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SWR3 Gedanken

31JUL2021
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„Weiß die ganze Welt, dass ich morgen Tauftag habe?“ Das hat mein Patenkind gefragt. Ihr Tauftag ist ihr wichtig. Er wird jedes Jahr in der Familie gefeiert. So wird sie an ihre Taufe erinnert. Sie war da noch ein Baby und kann sich selbst nicht erinnern an diesen Tag. Ihre Taufkerze wird angezündet, Bilder werden angeschaut und es gibt ein kleines Geschenk.

Ich finde ihre Frage klasse. Weil ihr der Tag so wichtig ist, stellt sie sich vor, dass alle anderen es auch wissen. Weil sie sich so freut, möchte sie, dass die anderen sich mitfreuen. Es ist kein bisschen Egoismus oder so etwas dabei. Dazu ist sie noch zu klein.

Jesus sagt mal zu seinen Freunden: seid wie die Kinder. Freut euch wie Kinder das können. Ganz unvoreingenommen. Nehmt euch wichtig, ohne dabei andere klein zu machen. Denkt groß von euch. Weil ihr euch geliebt wisst. Wie die Kinder.

In der Taufe wird das jedem Täufling gesagt. Dass Gottes Liebe bedingungslos ist. Für immer. Gleich, was noch so passiert im Leben und wie das Kind sich entwickelt.

Ich hoffe für mein Patenkind und für alle kleinen und großen Kinder, dass sie in diesem Sinn lange Kinder bleiben. Dass sie sich an ihrem Leben freuen und groß von sich denken. Bei meinem Patenkind will ich mithelfen, dass das klappt. Wir haben ihren Tauftag gefeiert und ich bin ihr größter Fan.

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30JUL2021
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„Wir können gerne helfen, melde Dich einfach“. Das haben Freunde zu mir gesagt, als sie gehört haben, dass ich umziehe. Ich war baff. Wir hatten uns lange nicht gesehen. Auch wegen Corona. Und dann das. Ja, sie kommen wirklich, wenn ich sie brauche.

Es gibt solche Freundschaften, da muss man sich nicht oft sehen. Die sind echt, auch wenn man lange nichts voneinander gehört hat. Die sind tief, auch, wenn man in verschiedenen Ländern und Zeitzonen lebt. Solche Freunde sind unglaublich wertvoll und kostbar. Ich bin dankbar, dass ich solche Freunde habe. Denn es gibt auch das Gegenteil. Menschen, von denen man denkt, dass sie Freunde wären. Die es aber nicht sind. Die nicht kommen, wenn man sie braucht, die nur in guten Zeiten da sind und in schlechten Zeiten nicht belastbar sind.

„Ein Mensch kann viele Freunde haben und trotzdem ins Unglück stürzen“. Steht schon in der Bibel. „Aber ein wahrer Freund steht zu ihm wie ein Bruder.“ Was die Menschen in biblischer Zeit erlebt haben, das kenne ich auch.

Für mich sind diese wahren Freunde ein Geschenk Gottes. Ich bin Gott dankbar, dass ich sie kennen gelernt habe. Für mich wird in meinen Freunden etwas von Gottes Liebe zu mir spürbar. Und ich kann wiederum meinen Freunden etwas von Gottes Liebe zeigen. Nicht nur, wenn wir uns gegenseitig helfen, sondern auch dann, wenn wir füreinander da sind. Ob in „echt“, am Telefon oder übers Internet.

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29JUL2021
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Was tun, um Erfolge zu feiern, Frust loszuwerden, oder gegen die Traurigkeit anzukommen? Tanzen!
Ich bin keine große Tänzerin. Habe nie einen Tanzkurs gemacht und mag es auch nicht vor anderen zu tanzen. Aber tanzen hilft mir: Musik laut stellen oder Kopfhörer auf und los geht’s.

Eine Frau namens Mirjam hat das auch so gemacht. Ihre Geschichte wird in der Bibel erzählt. Viele Jahre hat sie in Gefangenschaft gelebt. Hatte es dort richtig schwer. Und gemeinsam mit anderen wurde sie befreit. Doch immer noch wurden sie verfolgt, erzählt die Bibel, bis es dann zum Showdown kam. Das war am Strand des Meeres. Vor ihnen das Wasser, hinter ihnen die einstigen Peiniger mit Ross und Reiter, Soldaten und Streitwagen. Eigentlich war die Situation aussichtslos. Und dann plötzlich teilte sich das Meer und Mirjam und ihre Leute konnten fast trockenen Fußes durchlaufen. Und weil hinter ihnen die Wellen wieder zusammenbrachen, sind ihre Verfolger darin ertrunken. Am rettenden Ufer angelangt fing Mirjam an zu tanzen und zu singen. Und mit ihr alle anderen.

