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SWR3 Gedanken

Manchmal ist ein echter Held  ganz anders. Donald Duck beispielsweise, der heute seinen 84. Geburtstag feiert. Der ist kein klassischer Held. Ein Ente mit großem Schnabel, meistens frech, oft tollpatschig, manchmal auch ganz schön ängstlich, und immer unter der Fuchtel und im Schatten seines Onkels Dagobert und dessen drei Kubik Hektar Geld im Tresor. Und dennoch kennen und lieben ihn viele Kinder und Erwachsene schon seit so vielen Jahren. Eben weil er so „unperfekt“ ist. Und sich dennoch immer wieder zu behaupten weiß. Und zeigt: Liebenswürdigkeit hängt nicht mit Erfolg zusammen. Und auch die Helden aus unserem echten Leben zeigen häufig genau das:
Echte Helden sind manchmal weder besonders stark, oder besonders schön, oder besonders klug. Warum sie für uns dennoch Helden sind? Weil sie uns Mut machen. Weil sie Hoffnung geben. Weil sie ihr Herz am rechten Fleck haben – und dazu stehen. ... Und weil sie uns zeigen: Auch wir können Helden und Heldinnen des Alltags sein. Und das ist gut zu wissen. Denn dann laufen wir mit offenen Augen durch die Welt und halten Ausschau nach möglichen Heldentaten. Helfen der Frau, der an der Kasse der Geldbeutel auf den Boden fällt, dabei die ganzen Münzen wieder aufzusammeln. Und verteidigen sie gegen die meckernden Menschen in der Schlange. Oder machen den Mund auf, wenn ein Arbeitskollege zu Unrecht beschuldigt wird, einen Fehler gemacht zu haben. Und zeigen uns solidarisch. Es gibt immer wieder Gelegenheit, auch im Alltag heldenhaft zu sein. Vielleicht im Kleinen, aber immer mit großer Wirkung.

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Am Meer sitzen. Den Blick schweifen lassen bis zum leicht diesigen Horizont. Mit den nackten Füßen durch die leichte weiße Gischt springen. Muscheln, Steine, seltsame Fragmente von... was eigentlich? im Sand entdecken. „Mama, wie tief ist eigentlich das Meer?“ Will meine Tochter wissen. „Und was ist alles darin?“  Eine gute Frage, denke ich. Immer wieder bin ich fasziniert vom Meer. Davon, dass es Tiefen in unseren Ozeanen gibt, die noch kein Mensch entdeckt oder gesehen hat. Und Tiere, von denen wir kaum etwas wissen. Das Meer, nahezu unendliche Weite, und manchmal noch ein echtes Geheimnis. –

Heute ist Tag des Meeres. Seit zehn Jahren schon soll der 8. Juni daran erinnern, wie lebenswichtig die Meere und Ozeane sind. Die Vereinten Nationen haben 2008 dazu aufgerufen, denn die Meere sind unentbehrlich für uns Menschen. Der größte Teil der Erdoberfläche ist – Meer. Und ein großer Teil dieser Meere gleicht mittlerweile einer schwimmenden Müllkippe, ist überfischt, und aus dem Gleichgewicht geraten. – Was ich deshalb heute tun werde? Sicher, ich kann nicht direkt losziehen, und diesen Müllteppich aufräumen. Auch wenn ich das am liebsten tun würde. Aber ich kann zum Beispiel dafür sorgen, dass nicht noch mehr Plastik in den Wasserkreislauf gerät. Ich verzichte zum Beispiel auf Duschgels und Waschmittel mit Microplastikteilchen. Und ich mache auf diesen Tag aufmerksam. Damit noch viel mehr Menschen merken, wie wichtig die Meere für uns sind. Denn mir klingt ein Psalmlied aus der Bibel in den Ohren: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast. (…) Die Fische im Meer und alles was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name in allen Landen.“ Und ich möchte, dass auch meine Tochter dieses Lied noch singen kann, wenn sie groß ist und selber Kinder hat.

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„Jetzt gilt es, Haltung zu bewahren.“ – Vielleicht haben Sie diesen Satz auch schon mal gehört. Mir ist dieser Satz schon verschiedentlich begegnet, mal mit einem ironischen liebevollen Unterton, mal durchaus ernst gemeint. Im ersten Moment muss ich  dabei immer an alte Generäle oder steife Gouvernanten denken... Haltung, das heißt, sich zusammen zu reißen – nicht in Panik zu verfallen. Ruhig zu bleiben und innere Stärke zu zeigen.  

