Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Lied: Herzliebster Jesu GL 180 / EG 81

M0296964 01-003 Herzliebster Jesu was hast du verbrochen Amsterdam Baroque Orchestra and Choir 2006

 „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen" - Es ist eines der bekanntesten Passionslieder. Der schlesische Pfarrer Johann Heermann hat den Text 1630 geschrieben. Und Johann Crüger hat die Melodie dazu komponiert. Dass die Melodie auf den Text zugeschnitten ist, kann man heute noch hören. Vor allem bei den wichtigsten Wörtern der ersten Strophe: „Herzliebster", „verbrochen", aber auch bei „Urteil" und „Schuld". Da setzt die Melodie Akzente, weil etwas Wichtiges gesagt wird.

1)       Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,

dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?

Was ist die Schuld, in was für Missetaten

         bist du geraten?

 

(M0296964 01-003 Herzliebster Jesu was hast du verbrochen Amsterdam Baroque Orchestra and Choir 2006)

 

Dass Wort und Musik eine Einheit bilden, das war im 17. Jahrhunderts wichtig. Aber nicht nur das. Der protestantische Pfarrer und Textdichter Johann Heermann möchte mit seinen Liedern noch mehr erreichen. Er erklärt: „Denn so oft wir uns in solchen Liedern selbst ermahnen (...) wird die Andacht trefflich aufgemuntert und die Seele in Angst und Anfechtung getröstet." Ein Kirchenlied soll also trösten und aufmuntern.

Wie Heermann das in seinen Liedern erreicht, war für ihn klar. Als Textdichter bearbeitet er traditionelle Textvorlagen. So auch bei diesem Passionslied. Im ursprünglichen Gebet war vom „allerfreundlichsten Jüngling" und dem „allerliebsten Knecht Gottes" die Rede. Heermann hat daraus den „herzliebsten Jesu" gemacht. „Herzliebst" - intimer geht es kaum.

Den Herrn selbst ganz nah an die Gläubigen heran zu holen, das war Johann Heermann ein Anliegen. Deshalb hat er wohl auch noch eine eigene Strophe geschrieben - ohne ältere Vorlage. Ganz direkt - wie in einer Nahaufnahme - beschreibt er die Szene vom Kreuz.

 

2)       Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,

         ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,

         du wirst mir Essig und mit Gall getränket,

         ans Kreuz gehenket.

(Carus 83.015 Herzliebster Jesu was hast du verbrochen Thilo Dahlmann, Kay Johannsen 2012)

 

Jetzt hat jeder vor Augen was damals passiert ist. Von hier aus entwickelt Heermann die Frage nach dem Sinn. „Warum dieses Kreuz?" Die Antwort im barocken Liedtext ist eindeutig: Jesus ist für uns gestorben. Und wegen uns. Da ist Heermann sehr klar!

Und doch finde ich eine Zeile im Lied, aus der eine gewisse Nachdenklichkeit klingt.

Instrumentalmusik

Es heißt: „Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirt leidet für die Schafe". „Wunderbarlich", das klingt nach Verwunderung und Staunen. Aber auch nach „kaum zu glauben".

Und dieses Wort passt: Denn Schuld verwandelt sich in Erlösung. Aber nicht irgendwie. Sondern ganz konkret: am Kreuz.

„Wunderbarlich" dieses Ereignis - und dass es bis heute wirkt.

 

3)       Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!

         Der gute Hirte leidet für die Schafe.

         Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte

         für seine Knechte.

 

(Carus 83.015 Herzliebster Jesu was hast du verbrochen Thilo Dahlmann, Kay Johannsen 2012)

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