Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 868

Vor kurzem hat meine Kirchengemeinde dem neuen Weihbischof von Freiburg zur Amtseinführung einen Bischofsstab anfertigen lassen. Das ist ein richtiges Kunstwerk geworden. Am oberen Ende sind zwei Hände geschnitzt, ganz filigran und zart. Eine Hand kommt von oben und die andere von unten. Diese beiden Hände bringen den Wahlspruch des Weihbischofs gut zum Ausdruck: „Mit dir im Bund“

„Fest soll mein Taufbund immer stehen“ – dieses Lied wird heute in katholischen Kirchen oft gesungen. Denn heute feiert die katholische Kirche die „Taufe des Herrn“. Dabei denken die Christen vermutlich auch an ihre eigene Taufe. Was das mit dem Bischofsstab zu tun hat? Ich finde, dass das Bild von den zwei Händen gut dazu passt. „Mit Gott im Bund“ oder eben mit Gott im „festen Taufbund“.

                   Fest soll mein Taufbund immer stehen,

                   ich will die Kirche hören,

                   sie soll mich allzeit gläubig sehen

                   und folgsam ihren Lehren.

                   Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad,

                   in seine Kirch berufen hat;

                   nie will ich von ihr weichen.

(Mertens, Klaus; Johannsen, Kay; 2012, Carus 83.015)

 

Das Lied stammt aus dem 19. Jahrhundert. Da ist diese ausschweifende, romantische Melodie und dazu passend die großen, fast schon schwülstigen Worte.

Diese Romantik gefällt mir. Trotzdem kann ich bei der ersten Strophe nicht ganz unbeschwert mitsingen. Mich stört der Inhalt. Ich finde, da schwingt so etwas von „blindem Gehorsam“ mit. Gerade, wo es heißt: „Ich will die Kirche hören- folgsam ihren Lehren.“ Das klingt, als ob das Lied von den Oberen für die Unteren gemacht ist. Ich verstehe Kirche anders. Vermutlich, weil ich Taufe anders verstehe. Getauft zu sein, heißt für mich zuerst einmal, dass ich versuche bewusst mit Gott in Verbindung zu leben – und erst an zweiter Stelle als Kirchenmitglied. Im Bild von den zwei Händen gesprochen: mir geht es eher um die Berührung oder den Bund zwischen Gott und Mensch, als darum was zwischen kirchlichen Amtsträgern und einfachen Kirchenmitgliedern passiert.

Für mich haben die beiden Hände auch noch mit Verlässlichkeit zu tun. Mich erinnern sie nämlich ans Bergsteigen, wo ich mich auf den Handgriff des anderen verlassen muss.

„Mit dir im Bund“ – das fasst gut zusammen, was Taufe für mich heißt. Zuallererst, dass ich mir meinen Bund mit Gott bewusst mache, der kommt nämlich vor jeder anderen Verbindung. Und auch, dass ich mich auf den festen Handgriff von Menschen verlasse und selber für andere verlässlich bin.

 Meiner Meinung nach kommt das in der zweiten Strophe des Liedes gut zum Ausdruck. Schon auch romantisch und mit großen Worten. Aber auf eine Art, bei der ich persönlich dann auch unbeschwert einstimmen kann.

                   Die rechten Wege gehe ich,

                   solang ich leb auf Erden.

                   Du treuer Gott, beschütze mich

                   Und lass mich selig werden.

                   O mach mich ähnlich deinem Sohn,

                   dass ich erhalte seinen Lohn

                   im Himmel droben ewiglich.

(Johannsen, Kay, 2012, Carus 83.015)

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