Manuskripte

Liebe - was ist das? Beziehungen – wie halten die?
In einem kleinen Hotel haben meine Frau und ich es einmal beispielhaft beobachten können. Dieses Hotel war das Heim einer großen Familie gewesen. Der Mann war jahrelang als Ingenieur berufsbedingt viel weg von zu Hause. Für das Zuhause und die Kinder hatte seine Frau gesorgt. Sie stammte aus einer Hotelierfamilie. Und von daher war sie gewohnt alles zu schmeißen. Aber ihr größter Traum war immer unerfüllt geblieben, nämlich selbst ein Hotel zu führen.

Als ihr Mann seinen Job beendet hatte meinte er zu seiner Frau. Du warst immer für uns da und hast deinen Traum zurückgestellt. Jetzt wird unser Haus ein Hotel. Ich bin deine Küchenhilfe und mache die Bedienung.

Und so war es auch. Während die Chefin sehr aufwendig für uns ein vorzügliches Essen bereitete begnügte sich ihr Mann mit Hilfsdiensten, um seiner Frau ihren Traum zu ermöglichen. Und mit heiterer Zufriedenheit hat er jeden Menuegang aus der Küche gebracht und uns serviert.

Liebe - was ist das? Beziehungen – wie halten die?
Anschauungsunterricht gab es für uns in diesem Hotel. Hier waren zwei Menschen bereit füreinander da zu sein. Das bedeutete, sich selbst und seine unmittelbaren Wünsche auch mal zurückzustellen, damit der andere seine Wünsche erfüllt bekommt. Und das nicht als schmerzlichen Verzicht zu empfinden, den man verdrießlich hinnimmt. Sondern Freude dabei zu haben, den anderen zu erfreuen, wie der Mann beim Bedienen im Hotel.

Was Liebe ist, kann man auch bei Jesus lernen. Viele Menschen waren von ihm angezogen, weil er so anders war, weil er für sie da war. Sein Motto war: Ich bin nicht gekommen, um mir dienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen und mein Leben für sie einzusetzen.
Jesus wusste um ein Geheimnis: Wer sein Leben für andere einsetzt, der geht nicht leer aus, sondern geht in ein erfülltes Leben, weil er Liebe lebt.

Das hat uns das Paar in dem kleinen Hotel anschaulich vorgelebt. Es war eine ermutigende Inspiration und eine Empfehlung zur Nachahmung. Was kann ich tun, um meiner Frau einen Wunsch zu erfüllen und ihr damit meine Liebe zu zeigen?  Diese Frage habe ich bei der Abreise mitgenommen und nicht mehr vergessen.

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In der Nachbarschaft von meiner Mutter ist aus einem alten, leerstehenden Hotel eine Flüchtlingsunterkunft geworden. Die Einheimischen in dem Ort waren nicht grundsätzlich gegen Flüchtlinge, aber sie haben die neuen Bewohner doch erst einmal kritisch beäugt.

An einem Vormittag ist meine Mutter mit ihrem Rollator zum Einkaufen gefahren. Auf dem Heimweg versperrte ihr ein Lieferwagen den Weg auf dem Bürgersteig. Daher versuchte sie, die Straße zu überqueren. Aber weil die Bordsteinkante so hoch war, geriet ihr Rollator in Schieflage und kippte um. Dabei ist sie selbst ins Straucheln gekommen und stürzte auf die Straße. Und da lag sie nun, umringt von ihren eingekauften Lebensmitteln und dem verlorenen Schuh. Bevor sie um Hilfe rufen konnte waren schon ein Mann und eine Frau zu ihr geeilt. Sie halfen ihr auf die Beine, richteten ihren Rollator wieder auf und sammelten für sie alle Lebensmittel ein.

In dem Ort kennt fast jeder jeden. Aber diese Helfer waren ihr fremd. Als sie sich bedanken wollte, merkte sie, dass es ein Flüchtlingspaar war, das noch kein Deutsch konnte. Meine Mutter hatte sich nicht verletzt und wollte ihren Heimweg fortsetzen. Aber ihre Helfer haben sie noch ein ganzes Stück begleitet, fast bis zu ihrer Wohnung, um sicher zu gehen, dass sie gut heim kommt.Seitdem hat meine Mutter einen anderen Blick für die Flüchtlinge im Ort.

