Manuskripte

11JUN2019
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„Aufräumen macht Spaß! Aufräumen setzt so viel Energie und Kreativität frei, dass es völlig zu Unrecht unbeliebt ist – auch wenn noch nicht jeder die Freude am Aufräumen für sich entdeckt hat.“ So lese ich es in einem kleinen Buch über das „Bessere Aufräumen“, dass meine Frau und ich geschenkt bekommen haben.

In ein paar Wochen ziehen wir um und fangen gerade an, die ersten Kisten zu packen. Sie glauben gar nicht, wieviel Ecken man da entdeckt, die man schon lange einmal aufräumen wollte. Aber irgendwie hat man es erfolgreich die ganze Zeit vor sich hergeschoben.

Aber es stimmt tatsächlich: Aufräumen macht Spaß! Wenn ich mich erst einmal überwunden habe, dann merke ich, wie es guttut, Aufzuräumen. Und wenn ich dann sehe, was sich alles verändert, wie Kruschtelecken auf einmal verschwinden, dann macht das sogar Spaß.

Inzwischen mache ich es so, dass ich immer zwei Umzugskisten neben mir stehen habe: In eine lege ich all die Dinge, die ich mitnehmen möchte. In die andere kommen die Dinge, die nicht mit umziehen werden. Anfangs war das ganz schon schwer, inzwischen füllen sich die beiden Kisten fast gleich schnell. Bei mir funktioniert Aufräumen nur, wenn ich viele Dinge loslasse.

Ich finde, das ist ein gutes Bild für mein ganzes Leben. Auch da gibt es die Bereiche, die ich meide, obwohl ich weiß, dass ich sie dringend aufräumen sollte. Da gibt es so manche Beziehung, die ich dringend einmal aufräumen sollte, aber ich traue mich nicht so recht ran.

Dabei tut es so gut, wenn man mal anfängt – und wenn es nur ganz klein ist - und spürt: es geht. Ich kann Dinge verändern, Situationen loslassen, neue Ordnung in meinem Leben finden.

Vor ein paar Tagen kam ich mit einer älteren Frau ins Gespräch, es ging ihr nicht gut. Sie hat per Brief die Kündigung ihrer Wohnung erhalten. Sie war verzweifelt. Ich wollte ihr gute Ratschläge geben. Aber dann habe ich gespürt, dass sie es nicht alleine schafft, in dieses Chaos Ordnung zu bringen. Darum habe ihr versprochen, ihr dabei zu helfen.

Dabei wurde mir bewusst: Gott sei Dank, müssen wir in unserem Leben nicht alles alleine in Ordnung bringen. Gott sei Dank – das meine ich wörtlich – kann Gott uns auch Menschen senden, die uns dabei helfen, unser Leben aufzuräumen.

 

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„Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser, mit leichtem Gepäck“ – so heißt es in einem Lied von der Gruppe Silbermond. Aber das ist gar nicht so leicht!

Meine Frau und ich werden in den nächsten Wochen umziehen – das ist doch die Gelegenheit, zum Ausmisten. Man glaubt gar nicht, wie viel Dinge sich in einer Wohnung ansammeln können, die man alle mal gebraucht hat - oder zumindest meinte, sie zu brauchen. Vieles haben wir schon weggeworfen, manches kommt zum Flohmarkt und anderes wollen wir verschenken.

Woran liegt es nur, dass wir mehr und mehr haben und gleichzeitig vom „leichten Gepäck“ träumen, wie es in dem Lied heißt? Woran liegt es nur, dass – egal wie viele Dinge wir in unserem Leben anhäufen – wir dadurch nicht zufriedener werden?

Diese Idee, alles herzugeben ist nicht neu. Schon in der Bibel wird erzählt, wie Jesus einem jungen Mann begegnet ist, der mit seinem Leben nicht zufrieden war. Dabei war er sehr reich. Darum hat er Jesus gefragt, was ihm denn noch fehlt, damit sein Leben gelingt. Jesus hat ihn angeschaut und dann gemeint: „Nimm alles was du hast, verkauf es und gibt das Geld den Armen – und dann komm, und folge mir nach.“

Sie können sich vielleicht schon denken, wie der der junge Mann reagierte. Er wurde sehr traurig - und ging weg. Es war für ihn einfach zu schwierig, sich von seinen Dingen zu trennen. Tja, das mit dem leichten Gepäck klingt so gut – ist aber sehr schwer umzusetzen.