Eine grandiose Geschichte. An deren Ende ich mit vielem gerechnet hätte: Reden, Lobeshymnen, Dankgottesdienste. Aber nicht damit. Tanzen!
Und irgendwie finde ich das cool und völlig logisch. Tanzen tut gut. Und viel mehr noch. Tanzen sagt mehr als tausend Worte.

Mirjam war sicher erleichtert und glücklich. Aber sie war wahrscheinlich auch traurig über alles, was sie verloren hat. All das hat sie nicht in Worte gefasst, sie hat es getanzt. Und damit hat sie alles gesagt. Deshalb tanze ich so gern. Ob ganz wild für mich allein oder mit anderen. Ob vor dem Spiegel oder vor Gott. Tanzen hilft.

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28JUL2021
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„Zeig mir Deine Wohnung und ich sag Dir wer Du bist“. Ganz oft passt dieser Spruch. Wie eine Wohnung eingerichtet ist, das sagt viel über ihre Bewohner aus. Wohnt da jemand, der gern liest, wohnt da eine Person, die Tiere mag oder wohnt da ein sehr ordentlicher Mensch. Davon sieht man eine ganze Menge, wenn man eine Wohnung betritt.

Wenn ich an die Menschen denke, die ich geliebt habe und die jetzt nicht mehr da sind, weil sie gestorben sind, dann denke ich oft zuerst an etwas aus ihrer Wohnung. Ich sehe ihr schönes Geschirr, erinnere mich an den Geruch im Flur, höre den Klang des Klaviers im Wohnzimmer. Jeder Gegenstand in der Wohnung erinnert mich an schöne Geschichten. Die ich mit ihnen erlebt habe.

Jesus hat mal den Himmel verglichen mit einem riesengroßen Haus mit ganz vielen verschiedenen Wohnungen. Bevor er gestorben ist, hat er zu seinen Freunden gesagt: „Im Haus meines Vaters im Himmel – also im Haus Gottes- da gibt es viele Wohnungen“.
Er meint damit, dass es Platz im Himmel hat und er sagt weiter, dass er dorthin voraus gehen wird und den Platz für sie vorbereiten. Er richtet sozusagen die Wohnungen schon für sie ein, damit alles bereit ist, wenn sie kommen.

Ich mag dieses Bild und stelle mir vor, wie die verstorbenen Menschen, die ich liebe, schon im Himmel wohnen. Wie ihre Wohnungen dort aussehen könnten. Wie es aussehen müsste, damit sie sich auch wohlfühlen. Jedenfalls glaube ich fest daran, dass sie es dort schön haben an dem Ort, den Jesus für sie vorbereitet hat. Das tröstet mich, wenn mir die Wohnungen und ihre Bewohner hier auf der Erde fehlen.

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27JUL2021
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Ich war auf der Suche nach einer Wohnung. Eine hätte ich mir gut vorstellen können. Aber ich hatte keine Chance sie zu bekommen. Ich durfte sie nicht mal anschauen. Mir wurde schon vorher abgesagt. Die Vermieterin sagte zu mir: „Meine Wohnung ist zu groß für Sie als Single. Und außerdem wäre es besser, wenn im Winter ein Mann mit im Haus leben würde.“

Ich mag es überhaupt nicht, wenn Menschen meinen, sie wüssten, was gut für mich ist. Wie groß meine Wohnung sein soll und mit wem ich da wohnen soll. Das entscheide doch immer noch ich. Als ich Freunden die Geschichte erzählt habe, haben viele ihre eigene Geschichte dazu erzählt.

Wie sich Menschen ganz ungefragt in ihr Leben eingemischt haben. Mit Ratschlägen oder Belehrungen, die niemand bestellt hat. Mich ärgert das sehr. Warum dürfen wir nicht so leben, wie wir das wollen? Solange wir damit niemandem schaden?

