Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken

Kirchensteuer, Spendenaufrufe, Klingelbeutel. Viele Menschen beklagen sich, dass die Kirche immer nur Geld will.
Dieses Prinzip wurde jetzt in Hannover umgedreht. Das Team der Gottesdienstreihe „kreuzundquer“ hat sich überlegt, dass jeder der zum Gottesdienst kommt 5 Euro erhalten soll.
Der Gottesdienst ist dann auch proppenvoll. Und gleich zu Beginn gibt es auch schon eine kleine Rangelei: Ein Mann pöbelt: „Ich will jetzt meinen Fünfer, was iss´n das sonst für´n Stundenlohn!“ Er bekommt seinen Schein und geht. Eines hat er wohl nicht verstanden. Die 5 Euro waren nicht als Besucherprämie gedacht, sondern sie sollten eine Geschichte von Jesus veranschaulichen. Und die geht so:
Ein Herr geht auf Reisen und vertraut sein Geld seinen Dienern an. „Macht was draus!“, sagt er und zieht los. Die Diener entwickeln ganz unterschiedliche Strategien und die meisten sind auch ziemlich kreativ und erfolgreich damit. Bis auf einen, der vergräbt das Geld. Aus lauter Angst, etwas davon zu verlieren. Und obwohl er dem Herrn später den genauen Betrag zurückgibt, ist der Herr ziemlich stinkig. Enttäuscht nimmt er ihm das Geld weg. Die anderen Diener aber haben was aus ihrem Geld gemacht und werden reich belohnt.
Jesus will uns mit dieser Geschichte bestimmt nicht über günstige Zinsanlagen informieren. Er will wohl sagen: „Ich habe euch das Leben geschenkt, also macht was draus! Vergrabt eure Begabungen nicht, sondern setzt sie Gewinn bringend ein. Tut was für Umwelt und Gesellschaft!“
Das „kreuzundquer“-Team hat zwar keine Leben zu verschenken, aber dafür 5 Euro Scheine. Und das Team ist schon gespannt auf die Ideen und Geschichten, was mit dem Geld so alles passiert ist. Hoffentlich mehr als eine kurzfristige Geldanlage beim nächsten Kiosk...
Ein englischer Journalist hat Mutter Teresa einmal beobachtet, als sie eine stinkende Wunde versorgte. Und erschrocken sagte er: „Nicht für eine Million Dollar würde ich das tun!“ Mutter Teresa hat nur lachend geantwortet: „Ich auch nicht!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7257
Da sage noch mal einer, dass sich Freundlichkeit nicht auszahlt! Jetzt hat eine Französin ihr gesamtes Vermögen an etwa 200 Menschen vererbt. Diese haben nur eines gemeinsam: sie waren irgendwann mal freundlich zu ihr.
Die Frau hieß Jeannine und ist vor über einem Jahr im nordfranzösischen Städtchen Dieppe gestorben. Bei ihrer Beerdigung waren keine 10 Trauergäste da, denn sie war weder verheiratet, noch hatte sie Kinder oder Geschwister. Und obwohl sie ganz bescheiden in einer Wohnsiedlung gelebt hat, hatte sie stolze 280.000 Euro zu vererben.
Die Glücklichen waren unter anderem ein Apotheker, Kassiererinnen in einem Supermarkt, ein Busfahrer, ein Metzger und verschiedene Krankenpfleger. Es reichte jeweils ein freundliches Wort, eine kleine Hilfestellung oder eine zuvorkommende Bedienung, um Erbe von Jeannine zu werden. Jeder von ihnen bekommt ca. 1.200 Euro.
Jeannine hatte seit Jahren Personen notiert, die ihr etwas Gutes getan haben. Und da sie ihre Erben nicht alle mit Namen kannte, musste ihr Notar richtige Detektivarbeit leisten, um das Erbe zu verteilen. Selbst nach über einem Jahr hat er noch nicht alle Erben gefunden.
„Falls sich einer der Erben nicht an mich erinnert:“, so schreibt Jeannine in ihrem Testament, „ich bin die alte Dame mit dem weißen Regenmantel und den zwei Gehstöcken.“
Mich hat Jeannines Idee begeistert. Aber ich werde jetzt bestimmt nicht Ausschau danach halten, welcher alten Dame ich helfen kann, nur damit sie mich hoffentlich in ihrem Testament erwähnt. Aber die Großzügigkeit von Jeannine zeigt mir, wie sehr sich manche Menschen über Kleinigkeiten freuen. Und auch wenn ich für einen kleinen Gefallen nicht gleich erbe, Freundlichkeit zahlt sich meistens aus. Und manchmal anders, als wir denken.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7256
Methusalix, so heißt der rüstige Alte aus den Asterix-Heften. Er ist zwar der Dorfälteste, tanzt aber gerne mal auf dem Tisch oder mischt kräftig bei Prügeleien mit. Seine Krücke ist ihm dabei immer eine gute Hilfe. Als Methusalix spät in der Nacht wieder mal kräftig am Feiern ist, kommt er ins Schwärmen und sagt: „Ich fühle mich 10 Jahre jünger!“. Darauf Asterix: „Na schön! Dann wärst du 83 und solltest längst im Bett sein!“
Der Name Methusalix leitet sich ab von „Methusalem“. Wir meinen damit einen sehr alten Menschen. Methusalem ist eigentlich eine Figur aus dem Alten Testament. Und das zeigt, wie sehr die Bibel unsere Sprache und Kultur bis heute prägt.
