Manuskripte

Maria hat es sich gemütlich gemacht. Sie sitzt mit einer Schale Tee vor dem Feuer und genießt. Plötzlich passiert irgendwas Komisches. Sie kann das gar nicht fassen oder erklären. Es wird ganz hell und warm um sie. Sie spürt Energie und fühlt sich kräftig und mutig. Und als dieser unerklärliche Moment vorbei ist, weiß Maria, dass jetzt alles anders ist.

Schon bald versteht sie, dass sie schwanger ist. Viel zu jung und unverheiratet. Immerhin hat sie einen Verlobten. Aber mit dem ist sie erst seit kurzem zusammen. Und er weiß natürlich noch nichts von dem Kind. Wie soll sie ihm das nur beibringen? Und vor allem ihren Eltern, ihren Freunden? Sie sind alle so furchtbar konservativ. In ihrem Dorf, in ihrem Land darf das nicht sein. Wenn das rauskommt, wird sie verachtet und verurteilt. Da ist sie sicher. Trotzdem weiß Maria, dass sie das schafft. Sie sagt sich immer wieder: Ja. Ich packe das. 

So stelle ich mir das vor, was vor mehr als 2000 Jahren mit der jungen Maria passiert ist. Sie ist die Mutter von Jesus. Diesem besonderen Menschen, der die Welt verändert hat. Keine leichte Aufgabe.

Heute, 9 Monate vor Weihnachten, feiert die katholische Kirche, dass Maria schwanger geworden ist. Das Fest heißt „Verkündigung des Herrn“. In der Bibel wird erzählt, dass ein Engel zu Maria gekommen ist und ihr beigebracht hat, dass sie ein Kind bekommen und dass es der Sohn Gottes sein wird.

Ganz unabhängig davon, wie das alles nun wirklich gewesen ist und ob das so sein kann: Maria ist für mich eine unglaublich mutige Frau. Und sie steht für mich stellvertretend für alle Frauen, sie sich trauen, unkonventionelle Entscheidungen zu treffen. Und das zu tun, was das Herz ihnen sagt.

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Ich sitze in einem Workshop zum Thema „spirituell leben im Alltag“. Es sind viele Jugendliche dabei. Einer sagt irgendwann: „Ich weiß ja nicht, aber so richtig kann ich das mit Gott und so nicht mehr glauben.“ Der Leiter des Workshops antwortet: „Hauptsache Gott glaubt an Dich.“

„Hauptsache Gott glaubt an Dich“. Der Satz hat gesessen. Gelächter. Wir haben noch kurz darüber geredet aber dann ging es weiter. 

„Hauptsache Gott glaubt an Dich.“ Das beschäftigt mich immer noch. Einerseits finde ich das eine klasse Antwort. Es ist doch entlastend, wenn ich sicher sein kann, dass Gott mich auf dem Schirm hat, obwohl ich es gerade schwer mit ihm habe. Ich kann mich darauf verlassen, dass er dann immer noch da ist, wenn es mir mit dem Glauben wieder besser geht.

Andererseits finde ich „Hauptsache Gott glaubt an Dich.“ fast schon frech.  Wenn ich das jemandem sagen würde, der gar nicht an Gott glauben möchte oder kann. Ich will nicht wissen, was der mir erzählen würde. Wahrscheinlich käme er sich ganz schön bevormundet vor.

Aber mir hat es gut getan zu hören: Gott glaubt an dich. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott in meinem Leben da ist, auch wenn ich das nicht immer merke. Mir stärkt das den Rücken. Und hilft mir wiederum, an ihn zu glauben.

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Robin Hood. So heißt ein angesagtes Restaurant in Madrid. Und der Name ist Programm. Da kämpft man zwar nicht mit Pfeil und Bogen, aber die Idee ist die gleiche wie bei Robin Hood: Von den Reichen nehmen und den Armen geben.

Tagsüber ist das „Robin Hood“ ein richtiges Café mit Leckereien und einem guten Mittagstisch. Dann essen diejenigen, die es sich leisten können. Die Preise sind nämlich saftig. Wie das in Madrid so ist.

Abends gibt es ein feines warmes Abendessen - aber umsonst. Da können Menschen ohne festen Wohnsitz und Geld kommen und ganz in Ruhe an einem schön gedeckten Tisch zu Abend essen.

Dahinter stecken Menschen, die sich für Obdachlose einsetzen. Sie wollen, dass Leute, die auf der Straße leben müssen, wenigstens würdig essen können. Finanziert wird das mit dem Geld das tagsüber eingenommen wird.

Das Konzept geht voll auf. Der Laden ist restlos ausgebucht. Einmal in der Woche kochen Sterneköche im Robin Hood. Auch sie stehen Schlange, weil sie die Idee unterstützen möchten.

