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SWR3 Gedanken

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Die goldene Regel. Wir sollen also uns selbst lieben und die, die nahe sind. Aber was ist mit denen, die nach uns kommen? Also die Nächsten im zeitlichen Sinn; in der Generation nach uns. Die kennen wir nicht. Aber ich will unsere Nachkommen jetzt mal als die Nächsten verstehen und in das Gebot der Nächstenliebe mit einschließen. Liebe deine Nächsten! Manchmal hab ich das Gefühl, dass wir leider schon von unseren Vorherigen nicht so besonders geliebt wurden. Also von unseren Vorfahren. Wenn ich mir anschaue, was die uns so hinterlassen haben.

Atommüll zum Beispiel. Viele von uns waren noch gar nicht geboren, als beschlossen wurde, Atomkraft einzusetzen. Wir konnten nicht mitentscheiden, ob wir das Risiko eingehen wollen. Aber die Folgen müssen wir tragen. Noch viele Generationen nach uns werden sich damit auseinandersetzen müssen.

Wir haben auch im Zweiten Weltkrieg nicht gekämpft. Aber die Schuld, die daraus entstanden ist, tragen wir mit. Genauso wie die Generationen nach uns. Weil die Verantwortung dafür weitergetragen werden muss. Damit so etwas Furchtbares nie wieder geschieht. Wie viele aus unserer Generation würden gerne die Entscheidungen der Vorherigen  rückgängig machen. Aber das ist leider nicht möglich. Atommüll, Kriegsschuld, Raubbau, Rohstoffverbrauch, Umweltverschmutzung. So viele Probleme werden verursacht, ohne dass es Lösungen dafür gibt. Die Probleme werden einfach weitergereicht. Von Generation zu Generation. Und jede Generation verursacht wieder neue Probleme, die sie weitergibt. Wir regen uns auf über die Probleme, die die Vorherigen uns weitergereicht haben. Und doch erweitern wir sie und geben sie an die Nächsten weiter. Solange wir keine Lösungen haben, sollten wir vielleicht aufhören, Probleme zu verursachen.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wir lieben uns selbst. Holen das Beste für unsere Generation aus der Welt raus.Wir lieben vielleicht auch unsere Nächsten, unsere Mitmenschen und Nahestehende. Aber denken wir auch an die nächsten Generationen? Jeder von uns ist ein Nächster. Aber wir sind alle auch Vorherige.

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„Hä, die passen ja mal gar nicht zusammen!“ Wie schnell ist so ein Urteil über eine Beziehung gesprochen. Über Paare im Freundeskreis oder auch in der Promi-Welt. Und ich stelle mir wirklich die Frage, woran man erkennen kann, ob jemand zusammenpasst. Gibt es wirklich Kriterien, nach denen man beurteilen kann, ob zwei Menschen zusammenpassen oder nicht? Unzählige Partnersuch-Foren wollen uns das glauben machen. Dass man mit vorgegebenen Parametern die Beziehungschancen berechnen kann. Aber wenn ich die langjährig glücklichen Paare in meinem Umkreis betrachte, kann ich mir das nicht vorstellen. Die einen sind sich ziemlich ähnlich. Viele Gemeinsamkeiten, machen viel zusammen und sind sich auch charakterlich sehr ähnlich. Andere dagegen sind charakterlich völlig unterschiedlich. Keine gemeinsamen Hobbys, jeder hat und braucht seine Freiräume. Auch beruflich völlig verschiedene Bereiche. Und trotzdem sind sie als Paar auch nach Jahren noch glücklich und verliebt.

Ich glaube, man kann Liebe, Glück und das sogenannte „Zusammenpassen“ nicht in Kategorien sortieren. Weil es ja immer darauf ankommt, nach was man sortiert. Wenn ich lauter bunte Kugeln habe, kann ich natürlich sagen, die Blauen, die Grünen, die Roten, also die jeweils Gleichen passen zusammen. Aber schon bei Puzzleteilen ist es doch umgekehrt. Da passt ein Teil mit einer Kerbe nur mit einem Teil zusammen, das an Stelle der Kerbe einen Hohlraum hat.

