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SWR4 Abendgedanken

Jesus Christus war kein Christ! Vielleicht hört sich das jetzt komisch an, aber es stimmt. Jesus war ein Jude. Er wurde von einer jüdischen Mutter geboren. Seine Eltern haben ihn nach jüdischer Tradition beschneiden lassen. Jesus hat den Synagogengottesdienst besucht und er hat die jüdischen Feste gefeiert – er war Jude.

Aber irgendwie haben auch wir Christen das lange Zeit vergessen. Anders kann ich mir das nicht erklären, warum Jahrhunderte lang Christen Juden verfolgt und getötet haben. Das fing schon mit den Kreuzzügen an. Kreuzritterheere zogen im 11 Jahrhundert von Europa nach Israel um das gelobte Land von den Muslimen zu befreien. Und unterwegs schlugen die frommen Ritter ganz nebenbei auch alle Juden tot, die sie fanden. Ihre Begründung: Die haben unseren Herrn Jesus Christus gekreuzigt. Was zum Beispiel ein spanischer Jude zur Zeit der Kreuzzüge mit dem Tod Jesu 1100 Jahre zuvor zu tun gehabt haben soll, das verstehe wer will. Im ganzen Mittelalter ging das so weiter: Bei jeder Missernte, jeder Hungersnot oder Pestepidemie – immer waren die Juden schuld. Und so hat man sie vertrieben oder totgeschlagen.

Hier in Deutschland ist das noch gar nicht so lange her. Heute vor 80 Jahren am 9. November 1938 haben die Nazis die Juden durch die Straßen unserer Städte getrieben. Sie haben ihre Geschäfte geplündert, ihre Wohnungen zerstört, ihre Synagogen niedergebrannt. Die Nacht vom 9. November 1938 ging in die Geschichtsbücher ein als die „Reichspogromnacht“. Wenige Jahre später wurden die Juden in Vernichtungslager gebracht. Und die meisten Christen schwiegen dazu. Manche haben sogar mitgemacht.

Übergriffe gegen Juden gibt es bis heute, nicht nur in Deutschland. In der vergangenen Woche wurden in den USA, in Pittsburgh 11 Menschen beim Gebet in der Synagoge erschossen.

Dabei sollten gerade wir Christen es doch inzwischen besser wissen. Jesus selbst war auch ein Jude. Er ist in den Synagogen ein und ausgegangen. Darum ist Antisemitismus und Judenfeindlichkeit gegen Jesus selbst gerichtet. Die Juden waren schon immer unsere Schwestern und Brüder. Und wir Christen stammen durch Jesus von ihnen ab. Darum darf es unter uns nie mehr Judenfeindlichkeit geben.

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„Ich glaube nur das, was ich sehe“. Diesen Satz höre ich öfter. Übrigens meistens von Männern. Und sie haben ja Recht. Es werden so viele Behauptungen aufgestellt und so viele Geschichten erzählt. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, was eigentlich stimmt.

Im schottischen See Loch Ness soll es ja angeblich ein Ungeheuer geben. Aber das hat niemand bisher gesehen. In den Rocky Mountains in Amerika soll ein behaarter Riese leben, über zwei Meter groß, halb Affe, halb Mensch. Man nennt ihn Bigfoot. Aber gesehen hat das Monster bisher auch niemand. Und dann gibt es noch Menschen, die behaupten, sie seien von Außerirdischen entführt worden. Doch auch die hat niemand bisher gesehen. Darum finde ich: Eine gesunde Portion Misstrauen gegen solche Geschichten gut ist. Man muss nicht alles glauben, was so erzählt wird.

Aber natürlich weiß ich auch, dass es Dinge gibt, die kann ich nicht sehen und trotzdem existieren sie. Den Wind kann ich nicht sehen. Ich kann nur sehen, wie er Bäume durchschüttelt und kann ihn auf der meiner Haut fühlen. – Elektrischen Strom kann ich auch nicht sehen. Aber wenn ich in eine Steckdose fasse, dann krieg ich einen Schlag. Oder Röntgenstrahlen. Zu sehen sind die auch nicht. Aber wenn sie durch meinen Körper gehen, dann erzeugen sie ein Bild von meinen Knochen. Entdeckt hat das heute vor 123 Jahren der Physiker Conrad Röntgen.

