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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Vor allem Gesundheit, das wünsche ich Dir.“
Wenn Sie heute Geburtstag haben oder in diesen Tagen, dann hören Sie vielleicht diesen Satz. Ein guter Wunsch. Gesundheit ist das höchste Gut, finden viele, und auch mir ist das sehr wichtig.
Hauptsache gesund! Wir leben ja in Frieden, werden nicht verfolgt und müssen nicht hungern. Aber Gesundheit – die kann uns trotzdem niemand garantieren.
Aber was ist das eigentlich: Gesundheit? Je älter man wird, desto schwieriger lässt sich das sagen. Hier tut was weh, da zwickt es und vieles geht nicht mehr so  leicht von der Hand.  Manche merken das ab 80, andere schon ab 40. Sich gesund fühlen ist für jeden etwas anderes.
Jesus ist vielen kranken Menschen begegnet, manche von ihnen hat er geheilt. Aber alle, ob gesund oder krank, die mit Jesus in Kontakt kamen, scheinen eines erlebt zu haben: Wenn Gott selber mir entgegenkommt,  weil sich jemand sich mir echt zuwendet, dann kann etwas heil werden in mir. „Sprich nur ein Wort – so wird meine Seele gesund!“ so wird Jesus gebeten. Gesundheit ist viel mehr als nur das Fehlen von Beschwerden!
 „Gesünder werde ich sicher nicht mehr“, hat mir neulich eine Frau am Telefon gesagt, die ich schon lange kenne „Aber trotzdem bin ich ganz zufrieden. Wenn ich ins Bett gehe, zähle ich alles Gute auf, was ich habe. Das Dach über dem Kopf, die Anrufe von lieben Menschen, das Essen und alles, was ich noch tun kann. Selbst an einem schlechten Tag, wenn´s mich echt gequält hat mit den Knochen, kann ich dann noch was Gutes sehen. Und denke: Der liebe Gott wird´s wissen. Der hat schon so oft einen Weg für mich gefunden, da glaub  ich  auch weiter dran.“
Ganz schön bewundernswert, habe ich danach gedacht. Und ich habe gedacht:  Ich wünsche ihr weniger Schmerzen, ganz bestimmt, denn Schmerzen sind schlimm.
Aber ich wünsche ihr auch, dass sie genau das fühlt, was sie mir gesagt hat:  Das Gute im Leben kann so manches Schwere aufwiegen!
Zuversicht und  Gottvertrauen – das ist auch eine Form von Gesundheit. Eine für jeden von uns: Ob alt oder jung, ob krank oder gesund.

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„Wie viel Unheil könnte verhindert werden - allein durch Nichtstun!“
Eine Karte mit diesem Spruch hat mir mal eine Freundin geschenkt. Weniger Tun kann also auch etwas Gutes haben? Wo ich doch möglichst sofort auf e-mails reagieren und immer per Handy erreichbar sein soll? Wo ich ständig entscheiden soll, was zu tun ist?
Kann man Unheil verhindern, indem man sich diesem Druck einfach mal verweigert? Immerhin: Manche Firmen sorgen dafür, dass ihre Mitarbeiter auch mal handyfreie Zeiten haben. Und für ein paar Tage im Internet nicht erreichbar sind. Aber auch wir selber haben es manchmal in der Hand, nicht nur die Firmen und Arbeitgeber.
Verlässlich und schnell sein ist gut, aber ich will mir doch auch mal den Gedanken erlauben: Muss ich sofort antworten? Kann ich noch etwas überlegen?
Einen Schritt behutsamer - im Büro, bei der Hausarbeit, in der Schule. Manche geraten ja schon deshalb unter die Räder, weil das Tempo einfach zu schnell ist!
Wenn ich ab und zu innehalte, bekomme ich wieder besser Verbindung zu mir selber. Und auch zu Gott.
„Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein!“ so hat Gott mal zum Volk Israel gesprochen, in einer brenzligen Situation. Damals gab es zwei Lager, die einen wollten mit schnellen Pferden sofort in den Krieg ziehen, die anderen wollten lieber abwarten. Hören, was Gott will. Haltet inne, rät Gott hier. Stark sein durch Stillesein. Hoffen, behutsam sein und nicht gleich loslegen
Ein Freund von mir hat auch mal abgewartet. Er war auf der Arbeit tief gekränkt worden. Sein erster Impuls war „Das lass ich nicht auf mir sitzen! Ich werde mich beschweren.“ Aber er hat das erst einmal sein lassen. Eine innere Stimme hat ihn davon abgehalten. Später hat sich herausgestellt, dass die Kränkung ein totales Missverständnis war. Indem er erst einmal abgewartet hat, hat er es Gott sei Dank nicht schlimmer gemacht, oft bringt ein Missverständnis ja ein neues mit sich.
Gut, dass er auf die innere Stimme gehört hat!
Innehalten, einen langen Atem haben, und auch mal auf Gott hören– ich bin froh,  dass  das auch in einer hektischen Zeit immer wieder gelingen kann!

