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SWR4 Abendgedanken

„Weihnachten ist für mich kaum auszuhalten“, hat eine junge Frau gesagt. „Überall in der Werbung sehe ich glückliche Familien. Lachende Kindergesichter und fröhliche Eltern. Bei mir ist das anders. Ich bin mit meinen beiden Kindern allein. Mein Mann hat mich wegen einer anderen verlassen. Weihnachten ist für mich die schwerste Zeit im Jahr. Da kommt der ganze Schmerz wieder hoch.“

Nicht nur dieser jungen Frau geht es mit Weihnachten so. Ich weiß von Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, dass sie Angst haben vor den Weihnachtstagen. Vor der Einsamkeit. Und vor den Erinnerungen an glückliche Weihnachtsfeste mit der Familie.

Nun gibt es an Heiligabend eine ganze Reihe von Angeboten für Menschen, die allein sind. Von einer Kirchengemeinde habe ich gehört, die in ihrem Gemeindehaus ein festliches Weihnachtsessen anbietet mit buntem Programm für alle, die Weihnachten nicht allein sein wollen. Ich finde das gut. Ich kann aber auch verstehen, wenn Menschen solche Angebote nicht annehmen wollen. Ihnen ist der Gedanke fremd, mit lauter traurigen Menschen Weihnachten zu feiern. Dabei sind diese gemeinsamen Weihnachtsfeiern oft ganz überraschend fröhlich!    

Wenn ich daran denke, wie vor 2000 Jahren Jesus geboren wurde: Fröhlich ging es im Stall von Bethlehem nicht zu. Dazu war es zu kalt. Und zu ungemütlich. Und einsam. Denn Maria und Josef kannten ja niemanden in Bethlehem. Keiner hatte sie aufnehmen wollen. Richtig warm ums Herz wurde es ihnen erst als sie begriffen: Mit diesem Kind kommt Gott selber in unsere Einsamkeit. Und will für immer bei uns sein.

Mich tröstet das. Nicht die Familie und nicht der Weihnachtsbaum machen Weihnachten zu einem besonderen Fest, sondern dieses Kind, das geboren wurde. Damals wie heute zeigt es: Du bist nicht allein. Es gibt einen, der dich kennt. Und immer bei dir ist.

Ob diese Botschaft eine Hilfe sein kann für die junge Frau mit den beiden Kindern? Und auch für die, die ohne den geliebten Menschen Weihnachten feiern müssen? Ich wünsche es ihnen und allen, die sich mit Weihnachten schwer tun. 

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Manchmal kann es ein Leben verändern, wenn man dem anderen richtig zuhört. Ein Bettler hat das erlebt, berichtet die Bibel (Lukas 18). Er war blind, hat vor der Stadt Jericho am Straßenrand gesessen und die Passanten angebettelt: „Helft mir doch!“ Aber niemand hat ihn gehört. Anscheinend hatten die Menschen anderes im Kopf. Keiner ist stehengeblieben und hat ihm geholfen. Da ist Jesus vorbeigekommen. Das hat der Blinde gemerkt und laut gerufen: „Jesus, hilf mir!“ Die Leute, die mit Jesus mitgelaufen waren, haben mit dem Blinden geschimpft: „Sei doch still!“ Es hat doch keinen Sinn, sich mit dem zu beschäftigen, haben sie vielleicht gedacht. Aber er hat noch viel lauter geschrien: „Jesus, hilf mir!“ Jesus hat das gehört, ist stehen geblieben und hat den Blinden gefragt. „Was soll ich für dich tun?“,. „Ich will sehen“, hat der geantwortet. „Du sollst sehen können!“, hat Jesus ihm da versprochen, „denn du vertraust mir.“ Da hat der Blinde gesehen und erlebt, was er vorher gar nicht kannte: Ein Mensch hat sich für ihn interessiert. Der Blinde konnte wieder sehen, wie schön die Welt sein kann.. Alle, die das miterlebt haben, haben gestaunt.