Und ist das mit Gott nicht ganz genauso? Ich kann Gott auch nicht sehen. Darum können manche Menschen auch nicht an ihn glauben. Aber ich kann seine Wirkung erleben. Manchmal, wenn ich voller Sorgen bete, dann werde ich plötzlich ruhiger und mutiger. Und manchmal lese ich in der Bibel und stoße auf einen Satz, der ist wie für mich geschrieben. Das tröstet mich dann. Oder ich erlebe es im Gottesdienst. Bei einem Lied oder wenn der Pfarrer den Segen spricht, spüre ich neue Kraft für die Woche, die vor mir liegt.

Jesus hat mal gesagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Das ist ein Satz für Menschen wie mich. Manche Dinge kann man nicht sehen und es gibt sie doch. Gott zum Beispiel.

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Gibt es eigentlich noch Wunder? Das frage ich mich immer, wenn ich in der Bibel eine Wundergeschichte lese. In der Bibel wird ja viel von Wundern erzählt. Gelähmte können wieder gehen. Blinde werden sehend. Und es gibt sogar Geschichten, da werden Tote zum Leben erweckt. Ich selbst hab so was noch nicht erlebt.

Aber ich höre manchmal, wie andere Menschen von Wundern in ihrem Leben berichten. Zum Beispiel ein junger Vater, der mir erzählt, dass er und seine Frau fast 10 Jahre lang auf ein Kind gewartet haben. Und dann, als sie schon alle Hoffnungen aufgegeben hatten, da wurden sie plötzlich schwanger. Vor einigen Wochen ist ihre kleine Tochter geboren worden. Und der Vater schaut mich an und sagt: „Das war für uns ein Wunder.“

Oder mir fällt das „Wunder von Lengede“ ein. Das hat sich genau heute vor 55 Jahren ereignet. Damals waren bei einem Grubenunglück 11 Bergarbeiter in der Nähe von Salzgitter verschüttet worden. Tagelang hatte man versucht sie aus der Grube zu retten. Aber die Kohleschächte stürzten immer weiter ein und nach 10 Tagen hatten die Rettungstrupps alle Hoffnung aufgegeben. Aber dann, am 11. Tag, haben sie die verschütteten Kumpel in einem Hohlraum. Und am 7.November 1963 waren alle 11 Bergarbeiter gerettet und die Zeitungen haben vom „Wunder von Lengede“ geschrieben.

Sind das Wunder? Die Geburt einer Tochter? Die Rettung von verschütteten Bergarbeitern? Natürlich kann ich auch sagen: Das war Zufall. Unverschämtes Glück. Aber die, die es erlebt haben, sagen: „Das war ein Wunder. Eigentlich hatten wir keine Hoffnung mehr und konnten aus eigener Kraft nichts mehr tun. Doch dann ist doch etwas geschehen und wir haben gespürt: Irgendjemand hat da eingegriffen und uns geholfen. Das war ein Wunder. Das war Gott.“.

Ich glaube deshalb: Es gibt auch heute noch Wunder. Die sind nicht immer so spektakulär wie die Wunder, von denen in der Bibel erzählt wird. Sie passieren manchmal dann, wenn ich sie gar nicht mehr erwarte. Das macht mich zuversichtlich. Gott kann auch bei mir Wunder tun, wenn ich selbst nicht mehr weiter weiß.  Er kann eingreifen und Dinge zum Guten wenden.

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Ich finde es toll, dass Gott aus wenig viel machen kann.  Ganz egal, wie wenig ich habe – wenig Zeit oder wenig Können oder wenig Möglichkeiten – Gott kann trotzdem daraus was richtig Gutes machen.

Jesus hat das mal am Beispiel von Broten und Fischen gezeigt. Im Markusevangelium Kapitel 6 wird erzählt, dass Jesus den ganzen Tag lang mit 5000 Menschen geredet hatte. Ohne Pause. Als er fertig war, da waren die Leute hungrig. Aber sie hatten nur fünf Brote und zwei Fische. Da nimmt Jesus das Wenige, das sie haben und verteilt es unter die Leute. Und es passiert ein Wunder: Alle werden satt. Am Ende bleiben sogar noch 12 Körbe voller Reste übrig.  – Gott kann aus wenig viel machen.