Im Buch Genesis steht, dass Methusalem der Großvater vom wesentlich bekannteren Noah war. Er wurde sage und schreibe 969 Jahre alt. Aber auch die anderen Urväter erreichten alle ein ähnlich hohes „biblisches“ Alter.
Wissenschaftler haben versucht, diese unglaublich hohen Altersangaben zu erklären. Eine Begründung sagt, man habe damals in Mondjahren gerechnet. Umgerechnet wäre Methusalem dann 78 Jahre alt geworden. Schon wahrscheinlicher und für damals trotzdem noch sehr alt.
Eine andere Erklärung scheint mir aber noch besser. Archäologen haben nämlich auf Tonziegeln Listen alter sumerischer Herrscher gefunden. Deren Alter war mit bis zu 30.000 Jahren angegeben. Die Archäologen vermuten, dass diese Altersangaben eine besondere Hochachtung vor bedeutenden Vorfahren zum Ausdruck bringen sollte.
Es wäre typisch Bibel, wenn wir sie auch hier nicht wörtlich nehmen sollten. Wenn wir mal wieder zwischen den Zeilen lesen müssten. Und dort würde im Fall von Methusalem stehen: Unsere Vorfahren haben Großes geleistet. Habt Ehrfurcht vor dem Alter. Egal ob Methusalem, Methusalix oder einfach alte Menschen um uns herum.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7255
Tipp... Topp... Tipp... Topp... Die beiden Mannschaftskapitäne setzen abwechselnd einen Fuß vor den anderen und tippeln aufeinander zu. Tipp... Topp... Bis einer das Spiel gewinnt, weil der Fuß des anderen nicht mehr in die Lücke passt. Der Gewinner darf zuerst wählen. Und dann geht es los, Toms wöchentliches Drama im Sportunterricht. Der unsportliche Tom weiß genau, dass er als letztes in die Mannschaft gewählt wird. Jedes Mal eine kleine Demütigung vor der ganzen Klasse.
Eine Woche später nimmt Tom all seinen Mut zusammen und protestiert beim Sportlehrer gegen das Verfahren. Der Lehrer hat eine Idee und lässt diesmal Tom wählen. Aber jetzt wird´s erst richtig heiß für ihn. Sein Freund Dennis gehört nämlich auch immer zu den Letzten, die gewählt werden. Und Dennis schaut schon ganz erwartungsvoll rüber.
Tom überlegt kurz. Dann trifft er seine Wahl: „Dennis“ sagt er. Und als er wieder dran ist kommen noch Marvin, Kalle und Kevin dazu. Alles nicht gerade Sportskanonen.
Toms Mannschaft gewinnt zwar nicht, aber sie haben jede Menge Spaß zusammen. Und sie haben endlich mal das leidige Tipp Topp Spiel auf den Kopf gestellt.
Tom und seine Mannschaft haben erfahren, was es bedeutet, „erwählt“ zu sein. Das ist ein schönes Bild für meinen Glauben. Ich glaube nämlich daran, dass Gott uns Menschen auch in dieser Art erwählt hat. Erwählt als Freunde, als Gegenüber. Und das völlig voraussetzungslos. Einfach so.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7254
Auf dem Sparbuch sinken die Zinsen, beim Dispokredit steigen sie. Und irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, der Dumme in Sachen Geld bin immer ich. Manchmal hab ich davon so richtig die Nase voll. Aber spätestens an der Supermarktkasse merke ich dann: so ganz ohne Geld geht´s wohl doch nicht.
Für Heidemarie Schwermer schon. Sie hatte auch die Nase voll vom Geld. Und 1994 hat sie entschieden: ab sofort lebe ich ohne.
Ohne Geld, wie das geht? Es fing an mit einem Tauschring, den sie gegründet hat. Dabei hat sie gemerkt, dass sie immer weniger Geld braucht. Schließlich hat sie ihren Job aufgegeben und die Versicherungen gekündigt. Seitdem hütet sie Kinder, Häuser oder Haustiere. Sie macht Gartenarbeit, putzt und kocht. Als Gegenleistung bekommt sie Essen und ein Dach über dem Kopf. So ist inzwischen ein richtiges Netzwerk von Kontakten entstanden.
