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SWR3 Gedanken

Wenn ich auf dem Holzweg bin, dann habe ich mich verrannt, dann ist das offensichtlich nicht der richtige Weg.
Vor ein paar Tagen war ich auf einer Veranstaltung zur Zukunft der Kirche. Und da hat jemand gesagt, dass die Kirche auf dem Holzweg sei.
Dann hat sich ein Schreinermeister gemeldet und gesagt: „Der Holzweg ist doch eigentlich nicht das Schlechteste. Holz kann ich nämlich bearbeiten. Wenn es morsch ist, werden einzelne Stücke ausgetauscht und selbst den Holzwurm kann ich bekämpfen. Holz ist lebendig und hat ganz verschiedene Farben und Maserungen.“

Der Schreiner hat dann gesagt, dass er außerdem findet, dass Holz sich sowieso durch das Leben Jesu zieht. Logisch, Jesus lag in einer Krippe aus Holz, sein Vater Josef war Zimmermann und auch das Kreuz, an dem er gestorben ist, war natürlich aus Holz.

Das ist doch wirklich eine interessante Sichtweise auf den sonst so unbeliebten Holzweg. Ich habe auch schon einige Holzwege hinter mir. Und im Nachhinein war das wirklich nicht immer das schlechteste. Ich hab viel gelernt auf dem Holzweg. Der lässt nämlich Irrtümer und Fehler zu.

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Ein ganzer Ort im Kerzenschein. So sieht es heute Abend in Hettigenbeuern aus. Das ist ein Teilort von Buchen, der Stadt im Odenwald, in der ich lebe.

Die katholische Kirche feiert heute das Fest Mariä Himmelfahrt. Dabei geht es darum, an Maria zu denken, die nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wurde. Das Fest ist ein klassisches katholisches Kirchenfest.

Für mich ist dieses Fest ehrlich gesagt nicht so wichtig. Was ich aber beeindruckend finde, sind die Bräuche drumherum. In Bayern und im Saarland ist heute sogar ein gesetzlicher Feiertag.

In Hettigenbeuern ist heute auch Feiertag, zwar kein gesetzlicher, aber das Dorf feiert Mariä Himmelfahrt. Am Abend gibt es einen festlichen Gottesdienst und anschließend eine wunderschöne Lichterprozession. Das ganze Dorf ist festlich geschmückt, überall sind Lichter aufgestellt und die Leute stellen kleine Altäre und Marienfiguren auf.

Ich glaube, an so einem Tag wie heute geht es um zwei Dinge. Zum einen um die Gemeinschaft. Tage- oft sogar wochenlang bereiten die Leute dieses Fest vor und treffen sich, um alles zu organisieren. Und am Tag selbst sind alle da. Selbst diejenigen kommen, die schon lange nicht mehr im Ort wohnen. Es wird zusammen gefeiert.

Und zum anderen wird mit dieser Lichterprozession auch der Glaube gefeiert. In Hettigenbeuern feiern die Menschen, dass Glauben das Leben hell machen kann, weil da jemand ist, der mit einem durchs Leben geht: Gott, Maria und alle Menschen aus Hettigenbeuern.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18139

Alexander ist der Dirigent unserer Stadtkapelle in Buchen. Er kommt aus einem deutschen Dorf in der ehemaligen Sowjetunion. Vor 25 Jahren ist er mit seiner Familie nach Deutschland gekommen.
Was für ein Schritt. Raus aus der Heimat, und ganz neu anfangen.
Freitags ist immer Musikprobe und die Musiker wollen Alexander zu seinem 25jährigen Jubiläum überraschen. Also überreichen sie ihm nach der Probe einen Korb mit Brot und Salz. Das sind ja eigentlich klassische Geschenke zum Einzug. Man wünscht sich, dass Brot und Salz nie ausgehen sollen. Aber: vor 25 Jahren hat niemand Alexander so richtig willkommen geheißen - und das wollen die Musiker jetzt nachholen. Sie wollen ihm einfach sagen, wie sehr sie sich freuen, dass er nach Deutschland gekommen ist und durch die Musik so viel Gutes für sie tut.
Alexander ist sprachlos. Diese Überraschung der Stadtkapelle rührt ihn total.
Dass sie ihren Dirigenten nach 25 Jahren offiziell willkommen heißen und ihm dadurch zeigen, wie sehr sie ihn schätzen. Brot und Salz nach so langer Zeit zeigen mir, wie wesentlich es für alle Beteiligten ist, einander freundlich und offen zu begegnen und sich herzlich willkommen zu heißen - auch nach 25 Jahren noch.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18138