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„Nur nicht hochschauen! Hoffentlich übersieht er mich!“ Ich kann mich noch genau an die Schulstunde erinnern. Der Lehrer schaut in die Runde, um sich jemanden herauszupicken. Keiner will auffallen, jeder denkt: „Wär‘ ich doch  nur unsichtbar…“ Aber natürlich hat es eine von uns dann doch erwischt…
Ich kann mich noch genau an dieses Gefühl  erinnern: Die Scham, die Angst, sich vor den Anderen zu blamieren.  Auch heute werden Menschen oft beschämt, weil andere sie bloß stellen. Manche denken nicht daran, was es mit Menschen macht, wenn sie so beschämt werden. Wenn man nur noch unsichtbar sein will.
Eine Geschichte aus der Bibel zeigt: Es geht auch anders.  Da ist der Zöllner Zachäus, der allen viel zu hohe Zölle abverlangt. Klar, dass er keine Freunde hat, er ist ja ein echter Halsabschneider. Als Jesus in die Gegend kommt, will auch Zachäus ihn unbedingt sehen. Weil er klein ist und die Anderen  ihn nicht vorlassen, muss er auf einen Baum klettern.  „Guckt mal, der Zachäus,“ haben die Anderen wohl gerufen, „Dieser armselige kleiner Wicht! Wie er da im Baum hängt!“  Ich kann mir gut vorstellen, dass es Zachäus ähnlich gegangen ist wie uns in dieser Schulstunde. „Wär ich doch nur unsichbar!“
Aber Jesus sieht ihn trotzdem und geht auf ihn zu. Nicht, um ihn noch mehr zu beschämen. Was die Leute denken, das ist Jesus egal.
Ihm geht es um den Menschen  Zachäus. Es geht ihm darum, dass Zachäus seine Würde wieder gewinnt. Dass er wieder mit Gott ins Reine kommt. Deshalb hat Jesus ihn auch nicht auf seine Fehler festgelegt. Und so hat Zachäus dann den Mut gefunden, neu anzufangen, anders zu werden. Gerade weil er nicht beschämt wird, sondern als Mensch gesehen wird!
Und das gilt auch noch heute:  Es bringt was, uns nicht gegenseitig zu  beschämen, sondern aufzurichten – ob in der Schule oder anderswo.  
Und zu einem, der sich schämt, zu sagen: „Kopf hoch – wir sind doch alle nur Menschen!“

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„Wenn ich Ihren Sohn sehe, dann muss ich weinen – weil ich dann an meinen denke! Und der ist weit weg.“ Das sagt mir eine afghanische Mutter. Wir treffen sie bei einer Begegnung mit Flüchtlingen. Sie ist mit ihrer kleinen Tochter  nach Mainz geflüchtet, vor  Krieg und Terror. In den Monaten hier hat sie schon ganz gut Deutsch gelernt.
Sie erzählt  von der Angst, von den Schleppern, von Hunger und Durst. Vor allem aber erzählt sie das: Auf der Flucht ist sie von ihrem Mann und ihrem Sohn getrennt worden.  Die sind jetzt in Griechenland. Die Frau ist dem Terror entkommen. Aber jetzt getrennt von Mann und Sohn. Dann fällt ihr Blick auf meinen Sohn und sie sagt in ihrem gebrochenen Deutsch: „Wenn ich ihren Sohn sehe, dann muss ich weinen. Weil ich dann an meinen denke…“  
Auch wenn sie weint – für mich ist  diese Frau unglaublich stark! Aber diese Trennung macht sie fertig. „Geht es denn gar nicht, dass Sie wieder mit Ihrem Sohn und Mann zusammenkommen?“ frage ich – und bekomme die Antwort  „Ohne Pass geht gar nichts!“
Wir haben ein Europa ohne Grenzen. Ein Europa auch mit Krisen und vielen Fragen – aber eins, dass doch offen sein will und menschenfreundlich! Und dann soll ist es nicht möglich sein, dass eine Familie wieder zusammen kommt?  Irgendwie beschämend.. Ich und viele, die ich kenne, verstehen nicht, warum es für solche Familien keinen  besseren Weg gibt.
Klar,  es muss Zuständigkeiten und Regeln geben. Jesus allerdings hat mal gegen alle Vorschriften verstoßen – als er am Sabbat einen Menschen geheilt hat. Das war absolut verboten.  Er hat danach erklärt „Das Gesetz ist für den Menschen da; nicht umgekehrt!“  Christlich gesprochen geht es zuerst um den Menschen, um seine Würde.  Das sollten wir im Sinne Jesu nie vergessen – die Menschen sind wichtig, gerade die in Not. Und nicht zuerst unsere Vorschriften und Sicherheiten. Regeln müssen sich am Maß der Menschlichkeit messen lassen.
Die Mutter aus Afghanistan hat zum Abschied  noch gelächelt und gemeint: „Ich werde sie wiedersehen, meinen Sohn und meinen Mann. Denn die Menschen hier sind nett. Die werden mir helfen.“