Und das gilt nicht nur für all den Gruscht, der sich in unserem Leben ansammelt. Manchmal muss man neben Dingen, auch Situationen oder sogar Menschen loslassen, weil es einfach zu viel wird, weil es mich belastet, mein Leben nur schwerer macht. Die wirklich spannende Frage ist dabei: Was ist wichtig in meinem Leben? Was sollte ich festhalten, weil es mein Leben reich macht und was sollte ich besser loslassen, weil es mich einengt?

Beim Umzugskistenpacken sprechen meine Frau und ich oft darüber, ob wir dies oder jenes behalten sollen. So wird vieles leichter. Das gilt erst recht, wenn ich die wichtigen Fragen meines Lebens nicht alleine entscheiden muss.

Ich denke nicht, dass Jesus diesen jungen Mann ärmer machen wollte, wenn er ihn aufforderte, loszulassen. Vielmehr wollte Jesus ihm helfen, die wichtigen Dinge in seinem Leben in den Blick zu bekommen.
Ich wünsche auch Ihnen jemand, der ihnen hilft zu entdecken, was für sie jetzt wichtig ist.

 

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Am heutigen Pfingstsonntag dreht sich alles um den Heiligen Geist, der uns begeistern und Mut machen soll, uns auch auf Neues einzulassen. Aber das ist gar nicht so einfach, ich meine, sich auf etwas ganz Neues einzulassen. Meine Frau und ich werden im Juli umziehen. Unser neuer Wohnort ist 250 km entfernt. Im Urlaub sind 250 km keine Entfernung, aber Umziehen ist eben kein Urlaub. Da heißt es viele Beziehungen und Kontakte loslassen und in ein „fremdes Land“ umziehen, auch wenn nur ein anderes Bundesland ist, ist es doch fremd und so ein Umzug kann auch Angst machen.

Ich muss an Abraham denken, den aus der Bibel. Der bekommt eines Tages von Gott den Auftrag, aus seiner gewohnten Heimat auszuziehen, in ein fremdes Land, das Gott ihm zeigen wird. Und Gott gibt dem kinderlosen Abraham noch ein Versprechen mit: „Ich will aus dir ein großes Volk machen“. Heute berufen sich Judentum, Christentum und Islam auf ihren Stammvater Abraham.

Sollte mich aber der Gedanke an Abraham trösten? Er ist nie wirklich „angekommen“ und in dem neuen Land sesshaft geworden. Erst seine Nachkommen haben tatsächlich dort Heimat gefunden.

Aber vielleicht ist „Umzug“ nicht nur eine Sache, die mit vielen Kartons zu tun hat? Es gibt – wenn ich es recht bedenke - viele Situationen im Leben, in denen ich Liebgewonnenes loslassen muss. Eine neue Arbeit, ein Studium, ein Schulwechsel oder eine neue Partnerschaft - so verlockend das scheint, bedeutet es immer auch eine weitere Reise in ein fremdes Land. Ich weiß nie vorher, was die Zukunft bringen wird. Je älter ich aber werde, um so mehr weiß ich – leider – was alles schief gehen kann.

Ob Abraham und seine Frau damals auch Sorgen plagten, was die Zukunft ihnen bringen wird? Ganz bestimmt. Und trotzdem lassen sie sich auf diesen Weg ein. Warum? Weil Gott ihnen verspricht: Ich bin bei euch auf diesem Wege, ich will euch segnen.

Ich glaube, dass Gott mit uns geht, wenn wir „umziehen“ – sei es mit vielen Kisten, oder in den besonderen Situationen unseres Lebens. Ich habe deshalb schon oft meine Hände gefaltet und Gott gebeten, mir den richtigen Weg zu zeigen, mich zu begleiten und zu segnen auf diesem neuen Weg.