Ich weiß, es gibt auch unter Flüchtlingen welche, die asozial sind und gefährlich. Aber so etwas soll es auch unter Einheimischen geben.
Mich stört, dass wir unsere Meinung über andere oft voreilig ableiten von ihrer Religion, ihrer Nation oder ihrer Qualifikation und weniger von ihrem Charakter. Dabei gibt der Charakter doch viel mehr Aufschluss über das Wesen eines Menschen als die äußeren Merkmale. Ist jemand verlässlich, aufrichtig, fair, dann spielt seine Herkunft eine untergeordnete Rolle.

In der Bibel heißt es: Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Wir können einem Menschen nicht ins Herz sehen wie Gott. Aber es gibt viel zu entdecken wenn wir uns auf Menschen einlassen und ihnen eine Chance geben, uns ihr Herz zu zeigen.
Können wir nicht auch versuchen, mehr auf das Herz zu sehen?

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Da genießt einer sein köstliches Essen während um ihn herum Feinde stehen, bis an die Zähne bewaffnet. Skurril diese Vorstellung. Doch genauso steht’s im Ps 23. Dort sagt König David zu Gott: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde“. David wirkt dabei gelassen. Er scheint überhaupt nicht von der Angst vor den Feinden beherrscht zu werden, geschweige denn, dass er in Panik verfällt.

Würde uns eine solche Haltung nicht gerade in heutiger Zeit gut tun? Immer häufiger stehen sich Menschen in unserem Land feindlich gegenüber. Aus einem Mit- oder Nebeneinander wird zunehmend ein Gegeneinander. Ein oberflächliches Freund-Feind-Denken verhindert, dass wir uns wirklich auseinandersetzen und verständigen. Gleichzeitig nehmen damit die Ängste zu.

2015 ging ein Drittel der Menschen bei uns mit Angst in das neue Jahr. 2016 war es bereits über die Hälfte. Jeder Dritte beabsichtigt Menschenansammlungen zu meiden. Angesichts von Terroranschlägen und anderen Risiken ist es sicher geraten wachsam zu sein und nicht blauäugig. Aber etwas mehr Vertrauen würde uns nicht schaden in einem Klima allgemeiner Verunsicherung.

König David vertraute darauf, dass sein Leben in Gottes Hand lag. In vielen gefährlichen Situationen hatte er das so erfahren. Wir sind seit Jahrzehnten eher ein gefahrloses Leben gewohnt mit einem hohen Sicherheitsstandard. Aber, wenn wir uns plötzlich bedroht fühlen, merken wir, dass wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben und einfach sichern können. David sah sein Leben in der Abhängigkeit von Gott, gerade unter Bedrohungen. Und er ging davon aus: Gott kann mich durchbringen. Dieses Vertrauen verlieh ihm eine gewisse Souveränität, die es ihm erlaubte sich klug und angemessen zu verhalten.

Er ließ es sich dabei nicht nehmen, das Leben zu feiern und Gottes gute Gaben dankbar zu genießen. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Das möchte ich mir bei David immer wieder abgucken. Wie er durch das Vertrauen zu Gott gelassener wurde und sich die Lebensfreude bewahrte. Und wenn das viele tun, wird es zu spüren sein, da wo Menschen zusammen sind.

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Kürzlich hatte ich unsere dreijährige Enkeltochter auf dem Arm. Wir gingen in den Keller, um etwas aus dem Vorrat zu holen. Und bevor ich das Licht angemacht hatte, war die Tür hinter uns ins Schloss gefallen. Wir standen plötzlich völlig im Dunkeln. Ich habe schon befürchtet, dass die Kleine jetzt anfangen würde zu schreien. Aber nach einer kurzen Pause sagte sie nur: „Opa, mach das Licht an“. Das wollte ich, aber dazu musste ich sie kurz auf den Fußboden stellen, um mich zum Schalter zu tasten. Und in dem Moment, wo sie mich nicht mehr spürte und nicht mehr sah, fing sie ängstlich an zu wimmern. Solange sie auf meinem Arm war, konnte sie die Dunkelheit aushalten. Aber als sie sich nicht mehr in meiner Nähe geborgen fühlte, stieg die Angst in ihr auf.