Durch Aussagen wie „Ihr seid doch viel zu verschieden“, „Ihr passt nicht zusammen“ sollte man sich also nicht verunsichern lassen. Das sind oft nur Aussagen von Menschen, die von außen her ihre eigenen Berechnungsmaßstäbe anwenden. Und die sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Also ich für meinen Teil bin überzeugt: Wenn sich zwei Menschen lieben, dann passen sie auch zusammen. Weil Liebe immer da einen Weg findet, wo Vernunft, Berechnung und Maßstäbe enden.

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Oh nein. Alles Informatiker. Was mach ich denn jetzt? Verunsichert stehe ich auf der Geburtstagsparty einer Freundin und fühle mich extrem fehl am Platz. Alles Informatiker und Naturwissenschaftler, die sich über Zahlen, Berechnungen und physikalische Phänomene unterhalten. Ich verstehe nicht mal die Hälfte. Beängstigend! „Weg hier, aber schnell. Die merken nicht, wenn du einfach gehst. Du gehörst hier nicht dazu“ warnt mein Fluchtinstinkt. „Jetzt probier`s halt. Du musst dich auch mal auf was Neues einlassen, das klappt schon“ mahnt mein Kampfgeist. Und ich höre auf den Kampfgeist. Vorsichtig beobachte ich vom Rand aus die mir völlig fremden Menschen mit ihrer seltsamen Zahlensprache. Und schon nach ein paar Minuten wirken sie gar nicht mehr so bedrohlich. Eigentlich sogar ganz nett. Schneller als gedacht sind wir in ein Gespräch vertieft. Und ich stelle fest, dass diese „Zahlenmenschen“ wirklich sehr nett sind. Wir beginnen uns gegenseitig auszufragen und stellen fest, dass die fremde Welt des Andern ziemlich interessant und bereichernd ist. Es wird ein wirklich lustiger Abend und ich fühle mich immer wohler zwischen diesen Menschen, die zwar irgendwie anders sind, aber jetzt in einem positiven Sinn.

Auf dem Heimweg kommt mir der politische Dauerbrenner in den Sinn: Die Integration von Migranten. Die Frage wie wir es hinbekommen, dass sich fremde Menschen annähern können und verstehen lernen. Denn zu oft haben die Menschen Angst vor dem Neuen, dem Fremden. Und ich kann sie verstehen. Beide Seiten. Bei mir war es nur ein einziger Abend. Bei den Migranten sind es Jahre oder sogar das ganze Leben. Trotzdem glaube ich, dass das, was im Kleinen funktioniert auch im Großen gelingen kann. Das Gefühl, in eine fremde Welt einzutauchen und plötzlich festzustellen, dass man doch dazugehören kann, ist einfach toll. Und dieses Gefühl wünsche ich jedem.

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Mist. Stau. Da hilft nur Eins: Rechts ranfahren und ne kurze SMS: „Stau. Verspäte mich vermutlich 15-20 Minuten. Sorry.“ Innerhalb einer Minute kommt die Antwort: „Kein Prob. Neuer Treff Café.  C u.“ Alles klar. Innerhalb einer Minute haben wir das Verspätungsproblem gelöst und einen neuen Treffpunkt ausgemacht. Super, dass es Handys gibt. Wenn ich mir überlege, dass so eine Verspätung noch vor 20 Jahren ein echtes Problem gewesen wär. Da hätte ich nervös im Auto gesessen während meine Freundin wütend gewartet oder sich sogar Sorgen gemacht hätte, wenn ich nicht zur verabredeten Zeit da gewesen wär. Innerlich singe ich ein Loblied auf die moderne Technik und komme schließlich 30 Minuten verspätet im Cafe an.

