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SWR4 Abendgedanken

Einen kleinlichen Menschen, den nennt man eine Krämerseele. Wer nicht großzügig sein kann, sondern immer genau rechnet: Was muss ich geben und was kriege ich dafür?  Und Krämermoral ist, wenn einer denkt: ich gebe nur, wenn ich auch etwas zurück kriege. Aber: Wenn wir alle so denken und handeln, dann ist die ganze Welt eine Art Kaufladen: Wer etwas geben kann, der kriegt auch was dafür. Und man muss sehen, dass man möglichst viel kriegt und wenig dafür hergeben muss. So werden dann die Reichen immer reicher. Aber die Schwachen müssen sehen, wo sie bleiben.

Dagegen hat Jesus gesagt: „Seid barmherzig! Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben: Was ist das Besonderes?“ (Lk 6, 32.36). Barmherzigkeit fragt nicht: Lohnt sich das. Auch nicht: Was kann ich dabei verdienen? Barmherzigkeit fragt: Wie kann ich helfen? Barmherzigkeit ist schöpferisch. Da fängt etwas Neues an. Da wächst etwas Neues. Jesus hätte gesagt: Da wächst das Reich Gottes. Da wächst die Welt, wie Gott sie haben will. Wächst wie ein Baum, aus einem kleinen Samenkorn. Und am Ende finden alle Platz und Schatten darunter. Das hat Jesus uns versprochen. Darauf vertraue ich.

Viele sagen ja: Mit der Bergpredigt von Jesus, mit „selig sind die Barmherzigen“, kann man die Welt nun einmal nicht regieren. Da muss man vernünftig handeln. Und vernünftig ist anders als barmherzig. Aber ist Vernunft wirklich immer der richtige Maßstab? Vielleicht wäre es vernünftig,  alte Menschen nicht mehr aufwändig zu behandeln, wenn sie krank werden.  Vielleicht wäre es vernünftig, Kinder gar nicht erst auf die Welt kommen zu lassen, wenn sie vermutlich behindert sein werden. Vernünftig könnte das sein. Es spart ja Kosten. Aber würden Sie das wirklich wollen, dass so eine „Vernunft“ regiert? Ist das menschlich?

Natürlich kann und darf jeder sagen, dass er anderer Meinung ist. Aber dann soll er ehrlich sagen, worum es geht: Dass er findet, alte Menschen brauchen keine aufwändige Behandlung, wenn sie krank sind, weil sich das nicht mehr lohnt. Dass er findet, Behinderte brauchen wir nicht. Die kosten nur und sind eine Last.

Jesus hat von Barmherzigkeit geredet. Barmherzig sollen wir sein. Weil nur so unsere Welt menschlich bleibt.

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Schon die ersten Christen sind als Gutmenschen beschimpft worden – auch wenn es das Wort damals sicher noch nicht gab. Vor allem, wenn sie erzählt haben, was für Gott und mit Gottes Hilfe alles möglich ist, dann mussten sie sich sagen lassen: Ihr spinnt ja. Ihr seid ja betrunken (Apg 2, 1-13)! Den Jüngern von Jesus ist das passiert. Dabei hatten sie bloß erzählt, was sie von Jesus gehört und bei ihm erlebt hatten. Zum Beispiel hatte er gesagt: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht über andere. Verdammt sie nicht. Vergebt ihnen und gebt ihnen (Lk 6, 36f)

Vielleicht kommt Ihnen das verwegen vor. Vergebt den anderen. Gebt ihnen. Seid barmherzig! Barmherzig wie Gott! Kann das sein? Dass Jesus Sie und mich mit Gott vergleicht? Was verlangt er da? Was traut er uns zu?

Die das damals gehört haben, haben sich Sorgen gemacht. Was soll das werden, haben sie gesagt. Wo kämen wir denn da hin? Wir haben nichts abzugeben. Uns schenkt auch keiner was. Viele sagen bis heute, es sei realistisch, so zu denken. Wo kämen wir hin, wenn wir mit Barmherzigkeit unsere Welt gestalten würden? Würden uns dann die anderen nicht auf der Nase herumtanzen? Wahrscheinlich hat Jesus damals doch nur von den Zuständen im Himmel geredet. Wenn es da barmherzig zuginge – das wäre gut. Selbstverständlich.