Da musste ich an das Gebet des Königs David denken aus Psalm 23: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir. Es gibt in jedem Leben irgendwann beängstigende Dunkelheiten. Da fühlen wir uns verunsichert und bedroht. David lässt sich aber von der Furcht nicht überwältigen. Wieso? Denn du bist bei mir. Die Gewissheit, Gott an seiner Seite zu haben, schützt ihn vor dem Absturz in die Angstspirale. Er weiß, ich bin nicht allein. Es ist jemand bei mir, der größer und stärker ist als ich. Gilt das auch heute und wir ahnen es nur nicht? Manchmal vielleicht schon. Z.B. wenn wir im Auto nur ganz knapp einem Unfall entgangen sind und uns wundern, wieso nichts passiert ist. Wer sagt dann nicht: „Gott sei Dank“? Das können lichte Momente sein. So wie neulich im Keller als ich das Licht wieder angemacht hatte. Sobald die Kleine mich sah breitete sich ein entspanntes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Sie wusste, sie ist nicht allein, ich bin immer noch da.

Ich wünsche Ihnen solche lichten Momente, wo sie erleichtert wahrnehmen können, Gott ist da. Dann lässt sich aus seiner Nähe Zuversicht gewinnen und ein Tag kann  anders verlaufen. Ich vertraue darauf, ich bin nicht allein. Der bei mir ist, achtet auf mich und kennt auch schon, was noch auf mich zukommt. Und wenn es ganz dicke kommt, hält er mich fest.

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Unsere Tochter musste kurz vor Weihnachten beruflich mit einem Kleinlaster allein von Dresden nach Köln fahren. Meine Frau und ich sagten uns schon länger im Vorfeld: „Ich habe Angst um sie, wenn sie bei Eis und Schnee unterwegs ist.“ Warum haben wir uns die Sorge nicht aufgehoben bis es so weit war? Warum haben wir nicht gewartet, ob es wirklich Eis und Schnee gibt?

Schlussendlich gab es weder Eis noch Schnee, sondern frühlingshafte Temperaturen. Aber wir hatten uns Sorgen gemacht. Unnötige Sorgen. Verständliche Sorgen, aber unnötige. Und wir hatten sie uns selbst gemacht im buchstäblichen Sinne. Verrückt, aber so sind wir.

Die Zahl der Katastrophen, die nur in unserem Kopf stattfinden als sorgenvolle Gedankenspiele ist riesig. Sicher um ein vielfaches größer als die wirklichen Katastrophen. Davon erfahren wir zwar auch mehr als genug. Aber unser sorgendes Herz übertrifft die Realität bei weitem. Und durch verschiedenste Schreckensmeldungen wird es natürlich noch zusätzlich angeregt.

Lässt sich das eindämmen? Ja! Mit Gottvertrauen. Im Psalm 23 steht: Er führet mich auf rechter Straße. So hat König David von Gott gesprochen. Dabei waren seine Wege alles andere als einfach, oft sogar lebensgefährlich.

Aber er hat sich darauf verlassen, Gott führt mich und lässt mich nicht hängen. Ist das naiv oder klug? Ich halte das für klug. Schließlich kann niemand sein Leben durch Sorgen auch nur um eine Stunde verlängern. Das habe ich von Jesus gelernt. Vielmehr gilt das Gegenteil. Mit Sorgen verkürzen wir eher unser Leben, weil es die Seele und den Körper belastet.

Jeder einzelne Tag bringt genug Sorgen mit sich. Da müssen wir uns nicht die vermeintlichen von morgen und übermorgen auch schon aufladen. Daran möchte ich denken, wenn sich das nächste Mal Sorgen vor mit auftürmen wollen. Ich will darauf vertrauen, dass Gott gute Absichten hat für mich hier und heute. Auch wenn die nicht immer gleich offensichtlich sind. Das wird sicher helfen gelassener durch den Tag zu gehen und am Ende gut anzukommen. So wie unsere Tochter in Köln bei frühlingshaften Temperaturen statt Eis und Schnee, was wir unnötigerweise befürchtet hatten.