Eine Haltung zu haben heißt auch, einen bestimmten Standpunkt zu vertreten. Eine möglichst klare Position.  Von der aus man die Lage und Dinge beurteilt und einschätzt. Soweit so gut.  Innere Stärke und eine klare Position sind absolut hilfreich. Im beruflichen, aber auch im privaten Leben. Wer auch bei Herausforderungen die Ruhe bewahrt, der sieht oft klarer. Und kann vielleicht Probleme schneller oder auch besser lösen. Aber manchmal denke ich, verpasst man auch was, wenn man immer Haltung bewahrt, sich immer zusammenreißt. Die Schriftstellerin Susanne Niemeyer hat es mal so gesagt: „Manchmal muss man die Haltung verlieren, um Neues zu entdecken.“ Und ich denke, sie hat Recht. Haltung gibt Sicherheit. Aber es kann auch gut tun, sich davon frei zu machen. Die Beherrschung zu verlieren, das kann ja auch heißen, auszubrechen aus alten Mustern und Verhaltensweisen. Und einfach mal dem zu folgen, was die Situation mich in dem Moment denken und fühlen lässt. Auf die Etikette pfeifen. Und solchermaßen unbeschwert tatsächlich neues entdecken. Neue Sichtweisen. Neue Eigenschaften an mir und anderen. Manchmal lohnt es sich, die Haltung zu verlieren. Denn es gibt soviel mehr zu entdecken.

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Vertrauen zu haben ist gar nicht immer so leicht.  Vertrauen in andere Menschen. Und darauf, dass man sich auf sie verlassen kann. Komme was da wolle. Kindern fällt es oft leichter anderen zu vertrauen.  Zu Beginn ihres Lebens gehen sie ganz selbstverständlich davon aus, dass man da ist und für sie sorgt. Sie trauen den Erwachsenen ungeheuer viel zu. Zum Beispiel, dass sie dafür sorgen können, dass alles gut wird.  So wie meine Tochter immer fest darauf vertraut, dass ich für sie da bin. Jeden Tag.

Je älter wir werden, und je mehr wir vom Leben wissen, desto schwerer fällt es uns mitunter zu vertrauen. Wie gut, dass es dann so etwas wie Sicherungsseile gibt. Die können dabei helfen neu Vertrauen zu fassen.

Neulich in einer Konfi-Gruppe war das wunderbar zu erleben. Die Jugendlichen haben einen Ausflug in den Klettergarten gemacht. Es geht ziemlich hoch hinaus. Über schwindelerregende Höhen. Von einem Baum zum nächsten, über wackelige Hängebrücken, und durch gewagte Seil-Reifen-Konstruktionen. Sie haben viel Spaß dabei. Aber es ist auch eine große Herausforderung. Nicht alle sind schwindelfrei. Und manchmal packt den einen oder die andere dann doch die Angst. Auch wenn das niemand zeigen will. Nach dem Ausflug sitzen alle noch zusammen, reden und erzählen stolz von ihren wagemutigen Kletterpartien. Und dann sagt einer: Es ist toll zu spüren, dass die Sicherungsseile halten. Vielleicht ist das ja mit Gott genauso. Der trägt uns auch in gefährlichen Situationen.

Es ist nicht immer leicht Vertrauen zu haben. Aber manchmal können wir spüren, was uns trägt und dass wir gehalten sind. Im Klettergarten und im Leben.

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Der große Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt: „Das ist nicht erdacht, das habe ich erwandert.“ Und ich glaube, ich weiß genau, was er meint. Wenn es noch nicht ganz so heiß ist, dann ist  Wandern meine Lieblingsbeschäftigung. Raus. Laufen. Mit leichtem Gepäck, aber gut gerüstet. Entweder auf altvertrauten Wegen die Seele baumeln lassen. Oder Neues entdecken. Sich gemeinsam mit den Kindern wie eine Forscherin fühlen. Was wohl hinter dieser Wegbiegung kommt? Wie weit sieht man wohl von diesem Felsen dort übers Tal? –