Und da zeigt die Technik ihr anderes Gesicht. Mit gesenktem Blick schaut meine Freundin auf ihr Handy und bemerkt mich erst, als ich sie anstupse. Und leider kommt auch später kein wirkliches Gespräch zustande. Ständig lenkt das Piepsen des Handys ab. Strahlend erklärt sie mir, wie toll es ist, dass sie jetzt so vieles gleichzeitig und nebenher erledigen kann. Dank des multifunktionalen Smartphones. Ja. Wirklich super. Ich finde es aber gar nicht so toll, nebenher erledigt zu werden.

Und ich find es auch nicht so super, auf meine Fragen mit kurzen Blicken und zu SMS-Stil verkürzten Sätzen abgespeist zu werden. Eigentlich fände ich es besser, wenn wir die Handys mal eine Stunde vergessen und uns einfach nur unterhalten könnten. Eigentlich fände ich es toll, wenn wir uns beim Reden in die Augen sehen könnten. Ich bin doch keine App. Man kann mich nicht anklicken und dann kommt Sprache und Information raus. Aber das Smartphone-Menschen-Multitasking scheint mittlerweile ganz normal.

Irgendwie find ich das traurig. Sind Smartphones für uns wirklich schon so wichtig geworden, dass wir ihnen den gleichen Wert zusprechen wie unseren Mitmenschen?

Also ich finde moderne Technik wirklich super, wenn sie das Zusammenleben erleichtert. Aber nicht, wenn sie das Zusammenleben ersetzt.

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Fragt der Mars die Erde: „Na, du siehst aber gar nicht gut aus. Was ist denn los?“ Antwortet die Erde erschöpft: „Ach, ich hab mir den Homo Sapiens eingefangen.“

Eigentlich nur ein kleiner Witz. Aber irgendwie hat er einen bitteren Beigeschmack. Weil es stimmt. Wenn man sich den aktuellen Zustand der Erde anschaut, dann ist sie krank. Geologen, Meteorologen und andere Wissenschaftler warnen seit Jahren vor den Schäden, die wir Menschen unserem Planeten zufügen. Wenn man die Erde mit einem menschlichen Körper vergleicht, sind Menschen wirklich Krankheitserregern sehr ähnlich. Wir holzen Wälder ab und fressen uns dadurch wie Krebs durch die Lunge der Erde. Wir vergiften Ozeane mit Plastikmüll wie Grippeviren. Und wir lagern Atommüll in der Erde ein wie Kalkablagerungen in der Blutbahn.

In der  biblischen Schöpfungsgeschichte steht, dass Gott seine Schöpfung betrachtete und sah, dass es gut war.  Ist es aber leider nicht mehr. Es ist nicht gut wie wir mit der Schöpfung umgehen und es tut ihr auch nicht gut.

Wenn man genauer in der Schöpfungserzählung nachliest, wird klar, dass das menschliche Verhalten nicht so gedacht war, wie wir das machen. Dort steht, dass Gott den Menschen segnet und ihn als Verwalter über die Erde einsetzt. Mit dem Auftrag,  die Erde zu bebauen und zu bewahren. Weil wir Menschen das können. Wir haben die Möglichkeiten, Fähigkeiten und die Intelligenz, für die Erde zu sorgen. Nur leider werden wir unserem Auftrag nicht gerecht. Aber wir könnten es. Wir sind durchaus in der Lage, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen. Wir können durchaus in die Zukunft planen. Pflanzen und Tiere können das nicht. Wir Menschen machen uns unsere eigene Lebensgrundlage kaputt. Wäre es nicht schöner, wenn wir die Erde heilen könnten, wie Ärzte? Aber dazu wäre wohl eine längere Erholungskur für die Erde notwendig. Die müssten wir Menschen ihr verschreiben. Wir könnten es.

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Heute ist kein normaler Montagmorgen. Sogar einen eigenen Namen hat er bekommen, dieser besondere Tag: Ostermontag. In den Kirchen wird heute die Geschichte von den Emmaus-Jüngern erzählt. Drei Tage nach der Kreuzigung verließen zwei von ihnen die Stadt, in der Jesus hingerichtet wurde und suchten Sicherheit im 11 Kilometer entfernten Ort Emmaus. Bedrückt unterhielten sie sich über das schreckliche Ereignis und fragten sich was nun aus ihnen und ihrem neuen Glauben werden würde, als sich ihnen ein Mann anschloss. Er wanderte mit ihnen, das Gespräch mit ihm tat ihnen irgendwie gut und als es Abend wurde baten sie ihn bei ihnen zu bleiben. Als er beim Essen das Brot brach erkannten sie, dass ihr Begleiter der auferstandene Jesus war. Und als sie das erkannt hatten, war er auch schon verschwunden.