Eine großartige Idee. Vor allem gefällt mir, dass Obdachlose nicht zur Schau gestellt werden oder sich in eine Atmosphäre begeben müssen, in der sie sich nicht wohlfühlen. Sie müssen sich nicht rechtfertigen, sie können einfach da sein und ein hochwertiges Essen an einem fein gedeckten Tisch genießen.

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„Darf ich dein Geschenk weiter verschenken?“ Das hat mich meine Freundin Nadine gefragt. Genauer gesagt, ging es um einen Kalender den ich ihr geschenkt habe. Ich war erstmal verwirrt. Komische Frage.

Wenn ich jemandem was schenke, will ich ihm was Gutes tun. Es soll was Schönes nur für diese Person sein. Oder was, das sie brauchen kann. Deshalb habe ich den Kalender für Nadine ausgesucht.

Sie hat mir dann erzählt, dass ihre Tante seit ein paar Tagen weiß, dass sie Krebs hat. Die ersten Behandlungen und auch eine OP stehen direkt an. Die Texte im Kalender wären so schön, das würde für ihre Tante genau passen. Gerade jetzt. Und deshalb hat sie mich gefragt, ob sie ihn weitergeben kann? „Ich besorge mir auch einen neuen. Aber meine Tante braucht ihn jetzt.“

Nachdem ich also verstanden hatte, warum Nadine mein Geschenk weiterverschenken will, hab ich mich sogar darüber gefreut. Und ich habe es toll gefunden, dass sie mich überhaupt fragt. Sie hätte es ja auch einfach machen können.

Schön, dass mein Geschenk Nadine so gut gefallen hat. Vor allem freut es mich aber, dass es zum passenden Zeitpunkt gekommen ist.

Geschenke weitergeben klingt immer noch komisch. Aber in diesem Fall hat es doppelt gepasst. Der Kalender kam gleich zweimal zur rechten Zeit an die richtige Person.

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Marie ist jetzt dreieinhalb und hat das Down-Syndrom. Sie lacht, läuft, singt, liebt und spricht. Sie entwickelt sich und mag den Kindergarten. Wenn sich in ihrem Leben was verändert, tut sie sich schwer. Oder wenn ganz fremde Menschen zu schnell auf sie zukommen. So wie alle Kinder.

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Gäbe es unsere kleine Freundin Marie nicht, hätte ich damit keine Berührungspunkte. Und das wäre echt schade.

Ich hab nämlich mit Marie ganz viel gelernt. Vor allem auch durch ihre Eltern Nicole und Christian. Sie haben in der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind vermutlich das Down-Syndrom hat. Nachdem sie die Nachricht halbwegs verdaut hatten, haben sie es in ihrem Umfeld erzählt. Alle haben sich darauf einstellen können und waren natürlich doppelt gespannt, wie alles wird.

Ich bin total beeindruckt von Nicole und Christian. Natürlich waren sie traurig, dass Marie anders ist, als sie es sich gewünscht haben. Und auch die ersten Wochen und Monate mit Marie waren ganz anders, als mit einem Baby, das kein Down-Syndrom hat.

Nicole beschreibt ihr Leben mit einem behinderten Kind so: „Das ist wie ein Weg, der ständig ein bisschen bergauf geht. Die Aussicht ist wunderbar und der Weg ist schön. Aber es ist immer ein bisschen anstrengender als eine ebene Straße.“ Für die beiden bedeutet das jeden Tag zu genießen. Sie packen die Herausforderungen dann an, wenn sie sich stellen.

Die kleine Familie schafft das gut. Sie haben die Kraft und sind sicher, dass sie die Kraft immer wieder bekommen.  

Mir zeigen die beiden, dass das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom anders ist. Aber es ist machbar, vor allem aber schön und noch lebenswerter als vorher. Wie mit jedem Kind, das auf die Welt kommt.

 

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Kinderturnen mit meiner zweieinhalbjährigen Tochter Mathilde. Die Turnhalle ist voll. Eltern und Kinder wuseln durcheinander, bauen Stationen auf und singen.

Zum ersten Mal ist heute Isatu mit ihrer kleinen Tochter Leya da. Die beiden kommen aus Gambia und leben schon länger bei uns in Buchen.

Mathilde ist ganz fasziniert von der kleinen Leya. Von ihrer braunen Haut und vor allem von ihren Haaren. Sie hat ganz viele kleine bunte Zöpfe. Ohne zu zögern geht Mathilde hin und fasst Leya auf den Kopf. Das Mädchen reagiert gelassen und weiter geht’s mit spielen, rennen und turnen. Immer wieder schaut Mathilde Leya genau an. Die beiden nehmen Kontakt auf. Das ist von außen klasse zu beobachten, denn die beiden sprechen verschiedene Sprachen. Irgendwie arrangieren sie sich.