Ich kann nur sagen, dass ich dann immer wieder erlebt habe, wie er meinen Weg begleitet, manche Türen öffnet und andere verschließt, manches gelingen lässt und anderes auch nicht. Aber selbst, wenn etwas schief geht, ist es gut, dass ich mit Gott darüber reden kann. Und wenn ein Umzug in meinem Leben gelingt, dann danke ich Gott dafür.

 

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„Sawu bona – das bedeutet „Guten Morgen“ oder „Hallo“ in Zulu – einer Sprache aus Südafrika. „Sawu bona“ bedeutet aber genau genommen: „Ich sehe dich“. Die Menschen des Zulu-Volkes begrüßen sich also nicht mit: „Hallo“ oder „Wie geht’s?“ sondern mit: „Ich sehe dich“. Das ist ein großer Unterschied, finde ich!

Gestern bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von einer Frau aus meiner Gemeinde. Sie schrieb: „Ich möchte mich für den freundlichen Empfang am Sonntag bedanken. Es hat mir sehr gutgetan, es war das Beste an diesem Tag für mich…“

Ich habe einen Moment überlegen müssen, was ich denn Besonderes gemacht hatte? Ich hatte die Frau am Eingang zur Kirche getroffen. Spontan habe ich ihr die Hand gegeben – das war sicher nichts Besonderes. Aber dann habe ich sie einen kurzen Moment angesehen und gesagt: „Ich freue mich, dass sie da sind“. Es muss dieser kurze Moment gewesen sein. Dieses bewusste Ansehen, dieses: „Ich sehe dich“, was der Frau so gutgetan hat.

„Ich sehe dich“, die Bibel erzählt auch, wie gut das tut. Hagar, eine Dienerin, hatte sich mit ihrer Herrin zerstritten. Eines Tages läuft Hagar weg, sie hält es einfach nicht mehr aus. Aber sie weiß nicht wohin und so flieht sie in die Wüste. Dort begegnet ihr ein Engel, spricht sie an, sagt ihr, dass sie wieder zurückgehen kann, zeigt ihr eine neue Perspektive auf. Engel sind Boten von Gott. Hagar begreift das und sagt am Ende des Gesprächs: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Bis eben hatte sie das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein, keinen zu haben, der sie achtet, der sie überhaupt sieht, bis dieser Engel sie angesprochen hat.

„Sawu bona - ich sehe dich“. Es braucht manchmal nicht viel, um einem Menschen aufzuhelfen. Die Frau im Foyer meiner Kirche, die ich einen kurzen Moment ganz bewusst angesehen habe, diese Magd Hagar, die verzweifelt auf der Flucht ist: es geht um dieses bewusste Hinsehen dieses Wahrnehmen des Anderen.

Bei der Dienstmagd Hagar in der Wüste war es ein Engel. Aber ein Engel könnte doch eigentlich jeder sein, so wie ich vielleicht am Sonntag? Denn da war ich für diese eine Frau am Eingang auf einmal ganz wichtig, nur weil ich – ohne viele Worte - ausgedrückt habe: „Ich sehe dich. Du wirst nicht übersehen, du bist wertvoll.“ In solchen Momenten wird ein Mensch zum Engel für andere.

Ich wünsche ihnen heute einen solchen Engel in Menschengestalt, der zu ihnen sagt: „Ich sehe dich“. Und vielleicht werden sie auch zu einem Engel für jemand anderes? Ein kurzer Moment, ein genaues Hinsehen und wenige Worte reichen oft schon.

 

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Eigentlich finde ich es komisch, als Mann etwas zum internationalen Frauentag zu sagen. Der ist ja heute. Aber warum eigentlich nicht? Immer wieder höre ich: „Na ja, es ist nicht alles perfekt mit der Gleichberechtigung, aber das sind doch nur Kleinigkeiten.“ Oder auch: „Frauen verdienen weniger, ja, das ist nicht in Ordnung, aber insgesamt, ist doch alles gut.“

Es hat sich ja auch viel getan in den letzten Jahrzehnten. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass sie nicht arbeiten gehen durfte. Sie brauchte dazu die Genehmigung ihres Ehemannes und weil der lange nicht wollte, ging eben nichts. Da hat sich vieles verändert – Gott sei Dank. Aber es geht beim Internationalen Frauentag ja auch nicht nur um Gleichberechtigung und gleiches Gehalt.