Ich hoffe,  sie hat recht! Auch um unseretwillen.

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„Ich mag keine Kinder““ So grummelt ein Mann. Er geht an mir vorbei – direkt vor einem Kinderspielplatz. Die Kinder auf dem Spielplatz lachen und toben, es ist Leben auf dem Spielplatz, aber wie!
Warum mag der Mann keine Kinder, frage ich mich. Klar, Kinder sind keine Engel! Sie können wahnsinnig anstrengend sein. Manchmal sind sie gemein oder unbarmherzig. Sie stellen oft in Frage, was wir so vorleben. Wenn wir ihnen was vormachen, dann fragen sie schonungslos nach. Sie verstecken Ihre Gefühle nicht, wie wir Erwachsenen, weder Wut noch Freude.
Und sie sind  neugierig –sie fragen: Warum, warum, warum…? Sie stellen die Welt in Frage und lassen nichts so, wie es ist. Klar, dass das ganz schön stören kann. Aber dann zu sagen „Ich mag keine Kinder?“
Vielleicht durfte dieser Mann selber nie so richtig Kind sein. Vielleicht hat er noch Sätze von früher im Kopf wie: „Frag nicht so dumm!“ – „Das geht dich nichts an!“ oder „Kinder haben zu gehorchen!“
Natürlich müssen Kinder Regeln und Grenzen lernen, anders geht es nicht. Aber es ist etwas anderes, wenn eine Erziehung ein Kind demütigt, immer wieder. „Du bist nicht richtig“ – wer so etwas als Kind Tag für Tag erfahren hat, der wird auch heute Kinder kaum richtig finden können. Dabei – bleiben wir in einem Winkel unseres Herzens nicht immer etwas Kind? Sind neugierig, fragen nach, wollen spielen und einfach behütet sein?
Eine Frau im Altersheim hat das gespürt, beim Besuch einer Kindergartengruppe. Als die Kinder den Älteren was vorgespielt haben, hat sie gesagt: „Ich habe mich wieder wie ein Kind gefühlt. Aber anders – nicht minderwertig. Sondern befreit. Ein bisschen Kind scheint noch in mir zu sein, das habe ich nur lange nicht gemerkt!“
Es ist ein großer Segen, meint Jesus – wenn man Kinder nicht nur mag. Es ist ein Segen, wenn man als Erwachsener wieder zum Kind werden kann. Denn dann finden wir die Tür zum Himmelreich. So wie er es sagt: „ Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“

