Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken


Beim Spazierengehen hat Shakira eine Katze gesehen. Meine Pflegetochter liebt Katzen. Diese war besonders kuschelig und lag in einem Vorgarten neben einem richtig schönen Springbrunnen. Das besondere: Der Vorgarten hatte keine Mauer. Und ruck zuck war Shakira drinnen und streichelte die Katze – bis es der genug wurde und sie sich verzog - dann spielte Shakira seelenruhig am Brunnen als wäre es ihr eigener.
Da ging das Fenster auf. Und ich rechnete schon mit einer „typisch deutschen“ Stimme a la „Holen Sie das Kind da weg!“
Aber stattdessen sagte eine sehr nette Frau: „Gell, der Springbrunnen ist toll. Da spielen alle gerne mit. Und unsere Katze darfst Du auch gerne wieder mal streicheln, aber ich glaube jetzt braucht sie erst mal ein bisschen Ruhe.“
So wie diese Frau, das wünsche ich mir für alle Deutschen: Am Tag der deutschen Einheit. Keine Mauer um sich rum zu haben. Weil Mauern trennen und sagen: hier hast Du nichts zu suchen. Das ist meins. Da darfst Du nicht hin. Das ist verboten.
Stattdessen zu teilen. Weil ich mich noch mehr über meinen Springbrunnen freuen kann, wenn auch andere ihn schön finden. Und weil meine Katze sich schon rechtzeitig in Sicherheit bringt, wenn es ihr zu viel wird.
Jesus hat das einmal so ausgedrückt:
„Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat.“ Es kostet nichts, von seinem Überfluss abzugeben. Teilen macht nicht ärmer, sondern glücklicher.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6833
„Ich hab´ zwei neue Mäppchen geschenkt bekommen. Aber ich brauche doch nur eins.“ Und dann hat der Junge das Mäppchen abgegeben. Er weiß nicht genau wer es bekommen hat, aber Regina von der Caritas Landau sorgte dafür, dass es genau dort angekommen ist, wo es gebraucht wurde. Sie half mit, dass es in Landau die Aktion Schultafel gab.
Geringverdiener, Kinderreiche oder Alleinerziehende konnten sagen wo es bei ihnen fehlte. Kein Geld für den Ranzen oder für den Markenfarbkasten. Das ist heute für viele der Alltag. Aber wer will schon sagen „Ich bin arm. Ich kann meinem Kind keinen teuren Wasserfarbkasten kaufen?“ Natürlich wollen die Lehrer, dass die Schüler den besten haben, weil dann die Bilder schöner werden.“ Aber der kostet halt auch 5 Euro mehr.
Und wenn man sagt: „Muss es wirklich dieser Wasserfarbkasten sein?“ Dann hagelt es doch gleich wieder Vorurteile: „Der will für seine Kinder nicht das Beste.“ Dabei sind Schulsachen für mehrere hundert Euro für viele wirklich nicht mehr bezahlbar. In Landau blieb alles anonym. Damit sich niemand schämen musste. Und das hat die Caritas organisiert. Bedürftige Eltern haben gesagt was sie brauchten und wer wollte konnte das an der Schultafel in einem Drogeriemarkt kaufen, ähnlich wie bei einem Geschenktisch. Oder, wie der Junge, etwas dort abgeben. Und dann hat Regina die Sachen diskret weitergeleitet. Zum Beispiel an eine alleinerziehende Mutter von 5 Kindern, von denen mindestens drei hochbegabt sind. Kein mitleidiges Lächeln, kein herablassendes Verhalten. Damit diese Kinder die gleichen Chancen bekommen, wie andere auch.