Mich berührt diese Geschichte. So einfach kann man ein Leben verändern, denke ich mir, indem man dem anderen erst einmal zuhört. Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Zum Zuhören braucht es Zeit. Und Geduld. Und beides ist oft knapp. Andererseits scheinen Menschen für andere Dinge genug Zeit und Geduld zu haben: für das Fernsehen zum Beispiel. Mancher Ehemann hört dem Fernseher täglich länger zu als seiner eigenen Ehefrau. Und so leben sich beide auseinander, weil sie einander nicht mehr zuhören. Und das Leben wird fade und irgendwie einsam.

Zeit zu haben ist in diesen Wochen vor Weihnachten oft Mangelware. Rastlos hetzen die Menschen durch die Tage. Ich meine, es wäre gut, wir würden uns mehr Zeit füreinander nehmen. Zeit fürs Erzählen. Und fürs Zuhören. Denn beides tut gut. Beides befreit. Und bringt Menschen wieder näher zusammen. Einander mehr zuhören. Das wäre doch ein guter Vorsatz für die Adventszeit, finde ich. Damit der andere sagen kann: „Du hast mir zugehört. Das hat mir gutgetan. Jetzt kann ich die Dinge wieder mit anderen Augen sehen.“      

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Es gibt eine Bibel speziell für Feuerwehrleute. Da stehen nicht nur Bibelworte drin, sondern auch Berichte von Feuerwehrleuten. Die erzählen, wie Bibelworte ihnen geholfen haben, nach schwierigen Einsätzen zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Ein Feuerwehrmann zum Beispiel erzählt, wie er und seine Kollegen zu einem schlimmen Verkehrsunfall gerufen wurden. Tote lagen eingeklemmt in den Autos und auf der Straße. Diese schrecklichen Bilder haben ihm auch später noch schwer zu schaffen gemacht. „Wenn ich weiß, dass es einen Gott gibt, der mich versteht, gibt mir das Kraft. Auch für den nächsten Einsatz“, berichtet der Feuerwehrmann. Und fügt hinzu: „Ich habe immer wieder erlebt, was in der Bibel beschrieben wird: „Gott gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler.“ (Jesaja 40, 29-31).

Mich beeindrucken die Berichte der Feuerwehrleute. Dass es für sie eine eigene Bibel gibt, finde ich wirklich sehr gut. „Voller Einsatz“ heißt der Titel der Feuerwehrbibel[1]. Der passt gut, meine ich. Denn vollen Einsatz müssen die Feuerwehrleute bringen, um Leben zu retten. Oft wissen sie nicht genau, was sie am Einsatzort erwartet. Manchmal schlimme Dinge. Dann müssen sie „vollen Einsatz“ zeigen. Dazu brauchen sie viel Mut, gute Gerätschaften und Kollegen, auf die sie sich blind verlassen können. Und auch Gottvertrauen. Manche haben beim Einsatz die Feuerwehrbibel dabei. Die passt bequem in die Jackentasche. Mit Bibelworten, die Kraft geben. 

„Lieber Gott, bitte beschütze alle Feuerwehrleute auf ihren Einsätzen.“ Ich finde: Für die Feuerwehrleute kann man nicht oft genug beten, dass Gott sie behütet und ihnen immer wieder neue Kraft gibt. Denn die brauchen sie, wenn es mal wieder mit Blaulicht auf die Straße geht. Dann riskieren sie ihre Gesundheit, und manchmal auch ihr Leben, um anderen zu helfen. Sie bringen vollen Einsatz. Eines Tages vielleicht auch für mich.


 

[1] Die Feuerwehrbibel kann hier bestellt werden: http://shop.firefightersforchrist.de/shop/12-voller-einsatz-feuerwehrbibel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23234

„Mein Sohn lässt sein Kind nicht taufen. Und das tut mir weh“, hat mir eine Frau erzählt und hinzugefügt. „Eigentlich geht es mich ja nichts an. Andererseits ist es mein Enkelkind. Und das soll doch getauft sein!“ Für diese Frau ist es selbstverständlich, dass man Babys tauft. „Aber heute ist ja vieles anders“, hat sie gesagt. Was kann sie tun? Ihren Sohn auf die Taufe ansprechen? Andererseits möchte sie auf keinen Fall ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter zu nahetreten. Nachher verstehen sie die Frage falsch und sind ihr böse. 