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Es ist unglaublich. Eine Mutter vergibt dem Mörder ihrer Tochter – nach und nach. Ein mit mir befreundeter Journalist berichtete über das Schicksal von Ursula Link. Am Neujahrstag im Jahr 2000 kam ihre Tochter Steffi nicht nach Hause. Am nächsten Tag überbrachte die Polizei ihr die Nachricht, dass ihre Tochter ermordet aufgefunden worden sei.
Eine Welt bricht zusammen für die alleinerziehende Mutter. Unsagbarer Schmerz, Alpträume und Arbeitsunfähigkeit machen das Leben für sie unerträglich.
Menschen aus dem Freundeskreis ihrer Tochter stehen ihr zur Seite. Sie sind einfach da, helfen im Haushalt, hören zu, nehmen sie in den Arm und weinen mit ihr. Und sie verweisen darauf, dass es in aller Ausweglosigkeit auch möglich ist, sich an Gott zu wenden und zu beten. Ursula Link versucht es und bleibt nicht bei Fragen und Anklagen gegenüber Gott stehen. Sie fängt auch an in der Bibel zu lesen. Nach und nach entsteht ein Verhältnis des Vertrauens und der Nähe zu Gott. Eines Tages schließt sie ihren Frieden mit ihm und beginnt bewusst als Christin zu leben.
Nach und nach möchte sie einen Weg einschlagen, auf dem sie dem Täter vergeben kann, um auch hier für sich selbst Frieden zu finden. Der Weg ist lang, aber sie erreicht das Ziel. Nach und nach.
Neun Jahre nach der Tat erfährt sie, dass die lebenslange Haft des Mörders von Steffi zu Ende geht. Todkrank liegt er unter Bewachung in einem Krankenhaus. In Ursula Link erwacht der Wunsch den Täter zu besuchen. Nach ersten Bedenken wird es ihr ermöglicht. Zusammen mit einer Sozialarbeiterin und dem Krankenhausseelsorger, der den Häftling auf den Besuch vorbereitet hat, kommt es zu einer bewegenden Begegnung.
Der Mörder bekennt seine Schuld. Und die Mutter des Opfers sagt ihm, dass sie durch Jesus gelernt habe ihm zu vergeben und dass Gott auch ihm Vergebung anbietet. Das möchte er in Anspruch nehmen. Ursula Link betet mit ihm und alle stimmen ein in das Vaterunser. Es sind Momente, wo sich der Friede greifen lässt und die sie noch lange begleiten.
Nach und nach ist etwas Unglaubliches möglich geworden. Und wie heißt es doch? Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

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Wie ist es möglich dem Hass auf diejenigen zu widerstehen, die einen fertig gemacht haben? Ein Vorbild ist für mich Yehuda Bacon, den ich zunächst nur auf einem Foto gesehen habe.
Das gütige Lächeln dieses alten Mannes mit den sanften Augen ließ mich nicht los.
Er stand inmitten des Holocaust-Mahnmals von Berlin und stützte sich mit der linken Hand auf eine der zahllosen grauen Stelen. Sein milder Gesichtsausdruck unter dem schlohweißen Haar schien gar nicht zu der bedrückenden Umgebung zu passen.
Weil ich wissen wollte, wer das ist, begann ich zu lesen.
Yehuda Bacon ist ein Überlebender von Auschwitz und war ein wichtiger Zeuge im Auschwitzprozess der 60iger Jahre.
Er hat miterleben müssen wie sein Vater im KZ vergast und verbrannt wurde.
Der damals 14jährige Junge hielt dieses Grauen fest. Er malte mit Kohle auf Papier den Verbrennungsofen und fügte in den aufsteigenden Rauch das Portrait seines Vaters ein. Dieses Bild des späteren Kunstprofessors ist weltbekannt. Es steht mitten in Yad Vaschem, der Gedenkstätte für die Holocaustopfer in Jerusalem.
Was diesen heute 85 jährigen Mann auszeichnet, ist sein ausgeprägtes gütiges Lächeln. Es lässt sich keine Spur von Bitterkeit entdecken. Über die Männer, die seine Familie auslöschten, und denen er im Prozess gegenüberstand, spricht er höflich.
Er sagt: „Wenn ich hassen würde, hätte Hitler gewonnen“.
Er wollte nicht zulassen, dass diese Schreckensherrschaft weiter Macht über ihn haben sollte.
Wie ist es möglich, dem Hass zu widerstehen oder ihn abzubauen?
Ein Weg davon frei zu werden ist Vergeben.
Yehuda Bacon ist der Satz wichtig: „Ich habe Gott immer vor Augen gehabt.“
Der Gott der Bibel ist der barmherzige Gott, der immer wieder neu bereit ist zu vergeben. In Psalm 103 heißt es: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
Diesen Gott hat Yehuda Bacon wohl vor Augen gehabt, um vergeben zu können. Und ich möchte auch Gott in seiner barmherzigen Art vor Augen behalten. Dann fällt es mir leichter, anderen zu vergeben. Yehuda Bacon hat mich mit seinem gütigen Lächeln angesteckt und sicher nicht nur mich.