Heute vor 18 Jahren ist mein Opa gestorben. Das ist lange her, aber Opas Tod und alles drumherum waren für mich so prägend, dass ich sogar gerne daran denke.
Ich war damals 13 und mein Opa hatte drei Monate vorher einen Schlaganfall.
Am Morgen des 13. August war es soweit. Ein strahlender Tag. Der Arzt hat uns deutlich gesagt, dass er bald sterben wird.
Alle waren da. Meine Oma, die Kinder, Enkelkinder und Geschwister. Dazu noch die Ärzte und Leute vom Pflegedienst. Das Haus war rappelvoll, aber jeder hat irgendwie seinen Platz gefunden. Ich fand das super, dass so viele Menschen da waren.

Um Punkt 12 ist Opa dann gestorben. Wir alle sind rund um das Bett gestanden. Plötzlich war alles ruhig. Keine Hektik und keine Schmerzen mehr. Es ist friedlich und schön gewesen.

Klar haben wir auch Rotz und Wasser geheult.

Woran ich besonders gerne denke, ist die Zeit danach. Opa ist nämlich bis abends zuhause geblieben und alle haben sich in Ruhe verabschiedet. Wir konnten dabei sein, als er gewaschen und für den Sarg fertig gemacht wurde. Abends haben die Männer unserer Familie ihn im Sarg rausgetragen. Mein Opa war Bauer, und deshalb haben sie ihn wie zum letzten Gruß unter der Luke zum Heuboden noch einmal abgesetzt. Das frisch gemachte Heu hat herrlich geduftet. Und zu alldem lief das Halleluja von Händel, richtig laut.

Ich weiß, dass der Tod auch ganz anders kommen kann: plötzlich, gewalttätig oder schleichend langsam. Hier war der Tod aber einfach schön.

Diese Erfahrung mit dem Tod meines Opas hat mich sehr geprägt. Ich glaube, weil sein Tod vom Leben getragen war.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18137

Ich bin richtig zufrieden mit meinem Namen. Schon immer. Ich finde, Johanna klingt gut. Ich sage das meinen Eltern immer wieder, das haben sie gut gemacht.

Umso schwieriger ist die Situation jetzt gerade für mich. Bald kommt unser Kind auf die Welt und mein Mann und ich zerbrechen uns die Köpfe, wie wir es nennen sollen. Im Prinzip sind wir uns schon einig, aber uns auf einen Namen festzulegen, schaffen wir irgendwie nicht. 

Für mich ist mein Name sehr wichtig. Wieviel Mal am Tag höre ich den?! Er gibt mir Identität. Ich bin Johanna. Mein Name ist Teil meiner eigenen Persönlichkeit. Wenn ich gerufen werde, dann bin ich nicht mehr anonym. Jemand kennt mich. Der Name macht aus mir einen speziellen Menschen. 

Auf der anderen Seite will ich das nicht so hoch hängen. Mich hat ja auch keiner gefragt: „Wie willst Du heißen?“ Sondern ich hab nun mal diesen Namen und bin damit groß geworden und da rein gewachsen. 