Wir beide haben dann überlegt, warum junge Eltern ihre Kinder nicht taufen lassen. Manche sagen, „Mein Kind soll später selber entscheiden, ob es getauft werden will.“ Andere halten nichts von Glaube und Kirche. Wieder andere stecken mitten im Hausbau oder in der Berufsausbildung, haben so viel um die Ohren, dass sie keine Zeit haben für ein Tauffest.

„Mit meinem Sohn könnte ich vielleicht reden“, hat die Frau gesagt. „Aber die Schwiegertochter? Ich weiß überhaupt nicht, wie die zur Kirche steht“.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, so haben wir überlegt, könnte sie das Thema Taufe vorsichtig anschneiden, so im Vorübergehen, bei einem Besuch vielleicht. Manchmal gibt es das ja, das der Augenblick für eine bestimmte Sache günstig ist. Oder sie könnte mit den beiden im Fotoalbum die Bilder vom Tauffest ihres Sohnes anschauen. Und ihnen dabei erzählen, warum sie und ihr Mann den Sohn damals taufen ließen. Dass Taufe ja etwas Schönes sei. Und es einfach gut tut sich zu vergewissern: Unser Kind gehört zu Gott. So eine ganz individuelle Vergewisserung ist nämlich die Taufe.

Wir waren uns einig: das Thema Taufe ist wichtig, es vor Kindern und Schwiegerkindern anzusprechen aber gar nicht so einfach. Was Großeltern aber auf alle Fälle für ihre Enkelkinder tun können, ist für sie zu beten. Vielleicht mit diesen Worten: „Lieber Gott, du hast alle Kinder lieb, die Getauften und die Ungetauften. Beschütze sie und ihre Eltern. Lass die Kinder spüren, dass es dich gibt und du es gut mit ihnen meinst.“

Ich finde: Für Enkelkinder zu beten, ist wichtig. Denn es tut gut zu wissen: da ist einer im Himmel, der auf sie Acht gibt. Auch auf die Ungetauften.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23233

„In der Wüste bahnt für Gott einen Weg.“ (Jesaja 40,3) Dieser Satz steht in der Bibel. Auf den ersten Blick scheint er nicht in die Adventszeit zu passen. In der Wüste ist es still. Die Adventszeit dagegen ist laut und geschäftig. Fast könnte man meinen, die Menschen wollten unbedingt vermeiden, dass Stille aufkommt in diesen Wochen. Und viele sagen: Von Gott ist dabei eigentlich nichts zu spüren. Dabei wäre das doch der Sinn von Advent und Weihnachten. Vielleicht brauchen wir deshalb ja doch die biblische Erinnerung an die Wüste, wo es ganz still ist. „In der Wüste bahnt für Gott einen Weg!“

Ursprünglich war der Advent nämlich eine stille Zeit. Eine alte Frau hat mir erzählt, wie sie das als Kind erlebt hat: „In der Adventszeit haben wir nur die allernötigsten Arbeiten im Haus und auf dem Hof erledigt. Abends kamen wir in der Stube zusammen, unser Vater hat eine Kerze angezündet und aus der Bibel vorgelesen. Dann gab es eine stille Zeit. Jeder sollte für sich überlegen, was Gott zu dem heutigen Tag wohl sagen würde. Was würde er loben können? Worüber wäre er traurig? Zum Schluss haben wir Adventslieder gesungen und sprachen das Vaterunser. An diese Abende erinnere ich mich gerne.“

Vielleicht haben Sie in Ihrer Kindheit ähnliche Abende erlebt. Ich jedenfalls kann mir gut denken, dass es einem hilft, sich innerlich auf Weihnachten vorzubereiten, wenn man für eine Weile still ist. Und darum geht es ja im Advent.

Vielleicht gönnen Sie sich gleich heute Abend so eine stille Zeit. Hören Sie eine schöne Musik. Lesen Sie in der Bibel. Zum Beispiel, wie Jesus nach Jerusalem gekommen ist und die Leute ihm zugejubelt haben. Das finden Sie im Matthäusevangelium, Kapitel 21. Und dann denken Sie eine Weile darüber nach: Jesus kommt auf einem Esel, wie die einfachen Leute. Nicht hoch zu Ross. Was sagt mir das eigentlich?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Adventswochen immer wieder einmal eine stille Zeit finden, in der Sie spüren: Gott ist da. Für mich.

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