Ich muss daran denken, wie der Mann Jesus zwei Frauen besucht hat. In der Bibel wird davon berichtet. Eines Tages kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau hat ihn und seine Freunde in ihr Haus eingeladen und damit auch zum Essen. Marta hieß diese Frau und sie fing sogleich mit dem an, was sie vermutlich besonders gut konnte: Sie hat ein Festmahl für Jesus und seine Freunde vorbereitet. Das einzige, was für sie überhaupt nicht gepasst hat, ist ihre jüngere Schwester Maria. Die hat sich nämlich zu diesem Jesus gesetzt, um zu hören, was er von Gott zu erzählen hatte. Schwer angesäuert ist Marta hingegangen und hat sich beschwert: „Ist es dir egal, dass meine Schwester mich alleine arbeiten lässt? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ Jesus hat geantwortet: „Marta, Marta, du machst dir viel Mühe. Aber deine Schwester Maria hat das gute Teil erwählt; das werde ich ihr nicht wegnehmen.“

Jesus wollte damit sagen: „In der Küche zu schaffen ist wichtig. Ich sehe, was du, Marta schaffst. Aber es ist auch wichtig, was Maria macht. Beides ist wichtig.“

Mich beindruckt die Wertschätzung Jesus für beide Frauen: Die fleißige Marta aus der Küche kann nicht aus ihrer Haut. Aber das muss sie auch nicht. Und ihre Schwester Marias möchte ihr Leben anders gestalten. Auch wenn das damals eine typische „Männersache“ war, darf sie das laut Jesus.

Damit durchbricht er feste Regeln, die es damals in seiner Gesellschaft gab. Ihm geht es um die Menschen und nicht darum, „was Mann oder Frau zu tun hat - und was nicht“.

Recht hat er. Auch ich habe immer wieder in diese alten Rollenbilder im Kopf, meine, genau zu wissen, was zu ihr oder ihm passt oder was gar nicht geht. Das ist sehr schade und viele Menschen leiden darunter, wenn sie Dinge nicht dürfen oder andere müssen. Daher brauchen wir diesen Frauentag und vielleicht brauchen wir auch einen Männertag.

 

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Manchmal denke ich, ich weiß genau, was der Anderer braucht. Besser als er oder sie selber. Aber stimmt das? Eine Bekannte hat mir folgendes erzählt:

Der Tag hatte so gut begonnen. An diesem Morgen war sie gut gelaunt aufgestanden. Jetzt wollte sie noch schnell vor der Arbeit etwas einkaufen. Als sie vor dem Supermarkt den älteren Mann im Rollstuhl sah, war es wie eine Eingebung: Sie wollte ihn fragen, ob sie ihm nicht etwas Gutes tun könnte? Aber dann traute sie sich nicht.

Als sie wieder aus dem Laden rauskam, sah sie ihn immer noch dort sitzen. Jetzt oder nie, dachte sie: „Hallo, kann ich etwas für sie tun?“, hat sie ganz freundlich gefragt. Der Mann hat einen Augenblick gezögert: „Ja, sie können mir ein Bier holen“, und drückt ihr die zwei Pfandbons in die Hand.