Bei der Taufe spielt der Name eine ganz große Rolle. Da werden die Eltern gefragt, wie ihr Kind heißen soll. Dahinter steckt der Gedanke, dass Gott jeden einzelnen genau kennt und jeden so liebt wie er oder sie ist. Die Bibel drückt es so aus. Gott sagt: „Ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein.“ 

Und jetzt kommt also ein neuer Mensch zu uns in die Familie. Ich bin sicher, dass mein Mann und ich letztendlich einen Namen finden, der uns richtig gut gefällt und mit dem unser Kind gut durchs Leben gehen kann - getragen eben von seinem eigenen Namen, und natürlich auch von uns und von Gott.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18136

Ein Imam sorgt für Furore. Er heißt Achmet Tüzer und ist Vorsteher einer kleinen muslimischen Gemeinde in der Südtürkei. Er ist aber nicht nur Imam, sondern auch Rockmusiker. Die ersten Konzerte hat die Band FiRock im letzten August gegeben, seitdem wird die Band immer berühmter und inzwischen gibt es auch schon erste Alben mit dem rockenden Imam.

Es gefällt nicht allen, dass Achmet Tüzer auch Rockmusik macht. Viele konservative Gruppen haben ihn angegriffen. Und die obersten Glaubenshüter des Islam werfen ihm vor, seinen Job nicht richtig machen zu können, wenn er abends Konzerte gibt. 

Für den Imam ist das schwierig. Er liebt seinen Beruf und er liebt den Gesang. Er möchte mit seiner Musik die Menschen zu Frieden und Freundschaft aufrufen.
Ich kann mir gar keine bessere Werbung für die Religion vorstellen, als wenn ein Imam abends rockend durch die Welt zieht und als ganz normaler Typ erkennbar wird.

Nicht jeder erkennt ihn gleich als Imam, aber in seinen Texten wird deutlich, worum es ihm auch geht. In einem Lied heißt es: „Nicht mehr lange und etwas Neues kommt. Wenn die Zeit für Veränderungen da ist, werden alle Schmerzen vergehen".

Achmet Tüzer ist überzeugt: „Wenn die Musik, die man macht, die Menschen auf eine positive Weise spirituell anspricht, ist das doch im Grunde wie beten.“

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18135

Was ist eigentlich Heimat? Darüber habe ich mich mit meiner Freundin Eva unterhalten.
Heimat kann für mich ein Ort oder es können Menschen sein. Im Wort Heimat steckt viel Gefühl. Mit meiner Heimat bin ich verwurzelt, da komme ich her. Für mich ist das unser Hof in Ostwestfalen. Mit diesem Fleckchen Erde bin ich besonders verbunden. Der Platz, der Geruch, die Leute mit ihrem Charme und ihren Macken - das ist Heimat für mich. Und ich stelle immer mehr fest, wie sehr mich dieser Ort geprägt hat. Für mich gilt: ich kann überall auf der Welt wohnen, aber Heimat ist eben mehr: dort, wo ich herkomme oder da, wo die liebsten Menschen sind.

Heimat geben ist ein heiliger Dienst. Das sagt meine Freundin Eva, und für mich ist das ein knackiger Satz. Kann ich denn Heimat überhaupt geben? Ist das wirklich etwas, das ich aktiv tun kann?

Ich möchte meiner Familie Heimat ermöglichen. Mich mit Menschen oder an einem Ort heimisch fühlen, dort Wurzeln haben, die mich mein Leben lang stärken. Das zu versuchen, ist eine große Aufgabe, eben ein besonderer Dienst.

Wie schwierig das ist, wird für alle deutlich, die keine Heimat haben, weil sie beispielsweise fliehen mussten oder weil ihre Familie zerbrochen ist, oder weil es mit dem Heimat Geben nicht geklappt hat.

Heimat geben ist ein heiliger Dienst. Das ist zwar nicht immer einfach. Aber dieser Satz zeigt, wie tief die Sehnsucht in uns Menschen ist, eine Heimat zu haben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18134