In Bewegung sein, Neues sehen, eine andere Perspektive einnehmen. Nicht stillstehen. Sondern vorwärtskommen. Sich spüren. Auch das unangenehme Ziehen im linken Fuß, oder die wärmende Sonne auf meinem Rücken. Die Gedanken schweifen lassen, mal gar nichts richtig denken. Einfach nur schauen. Und sein. Wenn ich so unterwegs bin, dann merke ich auch, wie sich die Gedanken neu sortieren. Ganz konzentriert, mit jedem Schritt, den ich gehe, komme ich weiter. Dabei lösen sich manchmal Probleme wie von selbst. Oder ich komme auf andere, neue Gedanken. Und steige aus, aus dem alten, eingefahrenen Gedankenkarussel. Beim Wandern geht das. Jesus ist auch viel gewandert. Er hat sich das Land und die Menschen „erlaufen“, wenn man so will. Er hat es nicht bei der bloßen Gedankentheorie belassen.  Sondern den direkten Kontakt gesucht. Zu den Menschen und ihrem Leben. Immer wieder. Er hätte Goethe sicher zugestimmt: „Das ist nicht erdacht, das habe ich erwandert.“ Probieren Sie es doch auch einmal aus.

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Ich liebe es, ins Museum zu gehen. Bilder anzuschauen. Alte oder neue Künstler, egal. Mich faszinieren besonders die Farben. Manchmal bleibe ich lange vor einem Bild stehen. Und manchmal gehe ich schnell durch den Raum, lasse die Bilder als Ganzes und in ihrem Zusammenspiel auf mich wirken.

Ich versinke in den Formen und Farben, versuche, der Stimmung des Bildes und des Malers auf die Spur zu kommen. Was hat er dabei gedacht? Was gefühlt? Besonders die Farben geben Aufschluss darüber. „Die Farbe ist der Ort, wo unser Gehirn und das Weltall sich begegnen.“ Hat einmal der französische Maler Paul Cézanne gesagt. Und damit gemeint: Manchmal lässt sich mit Farbe mehr ausdrücken, als man mit Worten sagen kann. Farbe umspannt eine Weite an Gefühl und Stimmung, die über unser Denken hinausgeht. Und das gilt nicht nur für die Farbe im Museum.

Wenn ich mich in diesen beginnenden Sommertagen umschaue, entdecke ich auch eine Menge Farben. Den klarblauen Himmel über mir. Das saftige Grün der Wiesen. Das knallige Pink der letzten Rhododendren. Das beruhigende, satte Abendrot. Der Sommer malt die schönsten Farben.  Das Bild unserer Welt. Gott ist ein großer Künstler und in seiner Schöpfung begegnen sich auch Gehirn und Weltall, Herz und Verstand, Himmel und Erde. Und es lohnt sich, diesem Gefühl nachzugehen.

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Heute ist „Wiederhole-Alles-Tag“. An diesem Tag soll man alles, was man tut, wiederholen. Ein, zwei, drei Mal. Oder mehr. Es ist also klug, heute besonders schöne Dinge zu machen. Etwas Leckeres essen. Den Liebsten, die Liebste küssen. Laut und befreit lachen. Einen Spaziergang machen. Sich über eine Kleinigkeit freuen. Jemanden seine Liebe gestehen...

Ich bin mir nicht sicher, wer das festgelegt hat. Aber die Idee gefällt mir. Man weiß schon länger: Durch Wiederholen prägen sich Dinge ein. So genannte neuronale Verknüpfungen werden gefestigt, um im Gehirn Informationen abzuspeichern. Und wer heute besonders schöne Dinge macht und das Schöne immer wiederholt, dem gelingt es vielleicht auf diese Weise, etwas von dieser Schönheit und Lebensfreude dauerhaft abzuspeichern. Im Kopf. Aber auch im Herzen. 

Manchmal braucht es eben etwas, bis eine wichtige Nachricht, eine gute Botschaft ankommt. Da reicht es nicht, die Worte nur einmal zu sagen. Weil sie so ungeheuerlich gut sind, dass der, der sie hört, sie vielleicht erst mal gar nicht glauben kann. „Du bist schön.“ – „Du bist etwas besonderes.“ – „Das ist unglaublich mutig und stark von Dir.“ – „Genau so, wie Du bist, bist Du gut.“ Auch wenn man sich vielleicht am Anfang  etwas blöd dabei vorkommt. Das Wiederholen schöner Dinge und guter Botschaften zahlt sich aus. Und trägt und stärkt an den Tagen, an denen sich nicht die schönen Dinge zu wiederholen scheinen, sondern die schrecklichen, traurigen.

Einer, der ein wahrer Meister der Repetition ist, hat einmal gesagt: „Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.“ Gott war das. Und er hat das in vielerlei Weise immer wieder wiederholt. Und tut es noch. Bis wir es endlich, in all seiner ungeheuerlichen Schönheit, glauben.

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