Ich musste lachen, als meine Bekannte mir das erzählt hat. „Du hast ihm also ein Bier geholt – war das denn so schlimm?“ „Na, ja, ich wollte ihm doch etwas Gutes tun, aber ein Bier holen? Also ich weiß nicht…“ „Ihm ein Bier zu holen, war also nichts Gutes?“, frage ich sie, „was wäre denn gut für ihn gewesen?“

Ich habe ihr dann eine Begebenheit aus dem Leben von Jesus erzählt: Eines Tages brachte man einen Kranken zu Jesus, damit er ihn heilen sollte. Aber was macht Jesus? Er fragt den Kranken erst einmal, was er will. Was für eine Frage? Ein Kranker will doch gesund werden, was sonst? Aber Jesus fragt den Kranken. Ich hätte das nicht gemacht. Ich hätte einfach gehandelt. Aber Jesus fand es wichtig, ihn anzusehen und ihn zu fragen, was er denn will. Für Jesus war das nicht einfach irgendein „Kranker“, sondern ein Mensch, mit dem man reden kann und muss.

Ich glaube, die freundliche Ansprache meiner Bekannten, ihr Zugehen auf diesen fremden Mann im Rollstuhl war mindestens so wichtig war wie das Bier. Eigentlich viel wichtiger. Sie hat ihm gezeigt, dass sie ihn sieht und nicht nur vorbeischaut und sich ihren Teil denkst. Wir sind so schnell fertig mit einem Menschen und stecken ihn dann in eine Schublade. Jesus hat das nicht getan.

Über die Bierflasche mussten wir dann noch beide lachen: „Vielleicht“, meinte sie „sollte er die Flasche nur fürs Abendessen mit seiner Frau holen?“ „Vielleicht“, sagte ich, „aber das ist seine Sache.“

 

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Na, heute schon Asche auf das Haupt gestreut? Genau daher kommt der Name Aschermittwoch: Früher war es in christlichen Kreisen üblich, dass man am Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt bekam – oder etwas Asche auf das Haupt gestreut wurde. Asche: die traurigen Überreste von etwas, das vergangen war. Damit endete die Zeit des Faschings und eine neue Zeit fing an: 40 Tage vor Ostern sollten sich die Menschen so langsam auf Ostern vorbereiten.

Die Betonung liegt hier auf „langsam“, nach dem fröhlichen Feiern wollten die Menschen wieder zur Ruhe kommen, zu sich selbst und auch zu Gott. So etwas kennen wir heute kaum mehr. Heute stolpere ich von einem Highlight in das nächste – und wundern uns, dass die früheren Höhepunkte heute alle nicht mehr so besonders sind. Können Sie sich noch an Weihnachten oder die Geburtstage ihrer Kindheit erinnern? Warum hat sich das alles so verändert?

Jesus Christus hat gesagt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei Schaden an seiner Seele nimmt?“

So verstehe ich diese Aussage: Ich brauche gar nicht die ganze Welt zu gewinnen und alles in meinem Leben mitzunehmen, was nur irgendwie geht. Denn dabei laufe ich Gefahr, meine Seele zu verlieren. Ich werde sie verlieren, wenn ich keine Zeiten der Ruhe, ja, der Leere finde. Ich werde sie verlieren, wenn ich von einem Termin zum nächsten hechte oder von einer Feier zur nächsten.

Letztens war ich auf dem Weg zu einer Veranstaltung, es nieselte leicht, als ich am Straßenrand eine Bekannte sah. Ich hielt an und wollte sie mitnehmen. Aber sie meinte nur: „Danke ich brauche die paar Minuten noch für mich“. Ein paar Minuten, nur für mich? Ich habe sie später auf diesen Satz angesprochen und sie hat mir erklärt: „Es waren nur 10 Minuten zu Fuß, aber die tun mir so gut. Da bekomme ich meinen Kopf frei, komme auf andere Gedanken.“

Vielleicht müssen es gar nicht immer die großen Zeiten der Ruhe und Entspannung sein? Vielleicht sind die ganz kleinen im Laufe des Tages auch sehr wichtig. Neulich bin ich vor einer Besprechung kurz in den Waschraum gegangen. Fünf Minuten, die ich ganz für mich war, in denen ich die Augen schließen und ein Gebet sprechen konnte. Überhaupt, Augen schließen: Das geht auch wunderbar in der Bahn am Morgen. Einfach mal das Handy vergessen und die Augen schließen. Alle denken, ich schlafe, aber ich kann in Ruhe meine Gedanken ordnen. Solch kleine Momente des Fastens, des Abschaltens und des Auftankens wünsche ich ihnen für heute, im Laufe dieses Tages. Es wird ihnen gut tun.