In der Bibel gibt es kluge Sätze. Einer von ihnen ist: „Einen wilden Hund an den Ohren zu packen, ist völliger Irrsinn. Genauso irrsinnig verhält sich einer, der sich in einen Streit einmischt, der ihn nichts angeht.“

Ich finde: das gilt nicht nur für Streit. Sondern überhaupt. Es ist irrsinnig und unnötig sich ins Leben anderer einzumischen. Auch nicht mit gut gemeinten, aber ungefragten Ratschlägen und Belehrungen. Die anderen einfach mal sein lassen, wie sie sind. Jede und jeder sollte sein Leben so leben können, wie er oder sie das mag. Das hilft am Ende allen.

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26JUL2021
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„Wir müssen auch den Täter schützen“. Der Satz hat mich umgehauen. Eine Mitarbeiterin wurde sexuell belästigt und bedrängt. Aber der Vorgesetzte wollte das gern vertuschen. Man müsse auch den Täter schützen. Meinte er. Der Mann habe doch Familie. Und ein Haus.

Ich kann dem nicht zustimmen. Und finde es problematisch, dass es Menschen gibt, die glauben, man müsse auch Täter schützen. Vor den Folgen der eigenen Tat. Viele machen sich nicht klar: wer so redet, bestraft die, denen etwas angetan wurde, gleich nochmal.

In der Kirche finde ich so ein Denken besonders schlimm. Weil Christinnen und Christen es eigentlich besser wissen sollten. Jesus hat sich immer auf die Seite der Schwächeren gestellt. Auf die Seite von Menschen, denen Unrecht angetan wurde. Dabei hat er aber die anderen, die Täter, nicht vergessen oder übersehen. Er hat ihnen vielmehr aufgezeigt, dass sie sich falsch verhalten haben. Damit sie ihr Leben ändern. Jesus hat die Täter nicht vor den Folgen ihrer Tat geschützt. Er hat sie aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen. Und er hat ihnen geholfen, ihr Leben zu ändern. Denn wäre da alles gut gewesen, hätten sie sich nicht so verhalten.

„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ Das hat Jesus einmal gesagt. Ich verstehe das so: Jesus will, dass wir uns für Gerechtigkeit einsetzen. Wir sollen Täter zur Verantwortung ziehen. Nicht so, dass wir sie fertig machen. Sondern so, dass sie Verantwortung übernehmen und ihr Leben ändern können. Und dass die Opfer Gerechtigkeit erfahren. Und an eine bessere und gerechtere Welt glauben können.

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25JUL2021
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„Fingerabdruck stimmt nicht überein“. Jetzt im Sommer erscheint diese Meldung öfter auf meinem Smartphone. Weil es meinen Finger nicht erkennt. Ich muss dann umständlich den Code eingeben. Eigentlich ist das ja schön. Mein Fingerabdruck ist einzigartig. Kein anderer kann mein Smartphone mit seinem Finger entsperren. Aber es nervt mich, wenn mein Smartphone meinen Finger nicht erkennt, nur weil der ein bisschen schwitzig ist. Wie es mich auch sonst nervt, wenn ich nicht erkannt werde. Wenn ich mich vorstellen muss, obwohl mein Gegenüber mich eigentlich kennen müsste. Oder wenn mein Gegenüber wissen müsste, wie ich mich fühle. Auch, wenn ich es nicht sage. Dann nervt und ärgert mich das. Obwohl ich weiß: die anderen können ja gar nichts dafür. Und außerdem bin ich selber ja auch nicht perfekt und kriege auch oft etwas nicht mit.

Bei Gott ist das anders. Gott kennt uns, sagt die Bibel. Wie niemand sonst. In der Bibel formuliert ein Mensch das so:  Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen, Gott schon mein Wesen. Ja, alles steht in deinem Buch geschrieben: Die Tage meines Lebens sind vorgezeichnet, noch ehe ich zur Welt gekommen bin.“

Gott hat uns schon gekannt, als wir noch gar nicht auf der Erde waren. Für mich ist das ein schöner, ein tröstlicher Gedanke. Dass Gott uns kennt und erkennt. Gott braucht nicht mal einen Fingerabdruck von mir, um zu wissen: das ist die Jenni! Die kenn ich! Schon lange.
Gott weiß, was uns ausmacht, was uns wichtig ist, wie wir ticken. Daran glaube ich. Für Gott sind wir alle einzigartig und unverwechselbar.  

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