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Es fasziniert mich wie Nelson Mandela es geschafft hat seinen Peinigern zu vergeben.
Haben Sie auch noch das Bild von diesem freundlichen winkenden Staatsmann vor Augen? Vor gut einem Jahr ist er gestorben. Zu seiner Trauerfeier kamen die Repräsentanten aus aller Welt, nicht nur, weil er der erste schwarze Präsident Südafrikas war.
Nelson Mandela hatte zuvor 27 Jahre Haft als politischer Gefangener überstanden.
Nach seiner Freilassung bekannte er, er habe seinen eigenen Unterdrückern vergeben, weil sie ihn sonst zerstört hätten. Er sagte über seine Peiniger: „Sie haben mir alles genommen. Sie haben mir die besten Jahre meines Lebens genommen. Sie haben mich körperlich und seelisch missbraucht. Sie haben mir alles genommen außer meiner Seele und meinem Herzen. Beides würde ich verlieren, wenn ich mich rächen wollte.“
In den folgenden Jahren beeindruckte Nelson Mandela immer wieder mit seiner versöhnlichen Haltung und Ausstrahlung. War das nicht unnatürlich und irgendwie unerklärlich?
Oder hatte er etwas ganz Wesentliches erkannt und es beherzigt?
Sich revanchieren oder vergeben. Vor dieser Entscheidung stehe ich auch immer wieder einmal. Gemeinheiten und erlittene Verletzungen wirken nach. Die Gedanken drehen sich im Kreis der Anklagen und Rachephantasien. Die vorherrschenden Gefühle sind Bitterkeit und Ablehnung.
Aber wenn ich glaube, ich würde Genugtuung erlangen und Erleichterung, wenn ich mich revanchiere, täusche ich mich. In Wirklichkeit halte ich meine Verletzungen offen und füge anderen welche zu.
Das Gesetz Auge um Auge hinterlässt nur Blinde.
Solange ich nicht vergeben habe lasse ich dem Täter Macht über mein Leben. Er kann mir weiter schaden indem ich gefangen bleibe in meinen selbstzerstörerischen Gedanken und Gefühlen.
Wer nicht vergibt, trägt nach und trägt damit eine schwere Last. Wer den Weg der Vergebung beschreitet, tritt in das Land der Freiheit. Vergebung lässt den Hass versiegen.
Wir selbst werden menschlicher als je zuvor. Ich glaube, das hat Nelson Mandela gemeint, als er gesagt hat, er würde Herz und Seele verlieren, wenn er sich rächen würde.
Auf diese Weise hat Nelson Mandela seinem zerrissen Land den Weg in die Zukunft gezeigt und weltweite Beachtung erlangt.
Wenn vergeben schwer fällt hilft, was Jesus gesagt hat: Bittet für die, die euch beleidigen. Wo ich das versucht habe, bin ich ein Mensch mit Herz du Seele geblieben, der nicht dazu gebracht werden konnte nur an Rache zu denken.
Wer vergibt, vergibt sich nichts, sondern gewinnt inneren Frieden zurück und Freiheit wie Nelson Mandela.

