Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Christvesper

Musik 01: O come, o come Emmanuel 

Herzlich Willkommen zur Christvesper am Heiligabend. „Rejoice, rejoice“, singt der Bariton Michel George. Das ist ein englischer Freudenruf und heißt übersetzt „Freut euch, freut euch“, und weiter geht´s: „Der Immanuel ist geboren.“ Im neuen Testament wird klar, wer mit „Immanuel“ gemeint ist: Jesus, Gottes Sohn. Und heute Abend ist es soweit. 

In dieser Christvesper soll Gelegenheit sein sich zu freuen, aber auch nachzudenken. Ich nehme Sie gerne mit auf eine Reise dorthin, wo alles geschehen ist, ein paar Kilometer südlich von Jerusalem. Und während wir die Geschichte von der Geburt Jesu hören, so wie sie im Lukasevangelium aufgeschrieben ist, machen wir ein kleines Experiment und versetzen uns in die Köpfe derer, die in der Geschichte auftauchen. Was mögen sie wohl gedacht, vermutet und gefühlt haben? 

Das ist natürlich alles rein spekulativ, aber ich finde, so wird die Weihnachtsgeschichte noch ein bisschen lebendiger für uns. Wir sind ja zeitlich und örtlich ganz schön weit weg davon: Gute 2000 Jahre und 4000 Kilometer. 

Hören und schauen wir also ganz nah hin, was in der Bibel steht, und was in den Köpfen der Hauptdarsteller vielleicht vorgegangen ist. 

Lukasevangelium: Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.         

Josef könnte durch den Kopf gehen: Muss das jetzt wirklich sein - diese beschwerliche Reise? Ungünstiger hätte es nicht kommen können. Jede Menge unerledigter Aufträge in der Werkstatt und dann noch meine hochschwangere Maria. Das verstehe ich sowieso alles nicht. Ich mache mir Sorgen um sie. In ihrem Zustand sollte man eigentlich nicht mehr reisen. Aber sie strahlt so eine Gewissheit aus, als ob sie sich ihrer Sache ganz sicher ist. Sie hat etwas Ruhiges an sich, das auch mich ansteckt. Ach, ich bin froh, dass wir uns gegenseitig stärken. 

Musik 02: Josef, lieber Josef mein 

Lukasevangelium: Josef wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  

Maria könnte durch den Kopf gehen: Wow, welch ein Wunder eine Geburt ist. Wie mich das Kleine angeschaut habe. Ich bin so froh, dass es gesund ist. Unter diesen Umständen ist das ja gar nicht so klar. Mit diesem Engel hat alles angefangen. Ich solle Gottes Sohn zur Welt bringen, hat er gesagt. Eine richtige Wahl hatte ich ja nicht. Wenn ich in Ruhe über alles nachgedacht hätte, wer weiß, wie ich mich entschieden hätte. Was sage ich nur Josef und allen anderen aus dem Dorf? Was heißt das überhaupt – Gottes Sohn. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber Gott scheint einen Plan mit mir zu haben, er traut mir etwas zu. Und hat der Engel nicht gesagt „Fürchte dich nicht“? Stimmt, Angst hatte und habe ich keine, ich bin nur etwas unsicher. Aber ich vertraue auf Gott. 

Musik 03: Maria durch ein Dornwald ging  

Lukasevangelium: In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.  

Die Engel könnten sagen: Wir stehen für Leichtigkeit, das merkt man allein schon durch unsere Flügel. Aber auch sonst: unser Gesang zum Beispiel und unsere lichte Gestalt. Etwas flatterhaft sind wir vielleicht – tauchen hier auf, tauchen dort auf - aber wir sind durch und durch erleuchtet und positiv. Wir wollen den Menschen Mut machen, ihnen die Angst nehmen, sie führen, ihnen von unserer Leichtigkeit zeigen. Und das haben die Hirten hier ja auch bitternötig: sie frieren, sind hungrig, und werden öfters mal krumm angeschaut oder ausgelacht. Schön, dass wir gerade sie beglücken dürfen. 

Musik 04: Engel auf den Feldern singen  

Lukasevangelium: Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.  

Das war ein hartes Stück Arbeit, könnten die Hirten denken. Manche haben uns ja gar nicht geglaubt, was wir gesehen hatten. Aber klar, wir werden ja oft als Spinner und Außenseiter abgetan. Und von außen betrachtet ist das ja auch ein bisschen hirnrissig – zumindest auf den ersten Blick. Eine Engelschar, ein Stall, Gottes Sohn in einer Futterkrippe. Kein Wunder, dass da manche nur den Kopf schütteln können. Aber was für eine Nacht! Wahnsinn, dass die Engel gerade zu uns kommen, und dass wir als erste gratulieren durften, und dass gerade wir den kleinen Jesus zuerst gesehen haben. Hoffentlich macht er so weiter, Gottes Sohn, und vergisst nicht, dass es die kleinen Leute waren, die zuerst von ihm erzählt haben. 

Musik 05: Als ich bei meinen Schafen wacht  

Hören wir das Weihnachtsevangelium noch einmal am Stück. Und vielleicht geht es Ihnen wie mir. Jetzt scheinen die Gestalten des Evangeliums vertrauter als vorher, und ich kann mich noch an den ein oder anderen Gedanken erinnern, den Josef, Maria, die Engel oder die Hirten gerade hatten. 

Lukasevangelium: Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 

Josef wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  

In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. 

Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. 

Das war sie, unsere kleine Reise in die Geschichte und in die Köpfe des Weihnachtsevangeliums. Mit Maria, die so viel Ruhe und Gottvertrauen ausstrahlt. Mit Josef, der trotz Zweifel von Marias Gewissheit erfüllt ist. Mit den Engeln, die uns Leichtigkeit und Erleuchtung zeigen. Und mit den Hirten, den armen und rauen Burschen, die auch heute noch einen Stein im Brett haben bei Jesus. 

Musik 06: Zu Betlehem geboren 

Beten wir das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns wie ein Vater annimmt und begleitet.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Bitten wir zum Ende dieser Christvesper um Gottes Segen in dieser Heiligen Nacht:

Herr Jesus Christus, segne uns mit der Kraft eines Neugeborenen.

Mit einem Strampeln, wenn wir unaufmerksam sind für unsere Mitmenschen,

mit einem Weinen, wenn wir ungerecht handeln,

mit einem Lächeln, wenn wir Außenseiter nach drinnen holen.

Segne uns und unsere Lieben,

segne alle die uns anvertraut sind, und diejenigen, die heute nicht dabei sein können.

Schenke uns weihnachtliche Tage mit dem Zauber einer Geburt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen 

Mit dem Lied „Nun freut Euch, ihr Christen“ geht die Christvesper am Heiligen Abend zu Ende. Am Mikrophon war Dominik Frey von der katholischen Kirche. Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2019. 

Musik 07: Nun freut euch, ihr Christen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29986