Jetzt ist die Schultafel wieder verschwunden. Aber auch während dem Schuljahr wird es bedürftige Kinder geben. Ich will nicht, dass ärmere Kinder in der Schule benachteiligt sind. Deshalb werde ich an unserer Schule die Augen aufhalten. Teilen ist gar nicht so schwer. Ich kann ja auch mal was doppelt kaufen, oder dem Lehrer einen kleinen Betrag geben. Wenn er versteckte Armut erkennt – dann kann er damit ganz unkompliziert – und anonym - helfen. Und im nächsten Schuljahr gibt es die Schultafel hoffentlich auch in unserer Stadt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6832
Blauer Himmel, leuchtende Sonne. Ein Segelschiffchen schippert vorbei. Und mitten im knallgelben Sand ein Hirtenstab. Daneben eine rote Bischofsmütze, eine Mitra. So als hätte der Bischof sich gerade ausgezogen und wäre ins Wasser gegangen. Dazu der Spruch: „Wir sehen uns im Dezember!“
Klar, die Mütze gehört dem heiligen Nikolaus. Und jetzt kann der noch locker Urlaub machen. Sein Tag ist schließlich erst der 6.12.
Ein nettes Postkartenmotiv. Damit wirbt der BDKJ, der Bund der katholischen Jugend in Speyer, für eine Weihnachtsmannfreie Zone! Nach der gelungenen 72-Stunden-Aktion, bei der tausende Jugendliche sich sozial engagierten, hatte Patrick diese Idee. Er ist im Vorstand des BDKJ. „Wir sollten uns gegen diesen vorweihnachtlichen Konsumwahn stellen. Keiner kennt mehr den echten Bischof Nikolaus. Alle haben nur noch Werbe-Weihnachtsmänner mit roter Zipfelmütze im Kopf.“ Kurzerhand wurde das Büro des BDKJ zur weihnachtsmannfreien Zone erklärt. Hier darf nur noch der echte Bischof Nikolaus rein, mit Hirtenstab und Mitra, also Bischofsmütze, und natürlich noch nicht jetzt - da liegt er ja noch am Strand in Myra – seinem Geburtsort in der Türkei - sondern erst am 6.Dezember.
Mit den Postkarten soll für weitere weihnachtsmannfreie Zonen geworben werden. Alle Mitglieder des BDKJ werden angeschrieben. Das Thema wird in den Gruppenstunden besprochen und dann heißt es raus mit dem Weihnachtsmann, oder besser: gar nicht erst rein mit ihm: keine Lebkuchen im Spätsommer und keine zipfelmützigen rotmänteligen Weißbärte mehr, sondern den echten Bischof Nikolaus, aber bitte erst am 6.12. Klar, dass ich da auch mitmache. Und wenn ich in den Regalen keinen Schokoladenbischof finde? „Dann,“ sagt Patrick, „dann musst Du ihm eben einen Hirtenstab und eine Bischofsmütze basteln. Ist gar nicht so schwer.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6831
Bei den vielen Diskussionen um Afghanistan ärgert mich vor allem, wie da über die Köpfe unserer Soldaten hinweg diskutiert wird. So als wären sie Bauern in einem Schachspiel, die man beliebig hin- und herschieben kann.
Aber wer denkt eigentlich daran, in was für einem Dilemma die Soldaten stecken? Was es heißt, in Gefahr zu geraten und vielleicht schießen zu müssen. Wer macht sich die Mühe, sich in die Soldaten hineinzuversetzen?
Mein Freund Thomas ist Militärseelsorger bei der Bundeswehr. Er kennt viele Soldaten, die im Einsatz sind oder waren. Und er kennt auch ihr Dilemma, wenn es ums schießen geht. „Weißt Du,“ hat mir Thomas gesagt. „Von den Männern, die ich kenne, greift keiner leichtfertig zur Waffe. Du musst Dich ja für jeden Schusswaffeneinsatz rechtfertigen. Wenn drüben was passiert, steht sofort die Staatsanwaltschaft auf der Matte.
Aber das ist noch nicht das schlimmste. Wenn die Männer schießen, dann müssen sie das ihr Leben lang mit sich rumtragen. Ein Berufssoldat hat mich kürzlich gefragt: Komme ich in die Hölle wenn ich einen Taliban erschieße? Die Frage war kein Spaß. Der Mann war schon in Afghanistan. Das hat ihn wirklich beschäftigt.
