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SWR2 Lied zum Sonntag

19APR2020
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Wenn Martin Luther sich arg bedrängt gefühlt hat, dann hat er mit Kreide vor sich auf sein Pult geschrieben: baptizatus sum – ich bin getauft. Dann ging es ihm wieder besser.

Ich bin getauft. Ich gehöre zu Gott. Ich werde festgehalten, ich werde geführt, mein Leben hat einen Sinn. Ich spüre, da hat einer Ja zu mir gesagt. Jetzt, als Erwachsener, kann ich antworten. Auch wenn ich als kleines Kind getauft wurde. Auch, wenn ich noch gar nicht getauft bin. Gottes Ja ist nicht davon abhängig.

Gott sagt Ja zu mir, und ich Mensch –
„Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.
Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf.“

So heißt es in einem neuen Lied, das ich Ihnen heute vorstellen möchte:

Musik

Dieses Lied hat der evangelische Theologe und Künstler Okko Herlyn für einen Liederwettbewerb der Evangelischen Kirche im Rheinland geschrieben. Ein Tauflied für Erwachsene.
Die erste Strophe stellt Gott als den Schöpfer vor. Gott ist der Lebensgrund, er hält mich in seinen Händen. Ich bin nicht zufällig da, sondern weil Gott mich gewollt hat. Darauf kann ich antworten. Aber es ist eine Antwort. Gott ist nicht erst für mich da, wenn ich etwas dafür getan habe.
Martin Luther hat sein baptizatus sum aufs Pult geschrieben – ich bin getauft. Ich glaube, mir würde heute ein Wort reichen: Ja. Da hat sich einer längst zu mir bekannt, und ich brauche mich bloß darauf einzulassen.

Musik

Die Evangelien erzählen davon, dass Jesus selbst Hass, Gewalt und Menschenlist zum Opfer gefallen ist. Und dennoch:

„Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt
und aus dem Tod zum Leben auferstand.“

Dieses Bekenntnis zu Jesus, in dem Gott seine Liebe zeigt – das ist ein Ja zum Leben. Vielleicht muss ich das ganz neu lernen, während das Corona-Virus der ganzen Welt den Takt vorgibt. Ich erkenne die Freundin und den Bruder in anderen Menschen, zu denen ich jetzt auf körperlichen Abstand gehen muss und denen ich trotzdem ein Lächeln schenken kann. Die meisten Kirchen sind zu, die Gottesdienste abgesagt – und die Menschen üben, einander trotzdem näher zu kommen: im gemeinsamen Singen von den Balkonen, in Nachrichten und Telefongesprächen, die viel wichtiger geworden sind als sie es lange waren. Gott ist für mich Mensch geworden und begegnet mir in den Menschen um mich herum. Ein einziges großes Ja zum Leben.

Musik

„Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist.“ In einer atemlos gewordenen Welt nehme ich mir etwas von Gottes langem Atem. Ich mache mich auf den Weg.

„Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,
Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not.“

Wegzehrung ist das alles. Nicht mehr – und nicht weniger. Eine Pause, eine Oase. Für jeden, der es braucht. Und wenn man nicht raus kann, wenn man mehr oder weniger auf seine Wände beschränkt ist: dann ist es trotzdem Wegzehrung. Für alles, was ich vor mir habe. Ich kann es aus Gottes Hand nehmen, ich kann mich stärken und nach vorne schauen.

Musik

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Musiktitel 1-4:


Ich sage Ja (Okko Herlyn; EG.E 10)

Text und Musik: Okko Herlyn

Jugendkantorei Kaiserswerth. Kaiserswerther Männerchor „vox plena“ (Leitung: Kay Immer). Thomas Schmidt, Klavier. Gesamtleitung: Susanne Hiekel

CD „Neue Tauflieder. Liederwettbewerb zum Jahr der Taufe 2011“, Track 7
© Evangelische Kirche im Rheinland, Das Landeskirchenamt – Abteilung II, Hans-Böckler-Str. 7, 40476 Düsseldorf

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