Zum Schluss sitzen alle Kinder auf dem Mattenwagen und mit „Tuff, tuff, tuff die Eisenbahn“ geht es in den Geräteschuppen. Leyas Mama Isatu schiebt neben mir mit. Die Kinder sitzen vor uns und plötzlich berührt Mathilde mit dem Finger Isatus Arm. Erst einmal ganz vorsichtig, dann nochmal. Ich frage Isatu, ob das ok ist. „Klar“, sagt sie.

Wir räumen auf und gehen nach Hause.

Ich bin ganz bewegt. Es ist doch irre, wie Kinder Neuem oder Fremdem begegnen. Anstatt sich wegzudrehen oder zu erstarren, gehen sie es einfach an. Ohne Berührungsängste, neugierig und offen.

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Mein Freund Alex ist Vater geworden. Letzte Woche habe ich ihn nach langer Zeit wieder gesehen. Als ich ihm zu seinem Baby gratuliere, steigen ihm sofort Tränen in die Augen. Ich bin verunsichert. „Ist alles ok mit dem Kleinen? Geht’s euch gut?“ Alex sagt sofort: „Ja, ja, alles bestens. Ich bin nur so unfassbar gerührt. Ich heul den ganzen Tag und kanns gar nicht fassen.“

Jetzt bin ich gerührt. Ich nehm ihn feste in den Arm und freu mich mit.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich total erleichtert. Dass Alex mit seinem Sohn so glücklich ist, ist überhaupt nicht selbstverständlich. Während der Schwangerschaft hat er große Probleme gehabt, sich auf das Kind einzulassen. Ich hab mir richtig Sorgen gemacht. Um seine Frau, um die Beziehung, um Alex selbst und auch um das Kind. Für Alex war klar, dass mit dem Kind sein unabhängiges, freies Partyleben vorbei ist. Und das hat ihm solche Angst gemacht, dass er gar nicht mehr wusste, ob er das Kind und das Leben mit ihm will.

Starker Tobak für eine Beziehung und nicht gerade die besten Voraussetzungen für den Start in ein Leben zu dritt.

Nachdem der Kleine auf die Welt gekommen ist, hat es „bhaaamm“ gemacht. Alex ist von diesem kleinen Geschöpf sofort verzaubert worden und zerfließt vor Liebe. Gott sei Dank. 

Für mich zeigen Alex und seine kleine Familie, dass es nicht selbstverständlich ist, dass der Start ins Leben gut bzw. unkompliziert ist. Oft genug haben es Vater oder Mutter schwer, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Ein Kind schmeißt einfach die bisherige Welt um.

Alex macht mir aber auch einmal mehr klar, welche Zauberkraft diese kleinen Menschenkinder haben.

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Die Schauspielerin und Musikerin Jasmin Tabatabai darüber, was Freiheit für sie bedeutet:

„Freiheit ist auf jeden Fall nicht, immer das zu machen, was ich gerade will. Die größtmögliche Freiheit ist, das zu entdecken, was mich wirklich ausmacht. Sich selbst zu kennen und angstfrei zu handeln. Ob mir das gelingt? Manchmal!“ 

 

 

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Vor 500 Jahren hat Martin Luther die Welt verändert. Er hat öffentlich gesagt, was in der katholischen Kirche verändert werden muss.

Der Fußballtrainer Jürgen Klopp über Martin Luther: 

„Ich mag Luther, weil er für die Unterprivilegierten und Ausgeschlossenen gekämpft hat. Martin Luther wieder in unser Bewusstsein zu rufen, passt gerade jetzt sehr gut in unsere Zeit, in der wir viel darüber diskutieren, ob wir Menschen Zuflucht bieten oder sie ausschließen sollten.

Er hat viel dafür riskiert, damit wir ein positives Gottesbild haben können und damit Menschen ihren Glauben ohne Angst und mündig leben können.“ 

 

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Jasmin Tabatabai ist Schauspielerin und erfolgreiche Sängerin. Über Schuldgefühle sagt sie:

„Wenn ich mich wirklich schuldig fühle, dann hilft es mir, auf diesen Menschen zuzugehen und mich aufrichtig zu entschuldigen.

Es ist wichtig, dass man sich selbst verzeihen kann. Kein Mensch ist frei von Fehlern. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man schlechte oder verletzende Sachen gemacht hat.

Diese Energie, die manche verwenden, um sich über Fehler in der Vergangenheit zu grämen, die könnten sie besser dafür verwenden, etwas Positives zu gestalten. “

 

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