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SWR4 Abendgedanken

„Die Wahrheit kann man nicht verbrennen“ –das hat einmal Johannes Hus gesagt. Jedes Jahr am 6.Juli ist sein Gedenktag.

Johannes Hus war ein Priester der katholischen Kirche und lebte zwischen 1372 und 1415 in Prag. Neben seinem Dienst als Priester in einer Gemeinde hielt er an der Prager Universität Vorlesungen im Fach Theologie. Später wurde er sogar Rektor der gesamten Uni. Viele sagen: Johannes Hus war ein Vorgänger von Martin Luther. Auch er kritisierte zum Beispiel die Missstände in seiner Kirche und wollte sie verändern. Er wollte – wie später Martin Luther – dass die Bibel vom Lateinischen in die Landessprache übersetzt wird, damit jeder Mensch sie lesen kann.  Doch Johannes Hus erging es ähnlich, wie später dem Reformator aus Wittenberg: Er wurde wegen seiner Kritik aus der Kirche ausgeschlossen und musste 1415 vor einem Konzil in Konstanz erscheinen. Dort wurde er aufgefordert, all seine Lehre zu widerrufen. Doch Johannes Hus weigerte sich. So hat ihn das Konzil zum Tod verurteilt und am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Ein mutiger Mann war das! Johannes Hus stand zu seinen Überzeugungen. Wahrscheinlich hatte er schon den Scheiterhaufen vor Augen, als er diesen Satz gesagt hat: „Die Wahrheit kann man nicht verbrennen“. Davon war Johannes Hus überzeugt: Man konnte ihn verbrennen, man konnte seine Bücher und Schriften ins Feuer werfen, aber die Wahrheit konnte man damit nicht auslöschen. Das ist ja heute noch manchmal so, dass Diktatoren versuchen, die Wahrheit zu unterdrücken. Politische Gegner, die offen Kritik üben, werden in vielen Ländern der Erde ins Gefängnis geworfen. In der Türkei sitzen Hunderte Journalisten im Gefängnis. In Nordkorea gibt die Regierung vor, was die Wahrheit ist und was die Menschen zu glauben haben. Und in Amerika twittert ein Präsident „alternative Fakten“, wenn ihm die Wahrheit nicht gefällt. Sie sollten alle mal diesen Satz von Johannes Hus ernst nehmen: „Die Wahrheit lässt sich nicht verbrennen“. Irgendwann kommt die Wahrheit immer ans Licht. Ich finde das ermutigend und denke dabei an einen Satz, den Jesus gesagt hat:

„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh 8, 31)“

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Ich mag keinen Streit. Ich gehöre zu der Sorte von Menschen, denen es schwer fällt, einen Konflikt auszuhalten. Laute Worte sind mir ein Graus. Mit der Faust mal auf den Tisch hauen, erschreckt mich. Darum versuche ich immer, eine Lösung zu finden oder wenigstens einen Kompromiss– damit möglichst schnell wieder Friede herrscht.

Mittlerweile habe ich aber mühsam gelernt, dass Streiten gar nichts Schlechtes sein muss. Im Gegenteil: Ein Streit kann manchmal sogar gut sein. Zum einen, weil wir Streit gar nicht vermeiden können. Wo ich mit anderen Menschen zusammen lebe – in der Familie, im Beruf oder im Verein -  kommt es immer zu Konflikten. Wir Menschen sind einfach zu unterschiedlich. Wir haben verschiedene Bedürfnisse, verstehen uns oft nicht richtig, enttäuschen oder verletzten einander. Das können wir gar nicht verhindern. Und dann ist es gut, wenn so ein Konflikt geklärt wird. Manchmal braucht es dazu eben einen Streit. Ein gut geführter Streit, der den anderen nicht verletzt, hilft dazu, dass die Dinge wieder in Ordnung kommen. Das habe ich erst lernen müssen.

Noch schwerer ist es mir gefallen zu verstehen, dass ich auch mit Gott streiten kann. Ja, das geht! Man kann auch mit Gott streiten. Denn mit Gott ist es ja wie mit einem anderen Menschen: Ich verstehe ihn oft nicht und ich fühle mich von ihm manchmal ungerecht behandelt.  Warum lässt Gott das Leid auf dieser Erde und in meinem Leben zu? Warum schweigt er so oft, wenn ich zu ihm bete und greift nicht ein? Mir ist dabei klar geworden: Wenn es so ist, dann muss ich vor Gott nicht still und demütig sein. Ich darf auch einen Zorn auf ihn haben und eine Wut - und ich darf mit ihm streiten. Gott hält das aus.

Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Menschen mit Gott streiten. Hiob, der alles verliert, Haus und Hof und seine Kinder, klagt Gott heftig an. Der Prophet Jeremia streitet mit Gott und fragt: Warum hast du überhaupt zugelassen, dass ich geboren wurde? Und Jesus schreit am Kreuz von Golgatha: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das Streiten mit Gott gehört zum Glauben. Es ist ehrlich und menschlich. Es kann helfen, dass die Dinge wieder in Ordnung kommen. Und meine Erfahrung ist: Es macht meinen Glaube stärker.

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Eine Bekannte von mir sagt: Es gibt vier Arten von Lügen. Das Erste seien Lügen, mit denen man anderen Menschen schadet. Das sei ganz und gar nicht in Ordnung. - Das zweite seien Lügen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Das sei auch nicht wirklich ok, aber manchmal könne man das verstehen. -  Die dritte Sorte von Lügen, das seien die Notlügen. Man lügt dann zum Beispiel, weil man einen Fehler gemacht hat, und jetzt hat man Angst vor Strafe oder davor, was die anderen über einen denken werden. – Und schließlich gäbe es noch eine vierte Sorte: Das seien die Lügen, die man sagt, um einen anderen Menschen nicht zu verletzen. Manchmal kann es nämlich ganz schön verletzend sein, jemandem die Wahrheit einfach ins Gesicht zu sagen.

Ich finde, das ist etwas dran, an dem, was meine Bekannte sagt. Es gibt tatsächlich verschiedene Arten von Lügen. Und dazwischen gibt es noch viel mehr: Halbwahrheiten, Beschönigungen, Ausschmückungen, Übertreibungen, leichtes Verdrehen der Wahrheit... Und kann es nicht manchmal auch eine Lüge sein, einfach gar nichts zu sagen und die Wahrheit zu verschweigen? Es ist oft gar nicht so einfach zu sagen, wo die Wahrheit aufhört und wo die Lüge beginnt. Ich merke das bei mir selbst.

Lüge und Wahrheit lassen sich gar nicht so einfach trennen. Genau das ist das Problem. Weil Lügen immer Vertrauen zerstören. Genau darum hat Jesus wohl mal gesagt: „Eure Rede sei Ja, Ja oder Nein, Nein. Alles darüber ist vom Teufel. (Mt. 5,37)“

Die Halbwahrheiten, die Übertreibungen und Verdrehungen der Wahrheit machen es uns manchmal schwer, einander voll und ganz zu vertrauen. Aber das Miteinander von Menschen lebt vom Vertrauen untereinander. Darum ist es mir wichtig, Lügen nicht in verschiedene Kategorien einzuteilen und dann zu sagen: Die eine Lüge ist noch ganz in Ordnung und die andere weniger. Oder zu meinen: Eine Halbwahrheit und eine Beschönigung oder das Verschweigen der Wahrheit, das sei alles ok, weil es noch keine Lüge sei. Auch wenn es mir schwer fällt und ich es manchmal nicht schaffe, so will ich mich doch an das halten, was Jesus gesagt hat: Meine Rede sei Ja oder Nein. So kann ich Vertrauen schaffen und erhalten.

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Susan Kigula ist eine richtig starke Frau. Sie hat Jura studiert, sie hat den besten Abschluss ihres Jahrgangs gemacht und demnächst wird sie eine eigene Kanzlei in Kampala, der Hauptstadt vom Uganda, eröffnen. Vor 18 Jahren aber sah ihr Leben ganz anders aus. Da wurde sie wegen Mordes zum Tode verurteilt. Falsche Zeugen hatten Susan Kigula den Mord an ihrem Ehemann angehängt und sie wurde verurteilt: Tod durch den Strang. Eigentlich war damals ihr Leben vorbei.