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Ohne Beine, ohne Arme kam er auf die Welt. Ohne Hoffnung wollte er sich deswegen als Kind das Leben nehmen. Heute ist der gebürtige Australier Nick Vujicic 31 und ein weltweit gefragter Motivationsredner mit einer faszinierenden Ausstrahlung.
Wie ist so etwas möglich?
Nick war wütend auf Gott wegen allem, was ihm fehlte. Und er hielt Gott auf Distanz. Er verlangte von ihm eine Antwort darauf, warum er ihm Arme und Beine genommen habe, warum er ihm nicht das gegeben habe, was alle anderen haben. Ohne eine Antwort wollte er nichts mit Gott zu tun haben.
Aber zunehmend wurde ihm klar, dass er nur zwei Möglichkeiten hatte. Entweder weiter wütend auf Gott zu bleiben und immer mehr in Bitterkeit und Depression zu versinken oder dankbar zu werden für das, was er hatte.
Für seine Eltern war ein Wort des Propheten Jeremia aus der Bibel ein starker Halt geworden: „Ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben“.
Nick fing an zu glauben, dass auch sein Leben einen Sinn hat, selbst wenn er den bis dahin weder kannte noch verstehen konnte.
Er begann zu entdecken, was er auch ohne Arme und ohne Beine konnte. Er lernte einen Computer zu bedienen, konnte studieren und hat Abschlüsse in Rechnungswesen und Finanzplanung. Sein Vater brachte ihm das Schwimmen bei. Da er über den Ansatz eines Fußes an seinem Rumpf verfügt, benutzt er den, wie er sagt, als Propeller. Untergehen kann er kaum. Denn weil ihm Arme und Beine fehlen, ist er so leicht, dass er einen starken Auftrieb im Wasser hat.
Ein starker Auftrieb trägt ihn durchs Leben, das er intensiv führt. Er surft auf seine Weise im Meer, spielt Golf und springt mit dem Fallschirm. Aber am stärksten beeindruckt bei allem seine Lebensfreude und sein Humor. Er verkörpert die Gewissheit, von Gott geliebt zu sein und ein erfülltes Leben zu haben trotz seiner Defizite.
Er inspiriert uns dazu, unsere von Gott gegebenen Möglichkeiten zu nutzen, statt zu beklagen, was uns fehlt und was wir nicht können.
Jedes Mal wenn ich ein Video von Nick Vujicic sehe, bin ich beschämt und berührt. Wie klein werden dann meine Probleme angesichts seiner täglichen Herausforderungen.

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Mit dem Film „Soul Surfer“ kam das Schicksal von Bethany Hamilton in die Kinos. An den traumhaften Stränden von Hawai aufgewachsen, ist sie von Kindheit an eine leidenschaftliche Surferin. Das Brett auf der Welle, das ist ihr Leben. Und ihr großer Traum besteht darin, Profisurferin zu werden. Aber mit 13 Jahren wird sie das Opfer eines Haiangriffes. Sie überlebt ihn, aber verliert dabei vollständig ihren linken Arm.
Ihren Vater fragt sie: „Warum musste ich alles verlieren?“ Und er meint: „Du hast nicht alles verloren“.
Ihr und der ganzen Familie ist klar, das Leben wird nicht mehr so weitergehen wie vorher. Aber wie? Mit einem Arm kann man nur die Hälfte tun.
Der Jugendleiterin ihrer Kirche stellt Bethany die Frage: „Wie kann das Gottes Plan für mich sein?“ und erhält als Antwort: „Ich höre nicht auf zu glauben, dass ein Sinn dahinter steckt und etwas Gutes daraus entsteht“.
Drei Wochen nach dem Unglück versucht sie wieder zu surfen. Sie muss es neu lernen und es gibt manche Rückschläge. Aber sie gibt nicht auf und startet sogar wieder bei Wettkämpfen. Jesus gibt mir Kraft, ist ihr Motto, statt aufzugeben.
Tatsächlich arbeitet sie sich wieder bis an die Spitze und erfüllt sich ihren Traum als  Profisurferin. Gerade in diesem Jahr hat sie es zum ersten Mal ganz oben auf das Treppchen geschafft.
Aber neben dem unglaublichen sportlichen Erfolg auf dem Surfbrett mit nur einem Arm, macht sie noch eine entscheidende Erfahrung. Sie ist für viele Menschen eine große Ermutigung, auf einem schweren Weg nicht stehen zu bleiben. Stapelweise erhält sie Briefe, in denen Menschen ihr danken oder ihr Fragen stellen.
Und eine wichtige Entdeckung macht sie. Sie fährt mit ihrer kirchlichen Jugendgruppe zu einem Hilfseinsatz in Thailand nach dem Tsunami. Dort kann sie ein traumatisiertes Kind erstmals wieder zum Lachen bringen, indem sie ihm das Surfen beibringt. Da ahnt sie, dass der Glaube ihrer Jugendleiterin nicht umsonst war und ihr Schicksal tatsächlich nicht sinnlos ist. Obwohl ihr der Arm genommen wurde kann sie viel geben.
Auch ich möchte mehr erwarten, dass Gott auch aus schwierigsten Situationen etwas Gutes machen kann.

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