Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Lied: Es kommt ein Schiff geladen

Strophe 1

Ich liebe dieses Adventslied sehr. Als mein Sohn ein Säugling war habe ich es ihm in seiner ersten Adventszeit vorgesungen, und der kleine Kerl lachte und strampelte dabei mit sichtbarem Vergnügen. Erst war ich etwas erstaunt darüber, es sind ja keine fröhlichen Dur-Töne, mit denen das Lied beginnt. Aber tatsächlich hat das Lied Züge eines Wiegenliedes, zumindest in den ersten Takten der Strophe sieht und hört man förmlich das Schiff auf dem Wasser schaukeln. Danach allerdings gewinnt die Melodie etwas Tänzerisches, eine interessante Spannung er Melodieführung:

Damals wohnten wir in Bonn, heute in Mainz, Städte am großen Fluss. Die Menschen hier wussten früh was es hieß, ein Schiff flussaufwärts zu ziehen, Pferde und Menschen zogen am Land schwer an den Tauen, mit denen die Schiffe bewegt wurden. Tief lagen die bauchigen Schiffe im Wasser, schwer beladen. Die Fracht war kostbar, kein Wunder, dass alte Raubritterburgen den Rhein säumen. Wie viel Arbeit kostete es, Schweiß und Tränen, bis endlich der Anker am Ziel geworfen werden konnte.

Strophe 2.

Mit einem Säugling hat man ein besonderes Gespür dafür was es bedeutet, dass das Wort Fleisch geworden ist. Auch wenn ich über die biologischen Vorgänge Bescheid weiß - ein Kind bleibt doch geheimnisvoll zauberhaft, unerklärlich. Dass so ein vollständiger Mensch entstehen kann, aus einem Samenfaden und einer kleinen Eizelle! Ich staunte über das Wunder in meinen Armen, zugleich über das Wunder in Bethlehem. Welch großes Geschenk, dass Gott als Mensch geboren wurde, unser Leben teilte, auch unser Leid und unseren Tod.

Strophe 3 und 4

Da sind mir damals, singend, schon die Tränen in die Augen gestiegen. Zu wissen und zu ertragen, dass auch einem so geliebten Geschöpf wie meinem gerade glücklich juchzendem Kind das Leid nicht erspart bleibt, auch nicht der Tod, das hat mich sehr berührt. Zugleich gewann ich, mit meinem kleinen Sohn auf dem Arm, eine Ahnung davon, wie lieb uns unser Gott hat, dass wir ihn Vater rufen dürfen und er uns seine Kinder nennt.

Strophe 5

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