Natürlich, ich weiß: Unsere Welt ist nicht der Himmel. Und auch nicht das Paradies. Wir Menschen haben manches verkommen lassen, was Gott einmal sehr gut geschaffen hat. Deshalb gibt es keine einfachen Lösungen. Es muss Strafe und Gericht geben für die, die Unrecht  getan  haben. Aber wir könnten uns mehr Mühe geben und sie wieder eingliedern in unsere Gesellschaft. Denen eine zweite Chance geben, die die erste  nicht gleich genutzt haben. Wir können die Probleme der Welt nicht alle hier in unserem Land lösen. Aber abgeben und teilen, damit man auch anderswo gut leben kann – das könnten wir schon. Verzichten und anders leben – damit die Welt bewohnbar bleiben kann – das könnten wir schon.

Menschen, die das versuchen, vertrauen darauf, dass für Gott nichts unmöglich ist. Sie vertrauen auf Gott. Gottvertrauen – das ist ein anderes Wort für Glauben. Menschen, die an ihn glauben, denen traut Gott eine Menge Gutes zu. Ich glaube: Er freut sich über Gutmenschen.

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Gott ist überall – Ich hatte gefragt Wo ist Gott. Und habe von einem Schüler diese verblüffend einfache Antwort bekommen.

Gott ist überall: Da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Es gibt viele Gebete in der Bibel, wo die Menschen genau davon sprechen. Dass Gott einfach überall ist. Die Menschen, die diese Gebete geschrieben haben, waren sich da sogar ganz sicher, dass es so ist. In einem, ist das besonders schön beschrieben, finde ich: „Aus den Wolken um deinen Palast lässt du Regen auf die Berge niedergehen. Wind und Wetter, die du gemacht hast, schenken der Erde ihre Fruchtbarkeit. Für das Vieh lässt du saftiges Gras wachsen und Getreide für den Ackerbau des Menschen. So wird Brot aus der Erde hervorgebracht und Wein, der das Menschenherz erfreut.“ Christen glauben mit den Juden, dass Gott die Welt geschaffen hat. Er hat sie gemacht und es war sehr gut, erzählt die Bibel. Mit allem, was dazu gehört. Deshalb war das für die für die Menschen, die Psalmen gebetet haben auch ganz selbstverständlich: Gott ist überall.

Mir gefällt diese Vorstellung auch. Gott ist überall und in allem. Wenn ich das so sehe, dann kann ich die Welt ganz wortwörtlich mit anderen Augen sehen. Dann sehe ich Gott in den schönen Blumen, in dem wachsenden Getreide und in den Menschen, die mir begegnen. Dann spüre ich ihn im Wind und im Regen, vor dem ich mich auch mal in Sicherheit bringen muss.

Vielleicht lässt mich das ein bisschen bewusster mit meinem Leben umgehen. Wenn ich  mir vorstelle, dass Gott eigentlich in allem steckt, dann muss ich da viel mehr drauf aufpassen. Und noch mehr: dann steckt er auch in den Dingen, die ich nicht so schön finde. Und mit vielem, das wir Menschen gemacht haben, ist er ganz sicher auch nicht einverstanden.

Aber er ist auch dabei, wenn Menschen leiden. Wenn Menschen vertrieben werden oder vor Kriegen fliehen müssen oder sterben. Er ist dabei und trotzdem sind wir selbst verantwortlich. Wir entscheiden, wie wir miteinander umgehen. Wir entscheiden, wie wir mit unserer Welt umgehen. Wir entscheiden, was uns wichtig ist. Das ist mir durch diese Kinderantwort in der Schule neu bewusst geworden. Gott ist überall und ich kann ihm immer und überall begegnen – auch, wenn es mal regnet.

 

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Jetzt bin ich bald zu Hause – das denke ich mir jedes Mal, wenn ich aus dem Büro nach Hause fahre. Nicht beim Losfahren. Nein. Immer dann, wenn ich das erste Mal die Ausläufer der Schwäbischen Alb sehe. Ich wohne in einem Tal direkt am Fuße der Schwäbischen Alb. Dieser Anblick hat mich geprägt. Schon lustig, wie sehr man so ein Bild mit zu Hause verknüpfen kann. Hier bin ich aufgewachsen und hier bin ich viele Jahre später wieder hergezogen.

Ich glaube heim zu kommen ist für viele Menschen etwas sehr Schönes. Es ist der Ort, an dem ich mich wohlfühle und wo ich genau sein kann, wie ich bin.