 

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„Die meisten Männer haben gar keinen echten Freund“, hat mir meine Frau aus der Zeitung vorgelesen. Laut einer Umfrage haben zwar 90% der Männer angegeben, einen Freund zu haben, aber nicht einmal die Hälfte wendet sich bei Problemen an diesen Freund. Und einen, mit dem sie alles besprechen können, haben gerade einmal 10% der Männer.

Ich habe mich getroffen gefühlt: „Aber natürlich haben wir Männer echte Freunde“, habe ich meiner Frau geantwortet. „Aber wir Männer müssen nicht gleich jedes Problem in stundenlangen Diskussionen bis ins kleinste Detail am Telefon besprechen.“

Na, ja. Die Zeitung hat ja vielleicht recht: echte Männerfreundschaften sind selten. Als Pastor habe ich viele Gespräche mit Menschen. Ich denke, es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen sind meist schneller bei dem, was sie sagen und besprechen wollen. Manchmal stelle ich eine Frage und schon sind wir mitten im Gespräch.

Bei Männern klappt das selten. Viel zu oft läuft das ab, wie in einer Kneipe. Da treffen sich zwei auf ein Bier. Fragt der eine: „Wie geht es dir?“, der andere antwortet: „Gut. Und selbst?“ „Auch gut.“ Und dann wird zusammen Fußball geschaut oder über belangloses Zeug geredet.

Aber es geht auch anders. Ich habe festgestellt, dass man mit Männern am besten ins Gespräch kommt, wenn man etwas zusammen macht. Jetzt im Frühjahr eine Gartenaktion, oder gemeinsam etwas Reparieren, ein Ausflug, oder zusammen Sport – da kommt man super ins Gespräch. Aber mit der Frage, wie es dem anderen geht, funktioniert das nicht.

Oft fange ich an, etwas von mir zu erzählen. Ich habe gemerkt, dass ich den ersten Schritt tun muss. Wenn ich mich öffne, zeige ich damit: es geht. Ich kann etwas von mir preisgeben, ohne mich dabei bloßzustellen. Vielleicht sind wir Männer einfach nur vorsichtiger? Haben mehr Angst, vom anderen niedergemacht zu werden, wenn wir zu offen sind? Vielleicht, ja.

Aber ich haben einen Weg gefunden, wie ich das durchbrechen kann. Ich gebe etwas von mir preis und bekomme dafür viel zurück. Männer können genauso dicke Freunde sein, wie Frauen Freundinnen sind. Sie sind nur vorsichtiger und manchmal, da haben sie nicht so viel Übung darin. Aber wenn echte Männerfreundschafen entstehen, dann tut das richtig gut.

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Sind sie eher auf der Flucht, oder voll dabei? Meine Schwester lebt in Köln/Bonn und sie erzählt mir immer, dass ihre Freunde sich in diesen Tagen in zwei Gruppen aufteilen: Entweder sie sind voll dabei, oder sie fliehen vor allem was nach Fasnet oder Karneval aussieht, am besten weit weg.

Am Feiern haben sich schon immer Geister geschieden, das war auch schon zurzeit Jesu so. Seine gottesfürchtigen Zeitgenossen haben sich über ihn aufgeregt, nannten ihn sogar einen „Fresser und Weinsäufer“. Warum? Weil er sich zu Feiern einladen ließ und sich mit den Menschen freuen konnte. Sein erstes Wunder geschah dann auch während einer großen Hochzeitsfeier. Der Wein ging auf einmal aus… peinlich, wenn es auf einmal nur noch Wasser zu trinken gibt. Jesus lässt daraufhin große Behälter mit Wasser füllen – und als man später daraus ausschenkt, ist es bester Wein.

Ist doch schon lustig, dass Jesus bei seinem ersten Wunder gerade Wasser zu Wein verwandelt hat? Einen Menschen gesund machen – so etwas erwarte ich von Jesus, aber ein Weinwunder? Heute denke ich: Jesus ist viel entspannter, als ich das oftmals bin! Er hat kein Problem damit, mit anderen Menschen zusammen zu trinken und fröhlich zu feiern.