Jetzt kann ich ja als Militärseelsorger nicht einfach sagen „Du darfst schießen.“ Es heißt ja nicht nur in den 10 Geboten Du darfst nicht töten, es heißt in der Bibel ja sogar, Du sollst Deine Feinde lieben.
Aber zumindest muss man sehen, dass Jesus das Soldatsein an sich nicht abgelehnt hat. Als ein Hauptmann zu Jesus kommt und ihn bittet „Heile meine Tochter“, da hat Jesus nicht gesagt: „Hör erst mal auf, Soldat zu ein“, sondern seine Tochter ohne wenn und aber geheilt. Natürlich muss man in Frage stellen wofür der Soldat sich einsetzt. Und jeder Soldat muss sein Gewissen immer wieder prüfen. Wenn es dazu kommt, dass Du zur Waffe greifen musst, dann ist das schlimm.“
Und was hast Du dem Soldaten geantwortet will ich von Thomas wissen. „Kommt er in die Hölle, wenn er jemanden erschießt?“
„Ich habe ihm gesagt, dass wir in letzter Konsequenz auf das Erbarmen Gottes angewiesen sind. Dass wir darauf hoffen müssen - aber auch dürfen - dass sich Gott auch dann nicht von uns abwendet. Und dass er wie kein anderer unsere inneren Kämpfe kennt.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6830
Rafael war Erzengel und Bodyguard.
Seine Geschichte steht in der Bibel im Buch Tobit.
Dieser Tobit hat einen Sohn namens Tobias, und den schickt er in eine weit entfernte Stadt. „Ich habe einen Schuldschein, den sollst Du dort einlösen. Dann kommst Du mit dem Geld wieder.“ Tobias muss zum ersten Mal so viel Verantwortung tragen und so weit gereist ist er auch noch nie. Nicht ungefährlich, damals. Also sucht er jemanden, der ihn begleitet und trifft Rafael. Er hat keine Ahnung, dass Rafael ein Engel ist. Von Gott geschickt, um ihm zu helfen. Tobias hält ihn lediglich für einen tüchtigen Mann, ideal als Bodyguard eben.
Die beiden machen sich zusammen auf den Weg und bestehen etliche heikle Situationen. Was ich so spannend finde: wie Rafael hilft. Man könnte ja meinen, ein Engel beschützt einen von vornherein vor allen Gefahren, oder rettet einen zumindest aus der Gefahr, aber mit Engeln ist es doch etwas anderes. Zum Beispiel bei der Sache mit dem Fisch.
Da machen Tobias und Rafael an einem Fluss Rast. Es ist ziemlich heiß und Tobias zieht sich aus und schwimmt eine Runde. Plötzlich taucht ein riesengroßer Fisch auf. Eine echte Gefahr, schießt aus dem Wasser hoch und schnappt nach Tobias, droht ihn zu verschlingen. Jetzt käme Hilfe gut: ein vom Ufer geworfener Speer, oder der Engel hechtet ins Wasser und rettet Tobias - von wegen:
Rafael bleibt am Ufer stehen, legt die Hände an den Mund und brüllt: „Du musst ihn am Schwanz packen!“ Mehr nicht. Aber: Der richtige Hinweis in dieser Situation. Tobias, eben noch in Panik, weiß jetzt was zu tun ist, packt zu und wirft den Fisch mit aller Kraft ans Land. Gerettet. Und stolz auf sich selbst obendrein.
Tja – so ein Engel betüttelt einen eben nicht. Aber er ist da wenn Du ihn brauchst, und gibt dir das Knowhow, Dein Problem selbst zu lösen.
Übrigens: heute haben alle Rafaels und Rafaelas Namenstag: Herzlichen Glückwunsch!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6829

Heute ist nicht nur der Tag nach der Wahl, sondern auch der Namenstag des heiligen Eberhard. Eberhard bedeutet: hart wie ein Eber, also: ziemlich stark.