Dieses Leben schränkt natürlich ein. Heidemarie Schwermer hatte manchmal kaum was zu Essen. Außerdem muss sie sich immer wieder an die Lebensweisen anderer Menschen anpassen. Aber Verzichten, so sagt sie, ist eben ein Lernprozess. Einfach sich in ein Café setzen und ein Eis essen geht nicht mehr. „Ich musste erst einmal lernen, nur das zu wollen, was ich wirklich brauche.“
Inzwischen ist Heidemarie Schwermer Rentnerin. Das meiste ihrer Rente verschenkt sie. Denn sie will nicht mehr zurück in die Welt mit Geld. Ihr Experiment dauert nun schon 15 Jahre und sie empfindet sich alles andere als arm. Sie sagt: „Ich lebe in Fülle, weil ich nur das haben will, was ich wirklich brauche. Und das ist echte Freiheit!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7253
Urlaub in den Pyrenäen. Meine Freundin wälzt eine Karte mit Touristenattraktionen. Ihr Finger bleibt an einem Symbol hängen, das aussieht wie gestapelte Hinkelsteine bei Asterix und Obelix. „Dolmen“ heißen sie eigentlich. Und hier in den Pyrenäen gibt es einige davon. Allerdings meistens ziemlich versteckt. „Da will ich hin!“, sagt sie und legt damit das Nachmittagsprogramm fest.
Die Anfahrt sieht auf der Karte lang und mühsam aus. Außerdem ist das Dolmen-Symbol nur sehr ungenau auf der Touristenkarte platziert. Irgendwo in der Nähe der beiden Bergdörfer Franès oder Brangoly.
Und tatsächlich kurven wir übel in der Pampa rum. Mehr Weg als Straße und Kurven über Kurven. Schließlich landen wir in Franès. Drei Häuser, eine Straße - aber weit und breit kein Dolmen.
Immerhin gibt es ein Pappschild auf dem noch das zweite Dorf angeschrieben steht: Brangoly. Aber dann mitten auf der Straße eine Vollsperrung. „Dorffest, keine Durchfahrt“ steht da. Und keine Wendemöglichkeit, na prima. Die Dolmensuche scheint nicht gerade unter einem günstigen Stern zu stehen. Dann halt im Rückwärtsgang zurück nach Franès. Aber innen an der Kofferraumscheibe surrt ein riesiges Insekt. Meine Freundin hat ein Herz für Tiere und will es erst freilassen. Sie - raus aus dem Auto und nach hinten.
Kurze Pause, dann ein ungläubiger Aufschrei: „Du, hier steht ein Schild: Dolmen – 50 Meter“. Tatsächlich. An einem Telegraphenmasten gegen die Fahrtrichtung hängt ein abgeblättertes rundes Holzschild. Aus dem fahrenden Auto heraus unmöglich zu sehen. Nur dank Vollsperrung, Rückwärtsgang, Insekt und Tierliebe haben wir unser Ziel erreicht.
Wir haben noch lange über dieses Erlebnis nachgedacht. Und irgendwie wollten wir beide nicht so recht an Zufall oder Glück glauben. Es kam uns fast so vor, als ob uns eine unsichtbare Hand geführt hätte.
Und vielleicht werde ich ja tatsächlich manchmal im Leben geführt. Gerade dann wenn´s nach Vollsperrung aussieht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7252
Rund um Antalya sind die Kornspeicher leer. Sogar die letzten Ziegen und Hühner wurden schon geschlachtet, so schlimm ist es mit dem Hunger. Da melden die Einwohner von Myra ihrem Bischof Nikolaus, dass Schiffe im Hafen eingelaufen sind. Große Schiffe auf der Durchreise, bis an die Reling voll mit Getreide.
Das ist die Chance. Nikolaus geht runter zum Hafen. Er bittet die Besatzung: „Aus jedem Schiff nur 100 Maß Getreide. Für euch fällt das nicht ins Gewicht, aber für uns ist es die einzige Chance zu überleben.“ Die Schiffsleute sind hin- und hergerissen. Das Korn wurde schließlich in Alexandria genau abgemessen und wird schon in den kaiserlichen Vorratshallen in Konstantinopel erwartet.
Doch Nikolaus legt nach: „Tut, was ich gesagt habe. Ich schwöre euch bei Gott, dass ihr keinen Verlust haben werdet!“ Die Schiffsleute sehen die Not und geben nach. Nikolaus lässt das Getreide unter den Menschen verteilen. Es reicht für zwei Jahre und eine Aussaat. Für die Bürger von Myra ein wahres Wunder. Die Schiffsleute haben ihr Wunder noch vor sich: Als die kaiserlichen Beamten das eingetroffene Korn abwiegen fehlt kein einziges Gramm.
Ob eine Legende wahr ist oder nicht, ist für mich nicht so wichtig. Diese hier zeigt Nikolaus einmal mehr als menschenfreundlichen und mutigen Mann.
Aber die Geschichte hat noch eine Message: Nikolaus überredet ja die Schiffsbesatzung, das Gesetz zu brechen. Sie riskiert wegen der hungernden Menschen Kopf und Kragen. Doch sie haben wahrscheinlich begriffen: Gesetze und Vorschriften sind längst nicht alles im Leben. An erster Stelle steht immer der Mensch.
Sollte mir in Zukunft eine Fee begegnen, dann weiß ich jetzt, was ich antworten werde. Und solange keine Fee kommt, kann ich es ja mal selbst versuchen, auf ein „hörendes Herz“ zu achten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7251