Das heißt für ihn aber nicht, dass er alle „fünfe gerade“ sein lässt: Da wo Menschen leiden, wo andere mit ihnen schlecht umgehen, da geht er dazwischen, spricht das offen an. Zu Ungerechtigkeiten schweigt er nicht einen Moment. Und er redet nicht nur, er lebt es auch vor, wie Menschen miteinander umgehen sollten. Er hat diesen tiefen Wunsch, dass sie einander liebevoll und in Achtung begegnen sollen.

Für mich ist Jesus damit ein Vorbild geworden: Auf der einen Seite war er unverkrampft und hatte keine Berührungsängste. So möchte ich auch offen auf andere zugehen, mit ihnen feiern, mich freuen und fröhlich sein.

Auf der anderen Seite hatte Jesus diese ganz klare Linie: Andere dabei nicht zu verletzen. Nicht über sie zu lachen, sondern mit ihnen. Das meint er, wenn er von „Liebe“ spricht. In seiner Bergpredigt hat Jesus das so gesagt: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Das ist doch mal ein toller Vorsatz für diese Tage: Miteinander feiern, fröhlich sein und andere so zu behandeln, wie ich mir das auch von ihnen wünsche.

 

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Eigentlich weiß doch jeder, wie ein ordentlicher Gottesdienst auszusehen hat - aber so ganz sicher nicht! Es war laut, viel zu laut. Kinder springen umher und halten den Mund nicht. Dabei hatte sich die Leute auf einen ganz besonderen Gottesdienst gefreut. Ein berühmter Mann sollte die Ansprache halten. Er sprach so ganz anders über Gott, das würde spannend werden. Und jetzt so etwas! „Das geht doch gar nicht!“, werden viele gedacht haben, „Kann denn nicht jemand die Kinder rausschaffen, damit wir endlich unsere Ruhe haben?“

In der Bibel wird diese Begebenheit berichtet. Jesus war der berühmte Rabbi, von dem alle sagten, dass neu und ganz anders von Gott sprach. Vermutlich war der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt – und auf einmal kamen all die Kinder hinein und es war vorbei mit der Ruhe.

Endlich standen einige auf, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Aber was macht Jesus? Er wird ärgerlich: "Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran!“ Er will ihnen tatsächlich allen persönlich die Hand auflegen und sie segnen. Und am Ende sagt er dann noch: „Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen."

Dann gehen die Eltern mit ihren Kindern. Vermutlich war anschließend alle gespannt, was er von Gott erzählen würde – aber es kam nichts mehr! Keine lange Predigt - Jesus ist fertig! Das, was er gemacht hatte, war seine Predigt. Er hatte nicht viele Worte über Gott verloren, sondern vorgemacht, wie Gott handelt.

Er wird das nicht geplant haben, niemand konnte ahnen, dass man all diese Kinder zu ihm bringen würde. Jesus wird sich überlegt haben, was er über Gott erzählen wollte, aber als all diese Kinder hereinkamen, war klar, dass jetzt anderes dran ist: Jetzt wollte er die Kinder segne, ihnen die Hand auflegen und die Liebe Gottes zusprechen.

Seine Zuhörer haben das nicht kapiert. Darum sagt er ihnen anschließend: „Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen."

Damit hat er Recht: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben bekommen wir nur geschenkt. Kinder sind auch so ein Geschenk, das wir annehmen dürfen – auch wenn sie manchmal nerven oder gar stören. So gibt es viele Dinge in unserem Leben, die uns auf den ersten Blick nerven und nicht so wichtig erscheinen: Die Menschen, mit denen wir zusammenleben, auch unsere Arbeitskollegen oder Nachbar. Sie alle können anstrengend sein. Ja. Aber Jesus zeigt mir hier: Für ihn sind sie wichtig, er segnet sie – und auch ich will mir immer wieder einmal klar machen, wie wertvoll diese Menschen für mich sind.

 

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