Im 14. Jahrhundert lebte Eberhard als Hirte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Freising mit dem komischen Namen Tüntenhausen. Er kannte sich besonders gut mit Kräutern aus und hat den Bauern mit ihren kranken Tieren geholfen. Deshalb wird er noch heute als Patron der Hirten, Haustiere und gegen Viehseuchen verehrt. Man sagt, dass er sehr mit Gott verbunden war. Dass er Gottes Kraft in sich spüren konnte, und dass immer dort, wo er seinen Hirtenstab in die Erde gestoßen hat, ein Baum gewachsen ist.
Das dürfte übertrieben sein, ist für mich aber ein schönes Symbol: Der Hirte wandert mit seiner Herde und verströmt dabei die Kraft Gottes. Eine Kraft, die Bäume wachsen lässt. Ein schönes Bild für „heilig sein“, also das tun, was Gott sich von uns wünscht. Nicht gebückt und gebeugt durchs Leben laufen, sondern aufrecht Kraft verströmen.
Geht von mir auch so eine Kraft aus? Wie werde ich wahrgenommen? Als jemand, der kommt und heilt und Kraft verströmt?
Oder bin ich kraftlos, schlapp und depressiv?
Woher hatte Eberhard diese Kraft? Nicht aus sich heraus. Er hat das nicht selbst gemacht. Er glaubte fest daran, dass Gott ihm diese Kraft gab. Wenn ich spüre, dass einer mit mir geht, Gott – als der gute Hirte, dann kann ich mich davon anstecken lassen. Kann selbst ein guter Hirte sein.
Wenn ich spüre, dass Gott mit mir geht, dann kann seine Kraft in mir Wunder bewirken. Ich muss ja nicht gleich Bäume wachsen lassen. Aber ich könnte mit weniger Angst durchs Leben gehen. Und wenn ich das nicht spüren kann? Dann könnte ich heute den heiligen Eberhard bitten: „Hilf mir, Gottes Kraft in mir zu spüren.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6828
Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs. Mein 6jähriger Pflegesohn Lauri und ich. Eine schöne Tour. Jetzt bummeln wir nach Hause. Neben dem Radweg stehen lauter Grabsteine. Das Geschäft von einem Steinmetz. Lauri ruft: „Was ist das?“ Ich rufe zurück: „Das sind Grabsteine. Die macht ein Steinmetz für den Friedhof.“ „Kann ich mir die mal anschauen?“ Warum eigentlich nicht. Wir haben es nicht eilig. Also halten wir an, stellen die Fahrräder ab und gehen von Stein zu Stein. „Weißt Du“, sage ich. „Wenn jemand stirbt, dann suchen die Menschen, die den Gestorbenen gern haben, so einen Stein aus. Um sich an ihn zu erinnern. Der Stein kommt dann auf das Grab. Und dann kann man drauf schreiben wer da gestorben ist. Man könnte sich natürlich auch jetzt schon einen aussuchen und sagen: der soll mal auf mein Grab kommen. Aber das macht kaum einer.“
Neben ganz einfachen Grabsteinen gibt es auch richtig originelle. Einer ist mitten durch gespalten. Als hätte jemand ihn mit einer Axt entzwei gehauen. „Ist der kaputt?“ will Lauri wissen. „Nein“, sage ich. „Das ist ein Symbol. Der Riss bedeutet eine Tür. Wäre der Stein ganz, wäre er wie eine Mauer. Aber durch den Spalt kann man hindurch schlüpfen. Der Steinmetz will sagen: Wenn Du stirbst, ist es nicht vorbei, Du schlüpfst durch den Tod hindurch in ein neues Leben bei Gott.“
Dann deutet Lauri auf einen anderen Stein: „Der ist schön.“ Der Steinmetz hat ein kreisrundes Loch in den Stein gesägt. Und in das Loch hat er eine Glasscheibe eingesetzt. Auf der Scheibe ist eine rote Rose abgebildet. Jetzt, in der Abendsonne leuchtet die Rose ganz hell.
„Weißt Du was“, sagt Lauri. „Wenn Du mal stirbst, dann suche ich diesen Stein für Dich aus. Weil ich Dich so lieb hab.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6827