf, wo man sich sicher und geborgen fühlt. 

Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Der Text dieses Liedes nimmt Bezug auf den Psalm 31. In diesem Psalm wendet  sich ein Mensch in großer Not an seinen Gott. Er hat Angst, denn er ist von Feinden bedrängt. In dieser schwierigen Situation klammert sich der Beter an seinen Gott: 

„Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.“

Obwohl er den Feinden ausgeliefert ist, gibt ihm der Glaube Kraft. Auch wenn die gegenwärtige Situation  ganz dagegen spricht,  vertraut er darauf, dass sein Schicksal letztlich doch in Gottes Händen liegt. Und dadurch verändert sich etwas. An einer Stelle in diesem Psalm heißt es: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das vermag der Glaube an Gott: dass wir weiten Raum bekommen, auch wenn uns eigentlich die Angst einengt. Weil er uns nahe ist, können wir alle Ängste überwinden.

Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein.

Das Lied stammt von Peter Strauch, der viele bekannte neue geistliche Lieder geschrieben hat . Er war Pastor in der evangelischen Freikirche und hatte dort hohe Ämter innen. Für so jemanden, könnte man denken, ist der Glaube einfach sicher und fest. Aber auch Peter Strauch musste um seinen Glauben immer wieder ringen. Er musste damit zurecht kommen, dass sein eigener Vater auf christlichen Freizeiten Kinder missbraucht hat  - sogar seine eigenen. Da wird es sehr schwer, von einem gütigen Vater im Himmel zu reden. Und sein Glaube hat auch nicht verhindert, dass seine Frau lebensgefährlich an Krebs erkrankte. Aber er durfte auch erleben, dass sie geheilt wurde.

Ich glaube, dass er dieses und andere Lieder nicht nur für andere geschrieben hat. Sondern dass sie von seinem eigenen Glaubensweg erzählen. Glauben heißt ja nicht, über den Dingen zu stehen und für alles eine Erklärung zu haben. Glauben heißt, sich gerade dann an Gott fest zu machen, wenn der Boden unter meinen Füßen schwankt.

Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

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