Jesus hat das seinen Freunden auch versprochen, dass sie irgendwann heimkommen können. Er hat zu ihnen gesagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht versprochen: Ich gehe dorthin, um einen Platz für euch bereit zu machen. Und wenn ich dorthin gegangen bin und einen Platz für euch bereit gemacht habe, werde ich wiederkommen. Dann werde ich euch zu mir holen. Denn dort, wo ich bin, sollt auch ihr sein.“

Ich bin wirklich gerne zu Hause. Und trotzdem freut es mich, dass ich auch dieses andere Zuhause habe. Und es freut mich auch für die Menschen, die gar kein zu Hause haben, oder ihr zu Hause verlassen mussten. Denn im Haus Gottes hat es so viel Platz, dass es da für jeden Menschen eine freie Wohnung hat.

Wohnung heißt für mich auch, da ist jemand der auf mich wartet. Da gibt es einen Ort, der mir Sicherheit gibt. Da gibt es einen Platz bei Gott, weil ich ihm wichtig bin. Und ich glaube auch, dass Jesus nicht nur gemeint hat: irgendwann, wenn ich mal sterbe. Ich glaube, dass das auch jetzt schon so ist. Bei Gott ist Platz für mich. Und für alle, die sich danach sehnen, Heimat zu haben.

Denn: ja, es ist wichtig, dass ich ein zu Hause habe – und das ist bei uns mit den hohen Mieten und den wenigen Wohnungen manchmal gar nicht so einfach. Aber es ist nicht alles.

Es tut mir gut zu wissen, dass ich diesen Platz bei Gott habe. Wo ich einfach sein kann. Wo ich dazu gehöre. So, wie ich bin. Wo ich akzeptiert werde und mich nicht rechtfertigen muss. Nicht erklären, warum ich da bin. Wo ich mich sicher und geborgen fühle. Und wo ich einfach spüre: hier bin ich daheim.

 

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Sommerabende – sind sie nicht toll? Ich liebe das, abends noch draußen zu sitzen, wenn es langsam dunkel wird. Vor allem, wenn es heiß war und es langsam angenehmer wird. Das ist so eine ganz eigene Stimmung. Wenn nach und nach die ersten Sterne zu sehen sind und es auch am Horizont langsam dunkel wird. In einem sehr schönen Abendgedicht [1] heißt es: „Am Himmel ist der Mond schon wach, scheint milde auf das Scheunendach, hinterm Wald nun sacht´ es dunkelt, überm Berg ein Sternlein funkelt. So ruhig und still wird jetzt die Welt, freut sich der Ruh´, die Einzug hält, die Nacht deckt alles friedlich zu, breit´ übers Land den Schlaf, die Ruh´. Genau das meine ich. Der Alltag wird langsam ruhiger. Irgendwann machen auch die letzten Geschäfte zu. Alle sind zu Hause. Irgendwie friedlich. Deshalb geht es in dem Gedicht auch noch weiter: „Nimm dir den Frieden in dein Herz, er löst den Kummer und den Schmerz, er gibt dir Trost, in Freud und Leid, denn er kommt aus der Ewigkeit. Er ist ein Hauch von Gottes Sein, und hüllt in seine Lieb´ dich ein, er gibt der Seele wieder Kraft, dass sie den neuen Morgen schafft“.

Das finde ich ein wunderschönes Bild. Nachts legt sich Frieden auf die Welt und lässt einen Gottes Liebe spüren.
Alles, was uns Menschen am Tag beschäftigt kommt zur Ruhe. Alles, was mich so auf Trab hält kommt zur Ruhe. Ich bekomme ein bisschen Abstand zu allem, kann mich sortieren. Das ist mit dem Frieden gemeint. Deshalb liebe ich diese Abende, vor allem, weil ich merke: es ist schon so oft dunkel geworden – in meinem Leben und in der Geschichte unserer Welt. Aber es gibt immer einen neuen Morgen. Und darin steckt für mich der Frieden. Und in alldem spüre ich, dass unsere Welt für Gott wichtig ist. Dass ich für Gott wichtig bin

Natürlich weiß ich, was am nächsten Tag wieder auf mich wartet. Und es ist mir auch klar, dass die Nacht vielen Menschen Angst macht. Weil sie nicht schlafen können, oder sie nachts ihre Schmerzen besonders deutlich spüren. Aber weil wir Menschen für Gott wichtig sind, glaube ich: Ein neuer Morgen kommt – immer. Darauf verlasse ich mich.



[1] Sommerabend – Abendfrieden von Maria Gorges (2011), http://www.christliche-gedichte.de/?pg=12411.

 

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