Zunächst einmal kommt einem das unglaublich vor. Aber das gibt es wirklich.
Ich denke an Abraham Lincoln. Er war der 16. Präsident der Vereinigten Staaten und wurde am 6.November 1861 – also genau heute vor 157 Jahren – in das höchste Amt von Amerika gewählt. Abraham Lincoln kam aus einer armen Familie und hatte nur eine sehr geringe Schulbildung. Seine Amtszeit hat gerade einmal vier Jahre gedauert. Und trotzdem ist er bis heute der beliebteste Präsident Amerikas. Er hat  die Sklaverei in Amerika abgeschafft. Abraham Lincoln hat auf Gott vertraut und erlebt, dass Gott in seinem Leben aus wenig viel machen konnte.

Ich finde das ermutigend. Denn manchmal denke ich auch: Was hab ich schon und was kann ich schon? Ich hab nicht viel Geld, ich bin nicht besonders begabt, eher Durchschnitt. Und es gibt Tage in meinem Leben, da hab ich das Gefühl, dass mich alles überfordert. Wie soll ich das nur schaffen?, frage ich mich dann. Die Arbeit. Die Konflikte in der Familie. Die Erwartungen der anderen. Oft denke ich: ich hab viel zu wenig Kraft und zu wenig Zeit dafür. Aber Abraham Lincoln und die Geschichte von den fünf Broten und zwei Fischen erinnern mich: Überlass das Wenige, was du hast, Gott. Er kann viel daraus machen. Das macht mir Mut.

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Ich mag Menschen, die mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben – auch dann noch, wenn sie berühmt geworden sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist Uwe Seeler. Fußballfans kennen ihn heute noch. Uwe Seeler war mal der beste Mittelstürmer der Welt. Heute am 5.November feiert er seinen 82. Geburtstag. Uwe Seeler wurde in Hamburg geboren, er hat beim HSV gespielt und ist seinem Verein ein Leben lang treu geblieben. 1961 hat er einmal ein Angebot vom, italienischen Verein Inter Mailand gekriegt. Für 1,2 Millionen D-Mark sollte er von Hamburg nach Mailand wechseln. Das war damals eine Rekordsumme. Aber Uwe Seeler hat abgelehnt. Er wollte lieber bei seinen Fans in Hamburg bleiben. Damals haben die Fans gesagt: „Der Uwe, das ist einer von uns“. Sie verpassten ihm den Spitznamen „uns Uwe“. Uwe – einer von uns.

Ich finde: Das kann man auch von Gott sagen. Als Christ glaube ich nämlich nicht an einen Gott, der irgendwo weit weg im Himmel sitzt. Ich glaube an Gott, der hier auf dieser Erde gelebt hat. Als richtiger Mensch mit beiden Beinen auf dem Boden: Jesus. Gott hat das Gesicht von Jesus Christus. Er hat seinen Himmel verlassen und hat das Leben hier auf der Erde kennen gelernt. Ich finde das toll. Ich brauche keinen Gott, der weit weg ist. Ich brauche einen Gott, der mein Leben kennt. Einen Gott, der weiß, was es heißt, manchmal vor Sorgen nicht schlafen zu können. Oder der weiß, was Angst bedeutet und wie einsam ich manchmal bin. Ich brauche einen Gott, der mich versteht, selbst dann, wenn ich mich selbst nicht verstehe. Der weiß, was es bedeutet, zu scheitern oder von anderen Menschen verletzt zu werden. Und wie schlimm der Tod sein kann.

Der Gott, von dem in der Bibel erzählt wird, ist genauso. In Anlehnung an Uwe Seeler ist er sozusagen „uns Gott“. Mir hilft es zu wissen: Dieser Gott begleitet mich durch mein Leben. Ich bin mit meinen Sorgen nie allein. Immer ist da einer, der mich genau versteht und zu mir hält. Dafür bin ich echt dankbar.

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