Aber Susan Kigula ist eben eine starke Frau. Im Gefängnis hat sie einen Chor gegründet. Sie organisierte eine Tanzgruppe und schrieb Gospellieder. „Ich konnte ja nicht einfach auf den Tod warten“, sagte sie später. Susan Kigula machte im Gefängnis Abitur und durfte sogar an einem Fernkurs für Jura teilnehmen. Nachts, wenn alle anderen Gefängnisinsassen schliefen, saß sie über ihren Büchern und lernte Gesetze. Und dann wagte sie etwas ganz Verrücktes: Sie reichte eine Verfassungsklage ein. Die Todesstrafe verstößt gegen die Menschenrechte, behauptete sie und zog damit vor das oberste Gericht des Landes. Und sie bekam Recht. Die höchsten Richter Ugandas schafften auf Susan Kigulas Klage hin die Todesstrafe ab. Im Januar 2016 wurde sie aus dem Gefängnis entlassen.

 „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Kor 2,19). Das hat der Apostel Paulus gesagt. Wenn wir Menschen schwach sind, dann kann Gott uns stark machen.

Susan Kigula ist dafür ein Beispiel. Wenn sie heute in Uganda in einer Kirche von ihrem Leben erzählt, dann möchte sie mit ihrer Geschichte anderen Menschen Mut machen. Sie sagt: „“Ihr müsst an euch glauben, egal wie schlimm es um euch steht“. Und Susan Kigula lässt dabei keinen Zweifel daran, was ihr die Kraft gegeben hat, so dass sie die Hoffnung und den Mut nicht verloren hat: Ihr Glaube. Weil sie ihren Glauben an Gott hatte, konnte sie alles durchstehen. Weil sie auf Gott vertraute, hatte sie die Kraft zu tun, was sie getan hat. Über ihren Glauben hat sie im Gefängnis Lieder geschrieben und diese Lieder hat sie immer wieder gesungen. In den dunklen Nächten im Todestrakt. Ein wirklich starke Frau, die weiß, wer sie stark gemacht hat: Gott.

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Es geht mir richtig gut. Jedenfalls im Vergleich zu den meisten Menschen auf dieser Erde. Der UNO-Flüchtlingsbericht sagt zum Beispiel, dass etwa 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind vor Hunger und Krieg. Ich kann mir so eine Zahl gar nicht vorstellen. Was für ein Irrsinn! Diese Menschen haben alles verloren, was ihnen gehörte und wissen oft nicht, wie sie die nächsten Tage überleben sollen. Gemessen daran geht es mir richtig gut. Natürlich habe ich auch meine Probleme. Aber was ist das schon im Vergleich zu vielen Millionen Menschen weltweit, die täglich um ihr Überleben kämpfen?

Nur, dass ich mir das oft gar nicht bewusst mache. Weil meistens vergleiche ich mich nicht mit den vielen Menschen auf dieser Erde, denen es viel schlechter geht als mir. Sondern ich vergleich mich mit den wenigen, denen es noch besser geht. Und es gibt immer solche Menschen. Die sind scheinbar erfolgreicher im Beruf, sie sehen besser aus, ihre Kinder machen alle Abitur und studieren, sie wohnen in einem größeren Haus und alles, was sie anpacken scheint ihnen zu gelingen. Mit denen vergleiche ich mich. Und dann denke ich: Warum ist das bei mir nicht so? Warum geht’s es denen besser als mir?

Aber das ist wohl ein allgemein menschliches Problem: Wir vergleichen uns immer mit denen, denen es scheinbar besser geht; und selten mit denen, denen es schlechter geht. Die Folge davon sind Neid und Unzufriedenheit. Aber Neid und Unzufriedenheit vergiften unser Herz und machen uns zu mürrischen und missgelaunten Menschen.

Dabei wäre es so einfach: Ich müsste mir doch nur ab und zu mal klar machen, dass die meisten Menschen, denen es scheinbar besser geht als mir, auch ihre Probleme haben. Und dass ich mich sowieso meistens mit den falschen vergleiche. Ich habe einfach die falsche Perspektive.

Am besten wäre es jedoch, wenn ich mit diesem elendiglichen Vergleichen einfach ganz aufhören könnte. Wenn ich mich nicht mehr mit anderen vergleiche, dann kann ich das Gute in meinem eigenen Leben entdecken und Gott dafür dankbar sein. So wie es im Psalm 103 heißt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.
Danke Gott, es geht mir richtig gut.

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