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Es ist heiß und es ist anstrengend und es geht bergauf. Ich war als Kind nicht so schnell wie mein großer Bruder, und manche Wanderung in den Bergen fand ich gar nicht lustig. Manchmal wäre ich lieber am kühlen Bergbach geblieben und hätte mich dort ausgeruht. Stattdessen geht es immer nur bergauf - wann sind wir endlich da? Und warum bin ich eigentlich unterwegs? Ich spüre heute noch die Anstrengung, wenn ich daran denke.
Ein junger Patient, den ich mal in der Klinik besucht habe, hat genauso einen Berg gemalt. Einen sehr hohen Berg. Den hat er sich ins Zimmer gehängt. Er sagte: „Mir kommt meine Krankheit manchmal wie so ein Berg vor. Es ist steil, es ist anstrengend und zieht sich unerträglich lange hin!“
Und doch hat das Bild ihm geholfen. In seinem kleinen Zimmer hat ihm das so etwas wie einen Ausblick gegeben. Das also ist mein Berg. Der Weg nach oben ist anstrengend. Und er zieht sich unerträglich lange hin. Wann bin ich endlich da? Und warum bin ich überhaupt unterwegs? Aber auch der Gipfel, das Ziel war auf dem Bild sichtbar. Es gibt ein Ziel, darauf gehe ich zu. Manchmal hat er mir auf dem Bild einen Punkt gezeigt und gesagt: „Ich glaube, ich bin jetzt hier!“ – Und da war noch ein steiler Weg vor ihm, aber auch schon ein ganz langer Weg hinter ihm. Ankommen ist also möglich.
Mir hat das auch als Kind geholfen. Mir auszumalen, wie es wohl sein wird, wenn ich angekommen bin. Wenn ich ausruhen darf, eine wunderbare Sicht habe, was essen und trinken kann.
Wenn wir ein Bild haben vom Ziel, dann halten wir besser durch. Der Seher Johannes hat in der Bibel von einem Ziel gesprochen, dass wir alle vor uns haben: „Ich sehe einen neuen Himmel und eine neue Erde!“ hat er gesagt. Er hat erlebt, dass er auf seinem steilen Weg nicht allein ist. Und dass Gott ihm Bilder schenkt, wie es sein wird. Einen neuen Himmel und eine neue Erde – das fängt da schon an, wo eine Krankheit überwunden wird, wo eine Aufgabe gelöst wird. Wo ein erster Schritt gewagt wird!
Mir macht das Mut.  Wenn etwas wie ein Berg vor mir ist, ein Bild vom Ziel im Herzen zu haben. Und gerade heute am Anfang einer neuen Woche zu spüren: Gott geht mit, mit seinem Segen!

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Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare! Sie kennen den Spruch bestimmt. Und er sagt: Immer, wenn etwas Besonderes  passiert – Geburt, Heirat, Tod, dann müssen wir zum Amt. Dann muss das registriert werden. Ohne Papiere geht es heute nicht – sonst gehört man nicht dazu, ist kein Staatbürger, hat kein Heimatrecht.
Einschneidende Erlebnisse gibt es nicht ohne Formulare. Aber es gibt auch einen Bibelspruch, der Menschen am Beginn und am Ende des Lebens zugesprochen wird – der beides verbindet, Wiege und Bahre. Und der mir sagt, wo ich hingehöre. Er steht im Buch Jesaja und heißt: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Bei einer Taufe und bei einer Beerdigung sage ich diesen Satz aus der Bibel. Das ist so etwas wie ein Heimatrecht bei Gott: Es gibt jemanden, zu dem ich gehöre, und das ist Gott. Fürchte Dich nicht, Du gehörst zu mir, sagt Gott!
Aber wie ist das zu begreifen, bei allen Ängsten, die man heute durchstehen muss? Die Angst zu versagen, Angst vor Einsamkeit, die Angst vor Krankheit , vor der Zukunft und vor vielem anderem. Fürchte Dich nicht… wer so einen Satz sagt, der weiß ja, dass ich allen Grund zur Angst habe. Aber gibt es einen Grund zur Hoffnung in aller Angst? Gibt es etwas, was mich gelassen machen kann, wenn ich mir Sorgen mache?
Die Bibel sagt: Ja! Weil Ihr zu Gott gehört! In aller Angst kann Euch das niemand nehmen: Von der Wiege bis zur Bahre – und darüber hinaus! So erzählte mir eine Frau, deren Kindheit schrecklich war:“ Ich hatte immer Angst. Immer! Bei der Taufe meines Patenkindes habe ich zum ersten Mal die Worte gehört:‘ Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst!‘ Das hat mich total bewegt! Und ich dachte: Alles, was Andere mir angetan haben, kann mich nicht auf Dauer kaputt machen. Wenn ich Gott an meiner Seite spüre, gibt es Hoffnung. So stark kann kein Mensch sein, dass er mir diese Verbindung kaputt macht!“ Das hat sie gesagt.
Dieses Vertrauen habe ich nicht immer. Wie meine Formulare muss ich das manchmal hervorkramen: Dass ich zu Gott gehöre. Dass er mich begleitet. Worte, die mir wie dieser Frau Mut machen: Fürchtet Euch nicht!

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