Ich finde die Geschichte sehr berührend. Auf den ersten Blick ist es doch seltsam, dass die Jünger Jesus nicht erkennen. Sie reden doch gerade sogar über ihn. Aber andererseits finde ich gerade das sehr schön. Den Gedanken, dass Jesus da ist, sie begleitet. Obwohl den Jüngern  gar nicht bewusst ist, wer ihr Begleiter ist.

Über Gott gibt es viele Aussagen. Aber eine der wichtigsten und häufigsten ist, dass Gott immer da ist.

In der Bibel gibt es viele Stellen, an denen Gott sagt oder sagen lässt, dass er bei den Menschen ist.

Im Buch Josua heißt es beispielsweise: Sei mutig und stark. Fürchte dich also nicht und hab keine Angst. Denn der Herr dein Gott ist mit dir bei allem, was du unternimmst. (Jos 1,9).

Ich glaube daran, dass Gott immer da ist. Und Menschen durch das Leben begleitet. Auch, wenn man ihn nicht gleich erkennt. Die Geschichte von den Emmaus-Jüngern und ihrer Begegnung mit Jesus ist da ein sehr schönes Beispiel. Wie oft gehen Menschen einen schweren Weg. Aber Gott sagt zu, dass er als Begleiter dabei ist. Egal wie schwer der Weg ist. Und wohin wir auch gehen.

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Es ist dunkel. Es ist kalt. Es ist unbequem und unheimlich. Ich sitze auf der harten Bank und warte auf den einen großen Moment. Dass es hell wird. Dieser Moment in der Osternacht ist für mich immer ein sehr berührender Moment.

Der Pfarrer betritt die Kirche durch den Haupteingang mit dem einzigen Licht: Der brennenden Osterkerze. Langsam schreitet er durch den Mittelgang und die Menschen, die am Gang sitzen, zünden ihre kleinen Kerzen an der Osterkerze an. Dann geben sie das Licht durch die Bankreihen weiter. So lange, bis jeder eine kleine brennende Kerze vor sich hat. Die Kirche ist plötzlich durchflutet von Licht und alles fühlt sich auf einmal warm, behaglich und angenehm an. Innerhalb von wenigen Minuten haben sich Trostlosigkeit und Dunkelheit in Licht und Freude verwandelt. Eine wunderschöne Erfahrung. Es fühlt sich an, als würde mit dem zunehmenden Kerzenlicht auch mein Inneres immer heller. Ich finde, kein Symbol könnte passender für die Nacht der Auferstehung sein als das Licht der Osterkerze. Es lässt ahnen und spüren, wozu Gott fähig ist.

Als Jesus gestorben ist, ist es sehr dunkel und kalt geworden in den Herzen seiner Anhänger. Und wer mag ihnen die Trauer und Ausweglosigkeit verdenken, nachdem sie miterlebt haben, dass die Menschenihren geliebten Meister getötet haben. Ihre Zweifel: „War`s das jetzt? Wird mit Jesu Tod die Welt wieder dunkel und kalt?“ Das Licht ist die Antwort Gottes auf diese innere Dunkelheit.Ein Licht der Hoffnung. Der Hoffnung darauf, dass das Leben, warm, hell und fröhlich sein kann.

Das Licht der Osternacht lässt auch mich immer wieder hoffen. Darauf, dass egal wie dunkel und kalt das Leben auch manchmal scheinen mag, es doch immer wieder hell werden wird.

Und das Licht erinnert mich immer wieder daran, zu vertrauen. Darauf, dass Gott die Dunkelheit als Ende einfach nicht zulässt.

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