Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL 272)

Melodie und Text unseres heutigen Liedes zum Sonntag wurden in völlig unterschiedlichen Zeiten komponiert: Die Melodie stammt vom Theologen Johann Anastasius Freylinghausen aus Halle. Er hat sie im Jahr 1708 in einem Gesangbuch veröffentlicht. Den Text hat der Theologe und Germanist Raymund Weber über 270 Jahre später verfasst, im Jahr1982. Ursprünglich war er  für eine andere Melodie vorgesehen. Erst im neuen Gotteslob haben Text und Melodie zusammen gefunden.

Die erste Strophe ist ein gesungenes Bittgebet: Da heißt es: „Komm uns zu Hilfe!“, „Hör unser Bitten!“. Und es wird schon in der ersten Zeile deutlich, dass die Sache mit dem Bitten gar nicht so einfach ist…

CD, 1. Strophe:

Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte; komm uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft!

Mit deinem Beistand uns allzeit behüte, der uns befreit und Geborgenheit schafft.

Hör unser Bitten; die Angst in uns wende;

Feuer des Heiligen Geistes uns sende!

 

Allmacht und Güte – wie kann das zusammen gehen? Ein allmächtiger und zugleich gütiger Gott, wie kann der das Leid in der Welt zulassen? Ein gütiger Gott würde es verhindern wollen, ein allmächtiger Gott würde es verhindern können.

So ähnlich könnten das auch jemand verstehen, dessen Bitte nicht erfüllt wird: Entweder möchte Gott die Bitte nicht erfüllen – dann wäre er nicht gütig. Oder er kann sie nicht erfüllen – dann wäre er nicht allmächtig.

Hat es dann überhaupt einen Sinn, mit einem Bittgebet zu Gott zu kommen? Der Religionspädagoge Hubertus Halbfas findet schon. Er sagt: „Die eigene Not vor Gott bringen heißt: sich besinnen, welcher Teil der Not bekämpft und welcher angenommen wird.“ Es geht also beim Bittgebet darum, unterscheiden zu lernen. Mir selbst klar darüber zu werden, was ich einfach akzeptieren muss, und wofür es sich lohnt zu kämpfen. Und für beides - akzeptieren und kämpfen -  ist es gut zu wissen, dass Gott einem zur Seite steht. Das kommt in der zweiten Strophe zum Ausdruck:

CD, 2. Strophe:

Hilf unserm Glauben, wenn mutlos wir werden; Lichtblick und Freude erblühen aus dir.

Dein Reich des Friedens lass wachsen auf Erden; Werkzeuge deiner Verheißung sind wir.

Lehr uns aus Glaube und Liebe zu handeln

und so uns selbst und die Welt zu verwandeln.

„Lehr uns aus Glaube und Liebe zu handeln und so uns selbst und die Welt zu verwandeln.“, so heißt es in der zweiten Strophe. Beten und Handeln scheinen demnach zueinander zu gehören.

Beten kann dabei helfen, sich selbst Klarheit zu verschaffen im Kontakt mit Gott. Aber es geht auch darum, den Worten Taten folgen zu lassen. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen: jemandem aus der Patsche helfen, lernen zu verzeihen, Geduld haben mit sich selbst.

In der dritten Strophe heißt es dann: „Lehr uns Verzeihen, Vertrauen, Geduld.“ Vielleicht wird ja daraus ein Vorsatz für die österliche Bußzeit. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten ersten Fastensonntag.

CD, 3. Strophe:

Ruf uns zur Umkehr, sooft wir versagen; du bist barmherzig, vergibst uns die Schuld.

Antwort bist du in verzweifeltem Fragen; lehr uns Verzeihen, Vertrauen, Geduld.

Du hast für uns deinen

Sohn hingegeben,

Worte und Taten, aus denen wir leben.

 

Quellen: CD: Chormusik zum Gotteslob, Regensburger Domspatzen u.a., Carus-Verlag, Nettospielzeit: 2´33

                                             

 

 

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